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Warum sind wir bloß so arm?

| 38 Lesermeinungen

Die Deutschen sparen und kommen auf keinen grünen Zweig. Da läuft etwas schief.

© HoltgreveIllustration

Die Überraschung war groß, als im April eine Umfrage zeigte: Die Deutschen haben weniger Vermögen als die Leute in vielen anderen Staaten Europas. Die Umfrage kam nicht von irgendwem, sondern von der Europäischen Zentralbank, doch die Ergebnisse waren so überraschend, dass sie kaum jemand glauben wollte. Die Deutschen seien viel reicher, als die EZB-Umfrage vermuten lasse, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und die Italiener vermuteten, die Deutschen hätten bei der Befragung geschummelt. Mancher Fernsehsender fand die Studie gar so abstrus, dass er sie als unseriös abqualifizierte und in den Nachrichten komplett auf sie verzichtete. Warum sollten auch die reichen Deutschen weniger Vermögen haben als der Rest der Europäer?

Auf diese Frage gibt es jetzt eine mögliche Antwort. Vor einigen Tagen hat eine Gruppe italienischer Ökonomen eine Analyse veröffentlicht, die noch einmal auf anderem Weg die Vermögen in unterschiedlichen Staaten vergleicht. Ursprünglich hatten die Forscher die Studie schon im November für eine Tagung der wirtschaftspolitischen Organisation OECD ausgearbeitet, doch veröffentlicht haben sie die Daten erst jetzt.

Der wichtigste Unterschied zur EZB-Studie ist, woher die Daten stammen. Die Europäische Zentralbank hat das Vermögen ermittelt, indem sie die Menschen danach gefragt hat. Riccardo De Bonis von der Italienischen Notenbank und seine Kollegen wählen einen anderen Weg: Sie nehmen das gesamte Finanzvermögen der Haushalte, das die Statistiker der einzelnen Länder aus gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen ermitteln. Zudem verwenden sie OECD-Daten über das reale Vermögen, also Immobilien und Fabriken. Ihre Werte setzen sie ins Verhältnis zur Bevölkerungsgröße und zur Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder. Dabei vergleichen sie nicht die EU-Staaten miteinander, sondern wichtige Wirtschaftsstaaten der ganzen Welt.

Das Ergebnis ist allerdings wieder das gleiche: Die Deutschen haben kaum Vermögen angespart. Von den acht großen Staaten, die die Forscher untersucht haben, besitzen die Menschen nur in einem Land weniger Finanzvermögen als in Deutschland: das ist Spanien. Doch während Spanien seinen Rückstand mit hohen Realvermögen wieder wettmacht, fehlt es den Deutschen auch daran.

Wie kann das passieren?

Sind zum Beispiel die Immobilienwerte in Spanien nur deshalb so hoch, weil sie in der EZB-Studie im Jahr 2008 auf dem Höhepunkt der spanischen Immobilienblase gemessen wurden? Das lässt sich nach der neuen Studie von De Bonis und seinen Kollegen fast ausschließen. Ihre aktuellsten Daten stammen aus dem Jahr 2011, und sie zeigen: Die Vermögen der Spanier und Italiener sind in den vergangenen Jahren zwar wieder etwas zurückgegangen. Doch sie sind immer noch viel größer als die Vermögen der Deutschen.

Liegt es an der Wiedervereinigung und daran, dass Millionen Menschen in der Zeit der DDR kaum Vermögen bilden konnten? Nicht, wenn man den drei italienischen Forschern glaubt. Die Wiedervereinigung ist in ihren Daten nicht mal zu sehen.

Kann der Grund sein, dass die Deutschen in der Euro-Krise so viel Geld abschreiben mussten, das sie in die Peripheriestaaten investiert hatten? Nein, denn der Studie zufolge begann die Misere der Deutschen schon viel früher, bereits in den achtziger Jahren war ihr Vermögen vergleichsweise klein.

Oder sind die Deutschen reicher als gedacht, weil sie so eine großzügige Rente bekommen, wie Angela Merkel behauptete? Ältere Untersuchungen zeigen, dass die Rentensysteme von Italien oder Spanien mindestens genauso großzügig sind wie die deutschen. Und: Wenn die Deutschen sich auf ihre Rente verließen, dann würden sie weniger sparen. Tatsächlich aber spart kaum jemand mehr als die Deutschen. Von ihrem hohen Einkommen legen sie seit Jahren jedes Jahr mehr als ein Zehntel zurück.

Doch aus den Daten von De Bonis und seinen Kollegen ergibt sich eine andere Antwort auf die Frage, wo das Geld der Deutschen bleibt. Ihre Linien zeichnen ein Bild von einer Nation, die spart wie verrückt, aber ihr Geld vollkommen falsch anlegt. Aus lauter Angst um das kostbare Ersparte stecken die Deutschen ihr Geld in Anlageformen, die als sicher gelten – aber auf Dauer viel zu wenig Geld bringen.

Da ist zum Beispiel das allseits beliebte Tagesgeldkonto: Fast die Hälfte des deutschen Finanzvermögens liegt in Einlagenkonten. Dort geht selten etwas verloren, aber die Rendite ist mickrig. Das eine Prozent, das Direktbanken im Moment zahlen, gleicht nicht mal die Inflation aus.

Auch die Liebe der Deutschen zu ihrer Lebensversicherung findet sich in der Studie wieder: Versicherungsansprüche machen in Deutschland ein Drittel des Finanzvermögens aus. Auch die sind aber eher schlecht verzinst.

Der Lohn des Ganzen: Die Deutschen sind – zusammen mit den Franzosen und den Japanern – die Einzigen, die im Jahr 2011 schon wieder ihre Verluste aus der New-Economy-Krise ausgeglichen hatten. Aber sie hatten eben schon vor der New Economy kaum Vermögen. In den Ländern, in denen die Menschen mehr Geld in Aktien und Immobilien investieren, waren zwar die Verluste größer – aber das Gesamtvermögen war trotzdem deutlich höher, weil die Menschen vorher mehr verdient hatten.

De Bonis und seine Kollegen zeigen: Die Deutschen sparen zwar viel. Aber was den Zins angeht, gehören sie seit den späten neunziger Jahren fast jedes Jahr zu den Schlusslichtern. Das macht die ganze große Ersparnis zunichte. Und die Deutschen arm.

 

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38 Lesermeinungen

  1. stranger08 sagt:

    Überschrift und Inhalt sind so eine Sache
    Zu den Kommentaren möchte ich anmerken, dass sie interessante Thesen enthalten, die man jetzt anhand weiteren statistischen Materials untersuchen müsste. Nun kann schon wahr sein, was nicht wahr sein darf, aber es bleibt der öffentliche Sektor doch etwas zurück. Gerade weil auch die indirekten Steuern, Gebühren, Zuzahlungen und Umverteilungen innerhalb der Sozialversicherung und der Privatversicherung zu berechnen wären, müssen konkrete Berechnungen her, die weit über diese Studien im Beitrag hinausgehen. Was auch manchmal zur Sprache kommt, betrifft die niedrigeren Preise für identische Produkte in anderen EU-Ländern, z.B. Pharmazeutika und PKW. Hier hat man den Eindruck, dass die Industrie es in Deutschland leichter hat, sich die Taschen zu füllen. Wenn Medikamente in Spanien so über die Theke verkauft werden, in Deutschland Rezeptpflicht herrscht und die GKV solch kostengünstige Rahmenverträge abschliesst, müssten diese Produkte bei uns nur die Hälfte kosten, es ist aber genau anders herum. Ich denke, wir werden von einem Gesundheitskartell ausgeplündert, weil es soviel staatliche Regulierung gibt. Ich möchte mal ein US-Krankenhaus sehen, dass die Hygieneprobleme wegen angeblichem Sparzwang hat wie bei uns. Auch hier ist es sozial und politisch unerwünscht, diesen Dingen nachzugehen, gelingt es doch nur dem investigativen Journalismus, den Finger in die Wunde zu legen. Die Rechtsprechung bzw. das geltende Zivil- und Strafrecht schützt dieses Kartell, wie man am Thema der Bestechlichkeit von Ärzten sehen konnte. Die Richter erklären es weg. In Versicherungsfällen, im Baurecht usw. ist es ebenso. Die Rechtsordnung und die Rechtsprechung sind nicht mehr gleichgewichtig. Waffengleichheit herrscht schon gar nicht. De facto hat der Normalverdiener keine Chance gegen diese Organisationen und Kartellmitglieder. In solchen vermachteten Strukturen gibt es keine Preisbildung durch irgendeinen Wetttbewerb, z.B. Energiemarkt. Aber genau das macht eine soziale Marktwirtschaft aus, die in der Praxis nicht mehr existiert. Daher wird von den verfügbaren Haushaltseinkommen zu viel Kaufkraft abgeschöpft, weil dies nahezu Monopolpreise sind, die ihrerseits wieder eine weitere “Staatskomponente” auf ihre Preise aufgesattelt bekommen haben. Es ist nicht nur die Doppel- und Dreifachbesteuerung, sondern auch die Weiter- und Abwälzung dieser administrierten Preisbestandteile auf den Endkunden, weil die Markte keinen wirklichen Wettbewerb mehr aufweisen. Auch hier hat die Rechtsordnung nicht die Instrumente, diesen Diingen beizukommen.

  2. gschukat sagt:

    Die Vermögensanalyse ist durch die Medianbetrachtung in DE prinzipiell schief
    Für die Rangfolge wurde der Median des Vermögens betrachtet. D.h. der Wert der die Personen in 2 gleich grosse Gruppen teilt. Eine ärmere Hälfte mit einem Vermögen kleiner als der Median eine reichere mit einem Vermögen größer als dieser Wert.
    In der Studie wird aufgeführt, dass die Frage ob Immobilienbesitz zum Vermögen gehört oder nicht entscheidend ist.
    In allen Ländern die beim Median signifikant besser als DE abschneiden ist die Immobilienbesitzquote größer als 50%, ergo finden ich in der ärmeren Hälfte immer auch Immobilienbesitzer.
    In DE nicht, denn hier ist die Quote knapp unter 50%. somit setzt sich in DE die ärmere Hälfte nur aus Personen ohne Immoibilienbesitz zusammen.

    Median ist in diesem Zusammenhang das falsche Maß für Vergleiche.

  3. microplan2002 sagt:

    Der entscheidende Punkt ist doch, dass - unter längerfristigen Gesichtspunkten - die Deutschen ...
    … durch zwei verlorene Kriege im 20. Jh. und die damit verbundenen totalen Zerstörungen sowie nachfolgende Hyperinflation und Währungsreformen ständig wieder bei Null anfangen mussten … und darüber hinaus unvergleichlich hohe Summen an Transferzahlungen (Wiedergutmachung, kostenlose Technologietransfers, verlorene Patente, verdeckte Reparationen via EWG/EU, sonstige Aufbauhilfen etc etc) leisten mussten.Die Einkommen in Deutschland stimmten dann zwar trotzdem, aber ein kontinuierlicher Aufbau des Vermögens kam – anders als im europäischen Ausland – hierzulande nie richtig zustande. Zu einem ähnlichen Desaster entwickelte sich nach 1990 die Deutsche Einheit. Horrende Belastungen entstanden aus den Folgen der DDR-Misswirtschaft, während die verbliebenen Vermögenswerte auf Ex-DDR-Boden dann entweder von der Treuhand ans Ausland verramscht oder an aus Vorkriegszeiten Anspruchsberechtigte an die sog. “Ostküste” oder nach Tel Aviv restauriert wurden. Die Deutschen haben – bis einschließlich zur Finanzkrise – immer nur gezahlt. Die Verluste wurden wie immer lokalisiert, Gewinne international verteilt. Das Missverständnis, den Deutschen gehe es so gut, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Deutschen mit einen großen Teil des von ihnen erwirtschafteten Sozialprodukts den Rest der Welt alimentieren.

    • matthias.boehme sagt:

      Das haut eben als Theorie ...
      … nicht hin, wenn man die angebliche Sparquote berücksichtigt. Und die soll ja angeblich so hoch wie in kaum einem anderen Land sein. D. h. jedes Jahr sollen die Leute einen erheblichen Anteil ihres Einkommens in den Sparstrumpf stecken. M. E. ist eben diese Aussage Nonsense. Jedenfalls passt alles nicht zusammen.

    • matthias.boehme sagt:

      Und Ihre "Analyse" hinkt ...
      … auch im Übrigen. Was die zwei verlorenen Weltkriege angeht, hört es sich bei Ihnen so an, als wäre die Deutschen die Opfer. Im Übrigen hat es auf den I. Weltkrieg hin in Deutschland so gut wie keine Zerstörungen gegeben, dafür aber in den anderen europäischen Ländern. Und was Zerstörungen und Vernichtung von Vermögen angeht, waren jedenfalls die anderen europäischen Länder nicht weniger betroffen – oder ebenso außerhalb Europas Japan. Der Wiedergutmachung nach dem I. Weltkrieg ist Deutschland zum guten Teil mit der Hyperinflation in den 20er Jahren ausgewichen, und die Reparationszahlungen nach dem II. Weltkrieg waren gemessen an der Wirtschaftsleistung ein Klacks. Und als einer der Gründe, weshalb Deutschland nach dem II. Weltkrieg so schnell wieder zur Wirtschaftssupermacht wurde, wird stets genannt, dass die Siegermächte Unmassen an Wirtschaftsunternehmen usw. aus Deutschland abtransportiert hatten. Die bauten bei sich unsere Vorkriegs-Stahlöfen auf und wir bauten neue, die den alten Anlagen um ein Mehrfaches überlegen waren.

      Und das Gegreine – ich vermute, sie sitzen im Westen – über der deutsche Wiedervereinigung: Sie können offensichtlich keine Buchhaltung, weil sie in die Bilanz einfach nur die Kosten einstellen. Was sie einfach verschweigen, dass nämlich 17 Mio. Konsumenten, weitestgehen kraft des Sozialismus “ausgehungert” im wesentlichen dem westdeutschen Markt zur Verfügung gestellt wurden. Und in den alten Bundesländern wird genauso konsequent übersehen, dass der größte Teil der in den Osten geschobenen Mittel fleißig wieder in den Westen zurückgeflossen sind und in Westdeutschland die Konjunktur kräftig angekurbelt haben. Einer der Gründe, weshalb in den 90ern das deutsche Bruttosozialprodukt heftig an dem der übrigen Länder der westlichen Hemisphäre vorbeizog. Die deutsche Einheit ist das Bonbon schlechthin für die westdeutsche Wirtschaft gewesen. Und – seien Sie mir nicht böse – ihr Gejammer für die Bedienung von “Vorkriegsansprüchen”, die nach Tel Aviv und die Ostküste der USA bedient worden seien, ist nun wirklich dreist und ein Auf-den-Kopf-Stellen der Geschichte. Denn bilanztechnisch war das ein Nullsummenspiel. Es scheint ihnen entgangen zu sein, dass unter dem GröFaZ diese Vermögen brutal und illegal dem “Volksvermögen” einverleibt worden waren. Man hat also nur zurückgegeben, was einem nach Rechtsstaatsgrundsätzen und vor allem Moral und Anstand ohnehin nicht gehörte. Und von den geraubten Vermögen ist immer noch genügend der deutschen Nation geblieben, weil viele Vermögensansprüche sich überhaupt nie aufklärten. Und was das ständig beschorene Grauen “EU” und “Euro” angeht, mag denn einfach Mal zur Kenntnis genommen werden, dass Deutschland der zweitgrößte Exporteur dre Welt ist, zwischendurch im letzten Jahr sogar die Chinesen Mal wieder auf Platz zwei verwiesen hatten – als 80-Mio.-Volk gegenüber gut 1,2 Mrd.! Und dass der größte Teil der Exporte in die EU gehen. Wer dabei nicht kapiert, dass vor allem Deutschland vom Euro profitiert, versteht offensichtlich gar nix. Und die Eurokrise hat den deutschen Steuerzahler bisher so gut wie gar nix gekostet!

    • microplan2002 sagt:

      @M Böhme: Mannomann, da habe ich ja offenkundig ...
      … in ein Wespennest gestochen. Empörung und Moralisierung pur (“… hört es sich bei Ihnen so an, als wäre die Deutschen die Opfer…”), dazu absurdeste ökonomische Milchmädchenrechnungen (“…17 Mio. Konsumenten, weitestgehen kraft des Sozialismus “ausgehungert” im wesentlichen dem westdeutschen Markt zur Verfügung gestellt wurden…”) und dann noch die üblichen Euro-Legenden (“…dass vor allem Deutschland vom Euro profitiert…”). Nur allein schon zum letzteren Punkt siehe – als Beispiel – den heute aktuell auf der FAZ.NET-Titelseite publizierten Beitrag “Oettinger bezeichnet EU als Sanierungsfall”.

  4. aktienfluechtling sagt:

    Der Staat ist dem Deutschen heilig, und das kostet ein halbes Vermögen.
    Von den Deutschen wird im weltweiten Vergleich überproportional viel Geld effektiv an den Staat und öffentliche Hände abgegeben. Die Menschen in vielen anderen Ländern behalten
    mehr Geld als die Deutschen in den eigenen Familien. Demzufolge sind schließlich die durchschnittlichen Privatvermögen in anderen Staaten oft größer als in Deutschland. Wo
    die Staatsgläubigkeit wie bei den Deutschen extrem ausgeprägt ist, geht vom Erwirtschafteten
    naturgemäß relativ viel Geld an den Staat, so dass die private Vermögensbildung entsprechend reduziert stattfindet. In anderen Ländern wird der Staat als nachrangig
    gegenüber der Familie gesehen und kann demgemäß nur einen geringeren Anteil
    aus dem Wirtschaftsprodukt und weniger effektiv an sich ziehen, so dass für die
    private Vermögensbildung im Ergebnis mehr übrig bleibt.

  5. langweiler2 sagt:

    Substanz erhalten
    Entgegen gewissen Klischees sind z.B. die meisten Italiener fleißig und sehr sparsam. Zudem versuchen sie, möglichst viel Kapital und Substanz in den Familien zu halten.
    Da die Lira immer inflationär war, wird in Sachwerte wie z.B. in Immobilien investiert.
    Am wichtigsten aber ist der oft erfolgreiche Versuch, den Staat mit seinen oft konfiskativen Steuersätzen aus möglichst vielen Geschäften herauszuhalten.
    Diesem Ziel diente z.B. die Wahl Berlusconis.

  6. celisa sagt:

    Unglaublich- einfach...
    1) Die Deutschen können nur Geld anlegen, das ihnen zur Verfügung steht- nach Steuern.
    Und die Gesamtabzüge in Deutschland sind die höchsten in Europa! In Norwegen hatte ich 37% Abzüge GESAMT, in DE 48,9%.
    2) Die progressive Besteuerung ist extrem ungerecht in DE: man zahlt in DE bereits für mittlere Gehälter den Spitzensteuersatz. Und dazu zahlt man denselben St.satz, ob man nun 63.000€ oder mehr als das vierfache verdient (bis zu 240.000€).
    Und von einer Tariferhöhung von 400€ nimmt der Stat mir 260€ weg.
    3) Die Gehälter in DE sind deutlich niedriger nach vielen Jahren des Reallohnverzichts. Für dieselbe Tätigkeit erhalte ich in DE HEUTE ca. ein Drittel weniger (brutto) als in NO vor mehr als 10 Jahren! “Unsere” Politikern schröpfen uns und dann schiebt man uns noch die Schuld für unsere Misere in die Schuhe. Was für ein mieses Spiel ist das!

  7. MartinJosefMichael sagt:

    Nichtveranlagungsbescheinigung
    Wenn man wenig Einkünfte hat, geht man zum Finanzamt, und läßt sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung geben, die gibt man seiner Bank, und dann werden Dividenden etc nicht besteuert.

    • weissk sagt:

      NV-Bescheinigung verhindert nicht die komplette Ertragsbesteuerung
      Leider müssen folgende beiden Ertrags-Steuern auch bei Vorliegen einer Nichtveranlagungsbescheinigung bezahlt werden:

      1) Ausländische Quellensteuer (z. B. 30 % bei Unternehmenssitz Frankreich)
      Banken bieten zwar an, diese zum Teil zurückzuholen zu können (entsprechend Doppelbesteuerungsabkommen 15 %). Allerdings ist die Gebühr so hoch, dass sie im Regelfall den rückholbaren Steuerbetrag überschreitet. Diese Konstellation wird von der Politik geschickt ausgenutzt.

      2) Körperschaftssteuer, die das Unternehmen bezahlt, wird seit ca. 13 Jahren nicht mehr als Körperschaftssteuergutschrift mit der Dividende zusammen an den Aktionär ausbezahlt. Damals wurde durch die Regierung Schröder das sogenannte Anrechnungsverfahren durch das Halbeinkünfteverfahren abgelöst.

      Beide Steuerverfahren scheinen mir rechtswidrig, da damit das Existenzminimum nicht mehr steuerfrei bleibt.
      Auf der einen Seite wirft die Politik den Unternehmen Steueroptimierung vor. Auf der anderen Seite besteuert die Politik trickreich selbst das Existenzminimum.

  8. never1 sagt:

    Zur Freude aller Nichtdeutschen....
    … und zur klammheimlichen Freunde einiger rot-grüner.
    Scheinbar brummt der Laden ja in D. In der Lohn-Breite wohl auf finanziell unterdurchschnittlichem Niveau. In der umgesetzten und somit realen Steuer- und Abgabenbelastung dürften wir Weltmeister sein, in der Neiddebatte aber auch.
    Besser nicht publiziert werden die Kosten für Sozialtransfers innerhalb Deutschlands an Wirtschaftsflüchtlinge und Kriminelle und für die EU.
    Schuldzahlungen an Israel wie geschenkte High-TEch-U-Boote und an andere Lobbyverbände werden auch erkleckliche Summen ausmachen.
    Der deutsche Perfektionismus (im Steuerwesen) und Neid sind Grundlage von Umverteilung und Verarmung.

  9. Zoernheim sagt:

    Da läuft tatsächlich was schief!
    Deutschland hatte die Kosten zweier Weltkriege und zweier Währungsreformen, sowie der Wiedervereinigung zu Schultern. Nun kommen wahrscheinlich noch einmal bis zu 1,5 Bill Euro für die Euro-Rettung hinzu. Darüberhinaus täuscht natürlich das Pro Kopf Einkommen nach KKP, wo wir unter den ersten zehn Nationen sind, weil es die Verteilung ausblendet. Forscher stellen jedoch fest, dass seit der Wiedervereinigung in D die Armen immer ärmer und die Reichen immer Reicher werden, insbesondere jedoch die Mittelschicht verliert. Hinzu kommt die versteckte Besteuerung durch die Progression, die doppelte Besteuerung von Kapitalerträgen, sowie die viel zu frühe Streichung der Immobilienförderung. Die Gewerkschaften haben nie den Investivlohn gewollt und die Deutschen wohnen gern zur Miete, während Südländer stolze Hausbesitzer sind. Deshalb fehlt uns auch die positive Entwicklung der Immobilienpreise wie in anderen Ländern. Unsere Preise sind jetzt auf dem Niveau von 1990. Aber das Wichtigste ist: Den Deutschen hat nie jemand beigebracht, dass man reich nur durch Konsumverzicht und die Anlage in Immobilien oder Produktivvermögen wird. Stattdessen fahren wir die neusten Autos und bereisen die Welt. Darin sind wir allerdings Weltmeister!

    • celisa sagt:

      Nie von sich auf andere schließen
      Deutsche wohnen gerne zur Miete? Ich würde zu gerne eine Immobilie erwerben, kann mir aber einfach keinen Kauf leisten: Im Ländervergleich mieses Gehalt, fast 50% Abzüge, entsprechend kaum Rücklagen.
      Wir fahren immer die neuesten Autos? Hm, mein Toyota Corolla ist 14 Jahre alt. Für einen Prius reicht das Geld nicht.
      Deutsche üben keinen Konsumverzicht? Warum ist dann die Binnenmarktnachfrage so jämmerlich??
      Die Probleme liegen definitiv woanders, s. meinen anderen Beitrag hier.

    • stranger08 sagt:

      Kann nur zustimmen und noch eine Kleinigkeit
      Bei uns wird zu wenig auf das Steuerrecht, die betriebliche Besteuerung, die tatsächliche Steuerlast – die Steuerinzidenz – geachtet. Derartige Studien sind heuite meines Wissens Mangelware, sind sie poliitsch nicht erwünscht. Die volle Besteuerung des selbstgenutzten Wohneigentums dürfte eine der Hauptursachen sein, dass Sachvermögen bei uns relativ schwach vorhanden ist, es liegt nicht nur an den hohen Baukosten, so wie wir bauen müssen, baut keiner in Europa, aber bei uns gibts die meisten Erdbeben. Vor vielen Jahren, ca. 30-40, gab es noch den vollen Abzug der Zinsen von der Steuerschuld. Vergleicht man die Häuserpreise über die Kaufkraft von verfügbaren Haushaltseinkommen, stellt sich heraus, dass dieses Verhältnis nicht mit dem preisbereinigten BIP mitgehalten hat. Anstatt 20 Jahre arbeitet man heute unter konstanten Bedingungen 25 Jahre fürs Eigenheim. Nimmt man die Entwicklung der Autopreise und zwar incl. der Ausstattungsmerkmale, stellt man fest, dass die versteckten Preiserhöhungen dort liegen und 4-6% pro Jahr erreichen. Wenn hier die verfügbaren Haushaltseinkommen über längere Zeit nahezu stagnieren, können die Haushalte sich schliesslich nur entweder ein Haus, ein Pferd, eine Datscha oder eine Datscha, ein Pferd und zwei Autos leisten. Es gibt dafür aber mehr Haushalte, die sich das alles plus einer Weltreise, einem Ferienhaus mit Schffsanleger und Yacht an der Atlantikküste leisten. Dafür gehen dann immer mehr Menschen zu einer Tafel., die qualifizierten, jungen Arbeitslosen wandern aus und Ostanatolier rücken ohne Ziegenherde nach. Das Problem ist einfach, dass die Deutschen immer noch glauben, dass die Unternehmer ihr Wohlverhalten honorieren würden, ja, ausser mit Steuerhinterziehung und dem Kaufmanns-Märchen von der so hohen Besteuerung. Mitnichten! Mitnichten! Und das macht die Deutschen in Europa so unsympathisch – ein Volk von wirtschaftlichen Analphabeten, unpolitischen Knechten und Untertanen.

  10. derast sagt:

    "Deutsche arm"? Bitte etwas differenzierter!
    Es lohnt sich, diese Daten im Detail anzuschauen. Im neuen Bericht von de Bonis et al sind die Haushaltsvermögen meist relativ zum GDP angegeben. Aber die Grafik Nr. 3 zeigt auch die absoluten Zahlen in US-Dollars – und da liegen Deutschland, Frankreich und Italien ziemlich gleichauf und Spanien deutlich dahinter. Wenn jetzt noch die Größe der Haushalte in den verschiedenen Ländern berücksichtigt würde, sehe ich nicht so recht, warum wir uns in die hochspekulativen Geldanlagen treiben lassen wollten.

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