Eins gegen Eins

Hoffenheim, HSV, Hertha – die ersten Trainer wackeln schon

Auch wenn es noch nicht wieder ein richtiges Fußballwochenende war, zumindest der Zeitplan passte schon wieder einigermaßen. Und das Einzige, worüber ich mich wirklich geärgert habe, das war ich selbst: Dass ich dann doch nicht ins Poststadion gegangen bin, um mir BAK gegen Hoffenheim anzuschauen.

Den Fernsehflosklern wird das Debakel der Kraichgauer wieder ein Beleg dafür sein, dass der Pokal seine eigenen Gesetze habe, was ja gar nichts weiter sagt, als dass auch der Ligaalltag seine eigenen Gesetze hat, worüber man sich auch nicht ernstlich wundern kann, weil da halt ausgeglichenere sportliche Kräfteverhältnisse herrschen. Für mich waren die Niederlage und die Umstände ihrer Entstehung bloß ein Beleg dafür, dass Markus Babbel kaum der Trainer und schon gar nicht der Manager ist, um unter Dietmar Hopps Oberaufsicht ein Spitzenteam zu entwickeln. Die widersprüchlichen Signale des Hoffenheimer Alleinherrschers, die eine widersprüchliche Einkaufspolitik ausgelöst haben, in der heute die Jugend gefördert werden soll, um morgen gleich wieder teure Investitionen zu tätigen, machen einem Trainer allerdings die Arbeit auch schwer, weil es da offenbar einen Ziel- und Mittelkonflikt zugleich gibt. Wenn die Mannschaft nicht schnell in die Saison findet, wird es bald auch um Babbels Doppelfunktion geschehen sein.

Noch düsterer sieht es in Hamburg aus, und ich habe mich schon, ähnlich wie bei Hertha BSC, gefragt, ob das jeweilige Team wirklich nicht die Substanz zum Klassenerhalt resp. Wiederaufstieg hat, oder ob es sich um einen Fall von self-fulfilling prophecy handelt, wo das Umfeld, zumal die in beiden Städten besonders üble und aggressive Springer-Boulevardpresse solange herumunkt, lamentiert und schlechte Stimmung schürt, bis die schwächlichen Entscheidungsträger im Verein nervös werden und mit ihrer Nervosität wiederum die gesamte Arbeitsatmosphäre beeinflussen.

Thorsten Fink immerhin hat den HSV in der vergangenen Saison in der Bundesliga gehalten, auch wenn sich analytisch nie genau beziffern lässt, wie groß der Anteil des Trainers genau ist. Er hat den Substanzverlust durch die Spielerverkäufe nicht öffentlich beklagt, und es sieht auch nicht so aus, als könnte Frank Arnesen mit dem verfügbaren Budget mehr erreichen. Diese Konstellation hat in der Presse schon dazu geführt, den HSV als einen der Abstiegskandidaten zu betrachten, und kaum steht das Team unter Druck wie im Pokal in Karlsruhe, da verliert es schon glatt. Nicht ganz so blamabel wie Hoffenheim, aber peinlich genug, um den Druck vorm 1. Spieltag gewaltig zu erhöhen: auf die Mannschaft, vor allem aber auf den Trainer, dessen Kopf dann natürlich bei einem Fehlstart sofort gefordert werden wird.

Der Fehlstart ist bei Hertha keine dunkle Ahnung, sondern schon ein hässliches Faktum, und das ist um so erstaunlicher, als Jos Luhukay sicher der profilierteste unter den drei Krisenclubtrainern ist. Die peinliche Niederlage bei Wormatia Worms hat auch seine drastische Abrechnung mit der Mannschaft nach dem Spiel beim FSV Frankfurt nicht verhindern können, und offenbar haben Hertha-Keeper auch große Probleme, 90 Minuten ohne Notbremse durchzuhalten. Dass Sprint mit Gelb davonkam, war eher Glück – auch wenn die Doppelbestrafung natürlich grober Unfug ist. Aber das ist hoffentlich nur ein Nebenschauplatz; weit bedrohlicher ist die Verfassung der gesamten Mannschaft.

Schwer zu sagen, inwieweit der Kader wirklich Luhukays Vorstellungen entspricht. Die ungewohnte Heftigkeit seiner Reaktion neulich deutet jedoch an, dass sich auch beim Trainer erste Zweifel regen, mit dieser Mannschaft wieder aufsteigen zu können. Sollten sich die Zweifel im Herbst zur Gewissheit verdichten, bin ich gespannt, wie Michael Preetz reagieren wird. Denn dass der Mann überhaupt noch im Amt ist, das ist genau das Wunder, welches Preetz so irrsinnig war, von Otto Rehhagel zu erwarten.

Und während ich diese Zeilen hier beende, kommt es mir so vor, als müsste man bald auch anfangen über Armin Veh und die Eintracht nachzudenken.

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