Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Wie wird die Vollbeschäftigung? Eine Blogparade

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Deutschland steuert mit großen Schritten auf die Vollbeschäftigung zu. Was bedeutet das? Wie wird sich Deutschland verändern? Wir starten eine Blogparade und freuen uns auf Ihre Perspektive.

© Moni Port / LaborprobenArbeitsamt zu vermieten.

Deutschland ist auf dem Weg in die Vollbeschäftigung, wir möchten eine Debatte anstoßen.

Die Babyboomer, die den Arbeitsmarkt gefüllt haben, gehen nach und nach in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger junge Leute nach. Die Chancen sind enorm, dass in Deutschland in einigen Jahren Vollbeschäftigung herrscht. Zum Teil gibt es sie schon: Je nach Definition lebt heute schon ein Viertel der Deutschen in vollbeschäftigten Landkreisen.

Deshalb setzen wir unseren Themenschwerpunkt „Arbeit für Alle“ in FAZ.NET, F.A.S. und F.A.Z. Dabei geht es uns nicht nur um die Frage, ob die Vollbeschäftigung tatsächlich kommt. Sondern auch darum, wie sie unsere Welt verändern kann. Denn in einer Welt, in der man keine Sorgen mehr um seine Arbeit haben muss, ändert sich das ganze Leben. „Arbeit findet sich: Das wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren als Grundgefühl durchsetzen“, sagt Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wie leben junge Leute, wenn sie nicht mehr ihren Lebenslauf optimieren müssen? Ändert sich die Stadtplanung, wenn es nicht mehr an Arbeitsplätzen mangelt, sondern an Menschen? Bekommen Bevölkerungsgruppen eine Chance, die heute völlig abgehängt werden?

Bloggen Sie über die Vollbeschäftigung oder twittern Sie unter dem Hashtag #afa

Wir interessieren uns für Ihre Perspektive. Bloggen Sie, was Sie dazu denken. Wenn Ihre Idee in 140 Zeichen passt, twittern Sie mit dem Hashtag #afa.

Die Beiträge werden wir hier im Blog und auf FAZ.NET vorstellen und verlinken, zumindest einen großen Teil davon. Eine Auswahl der Beiträge, die bis zum Freitag (3.5.) online sind, werden wir auch in der F.A.S.  vorstellen. Schicken Sie uns dazu einen Hinweis per Mail an vollbeschaeftigung@faz.de oder per Trackback auf diesen Blogeintrag. Tweets suchen wir auf Twitter.

Natürlich freuen wir uns über einen Link auf unsere Themenseite, noch mehr aber freuen wir uns auf Ihre Stimme und Ihre Perspektive!

Die Stimmen bisher:

Alex, Saldenmechanik:

Von der demografischen Front haben wir also in Punkto Vollbeschäftigung eher negatives zu erwarten – zumidest wenn man die makroökonomischen Theorien anwendet.

Andreas Teufl und Clemens Plainer, Die Kleinanleger:

Als Arbeitssuchender ohne Ausbildung werden Sie weit weniger von der Vollbeschäftigung haben. Auch wenn die Argumente „selbe Nachfrage, weniger Angebot = Mehr Lohn“ wahrscheinlich auch gelten werden und auch mehr Menschen ohne Ausbildung einen Job haben werden, wird’s das wohl im Großen und Ganzen gewesen sein. Oder sind etwa flexible Arbeitszeiten oder Heimarbeit für einen Regalbetreuer im Supermarkt denkbar? Wohl eher nicht.

Dirk Elsner (49) und Jodie Ann Ernsting (19), Blicklog:

Jodie: Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass es so etwas in den nächsten Jahren geben wird, glaube ich, dass es den Jugendlichen oder generell den Menschen einen enormen Druck, der auf ihnen lastet, nehmen würde.

Stefan Hauck, SAS:

Die schöne neue Welt der Vollbeschäftigung – in der IT ist sie vielfach schon heute Realität. Im Bereich Business Analytics, der Analyse von Big Data, den wachsenden Datenbergen, haben wir heute schon Fachkräftemangel

Arne Kuster, Wirtschaftswurm:

Es bleibt jedoch ein Dilemma. Indem man versucht, den Anteil der arbeitenden Bevölkerung hoch und die Renten finanzierbar zu halten, schwächt man genau den Faktor, der die Vollbeschäftigung herbeiführt. Wie man das Dilemma löst, ist letzlich eine politische Entscheidung. Vollbeschäftigung, so mein Eindruck, hat dabei keine hohe Priorität.

Heiner Flassbeck:

Die FAZ schreibt über Voll­be­schäf­ti­gung. Das ist so, als ob Pto­le­mäus über das koper­ni­ka­ni­sche Welt­bild schreibt.

Eric Bonse, Lost in EU:

Wir sind keine Insel der Seligen. Unser “Jobwunder” könnte zum Alptraum für die Nachbarn werden.

Lars Hahn, „Systematisch Kaffeetrinken„:

Vielleicht haben wir 6 Millionen Erwerbspersonen weniger, aber sie werden gar nicht alle fehlen.

Nicht direkt Teil der Blogparade, aber doch Teil der Diskussion: Daniel Bakir auf Stern.de:

Das Ziel Vollbeschäftigung rückt erstmals seit den Wirtschaftswunderjahren wieder in greifbare Nähe.

Jörg Wellbrock im Spiegelfechter:

Mindestlöhne, Lohnuntergrenzen oder wie man das sonst bezeichnen will, brauchen wir heute gar nicht. Finde ich jedenfalls, denn wenn man der FAZ Glauben schenken will – und ich mach das jetzt mal für einen Moment – erübrigt sich das Problem schlecht bezahlter Jobs in Zukunft ohnehin. Weil die niemand mehr machen will und die Arbeitgeber entsprechend gut zahlen müssen.

Marco Maier, Wacht am Rhein:

Allerdings sollte man hierbei nicht vergessen, dass eine kommende massive Verringerung des Anteils an Erwerbstätigen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung dazu führt, dass die Produktivität je Erwerbstätigen massiv ansteigen muss, um den „nichtproduktiven“ Teil mitfinanzieren zu können

Gerd Haucke, per E-Mail:

Dieses Szenario erinnert mich an die 70 iger Jahre. Ich bin Jahrgang 1954. Ich hatte einige beschäftigungslose Zeiten. Nach der Lehre. Vor dem Studium (2. Bildungsweg). Aber immer in dem Gefühl: Wenn du suchst und willst dann findest Du auch. Es war also nie eine hoffnungslose oder depressive Situation. Diese Übergangszeiten zwischen einer Station und der nächsten Station geschahen angstfrei und sie waren auch euphorisierend. Man hat sich gehäutet, verändert, entwickelt.

Jens Berger im Spiegelfechter:

Wäre an [den] Thesen etwas dran, müssten die Kranken- und Altenpfleger ja ihre Macht im Arbeitsmarkt bereits nutzen und dem Arbeitgeber „die Bedingungen diktieren“, „höhere Gehälter, Sabbaticals und längere Urlaube aushandeln“. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Écrasez l’infâme!:

In der Tat hat Amazon keine Mitarbeiter in Deutschland gefunden, aber hätte dann nicht nach der Logik Bernaus der Lohn steigen müssen? Die Gewerkschaften fordern von Amazon einen Tariflohn in Höhe von 11 bis 12 Euro zu zahlen, wie er für Lagerarbeit im Einzelhandel üblich ist.

Twitter:


16 Lesermeinungen

  1. Pingback: Finanznachrichten.info

  2. Pingback: Vollbeschäftigung in der IT - Die Zukunft bereits jetzt erleben #afa

  3. Vollbeschäftigung als "natürliche Folge" der Baby-Boomer-Pensionierung
    Wir haben auch einen Artikel zu dieser Blog-Parade geschrieben. Wir glauben, dass sich Vollbeschäftigung zwangsläufig irgendwann einmal ergibt – und dieses „irgendwann“ liegt nicht in ferner Zukunft.
    Wenn die Babyboomer in den nächsten 2 Jahrzehnten in den Ruhestand gehen, sind einfach nicht mehr so viele Arbeitskräfte verfügbar – jeder sollte einen Job finden.
    Allerdings bedeutet dies nicht, dass jeder Arbeiter/Angestellte davon unbedingt profitieren wird – es wird vermutlich eine Frage der Ausbildung, ob man von der Vollbeschäftigung profitieren wird, oder nicht.
    Link zu unserem Artikel: https://www.diekleinanleger.com/unser-beitrag-zur-faz-blogparade-wie-wird-die-vollbeschaftigung/

  4. Pingback: Blogparade Vollbeschäftigung: Was Babyboomer und Abiturienten dazu denken #afa

  5. Schöne neue Welt der Vollbeschäftigung – was kommt auf die Unternehmen zu?
    Die schöne neue Welt der Vollbeschäftigung – in der IT ist sie vielfach schon heute Realität. Im Bereich Business Analytics, der Analyse von Big Data, den wachsenden Datenbergen, haben wir heute schon Fachkräftemangel – kein Wunder, denn bis vor wenigen Jahren gab es Big Data nicht. Und es gab auch nicht den Data Scientist, der Erkenntnisse aus den Datenbergen zieht, geschweige denn einen Ausbildungsweg dafür. Heute ist dieser neue Beruf gefragt, mehr noch: Data Scientists werden händeringend gesucht.

    Dieser Fachkräftemangel wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, denn die Unternehmen fangen jetzt erst an ihre wachsenden Datenvolumina als Ressource zu betrachten und mit entsprechenden Technologien zu erschließen. Laut einer Führungskräfte-Studie des MIT Sloan Management Review und SAS meinen 67 Prozent der Befragten, Analytics erhöhe die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen. 2010 waren es noch 37 Prozent. Die Industrie ist da schon einen Schritt weiter, wie eine repräsentative Befragung des Forsa-Instituts bei Industrieunternehmen zeigt: Über 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bedeutung der Datenanalyse für die Industrie in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Und das obwohl schon heute 80 Prozent der befragten Unternehmen mit mehr als 600 Mitarbeitern Maschinen-, Sensor- und Servicedaten auswerten.

    Die Rahmenbedingungen werden sich aber auch für Unternehmen anderer Branchen deutlich verändern. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Führungs- und Unternehmenskultur. Denn künftig müssen sich die Arbeitgeber intensiver um die Wünsche und Ansprüche ihrer Mitarbeiter bemühen. Das stellt Unternehmen beispielsweise vor die Herausforderung, mobiles und flexibles Arbeiten mit einem effizienten Management von Teams und Prozessen in Einklang zu bringen. Gleichzeitig schafft der Einsatz innovativer Technologien natürlich auch Freiräume, entlastet von Routinetätigkeiten und spart Ressourcen.

    Unternehmen haben aber auch die Verantwortung, selbst dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Deshalb müssen die Unternehmen das Thema Weiterqualifizierung noch stärker forcieren und ihr Angebot auf die Anforderungen der Zukunft ausrichten – gemeinsam mit jedem einzelnen Mitarbeiter. So hat unser Unternehmen beispielsweise im vergangenen Jahr ein neues Seminarkonzept zur Ausbildung von Big-Data-Experten entwickelt und an den Start gebracht. Ich denke dass dieses Beispiel Schule machen wird: In dem Maße, in dem die klassischen Ausbildungswege eventuell nicht mehr ausreichen, um den Bedarf an Experten zu decken, müssen Unternehmen selbst aktiv werden. Ein mindestens ebenso wichtiger Wettbewerbsfaktor für Unternehmen wird aber auch eine positive Unternehmenskultur sein. Rankings wie „Deutschlands beste Arbeitgeber“ und Portale wie kununu geben Arbeitssuchenden dabei Aufschluss darüber, wo Menschen gerne arbeiten – und warum.

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