Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

„Für den Euro. Gegen monetären Nationalismus“

| 106 Lesermeinungen

Der spanische Ökonom Jesús Huerta de Soto ist ein führender Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ("Austrians"). In einem Vortrag plädierte er für den Euro als eine Annäherung an einen wünschenswerten Goldstandard.

The Champions of Liberalism should support the Euro.“
Jesús Huerta de Soto

 

Ein Austrian für den Euro: „Nicht der Euro ist schlecht, sondern die Politik der Europäischen Zentralbank.“ Jesús Huerta de Soto, Professor an der König-Juan-Carlos-Universität in Madrid, eröffnete mit seinem Vortrag an der Frankfurter Universität eine neue, „The Order of Money“ genannte Veranstaltungsreihe am Center for Financial Studies. Der spanische Ökonom befand sich auf der Durchreise nach Göttingen, wo ihm auf den von der deutschen Hayek-Gesellschaft veranstalteten Hayek-Tagen die Hayek-Medaille verliehen wurde. Es ist keine Überraschung, dass sich Huerta de Soto in seinem Frankfurter Vortrag unter anderem auf Arbeiten Friedrich von Hayeks bezog.

Hier folgt eine Zusammenfassung des Vortrags:

 

1. Der Euro als Annäherung an den Goldstandard

– Die aktuelle Geldordnung ist unvereinbar mit einer Theorie der Marktwirtschaft. Eine grundlegende Reform ist notwendig.

– Eine solche Reform müsste im wesentlichen aus drei Teilen bestehen: Erstens einer Einführung einer 100-Prozent-Mindestreserve auf Sichteinlagen. Zweitens aus der Abschaffung der Zentralbanken. Drittens aus der Rückkehr zum Goldstandard. Der Goldstandard ist eine Währungsordnung, die nicht von Politikern missbraucht werden kann. Der Goldstandard sorgt damit für gutes Geld und verhindert nationalistisches Handeln in der Geldpolitik.

– Der Euro ist als Währungsordnung nicht so gut wie der Goldstandard, aber er eignet sich als eine zweitbeste Lösung, als eine Art Annäherung an den Goldstandard. (Detaillierter wird das weiter unten ausgeführt.)

 

2. Feste Wechselkurse sind viel besser als flexible Wechselkurse

– Austrians stehen in vielerlei Hinsicht den liberalen Ökonomen in der Tradition der Chicago-School (wie z.B. Milton Friedman) nahe; man sieht sich unter anderem in der Mont-Pèlerin-Society. In einer Hinsicht aber stehen sich die beiden Schulden unversöhnlich gegenüber: Ökonomen in der Chicago-Tradition bevorzugen flexible Wechselkurse. Das ist ein verheerender theoretischer und praktischer Irrtum. Denn feste Wechselkurse sind viel besser.

– Mit ihrem Plädoyer für flexible Wechselkurse sind die Chicago-Anhänger auf die plumpesten Thesen der Keynesianer hereingefallen. Denn flexible Wechselkurse schaffen Spielraum für Nationalstaaten, Inflation zu betreiben. Dies hat Friedrich von Hayek schon 1937 gesehen.

– Ein anderer Vordenker der Austrians, Ludwig von Mises, hat die Ansicht vertreten, nur feste Wechselkurse seien mit der Demokratie vereinbar. Denn sie zwängen Regierung, Staatsausgaben über Steuern oder Schulden zu finanzieren – die Finanzierung über die Notenpresse sei nicht möglich.

 

3. Der Euro ist noch besser als ein System fester Wechselkurse.

– Der Euro hat den monetären Nationalismus in Europa beendet.

– In einer Hinsicht ist er sogar noch besser als der Goldstandard: Ein Austritt ist schwieriger.

– Der Euro erzwingt, weil die Mitgliedsstaaten keine Geldpresse mehr haben, marktwirtschaftliche Reformen. Auch wenn sie nicht ausreichend sein mögen, ist viel geschehen. In Spanien hat es Reformen gegeben, die kein Spanier früher zu Zeiten der eigenen Währung für möglich gehalten hätte. Somit wirkt der Euro wie eine Reform- und Produktivitätspeitsche und das ist aus einer marktwirtschaftlichen Sicht sehr gut. Auch in anderen Ländern wie Portugal, Italien, Griechenland und Frankreich kann man Reformen beobachten.

– Die Ankündigung des OMT-Programms der EZB hat allerdings den Reformeifer begrenzt. Daher ist es wünschenswert, dass das Bundesverfassungsgericht das OMT-Programm zumindest einschränkt.

– Auch Griechenland sollte den Euro nicht verlassen. Das gelegentlich genannte Beispiel der Aufgabe der Dollarbindung durch Argentinien ist nicht als Vorbild geeignet, sondern als Abschreckung. Nach der Aufgabe der Dollarbindung fiel Argentinien in ein elend tiefes Loch.

 

4. Die Feinde des Euro sind eine bunte und kuriose Mischung unterschiedlicher Kräfte

– Prinzipienreiter von der extremen Linken und Rechten

– nostalgische Keynesianer

– dogmatische Monetaristen

– naive Vertreter der Theorie des optimalen Währungsraums

– Dollar- und Pfund-Chauvinisten. In New York und London gibt es eine verborgene Agenda, aus eigensüchtigen Gründen den Euro zu bekämpfen: „The Americans are the enemies.“

– verwirrte Defätisten, die den Euro nicht für überlebensfähig halten (Huerta de Soto führte dies nicht näher aus, aber vermutlich würde er nicht wenige Eurogegner unter den deutschen Ökonomen in diese Kategorie einordnen).

– Nach Ansicht des spanischen Ökonomen würde sich das bunte Völkchen der Eurogegner vermutlich auch gegen eine Rückkehr zum Goldstandard verbünden.

 

5. Der fatale Fehler der EZB

– Nicht die Existenz des Euro ist das Problem, sondern eine falsche Politik der Europäischen Zentralbank in den ersten Jahren nach der Einführung der Gemeinschaftswährung.

– Eine politische Union in Europa wäre eine ganz falsche Entscheidung, die viel Schaden anrichtete.

– Der fatale Fehler der EZB bestand darin, sich im vergangenen Jahrzehnt nicht entschieden genug von der zu laxen Geldpolitik der Fed distanziert hat, weil die EZB eine zu starke Aufwertung des Euro fürchtete.

– Überhaupt müsste Europa selbstbewusster gegenüber den Amerikanern auftreten. Es sollten viel mehr Amerikaner nach Europa kommen, um hier die Österreichische Schule zu studieren. Die amerikanische Ökonomik ist nicht marktwirtschaftlich ausgerichtet, sondern am Interesse von „Sozialingenieuren“ ausgerichtet.


106 Lesermeinungen

  1. Das Motto "Euro gut - EZB schlecht" verfängt nicht, ...
    … denn die beiden kann man nicht trennen. Währungen sind eben immer nur so gut wie ihre Zentralbanken bzw. Staaten die sie ausgeben.

    Und genau daran hakt es beim Euro: Verantwortlich ist kein Staat, sondern ein Konglomerat von Staaten. Und da geht es frei nach dem Motto zu: Jeder gegen jeden!

    Sozusagen eine Währung von und für Anarchisten…

  2. wenn ich spanischer Bürger wäre,
    würde ich auch für den Euro kämpfen. Wenn ich allerdings spanischer „Ökonom“ Wäre, müsste ich mir die Frage stellen, ob der Euro meinem Land Wohlstand garantieren kann. Und die Antwort darauf wäre eindeutig.

  3. "Österreicher"
    Mich wundert jetzt, dass selbst sogenannte Österreicher scheinen, die Goldwährung nicht zu verstehen. Das war kein System fester Wechselkurse: Wechselkurse spielten eine sehr wichtige Rolle in der Geldpolitik. Was vertreten eigentlich diese Leute?!

  4. Von Hayek und von Mises
    haben (und konnten) nicht die Entwicklung zu dem heutigen globalen Marktkapitalismus voraussehen. Auch die viel jüngere Chicago-School nicht. Es ist das Problem aller Theorien, auch der volkswirtschaftlichen, daß das Gesamtsystem stets neue Fakten schafft, die mit den bisherigen Methoden nicht gelöst werden können. Das Festhalten an scheinbar bewährten oder auch neuen Lehrmeinungen führt in dem einen Fall (z. B. Chile in den 70ern nach der ‚Ablösung‘ Allendes) zu einer ökonomischen Erholung; in den Euro-Staaten des Südens bringt es ein ganzes Währungsgebiet offensichtlich ökonomisch und politisch an den Rand des Abgrunds. Wir Artisten in der Zirkuskuppel – ratlos.

  5. Lauter und deutlicher Widerspruch...
    Unter Punkt 1 der Zusammenfassung steht das entscheidende Credo der Anhänger der österreichischen Schule. Verbot von „fractional lending“, keine Geldschöpfung aus dem Nichts und Bindung der Währung an einen festen Standard (Gold). Wenn man diesen Teil weglässt, dann bleibt praktisch nichts mehr von der Lehre der österreichischen Schule übrig. Nun will es aber die Realität, dass das Eurosystem nichts von alledem hat, aber auch gar nichts! Damit sind alle weiterführenden theoretischen „Ergüsse“ für die Katz und entlarven sich als das was sie sind: eine pro Euro Propaganda eines spanischen Volkswirts, der auf krummsten Wegen den Verbleib Spaniens in der Eurozone verargumentieren will. Darf er gerne, darf er nur nicht mit dem Gütezeichen der österreichischen Schule. Das wäre Orwell’sche Sprachverdrehung vom Feinsten. Das nicht zu erkennen, nehme ich dem Verfasser des Blogs beinahe übel. Die Überschrift müsste eigentlich lauten: Ein Austrian für den Euro, unter Weglassung des Fundaments der Theorie.

    Der Euro ist das genau gleich liderliche Geldsystem, wie überall. „FIAT“ – Geld, unterworfen der Wilkür von verlotterten Politikern und Bankern, die keinerlei Interesse daran haben, das Volk dauerhaft an Wohlstand und Vermögen teilhaben lassen zu wollen. Wollten sie das, dann schüfen sie ein Geldsystem, welches der Wilkür entzogen ist und einen stabilen Wert besitzt und behält. Das heutige FIAT Geld gibt der herrschenden Klasse jederzeit die Macht, mit einem Federstrich ganze Vermögensstrukturen von unten nach oben zu verteilen und es nach einem „Unfall“ aussehen zu lassen. Für den „Unfall“ braucht es die Krise, die sich immer sehr leicht herbeiführen lässt. Wir, die soeben lebende Generation, werden gerade Zeuge dieses Verbrechens. Schade, dass die meisten Menschen gar nicht mitbekommen, dass es sich bei der Umverteilung von unten nach oben um Absicht handelt, herbeigeführt von den Verteidigern des geltenden Geldsystems.

    • Herr Winkler,
      so Recht Sie im Großen und Ganzen haben (und das ist meiner Meinung nach meistens der Fall), so problematisch würde die Umsetzung im Konkreten.

      Gehen wir mal davon aus, die USA wären bereit, die Leitwährung Dollar zugunsten eines Goldstandardsystems aufzugeben, die Finanzmärkte wären so weit gezügelt, dass sie weder politische Entscheidungsträger unter Druck setzen können noch die Weltwirtschaft abfackeln könnten und China, Japan, Russland, GB und die EU wären auch im Boot:

      Wie denken Sie würde sich ein solches System auf die Volkswirtschaften auswirken? Die Banken bekommen das Geld heute hinterher geschmissen, sie können es sogar mehr oder weniger „kreieren“ und üben sich in Lateineuropa, GB usw. trotzdem in Zurückhaltung. Wie würde es sich wohl auf die Kreditvergabepraxis auswirken, wenn das Geld plötzlich an einen realen, knappen Rohstoff gebunden wäre?

      Wenn wir das aktuelle Währungssystem eigenhändig beenden wollen, müssen wir uns auf eine massive Rezession einstellen. Das Leben auf Pump hat auch in der makroökonomischen Logik irgendwann ein Ende. Die Frage ist, wie und ob wir dieses Ende gestalten wollen. Zur Zeit sieht es nicht so aus.

      Letztendlich gibt es nur zwei Alternativen: Entweder, wir führen diesen Wahnsinn fort und lassen die Bürger, die noch etwas haben, so lange für die Verschuldungspolitik der letzten Jahrzehnte bluten (das ganze funktioniert natürlich asymmetrisch, d. h. die „reicheren“, also weniger verschuldeten Staaten haften für diejenigen, die an den Märkten berechtigterweise keine Chance mehr haben), bis keiner mehr über echte Werte verfügt und das System des ungedeckten Geldes von selbst in sich zusammenfällt oder wir lassen die Banken gleich über die Klinge springen, tragen die Konsequenzen und wagen einen Neustart. Ich präferiere Variante B, die politische Feigheit und das Festhalten an der falschen Hoffnung, dass alles sich schon irgendwie wieder einrenken wird, legt Variante A nah.

      Fakt ist: Die Funktionsfähigkeit des Fiat-Money-Systems neigt sich dem Ende und das wird in jedem Fall ziemlich schmerzhaft.

    • Herr Calvelage
      Zunächst, danke für Ihre Zustimmung in großen Teilen.

      Hier im Blog ging es um eine Verteidigung des Euro auf Basis von Argumenten der österreichischen Schule. So zumindest wurde es in der Überschrift angekündigt. Bei näherem Lesen stellte sich aber dann heraus, daß Prof de Soto mitnichten mit Argumenten der österreichischen Schule argumentiert, sondern postuliert, der Euro sei so etwas wie ein Goldstandard, vielleicht nicht ganz so gut, aber gut genug. Einen grösseren Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen oder gehört. Ich verteidige die Lehre der Österreicher, nicht als neoliberaler Denker, sondern als libertinärer Denker. Ich verwahre mich dagegen, dass den (oft unwissenden) Lesern mit Schlagworten und wissentlich umdefinierten Begriffen ein X für ein U vorgemacht wird, und somit eine ganze Theorie in Verruf gebracht wird. Das Fundament der österreichischen Schule ist die Ablehnung jeder Art von FIAT-Währung. Da beist die Maus keinen Faden ab! Wenn man nun so tut, der Euro sei so etwas ähnliches wie eine „Nicht-FIAT-Währung“, dann ist das schändlich und bringt uns „Österreicher“ in Verruf! Die Logik der Argumente der Österreicher ist bestechend stringent, aber die Theorie braucht das Fundament der wertgebundenen Währung, ohne Zentralbank und ohne fractional lending.

      Nun zu Frage der Umsetzung:

      Ein Umstieg vom jetzigen System, hin zum wertgebundenen System wird natürlich mühsam. Die bisherigen Währungsreformen haben zumeist in der Verarmung der Bevölkerung geendet, mit der Bevorzugung einiger Reicher. Diese sind Banker, Unternehmer und deren Politausführenden. Diese herrschende Klasse hat es bisher immer wieder verstanden, uns, dem Volk zu verkaufen, dass das momentane Geld-System an sich gut sei, aber nur aus dem Ruder gelaufen sei. Beim nächsten Mal werde alles besser.

      Wir, das Volk, sollten endlich begreifen: auch beim nächsten Mal wird nichts besser. FIAT Geld, Zentralbanken, Fractional Lending und Zins/Zinseszins in dieser Kombination führen unweigerlich, mathematisch nachweisbar über kurz oder lang in die Überschuldung.

      Aus meiner Sicht steht ein großer Währungskollaps mit einer Währungsreform kurz bevor. Das heißt: die Kosten werden ohnedies präsentiert. Es fragt sich nur, wer welchen Anteil trägt (gesellschaftlich, nicht national).
      Der Neuanfang könnte mit einer anständigen Währung gemacht werden, wenn wir, das Volk, wenigstens Ahnung hätten und Druck auf die Politkaste machten. Notfalls sogar mit Gewalt, obwohl ich das eigentlich ablehne. Wir wären es unseren Kindern schuldig, endlich wahre Freiheit einzufordern, anstatt fortgesetztes Sklaventum zu leben. Wenn nicht jetzt, wann dann?

  6. Wenn de Soto ein Austrianer ist – dann bin ich ab jetzt keiner mehr.
    Ja ist schon klar. Wer gegen den Euro ist, ist nicht für Wohlstand schaffenden Wettbewerb sondern „Nationalist“. Dieser Mann hat offenbar kein Wort von von Mises verstanden. Der Euro ist der Traum aller Planwirtschaftler. Die Sprüche, dass Planwirtschaft und Sozialismus etwas ganz tolles sind und bisher nur schlecht umgesetzt wurden (in diesem Fall durch die EZB) höre ich jetzt schon mein Leben lang. Komischerweise immer von Leuten, die auf Steuerkosten leben. Bewerbe er sich beim Herrn Schäuble!

    • Und das Argument
      daß das Marktsystem etwas ganz Tolles ist und lediglich schlecht umgesetzt wird, höre ich bei jeder Krise des Marktkapitalismus aufs Neue. Komischerweise von Leuten, die den Finanzplatz Zypern für Teufelswerk, den Finanzplatz Schweiz für ein Gottesgeschenk und im übrigen Offshore-Finanzplätze für besonders marktkonform halten.

  7. Umkehrung der Tatsachen?
    Vielen Dank für die Vortragszusammenfassung! Sehr angenehm, auf diese Weise auch in der Ferne über Aktivitäten des CFS unterrichtet zu sein.
    Der entscheidende, wenn man so will: fatale, Fehler der ersten Jahre der Europäischen Währungsunion wurde allerdings nicht von der EZB gemacht, sondern ist von der Politik zu verantworten. Sie führte den Stabilitätspakt ad absurdum und verletzte die No-Bailout-Regel. In diesen Fußspuren folgte die EZB erst später durch die Querfinanzierung über Target 2 und die angekündigten OMT. Eine fehlende Distanzierung vom Quantitative Easing, wie es die Fed betreibt, läßt sich daher erst für die derzeitige Phase der EZB-Geschichte erkennen.
    Gab es im Anschluß an den Vortrag die Nachfrage, wie es zu dieser Umkehrung der Tatsachen kommen konnte?

    • Fragerunde
      Lieber Herr Mäkeler,

      es gab eine kurze Fragerunde, in der die von Ihnen angesprochene Umkehrung allerdings nicht angesprochen wurde.

      Viele Grüße nach Schweden!
      gb

    • "Der entscheidende, wenn man so will: fatale, Fehler"
      Der Euro sollte aus Sicht der deutschen geldpolitischen Erfahrung und Tradition ein Experiment sein. Der Fehler liegt doch beim Euro selbst und nicht nur bei der Politik. Das Wesen des Euros liegt nicht nur beim Währungsraum und bei den Stabilitätsvereinbarungen: der Fehler der Politik, den Sie erwähnen, ist teilweise eine Folge des Euros, der die Verschuldung fördert.

  8. Jedem das Seine
    Jeder versucht, das zu bewirken, was ihn persönlich am weitesten bringt. So auch hier. Für Spanien mag ja der Euro insgesamt von
    Vorteil sein – die vielen jungen Arbeitslosen dort interessieren so jemanden wie den ohnehin nicht, denn er hat ja sein sicheres Auskommen – für andere Länder ist er das aber eben nicht.
    Die muß man schon mal überzeugenund das geht nur mit guten Gründen und nachvollziehbaren Argumenten. Die sucht man in dem Beitrag vergeblich. Statt dessen die üblichen Behauptungen, nicht nachvollzehbare Rückgriffe auf das, was „Gurus“ eint gesagt und gemeint hätten und sogar persönliche Verunglimpfung von anderen Experten, die nicht seiner Meinung sind. Schwache Vorstellung!

    • Sehr treffend!
      Zwar gilt der Euro als stark, aber wie bei der schwachen Währung ist hier der faule, starke Schuldner der Gewinnler. Damit kann Spanien sogar deutsche Immobilien und Unternehmen importieren.

    • Ideologie
      Es ist immer wieder beeindruckend, wie Ideologen das Wohl des Heimatlandes fremd ist. Wer eine Verbesserung am spanischen Arbeitsmarkt haben möchte, kann nur sagen: Raus aus dem Euro!

  9. Mit Verlaub: Was für ein Quatsch.
    Zunächst einmal zum Goldstandard: Auch wenn eine Rückkehr zum Goldstandard theoretisch reizvoll sein mag, werden Sie weder die USA, die von der monetären Staatsfinanzierung der Fed unter der Leitwährung Dollar massiv profitieren, noch die weltweiten Finanzmärkte, die durch Wechselkursgeschäfte in all ihren Ausprägungen vermutlich sogar noch stärker profitieren, dazu bewegen können, das aktuelle System zugunsten eines Goldstandards aufzugeben.

    Zum Euro: Die Annahme, die EZB könnte politisch unabhängig agieren und so verhindern, dass Staaten sich über die Notenpresse finanzieren, ist schon fast lächerlich naiv. Die Hintergründe zur EZB-Entscheidung, „notfalls“ (und dieser Notfall wird eintreten) unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, führt diese Argumentation ad absurdum. Auch die angenommenen „marktwirtschaftlichen Reformen“ in den Krisenstaaten finden nicht annähernd in dem Umfang statt, den sie haben müssten, um wieder auf die Beine zu kommen. Ein Ende der wahnwitzigen Schuldenorgie ist nirgendwo in Sicht, ESM und EFSF haben die Logik des Kreditwesens nachhaltig aus den Angeln gehoben. Der geäußerte Wunsch, dass das BVerfG dem OMT-Programm klare Grenzen setzt, wird sich in Luft auflösen. Auch das BVerfG agiert nicht unabhängig, die politische Haltung weiter Teile des Bundestags sowie die komplizierte Rechtslage werden zu einem schwammigen „Ja, aber“-Urteil führen, wie wir es in letzter Zeit so oft erlebt haben.

    Fazit: Ich bin mir sicher, dass Herr Huerta de Soto im Laufe seines Lebens auch sehr viele kluge Dinge gesagt hat. Sollte Herr Braunberger aber (und davon ist nicht auszugehen) keine bedeutende Passagen der Rede ausgelassen haben, wundert mich die missliche Lage der europäischen Wirtschaft kaum noch.

  10. Hayek würde sich im Grab umdrehen !
    Ich bin auch Hayek Anhänger. Aber libertär und nicht neo-liberal.
    Gerade Hayek Freunde sollten doch eigentlich die Freiheit hoch halten und nicht irgendwelche monetären Zwänge gutheißen die souveräne Rechte einzelner Staaten aushebeln. Das ist dann eher vulgär-Liberalismus und hat mit Freiheit wenig zu tun.
    Und die sog. „Vorteile“ die hier beschrieben wurden sind aber fernab der heutigen Realität.
    Viele südliche Euroländer haben doch in ihrer sozialistischen Tradition gar kein Interesse an einer „stabilen“ Währung und wollen ihre Probleme lieber wie bisher weg inflationieren.
    Da die nördlichen Staaten das aber nicht wollen wird es immer einen Konflikt zwischen Geld drucken (Süden) und wirtschaftlichen Reformen (Norden) geben.
    Die Hayek-Gesellschaft sowie die FDP haben den Liberalismus schon lange verraten bzw. sind zu opportunistischen Vulgär-Liberalen geworden die feudale Strukturen unterstützen.
    Wenn die Hayek-Gesellschaft wirklich interessiert wäre an Hayeks Ideen, würde sie gemäß seinen Vorstellungen alternative Währungen abseits vom staatlichen Geldmonopol unterstützen, aber sicherlich nicht den Euro.
    Es sind eben hauptsächlich alte Herren bei der Hayek Gesellschaft, die es in ihrem Leben nicht auf die Reihe gekriegt haben die Öffentlichkeit für die freiheitlichen Vorstellungen Hayeks zu begeistern, und sich dann Schritt für Schritt dem System angepasst haben. Es gibt schlicht kein ernst zu nehmenden und kreativen Kampfeswillen mehr bei diesen Leuten für mehr bürgerliche Freiheiten und gegen ein unfreies System.

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