Eins gegen Eins

Mies, mieser, Jermaine Jones

Fußball ist nicht Halma, nach einem Wort des Kaisers, aber vorsätzliche Körperverletzung ist er deshalb noch nicht.  Das Pokalspiel in Mönchengladbach war noch nicht alt, da standen ein paar Spieler während einer Unterbrechung um den Schiedsrichter herum, darunter auch Marco Reus. Der Schalker Jermaine Jones näherte sich dem Pulk, aber er stellte sich nicht einfach dazu, sondern näherte sich Reus, bis er links neben diesem stand. Dann trat er ihm in aller Ruhe auf den Fuß, jenen Fuß, für den ein Spezialschuh angefertigt worden war, um den gebrochenen kleinen Zeh zu schützen. Der Schiedsrichter merkte nichts, und Reus war fair genug, auf jede theatralische Geste zu verzichten.

Die Kameras hatten es natürlich aufgezeichnet, die Szene wurde in der Halbzeitpause gezeigt und dann noch einmal nach Spielschluss. Und Marco Reus wurde befragt. Auch da blieb er ruhig, ließ sich nicht von dem Reporter dazu animieren, diese widerliche Aktion des Schalkers zu kommentieren – als wäre es nicht auch die Aufgabe des Fragers gewesen, das Verhalten von Jones als das zu qualifizieren, was es war: eine versuchte Körperverletzung, ein mieses, charakterloses Handeln, das nicht im Affekt geschah, sondern mit erkennbarem Vorsatz. Die Ruhe und Gemächlichkeit, mit der Jones auf die Gruppe zuging, schaute, wo Reus stand, und sich dann langsam von der „richtigen” Seite her näherte, belegen ja, dass er den Tritt geplant hatte – im Gegensatz zu der affektgeladenen Aktion, die ihm kurz vor Schluss die gelb-rote Karte einbrachte.

Man muss gar nicht weiter über Jermaine Jones reden, über die Weinerlichkeit und das Gejammer, mit denen er vor zweieinhalb Jahren auf seine Nicht-Berücksichtigung durch Joachim Löw reagierte. Selbst wenn er besser Fußball spielen würde, als er es je getan hat, gehörte Jones nicht in die Nationalmannschaft, weder in die deutsche noch die amerikanische. Im Grunde gehört er nicht einmal in die Bundesliga. Dort gibt es zwar üble Blutgrätschen, haarsträubende Schwalben (Robben!) und nicht tragbare Ausfälligkeiten gegenüber Schiedsrichtern (Klaas-Jan Huntelaar gestern Abend, obwohl ein Doppelgelb innerhalb von fünf Sekunden widersinnig war, da es sich letztlich um eine einzige Aktion handelte). Nur die Körperverletzung, bei welcher der Vorsatz so unmissverständlich erkennbar war wie gestern Abend, die hat es so noch nicht gegeben.

Und dass die plappernden Fernsehleute wie Reinhold Beckmann, Mehmet Scholl oder Gerd Gottlob, die sich sonst über jeden Bengalo maßlos erregen, Jones’ Handeln glauben, mit Humor verharmlosen zu sollen, und stattdessen von Marco Reus zu hören hoffen, was sie in dieser Eindeutigkeit nicht sagen mögen, das grenzt fast schon an Duldung dieses widerwärtigen Tritts.

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