Eins gegen Eins

Adorno spielt Fußball

Die Champions League ist ja reich an großen Namen – wenn auch nicht ganz so reich an großen Spielen, zumindest gestern Abend nicht, als ich den geringen Betrieb in meiner Bar dello Sport dazu nutzen wollte, zwei Spiele zugleich zu sehen. Ein Sitzplatz, von dem aus das möglich ist, war frei. Es war nicht allzu schwer, den beiden Spielen zu folgen, es gab nicht viel zu verpassen bei Benfica gegen Chelsea und bei APOEL Nikosia gegen Real Madrid, und so blieb Zeit, sich näher mit APOEL zu befassen, dem Underdog im Viertelfinale, bei dem eben nicht nur die Zweitversionen von Kaká oder Ailton spielen.

Ich stieß da nämlich auf eine kleine Kuriosität, jenseits von Özil, Khedira oder Cristiano Ronaldo, von Terry, Lampard oder Drogba. Auf der Auswechselbank von APOEL hatte Adorno Platz genommen, Aldo Adorno aus Paraguay, 1982 geboren, schon in vielen Vereinen aktiv gewesen, mit einem Marktwert von 400 000 Euro. Dies sowie alle weiteren Leistungsdaten und natürlich auch ein Foto (das hier aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht gezeigt werden kann), finden sich hier oder hier.

Dass Adorno nicht zum Einsatz kam, war ein klarer Fall von Negativer Dialektik. Er kommt ohnehin, wenn man die Statistik anschaut, nicht allzu häufig zum Einsatz. Der große Name ist dann wohl eher ein schlechtes Omen, denn der Philosoph Theodor W. Adorno (1903-1969) hat nach allen verfügbaren Quellen wohl nie ein Fußballspiel besucht und in seinen gesammelten Werken kein Wort über Fußball verloren. Weshalb ich mir nächste Woche endlich auch die Schlagzeile wünschen würde: „Adorno erschüttert das Bernabeu”.

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