Eins gegen Eins

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Mario Götze, der Verstand, die Seele und die Vereinsbindung

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Mario Götze verlängert bei Borussia Dortmund bis 2016. Was der Spieler und der Verein davon haben, liegt auf der Hand, und worauf sie beim immensen Marktwert...

Mario Götze verlängert bei Borussia Dortmund bis 2016. Was der Spieler und der Verein davon haben, liegt auf der Hand, und worauf sie beim immensen Marktwert von Goetzes Fähigkeiten verzichten, auch. Am interessantesten jedoch ist so eine Meldung für die Fans. Schließlich sind sie es, die im modernen Fußball oft vor der Aufgabe stehen, sich mit Teams zu identifizieren, deren Spieler dauernd wandern. Eben noch jubelte man Ibisevic in Hoffenheim zu, jetzt schießt er die Siegtore gegen das Team als Stuttgarter. Der dauernde Trainerwechsel ist schon eine Zumutung, indem der Fan auf einmal mögen muss, was er soeben noch verachtete und umgekehrt (Magath!), der dauernde Spielerwechsel strapaziert aber noch mehr.

Das zeigt sich vor allem an der Sache mit den Trikots. Soeben noch vom Taschengeld abgespart, im Jahr drauf schon reines Antiquariat, wenn der Spielername auf dem Rücken gar nicht mehr zu Farbe passt. Überhaupt wäre nichts peinlicher zu tragen als Dortmund-Trikots von Petric und Metzelder oder Schalke-Trikots mit der Aufschrift „Neuer“. Metzelder bei Schalke und Neuer in München sind dabei gewissermaßen nur die Opfer ihrer einstigen Treue, wenn die Fans es nicht ohne Proteste hinnehmen, dass sie überhaupt wechseln oder ausgerechnet zu einem Verein ihres Mißvergnügens. Doch für ganze Vereine gilt derzeit, dass sich nur wenige Spieler in ihnen finden, die schon länger als fünf Jahre da sind – Schalke, Wolfsburg und der HSV sind solche Fälle. Wobei der HSV ein gutes Beispiel dafür ist, dass dies nicht an den sogenannten „Legionären“, also ausländischen Spielern liegen muss – David Jarolim und Paolo Guerrreo sind hier die einzigen, die schon länger im Profikader sind.

Nennt man bei Dortmund die beiden Feldspieler, die am längsten da sind – Weidenfeller zählt, wie alle Torleute nicht, für Torhüter gelten sowieso keine Statistiken -, nämlich Kehl und Kringe, dann ist auch sofort klar, dass die Fan-Seele und der Fan-Verstand im Konflikt liegen. Treue Spieler (die Seele findet’s gut) sind eben meistens auch ältere Spieler (der Verstand findet’s schwierig). In der Liste der treuesten Spieler steht – laut transfermarkt.de – ganz oben Noel Bailie vom Linfield FC aus Nordirland, der dort seit 25 Jahren kickt. Von den weltweit bekannten Spielern sind es Ryan Giggs (Manchester United) und Francesco Totti (AS Rom), die es auf 21 bzw. 19 Jahre bringen. Der treueste Spieler in den deutschen Profilige ist derzeit Oka Nikolov (Eintracht Frankfurt) mit 18 Jahren Vereinszugehörigkeit.

Das war aber schon wieder ein Torwart, die dürfen ja in Ehren älter werden. Für alle anderen gilt aus dem genannten Konflikt, dass es die Mischung macht. Also muss man den FC Bayern loben: ein paar Spieler für die Seele (Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Müller und, ja, van Buyten), die auch etwas für den Verstand sind, und drum herum die Abwechslung mit höherer Umschlagsgeschwindigkeit. Noch besser hat es jahrelang Werder Bremen gemacht: die hohe Kunst der Seelenpflege bei wachem Verstand war es, Spieler erst eine Weile zu haben, dann abzugeben und, wenn sie dann bei Bayern nicht mehr gewollt waren, wieder zurückzuholen: Frings, Pizarro sowie – nicht ganz so viele Pluspunkte bei Verstand und Seele – Borowski.


1 Lesermeinung

  1. Der Clou am Götze-Vertrag ist...
    Der Clou am Götze-Vertrag ist natürlich auch, daß (bei einem gewissen Risiko natürlich) sein Marktwert 2016, der junge wird dann 23 Jahre alt sein, eher zu- als abgenommen haben wird. Es scheint, als hätten (bis auf Arsenal, denn die müssen nun Podolski durchfüttern) alle gewonnen.

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