Eins gegen Eins

Rettet die Champions League! Auch als Geldquelle!

11 von 16 – mit dieser Ausbeute kann ich nicht zufrieden sein, nachdem ich bei meiner Champions-League-Prognose (s. Blogeintrag vom 18.9.) wie mancher andere daran gezweifelt hatte, dass in den acht Gruppen eine hinreichende Leistungsdichte existierte, die auch überraschende Platzierungen ermöglichte.

In der Gruppe B hatte ich weniger Schalke unterschätzt als Piräus und Montpellier überschätzt. Und in Gruppe E ist meine Prognose weniger an der unvermuteten Stärke Milans gescheitert als am Totalversagen der Mannschaft aus St. Petersburg, wo der Hulk bloß grün vor Ärger wurde, weil er meist auf der Bank saß, anstatt die Gegner das Fürchten zu lehren. Dass es Chelsea erwischen würde, das hätte ich allerdings nie erwartet. Und Dortmund, nun ja, die habe ich als Arminia-Fan noch nie gemocht und aus Boshaftigkeit in der Vorrunde scheitern lassen.

Aber egal, ich bin ja froh, dass nicht alles so gelaufen ist, wie es unausweichlich schien, sondern dass sich Mannschaften durchgesetzt haben, die man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Keine wirklichen Überraschungen, aber immerhin. Das spricht, wenngleich noch immer mit zusammengebissenen Zähnen, dafür, bei 32 Teams zu bleiben, obwohl ich im Dezember 2010 nach trüber Vorrunde eine Reform befürwortet hatte.

Warum den Status quo verteidigen, obwohl am 6. Und letzten Spieltag fast überall die Luft raus warKabel1? Ganz einfach: Weil Superfunktionär Michel Platini es mal mit 64 Clubs versuchen möchte. Das ist einer der dümmsten Vorschläge seiner Amtszeit, weil er nur von der Logik des Machterhaltungswillens lebt. Nicht einmal die Gier der Uefa, ständig die Lizenzgebühren und Erlöse zu steigern, lässt diesen Vorschlag sinnvoll erscheinen. Rettet die Champions League, und zwar auch als Geldquelle, muss man hinzufügen. Nichts gegen Neftci Baku, aber beim titanischen Vorrundenkick gegen, sagen wir mal, FC Nordsjaelland würden viele Bildschirme in Europa dunkel bleiben.

Beziehungsweise: Wer würde, nachdem jenseits des Bezahlfernsehsektors gerade mal Kabel1 lieblos lustlose Europa-League-Spiele zeigen mag, überhaupt vorab für ein Produkt bezahlen wollen, das wie ein seltsamer Zwitter wirkte, wie eine Kreuzung aus völlig verdünnter Champions League und geringfügig aufgewerteter Europa League? Womöglich nur noch das ZDF, das die Zwangsgebühren, die demnächst vornehm „Haushaltsabgabe” heißen, für eine Berichterstattung verpulvert, bei der meist am Mittwoch das falsche Spiel übertragen wurde und bei der Oliver Kahn sich vergeblich mühte, einen zweiten Gesichtsausdruck einzustudieren.

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