Eins gegen Eins

Javier Martinez, Bayern & (k)ein Ende

Fast sollte man glauben, zu Javier Martínez sei alles gesagt, bloß noch nicht von allen. Um 3:42 Uhr verließ er heute Morgen nach erfolgtem Medizincheck die Münchener Praxis des ewigen jungen Arztes mit der Prinz-Eisenherz-Frisur. Ergebnis noch unbekannt. Bulletin wird gewiss noch veröffentlicht. Dann zurück per Privatjet, den Vertrag auflösen in Madrid, parallel dazu muss ein Bayern-Scheck über 40 Millionen Euro hinterlegt werden, das Training in Bilbao hat der Mann geschwänzt. Eine Erlaubnis des Vereins, sich von der Truppe zur entfernen, hatte er nicht.

Kann man jetzt alles nachlesen, weil der mögliche Bundesliga-Rekordtransfer nach dieser Orchestrierung verlangt. Noch schöner an der Sache ist, dass fast alle, die jetzt vom Risikotransfer raunen, den Mann nie haben spielen sehen. Ich habe ihn auch noch nie über 90 Minuten beobachten können, und was Youtube da als lächerliches, zusammengehauenes Promo-Video von 1:25 Minuten Länge anbietet, das könnte man zur Not auch von einem albanischen Jugendspieler verfertigen , der dann auf einmal aus drei Metern keinen Möbelwagen mehr trifft.

Der Punkt ist ja auch nicht, ob einer 40 Millionen wert ist. Gomez war auch nicht 35 Millionen wert, und praktisch sämtliche Transfers, welche in der englischen Premier League stattfinden, lassen jede Erörterung darüber, ob X oder Y das wert seien, so lächerlich erscheinen wie die scholastische Frage, wie viel Engel denn nun auf einem Stecknadelkopf Platz haben.

Obwohl die Sinn- und Wertlosigkeit der Wertdiskussion eigentlich klar ist, wird immer noch darüber geredet. Vernünftig reden könnte man allenfalls über Proportionen zwischen Transfersummen in Relation zu den Leistungsdaten eines Spielers, die sich ja mittlerweile von entsprechenden Firmen bis ins kleinste Detail genau besorgen lassen. Sie sagen dann zwar noch nichts aus über die Adaptionsfähigkeit, die sozialen Kompetenzen und die spezifische Mannschaftskonstellation, in die sich ein Neuzugang integrieren muss, aber sie liefern eine belastbare Basis.

Womit man dann auch bei der Kategorie angelangt ist, die nicht über den Wert, wohl aber über den Sinn und Erfolg eines solchen Transfers entscheiden wird: die Belastbarkeit des Transferierten. Ob dieser junge Mann, der am Sonntag 24 Jahre alt wird, das aushält, wenn man ihn bei ausbleibender oder schwankender Leistung an einem sehr hohen und zugleich völlig fiktiven Wert messen wird, hinter dem er dann angeblich zurückgeblieben sein soll?

Denn darum geht es ja auch noch in diesem Business: Ob dieser Javier Martinez sich so wohl fühlt, dass er anständig Fußball spielen kann; dass er nicht Opfer von irregeleiteten Projektionen und Machtspielen aus Management und Scouting-Abteilung wird. Was der Transfer am Ende für die Super-Egos eines Sammer oder Hoeneß bedeuten wird, diese ganze lächerliche Bayern-Astrologie, das kann einem doch völlig egal sein. Es zählt vor allem, dass dieser Spieler nicht zerrieben wird von dem Zirkus, den andere veranstalten; dass seine von Fachleuten attestierten Fähigkeiten nicht verkümmern, weil sein bisheriger Verein eine schwachsinnige Summe verlangt – und auch noch jemanden findet, der sie bezahlen will.

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