Eins gegen Eins

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Großkreutz, Kleingeister & Pokal

| 5 Lesermeinungen

Müssten Fernsehreporter während der Sendung bei jeder Phrase fünf Euro ins Phrasenschwein einwerfen und flösse die Summe einem guten Zweck zu, dann ließe...

Müssten Fernsehreporter während der Sendung bei jeder Phrase fünf Euro ins Phrasenschwein einwerfen und flösse die Summe einem guten Zweck zu, dann ließe sich aus Wolf-Dieter Poschmanns gesammelten Floskeln ein SOS-Kinderdorf bauen. Und den Jahresetat der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ könnte man auch noch damit bestreiten. Aber ich will gar nicht von den Kommentatoren der Halbfinalspiele im DFB-Pokal reden, auch nicht von Gerd Gottlob, der während des Elfmeterschießens in Mönchengladbach durchquatschte, anstatt einfach das Geschehen wirken zu lassen, dem er rein gar nichts hinzuzufügen hatte. Und es geht auch nicht um eine Spielanalyse, nicht um Jasmin Fejzic, den Unglücksraben im Fürther Tor, oder um Dante und Nordtveit.

Es geht um das, was nach den Spielen passierte, um den unerträglichen Kevin Großkreutz, von dem ich eine Weile dachte, es sei ja okay, wenn er vernünftig spielt und bloß nicht den Mund aufmacht; aber auch um Gerald Asamoah, der es als Fürther Teilzeitkraft nun auch nicht unbedingt nötig hat, ständig seine glorreiche Vergangenheit im Schalker Trikot zu beschwören. Und es geht um die Art und Weise, wie ein Jürgen Klopp oder ein Hans-Joachim Watzke die Vorfälle nach Spielschluss kleinreden und sich ungefragt dafür verbürgen, dass der Kevin ein guter Junge sei.

Ob das so ist, kann ich nicht sagen, da ich ihn nicht kenne. Was er allerdings öffentlich von sich gibt und was er einem Millionenpublikum vorführt, das zeigt, dass er kein besonders heller Junge sein kann, weil er, im Gegensatz zu Manuel Neuer, einfach nicht begreift, dass man nicht Profifußballer und Ultra zur gleichen Zeit sein kann.

Selbst wenn seine Auslassungen gegenüber Asamoah keine rassistische Färbung haben sollten, so sind sie doch Zeichen für einen Mangel an Anstand und Verstand, den pubertär zu nennen, allen Jugendlichen Unrecht tut. Man muss gar nicht das Gerede vom Vorbildcharakter eines Profis bemühen. Es reicht, sich an der Würde und Diskretion zu orientieren, die Mike Büskens, der Fürther Trainer und Ex-Schalker, ausstrahlt, indem er darauf verzichtet zu wiederholen, was Großkreutz zu ihm gesagt hat. Und zum Glück werden diese Vorgänge keine fußballerischen Folgen haben, denn so, wie Großkreutz in letzter Zeit spielt, ist er Lichtjahre von der Nationalmannschaft entfernt.

Eher unfassbar peinlich als „pubertär“ fiel auch das Nachspiel am Mittwoch aus. Man möchte lieber nicht wissen, wer auf den Gedanken gekommen ist, den „Anne Will“-Talk nach dem Spiel dem Thema Fußball zu widmen. Und man möchte erst recht nicht wissen, wer ausgerechnet diese Gäste eingeladen hat. Den ranschmeißerischen Diether Dehm zum Beispiel, ehemals IM „Dieter“ beziehungsweise „Willy“, heute Linkspartei und dazu Musikproduzent, der für Grässlichkeiten wie die Lieder für die holländische Gruppe Bots verantwortlich ist, die Anfang der achtziger Jahre bei Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss gesungen wurden und fast ein Grund gewesen wären, sich für die Stationierung von Pershing-II-Raketen auszusprechen. Oder den Dampfplauderer Waldemar Hartmann. Oder den Trainer-Gerontokraten Udo Lattek.

Zum Dauergeduze in Stammtischatmosphäre passte auch die Fragestellung „Geld oder Leidenschaft – was regiert die Fußballwelt?“, deren Schwachsinnigkeit zu beglaubigen, die geladenen Gäste dann doch genau die richtigen waren. Wer dem länger als eine halbe Stunde zuhören konnte, musste noch betäubt sein vom Schock der Gladbacher Niederlage. Dass Pokalabende im deutschen Fernsehen so zu Ende gehen müssen, ist eine Strafe für jeden Fußballfan. Und lässt Schlimmstes befürchten für die Euro.


5 Lesermeinungen

  1. Welche "Auslassungen" von...
    Welche „Auslassungen“ von Großkreuz meinen Sie? Wie können Sie Ihnen unbekannte Aussagen als „Zeichen für einen Mangel an Anstand und Verstand“ bezeichnen? Diesen Mangel an Anstand und Verstand könnte man auch jemandem unterstellen, der ohne genaue Kenntnis der Sachlage, basierend auf Vermutungen und (bislang) haltlosen Anschuldigungen, derart über einen ihm fremden Menschen schreibt.
    Bislang ist lediglich bekannt, dass zwischen Asamoah und Großkreuz Wortgefechte stattfanden. Urheber dieser Auseinandersetzung kann aber nicht Großkreuz allein sein. Es waren Büskens und Asamoah, die dem Spiel einen unnötigen „quasi-Derby-Charakter“ verleihen mussten. Asamoah ist ein mindestens genauso provokanter Spieler wie Großkreuz. Im übrigen: Gegen Büskens wurden auch Vorwürfe erhoben, er habe Borussen-Spieler beleidigt.
    Und zu Neuer: Bis zu seinem Wechsel hat auch er sich als „Ultra und Spieler zugleich“ dargestellt. Sein Verhalten (die Eckfahne gegen die Bayern etc.) war auch immer sehr provokant. Dass er dieses Image nun ablegen musste, war wohl mehr den Verlockungen des Geldes geschuldet, als irgeneinder persönlichen Erkenntnis.

  2. Lieber Peter Körte. Erstens:...
    Lieber Peter Körte. Erstens: Gerald Asamoah hat kurz vor dem 12. Mai 2007 (33. BL-Spieltag) über die BILD-Zeitung mitgeteilt, er werde Dortmund in Dirtmund in die 2. Liga und gleichzeitig Schalke zur Meisterschaft schießen und anschließend zu Fuß von Dortmund nach Gelsenkirchen gehen. Zweitens: Sowohl Büskens als auch Asamoah haben vor dem Spiel verkündet, dass sie im Herzen immer noch blau-weiß sind. Asamoah wurde in der WAZ zitiert er wolle „Lüdenscheid aus dem Pokal schießen“. Müsste für Sie auch sinnfrei sein, denn Lüdenscheid spielte ja nicht gegen Fürth.
    Lassen Sie die Kicker doch Kicker sein, dann ist doch alles gut. Ist eben nur Fußball. Alle anedren Probleme sind wichtiger.

  3. @GregorKeuschnig: Genaues...
    @GregorKeuschnig: Genaues Lesen hilft! Es war ja überall zu lesen und ist insofern bekannt, dass Großkreutz Büskens gegenüber ausfällig geworden ist, dass er Asamoah provoziert und aufgefordert hat, von Dortmund nach Gelsenkirchen zu gehen, was eine völlig sinnfreie Aufforderung ist. Büskens hat anständigerweise darauf verzichtet hat, die Beleidigung im Wortlaut zu wiederholen. Die Behauptung wiederum, Großkreutz habe sich rassistisch geäußert, stammt von einem Fürther Spieler. Das reicht nun allemal aus, um auf die Abwesenheit von Anstand und Verstand zu schließen, nicht aber für den Rassismusvorwurf.

  4. <i>Selbst wenn seine...
    Selbst wenn seine Auslassungen gegenüber Asamoah keine rassistische Färbung haben sollten, so sind sie doch Zeichen für einen Mangel an Anstand und Verstand, den pubertär zu nennen, allen Jugendlichen Unrecht tut.
    Der Satz ist auch nicht wesentlich besser als das Geschwafel der Reporter, welches zu Recht kritisiert wird.
    Aus dem ersten Teil des Satzes geht hervor, dass Sie die Äußerungen von Großkreutz nicht kennen (sonst bräuchte es nicht der Einschränkung). Wenn Sie die aber nicht kennen, wie können Sie dann sagen, dass sie – die Äußerungen – jenseits von Anstand und Verstand sind?

  5. Super geschrieben!! Danke!!...
    Super geschrieben!! Danke!!

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