Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Ratingagentur Moody’s stuft Großbritannien herab

| 13 Lesermeinungen

Großbritannien verliert sein Top-Rating "Aaa". An den Anleihemärkten war ein solches Szenario eingepreist.

 

Die Ratingagentur Moody’s hat am Freitagabend die Bewertung der britischen Staatsanleihen von der Topnote “Aaa” auf die zweitbeste Note “Aa1” mit stabilem Ausblick herabgestuft. Als Gründe nennt Moody’s:

1. Die Schwäche der britischen Konjunktur, die nach Einschätzung von Moody’s bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts fortdauern könnte.

2. Die Herausforderungen des schwachen Wirtschaftwachstums für die Stabilisierung der Staatsfinanzen, die sich bis in die nächste Legislaturperiode des Parlaments erstrecken werden.

3. Die hohe und weiter steigende Schuldenlast, die dem Staatshaushalt Potential nimmt, auf Schocks zu reagieren – eine Tendenz, die sich nicht vor 2016 umkehren dürfte.

Hier ist das Kommuniqué von Moody’s:

https://www.moodys.com/research/Moodys-downgrades-UKs-government-bond-rating-to-Aa1-from-Aaa–PR_266844

 

Reaktionen:

In einer ersten Reaktion neigt das Pfund an den Devisenmärkten zur Schwäche; gegenüber dem Dollar fiel das Pfund auf ein Zweijahres-Tief.

Die beiden anderen bedeutenden Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch haben in der jüngeren Vergangenheit angekündigt, Großbritannien könne bei ihnen das Spitzenrating einbüßen. Die beiden Agenturen haben aber bis zum heutigen Zeitpunkt das Rating Großbritanniens nicht verändert.

Die Financial Times schreibt: “George Osborne, the UK chancellor, said the move was a “stark reminder” of the debt problems facing the country. “Far from weakening our resolve to deliver our economic recovery plan, this decision redoubles it.” Aus der Sicht der FT beschädigt die Herabstufung nicht nur den liberalen Finanzminister George Osborne, sondern auch die Konservative Partei, die im Jahr 2010 in einer Wahlplattform geschrieben hatte: “We will safeguard Britain’s credit rating with a credible plan to eliminate the bulk of the structural deficit over a Parliament.”

Ein Bloomberg-Kommentar sieht die Herabstufung als Chance für die Regierung,die Austeritätspolitik zu lockern, da es nicht länger gelte, aus Prestigegründen das “Aaa” zu verteidigen:

https://www.bloomberg.com/news/2013-02-23/huge-opportunity-from-moody-s-downgrade-of-u-k-.html

 

Eine paar eigene Kommentare auf die Schnelle:

– Es scheinen sich die Erkenntnisse von Reinhart/Rogoff zu bestätigen: Die wirtschaftliche Erholung nach Immobilienkrisen/Bilanzrezessionen dauert viele Jahre. Großbritannien befindet sich offenbar in einem solchen Zyklus. Moody’s schreibt: “The main driver underpinning Moody’s decision to downgrade the UK’s government bond rating to Aa1 is the increasing clarity that, despite considerable structural economic strengths, the UK’s economic growth will remain sluggish over the next few years due to the anticipated slow growth of the global economy and the drag on the UK economy from the ongoing domestic public- and private-sector deleveraging process. Moody’s says that the country’s current economic recovery has already proven to be significantly slower — and believes that it will likely remain so — compared with the recovery observed after previous recessions, such as those of the 1970s, early 1980s and early 1990s. Moreover, while the government’s recent Funding for Lending Scheme has the potential to support a surge in growth, Moody’s believes the risks to the growth outlook remain skewed to the downside.”

– Eine eigene Währung mit der Möglichkeit kompetitiver Abwertungen und umfangreichen Staatsanleihekäufen durch die Notenbank bietet keinen zuverlässigen Schutz gegen Krisen – gerade das britische Beispiel könnte auch hilfreich bei der Analyse der Währungsunion sein. Die Bank von England hat in den vergangenen Jahren ein sehr aggressives “quantitative easing” mit bedeutenden Wertpapierkäufen betrieben – die EZB war in dieser Hinsicht sehr viel zurückhaltender (wenn man die Wertpapiervolumen ins Verhältnis zum BIP setzt.)

– Die Anleihemärkte hatten sich schon vor längerer Zeit auf ein britisches “downgrading” eingestellt (in der F.A.Z auch erwähnt). Das zeigt sich daran, dass Großbritannien an den Staatsanleihemärkten in den vergangenen Monaten seinen Renditebonus gegenüber französischen Anleihen weitgehend aufgezehrt hatte. Frankreich ist auch nur noch mit “Aa1” bewertet. An den CDS-Märkten ist der britische Vorsprung vor der Ankündigung von Moody’s allerdings erkennbarer geblieben: Mit (aus der Erinnerung) rund 50 Basispunkten für britische und rund 80 Basispunkten für französische Fünfjährige.

 

Der Handel am Montag wird interessant. Oft folgen den Herabstufungen von Ländern die Herabstufungen von Banken aus diesen Ländern. Ab Montagnachmittag wird es dann auch noch Ergebnisse der italienischen Wahlen geben.

 

 

 


13 Lesermeinungen

  1. faz-gb sagt:

    Warum die Pfund-Abwertung Großbritannien nicht geholfen hat
    Hier:
    https://pwc.blogs.com/economics_in_business/2013/01/still-selling-england-by-the-pound.html

  2. faz-gb sagt:

    Der "Economist" ist besorgt. Jim O'Neill ist es auch
    Der “Economist” ist über die Lage Großbritanniens so besorgt, dass er ein “Manifest für Wachstum” veröffentlicht hat:
    https://www.economist.com/news/leaders/21573113-british-economy-stuck-it-needs-structural-reform-looser-money-and-more-infrastructure?fsrc=scn/tw/te/pe/alittlefastergeorge
    Jim O’Neill, der frühere Chefvolkswirt von Goldman Sachs, hat konstatiert, Großbritannien sei kaum in einer besseren Verfassung als Südeuropa.

  3. faz-gb sagt:

    Kritik an Großbritannien
    Der “Economist” befasst sich kritischmit der britischen Geld- und Wirtschaftspolitik und der Ansicht, durch Abwerung werde man reicher:
    https://www.economist.com/blogs/buttonwood/2013/03/sterling?fsrc=scn/tw/te/bl/Youcanfoolsomepeople

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