Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

“Es werden Scheindebatten geführt”

| 44 Lesermeinungen

In manchen deutschen Blogs toben sich seit Jahren vermeintliche Revolutionäre monetären Denkens aus, die traditionellen Ökonomen unterstellen, diese hätten keine Ahnung von Geld, Banken und Geldpolitik. Der Makroökonom Rüdiger Bachmann ist der Auffassung, dass sich der ökonomische Mainstream  gegen diese “Neigung zu Obskurem und zur Scharlatanerie” stellen sollte, anstatt sie zu ignorieren oder zu verlachen.

 

 

Herr Bachmann, in der „Ökonomenstimme“ sind in den vergangenen Wochen mehrere Beiträge, unter anderem von Dirk Ehnts, erschienen, in denen harte Kritik an der Mainstreamökonomik geübt wird. Konkret geht es um den mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Buchhaltung geführten Vorwurf, dass der Mainstream nicht verstehe, wie Geschäftsbanken und Zentralbanken funktionierten. Was sagen Sie dazu?

Ich habe zwei Vorbehalte: Zum einen werden Scheindebatten geführt, zum Teil über unwichtige und semantische Probleme, wie etwa ob Buchungsakte autonom und sozusagen ex nihilo erfolgen. In einem gewissen Sinne: natürlich, ja. Zum anderen reden wir über sehr alte Hüte.

© privatRüdiger Bachmann

Welche alten Hüte meinen Sie?

Da wird behauptet, Greg Mankiw und andere moderne Lehrbuchautoren wüssten nicht, dass wir in einer Welt mit Fiat-Money und zweitstufigem Banksystem leben, in der erstens die Zentralbanken nichts mehr gegen Geld einlösen müssen wie früher beim Goldstandard, und andererseits Geld eben von Geschäftsbanken durch Kreditvergaben geschaffen wird. Natürlich ist das den Ökonomen bekannt. Genau so ist den Ökonomen bekannt, dass Zentralbanken wie die Fed oder die EZB Zinspolitik und keine Geldmengenpolitik betreiben. Und wenn man Zinspolitik betreibt, muss man die Geldmenge akkommodieren. Insofern stimmt es natürlich, dass die Geschäftsbanken in normalen Zeiten immer an Zentralbankgeld kommen, wenn sie es für Mindestreserven, Bargeldabhebungen oder Überweisungen zu anderen Geschäftsbanken, also alles Dinge, über die eine einzelne Geschäftsbank eben nicht autonom verfügt, brauchen. Die entscheidende Frage ist: Zu welchen Konditionen? Diese Konditionen werden von der Geldpolitik beeinflusst. Deshalb ist die These einer „Geldschöpfung aus dem Nichts“ abwegig bzw. ungebührlich sensationsheischend: Das ist den Ökonomen alles bekannt. Und in der Realität kommen sowieso Kreditvergaberegulierungen und Kreditvergabefriktionen als Einschränkungen für das durch Kredit geschaffene Geld hinzu.

 

Sie sind Makroökonom. Manche Kritiker argumentieren mit der Buchführung. Lässt sich aus Ihrer Sicht aus dieser Buchführungsdiskussion überhaupt eine Erkenntnis ziehen?

Es ist schon richtig, dass alles, was ein Ökonom über Zentralbanken und Geldpolitik sagt, den Regeln der Buchführung genügen muss. Insofern kann man die Buchführung als eine Art Instrument zur Selbstdisziplinierung ansehen. Aber es wäre absurd anzunehmen, Ökonomen könnten keine Buchführung. Und sowieso kann die Buchführung die ökonomische Analyse nicht ersetzen, die etwa mit den verschiedenen Erwartungen bei den Geschäftsbanken ansetzen muss.

 

Manche Kritiker des Mainstreams behaupten, dort werde ein unrealistisches Modell des Geldmultiplikators gelehrt, in dem die Zentralbank über die Zuteilung von Zentralbankengeld die Menge des Geschäftsbankengeldes eng und mechanistisch steuern kann. Was sagen Sie dazu?

Ich will nicht bestreiten, dass in manchen Einführungsvorlesungen ein solches Modell noch gelehrt wird. Wenn die Studenten nur dieses Modell kennenlernen sollten, gäbe es tatsächlich ein Problem. Aber die Modelle in Einführungsvorlesungen sind aus pädagogischen Gründen sehr einfach; später lernen die Studenten dann realistischere Modelle kennen.

 

Das ist nicht überraschend, denn schon vor Jahrzehnten fanden sich in Lehrbüchern realistischere Ansätze zur Theorie des Geldmultiplikators.  Wie lehren Sie und andere moderne Makroökonomen heute Geldpolitik?

Man geht am Anfang häufig von einem ISLM-Modell aus, in dem die Zentralbank die Geldmenge bestimmt. Dies geschieht aus Gründen der Vereinfachung. In einem nächsten Schritt werden realistischere Modelle behandelt, indem die Zentralbank zum Beispiel mit einer Taylor-Regel den Zinssatz setzt.

 

Dem würden die Kritiker entgegenhalten, dass in den Mainstreammodellen mit der Taylor-Regel die Geldschöpfung der Geschäftsbanken nicht explizit betrachtet wird.

Der Widerspruch bei den Anhängern dieser heterodoxen Geldtheorie ist doch: Einerseits sagen sie, dass die Geldschöpfung der Geldbanken wichtig ist. Gleichzeitig behaupten sie, die Geschäftsbanken erhielten immer so viel Zentralbankgeld, wie sie wollten. Wenn dem aber so ist, braucht man keine separate Analyse von Geschäfts- und Zentralbanken, sondern man kann nur  mit einer Zentralbank im Modell arbeiten. Dann ist die Frage, zu welchen Konditionen entsteht Geld. Und hier spielt der Zins der Zentralbank eine entscheidende Rolle, und damit sind wir im Standardmodell mit der Taylor-Regel. Die Heterodoxen widersprechen sich aber noch in einer anderen Hinsicht.

 

In welcher?

Das Standardmodell gilt für normale Zeiten, aber wir haben gelernt, dass es in einer Finanzkrise zu Spannungen am Interbankenmarkt kommen kann. Deshalb arbeiten moderne Mainstreamökonomen an Modellen, die sich mit der Interaktion zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken bei solchen Friktionen beschäftigen. Viele Heterodoxe haben dem  Mainstream erst vorgeworfen, seine Standardmodelle taugten nicht für eine Krise. Und wenn dann eine Krise da ist, sagen sie: Jetzt müssen wir aber Modelle verwenden, die darauf hinauslaufen, dass sich die Salden der Geschäftsbanken über den Geldmarkt immer ausgleichen. Das ist aber gerade das Modell für die guten Zeiten.

 

Haben die Heterodoxen Modelle für eine Krise?

Ehnts hat kein Modell. Ehnts hat einen Buchungssatz entdeckt. Am Ende läuft seine Erkenntnis darauf hinaus, dass Zentralbanken keine Geldmengenpolitik betreiben. Das wissen die Zentralbanken und die Mainstreamökonomen seit Jahrzehnten. Grundsätzlich stellen sich für mich aber ganz andere Fragen.

 

Welche?

Erstens: Warum finden solche Scharlatane überhaupt Gehör? Und zweitens: Warum verteidigen sie sich nicht gegen Kritik? Herr Ehnts ließ sich auf keine Debatten ein weder per Email noch auf “Ökonomenstimme”, sondern empfiehlt, man solle sein Buch kaufen. Für einen Ökonomen, der Professor werden will, ist die Verweigerung einer Diskussion seiner Thesen ein merkwürdiges Verhalten. So etwas kann eigentlich nicht sein. Manche seiner Unterstützer in Blogs führen semantische Diskussionen oder wollen ökonomische Fragen über Buchungssätze klären, mit denen sich die Fragen aber nicht klären lassen. In meiner Erfahrung ist das ein fast typisches Verhalten in der Auseinandersetzung zwischen Mainstreamökonomen und Heterodoxen: Die Heterodoxen wollen oft Scheinprobleme diskutieren. Für mich gehört das zu dem Thema „Fake-News“.

 

Ist das nicht übertrieben?

Man kann das belächeln, aber nicht nur in Deutschland gibt es die Neigung zum Obskurem und zur Scharlatanerie, sondern auch in den Vereinigten Staaten. Die Kritik am Establishment ist ein Zug unserer Zeit. Die Mainstreamökonomen haben in der Vergangenheit weiß Gott nicht alles richtig gemacht, aber es kann doch nicht sein, dass man heute sein Heil bei irgendwelchen Gurus sucht, die vermeintlich revolutionäre Erkenntnisse verbreiten.

 

Und was kann der Mainstream tun?

Bisher werden die Gurus vom Mainstream entweder ignoriert oder ausgelacht. Ich finde: Das reicht nicht. Wir müssen dagegenhalten.

 

Das Gespräch führte Gerald Braunberger.

 

 

 

 

 

 

 

 


44 Lesermeinungen

  1. MF87 sagt:

    Eisbären,Schmelzpunkte,Eisberge und Rating Bewertungen //Theoretische Werdegänge:
    Windstärke,Solartechnik,Air Berlin ,Cyberattacks,Maschinenbau,kurzum die
    Meeresspiegel ändert folgerichtig die Beschaffenheit des” Discours- Trägers” FAZIT .
    Führt jedes Mal zu einer Fülle von semantische Variationen,in denen sich
    jeweils die eine oder andere Komponent hervorheben lässt .
    Wie die sogenannte Klimawandel sich nicht mehr fassen lässt im altmodischen Emission-Handel.
    Die politisch-wirtschaftlich verwendeter Sprache ändert sich genau so ,nahezu so rasch wie “Schmelzpunkte-Theoreme ” der britischen Wucherzinsen-Geschäfte oder die überfüllte Getreidelager und das Marktmechanismus, entkoppelt der realen Nahrungsbedurfnisse Teilen Afrika’s…

    Ein Discours – Träger” Bauer “wie FAZIT erwischt fehlgeschlagenen discursive
    “Operationen ” :nicht genügend grenzüberschreitenden Neugieransätze zur Perspektivenwechsel im Lernen.
    Wie auch immer “die Amortisationsdauer “der Discours ist immer ungewiss .
    Daher einander nicht verstehen können,nicht verstehen wollen,verbessert
    nie mit schwache “Eigenkapitalausstattung” im genaue Kenntnis von
    z.B. makroökonomische Begriffe/Parameter.
    So nochmals es schadet nie “Lernen en marche “.

  2. Heismann sagt:

    Multiple Geldschöpfung
    Vielleicht noch ein Wort zur Multiplen Geldschöpfung bzw. zum Geldschöpfungsmultiplíkator. Diese Theorie ist keineswegs ein „Märchen“, wie hier behauptet wird. Es ist lediglich so, dass der Multiplikator derzeit für die Geldschöpfung der Banken praktisch keine Relevanz hat.

    Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Theorie ist, dass die Geschäftsbanken bei der Zentralbank nur geringe Überschussreserven halten, die gegenüber den Mindestreserven kaum ins Gewicht fallen. Dann gibt der Geldschöpfungsmultiplikator die Relation der (potenziellen) breiten Geldmenge zur Zentralbankgeldmenge an.

    Derzeit aber sind die Überschussreserven der Geschäftsbanken um ein Vielfaches höher als die Mindestreserven, so dass der Geldmultiplikator sozusagen ins Leere läuft. Bei dem aktuell in der Eurozone geltenden Mindestreservesatz von einem Prozent beträgt der Geldmultiplikator logischerweise 100. Die breite Geldmenge ist derzeit aber in Deutschland nur rund acht bis zehn Mal so hoch wie die Zentralbankreserven der Geschäftsbanken.

    Im Übrigen ist m. E. eine logische Unterscheidung zu machen. Der Geldmultiplikator gibt immer nur die Höchstgrenze für die breite Geldmenge an. Er ist eine NOTWENDIGE, aber KEINE HINREICHENDE Bedingung, damit eine bestimmte Geldmenge erzeugt werden kann.

    Wenn die Nachfrage nach Krediten ausbleibt, dann wirkt der schönste Multiplikator nicht. Dies zeigte sich schon in der Nachkriegszeit, als die junge Bundesrepublik die ersten Rezessionen erlebte.

    Anders formuliert: Die Zentralbank kann mit einer Erhöhung der Mindestreservesätze relativ einfach verhindern, dass die Geldschöpfung der Banken in Boom-Zeiten über alle Grenzen hinauswächst. Umgekehrt ist es sehr viel schwieriger (wenn nicht unmöglich), mit einer Senkung der Mindestreserven die Geldschöpfung anzukurbeln, wenn die Kreditnachfrage schwächelt oder wenn regulatorische Vorschriften die Kreditvergabe bremsen.

    Ich denke, dies hat die Bundesbank nie anders gesehen.

  3. Heismann sagt:

    Intermediäre
    In der Diskussion wird oft behauptet, die Banken einen keine Intermediäre zwischen Sparern und Kreditnehmern. Natürlich sind sie dies in einem wohl verstandenen Sinne.

    Denn die Kundeneinlagen spielen die eine Schlüsselrolle bei der Kreditvergabe der Banken. Sie bilden bei den meisten Kreditinstituten die wichtigste (wenn auch natürlich nicht die einzige) Quelle der Refinanzierung. Bei den Sparkassen und Volksbanken entfallen in der Regel 50 bis 80 Prozent der externen Finanzierung auf die Einlagen von privaten Kunden.

    Bei der Deutschen Bank ist dies nicht viel anders. Das Institut weist im Geschäftsbericht für 2016 (S. 217) einen Gesamtrefinanzierungsbedarf von 977 Milliarden Euro aus. Mit 292 Milliarden Euro und einem Anteil von 30 Prozent bilden die Einlagen von Privatkunden die größte Quelle der externen Finanzierung.

    Insofern sind die Banken in der Tat AUCH (aber nicht nur) Intermediäre zwischen Kundeneinlagen und Krediten. So sagt es ja auch die Bundesbank.

    • michaelstoecker sagt:

      Refinanzierung ist nicht Intermediation
      Was Sie hier beschreiben, Herr Heismann, gilt insbesondere für kleinere Banken, nicht aber für das Bankensystem als Ganzes. Insbesondere selbständige kleinere Banken und Newcomer müssen sich schon vor der Kreditvergabe Gedanken über die Refinanzierung machen und „Einlagen“ längerfristig einwerben, da sie ansonsten unmittelbar illiquide wären. Daraus jedoch zu schlussfolgern, dass Geschäftsbanken Intermediäre seien, wird dann aber doch einer makroökonomischen Perspektive nicht gerecht. Die Grenzen der Kreditvergabe werden aus makroökonomischer Sicht gerade nicht durch die Einlagen determiniert, sondern seitens der Banken insbesondere durch die Eigenkapitalanforderungen, wie Sie an anderer Stelle ja bereits richtig betont haben. Auch die Sicht der Bundesbank hat sich in diesem Punkt gewandelt. Noch im September 2014 äußerte sie sich wie folgt:

      „Die Aufgabe des Finanzsystems besteht darin, das Weiterleiten finanzieller Mittel von Anbietern zu Nachfragern zu erleichtern. Wer Geld gibt, erwirbt im Gegenzug einen zukünftigen Anspruch, wie etwa das geliehene Geld mit Zinsen später zurückzubekommen. Im Prinzip gibt es für diesen Vorgang zwei Wege: Erstens können die privaten Haushalte überschüssiges Geld den Unternehmen, die investieren wollen, direkt zur Verfügung stellen, indem sie beispielsweise neu emittierte Aktien oder Anleihen von Unternehmen kaufen. Zweitens können Haushalte Bargeld oder Sichteinlagen bei den Banken in Spar- oder Termineinlagen umwandeln und es den Banken dadurch ermöglichen, gewährte Kredite langfristig zu refinanzieren. Die Bank vermittelt so zwischen Anbietern und Nachfragern von finanziellen Mitteln. Sie tritt damit als Intermediär im Finanzsystem auf.“

      Die letzten beiden Sätze, die von mir kritisiert wurden (Verwechslung von Fristentransformation mit Intermediation), wurden sodann wie folgt umgeschrieben:

      „ Die Banken stehen zwischen Anbietern und Nachfragern von finanziellen Mitteln und nehmen im Finanzsystem vielfältige Aufgaben wahr.“

      Ganz grundlos wird diese nachträgliche Änderung ja wohl nicht gewesen sein. Refinanzierung und Fristentransformation ist eben doch etwas anderes als Intermediation.

      LG Michael Stöcker

    • Heismann sagt:

      Stöcker und Finanzintermediäre
      Ihr Post ist sehr wunderlich. Selbstverständlich sind Banken Finanzintermediäre. Diese Definition ist allgemein üblich. Hier ein Zitat aus dem Glossar der Bundesbank:

      “Als Finanzintermediär bezeichnet man ein Unternehmen, das Geldkapital von Anlegern entgegennimmt und an Kapitalnehmer weitergibt oder den Handel zwischen Kapitalgebern und -nehmern erleichtert. Der Begriff bezieht sich typischerweise auf Banken und Versicherungsgesellschaften.”

      Nur eine winzig kleine Schar von ökonomischen Scharlatanen bestreitet, dass Banken Finanzintermediäre sind. Wieso soll diese sektiererische Auffassung maßgeblich sein?

    • michaelstoecker sagt:

      Heismann und das argumentum ad populum
      Nur weil eine Definition allgemein üblich ist, muss sie noch lange nicht richtig sein. Die Geschichte kennt hierzu zahlreiche Beispiele und jede Generation war schon immer von sich überzeugt, die wahrhaftig aufgeklärte zu sein.

      Wenn Banken denn Finanzintermediäre wären, stellt sich die Frage, wie es zum Phänomen längerfristiger Preissteigerungen kommen kann; insbesondere, wie das Inflationsziel der wichtigsten Notenbanken dieser Welt von 2 % erreicht werden kann. Desweiteren wäre zu klären, wie eine solche Vorstellungen mit einer wachsenden Bevölkerung in Einklang zu bringen ist, ohne dass es zu einer andauernden Deflation kommt und/oder einem sinkenden BIP/Kopf.

      Insofern, lieber Herr Heismann, freue ich mich auf Ihre sachbezogenen Argumente.

      Ein kleiner Hinweis sei noch abschließend erlaubt: Zu Zeiten von Wicksell gab es noch den Goldstandard. Den können wir heute – mitsamt der Loanable-funds-Theorie – getrost in den Skat drücken.

      LG Michael Stöcker

    • Heismann sagt:

      Stöcker und Sektierer
      In jeder Disziplin gibt es Scharlatane, Obskuranten und Sektierer, die allgemein anerkannte Sachverhalte und Theorien leugnen.

      In der Physik gibt es Leute, die Einsteins Relativitätstheorie leugnen. In der Biologie gibt es Leute, die Darwins Evolutionstheorie leugnen. Und in der Medizin gibt es Leute, die die Existenz von Viren leugnen. Dennoch erkranken jedes Jahr Millionen von Menschen, weil sie sich mit Viren infiziert haben.

      So gibt es denn auch in der Ökonomie Leute, die leugnen, dass Banken Finanzintermediäre sind, die zentrale volkswirtschaftliche Aufgaben erfüllen wie Losgrößen-Transformation, Risikotransformation, Fristentransformation und Infomationstransformation.

      Da kann man irgendwann nur mit den Schultern zucken und sagen: Ja gut, all diese Scharlatane, Obskuranten und Sektierer gibt es eben. Ich muss mich mit denen aber nicht ewig herumstreiten. Und damit ist für mich Schluss der Diskussion.

    • michaelstoecker sagt:

      Heismann und das antike Geldbild
      „In jeder Disziplin gibt es Scharlatane, Obskuranten und Sektierer, die allgemein anerkannte Sachverhalte und Theorien leugnen.“

      So ist es, Herr Heismann.

      „So gibt es denn auch in der Ökonomie Leute, die leugnen, dass Banken Finanzintermediäre sind, die zentrale volkswirtschaftliche Aufgaben erfüllen wie Losgrößen-Transformation, Risikotransformation, Fristentransformation und Infomationstransformation.“

      Die mag es vielleicht geben. Was die mehr oder weniger zentralen volkswirtschaftlichen Aufgaben anbelangt, gehöre ich allerdings nicht dazu. Allein: Das hat nichts mit der behaupteten Funktion der Banken als Finanzintermediär zu tun. Sie müssen und sollen sich hier auch mit niemandem streiten. Jeder kann für sich entscheiden, welcher antiken Religionsgemeinschaft er angehört. Er sollte dies dann aber bitte nicht als gesichertes Wissen deklarieren. Bei Oswald Spengler, Heinz D. Kurz sowie Reneé Menéndez haben Sie Gelegenheit, das apostolische Glaubensbekenntnis des ökonomischen Mainstream zu überdenken:

      „Das »römische« Sachdenken unsrer Juristen ist deshalb ebenso lebensfremd wie eine Geldtheorie, die bewußt oder unbewußt vom Geldstück ausgeht. Der gewaltige Münzbestand, der in Nachahmung der Antike bis zum Ausbruch des Weltkriegs stets vermehrt worden ist, hat sich zwar eine Rolle abseits vom Wege geschaffen, aber mit der inneren Form der modernen Wirtschaft, ihren Aufgaben und Zielen hat er nichts zu tun, und sollte er infolge des Krieges endgültig aus dem Verkehr verschwinden, so würde damit nichts verändert sein […]Die ganze Weltwirtschaft seit Erfindung der Dampfmaschine ist die Schöpfung einer ganz kleinen Zahl überlegener Köpfe, ohne deren hochwertige Arbeit alles andere nicht da wäre, aber diese Leistung ist schöpferisches Denken und kein »Quantum«, und ihr Gegenwert besteht also auch nicht in einer Anzahl von Geldstücken, sondern sie ist Geld, faustisches Geld nämlich, das nicht geprägt, sondern als Wirkungszentrum gedacht wird aus einem Leben heraus, dessen innerer Rang den Gedanken zur Bedeutung einer Tatsache erhebt. Denken in Geld erzeugt Geld: das ist das Geheimnis der Weltwirtschaft. Wenn ein Organisator großen Stils eine Million auf ein Papier schreibt, so ist sie da, denn seine Persönlichkeit als Wirtschaftszentrum bürgt für eine entsprechende Erhöhung der Wirtschaftsenergie seines Gebietes. Das und nichts anderes bedeutet für uns das Wort Kredit. Aber alle Goldstücke der Welt würden nicht ausreichen, der Tätigkeit des Handarbeiters einen Sinn und damit Geldwert zu geben, wenn mit der berühmten »Expropriation der Expropriateure« die überlegenen Fähigkeiten aus ihren Schöpfungen beseitigt und diese damit entseelt, willenlos, zu leeren Gehäusen würden. Darin ist Marx Klassizist wie Adam Smith und ein echtes Produkt des römischen Rechtsdenkens: er sieht nur die fertige Größe, nicht die Funktion. Er möchte die Produktionsmittel von denen trennen, deren Geist durch Erfindung von Methoden, Organisation von leistungsfähigen Betrieben, Eroberung von Absatzgebieten aus einem Haufen Stahl und Mauerwerk erst eine Fabrik macht, und die ausbleiben, wenn ihre Kraft keinen Spielraum findet.“ https://gutenberg.spiegel.de/buch/der-untergang-des-abendlandes-zweiter-band-5329/81

      „Der Kredit ist der „Hebel des Güterentzugs“ zugunsten des Neuerers, schreibt Schumpeter. Der Anstieg der monetären Gesamtnachfrage führt in einer annahmegemäß vollbeschäftigten Wirtschaft zu einem Anstieg der Preise produktiver Ressourcen. Die kreditinduzierte Inflation wirkt wie eine Steuer auf die statischen Betriebe und spielt dem Unternehmer die benötigten Ressourcen in die Hände. Erst jetzt kommen die Kategorien Kapital, Profit und Zins ins Spiel. „Kapital“ ist Schumpeter zufolge ausschließlich die Unternehmern überlassene Kaufkraft – „ein drittes zur Produktion in der Verkehrswirtschaft nötiges Agens“. Kapital sind weder produzierte Produktionsmittel noch kumulierte Ersparnisse usw., wie es die gängigen Theorien behaupten. Ja, um einen Prozess der Entwicklung in Gang zu setzen, ist überhaupt keine Ersparnis vonnöten. Es genügt die Kreditvergabe an die Neuerer. Erst im Gefolge von deren Innovationen kommt es zu Ersparnissen aus den realisierten Gewinnen und steigenden sonstigen Einkommen. Ganz ähnlich sollte mehr als zwei Jahrzehnte später John Maynard Keynes die Auffassung vertreten, Investitionen verschafften sich über ein steigendes Sozialprodukt bei gegebener Sparquote die Ersparnisse selbst.“ https://blogs.faz.net/fazit/2012/02/24/alte-meister-2-von-der-rastlosigkeit-des-kapitalismus-zum-100-geburtstag-von-joseph-schumpeters-theorie-der-wirtschaftlichen-entwicklung-266/

      „Es soll Menschen geben, die tatsächlich glauben, daß über die Frage, welche Aufgaben ein Banksystem zu erfüllen habe, Einigkeit unter Ökonomen herrschen würde. Vordergründig scheint es auch so zu sein, denn in der Regel kommen auf die Frage nach der volkswirtschaftlichen Funktion von Banken die Transformations-Antworten: Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation. Die meist weitschweifigen Erklärungen rund um diese Begriffe überzeugen dann den Wißbegierigen bald davon, daß er es mit einer seriösen Antwort zu tun hatte. Und mit dem wohligen Gefühl, daß sich die halbe Bankbetriebslehre um die Sicherheit seiner Spargroschen kümmert, sowie dem Eindruck, daß es sich dabei um gesichertes Wissen handelt, wendet er sich dann anderen Themen zu.“ https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/21/wozu-sind-banken-da/

      LG Michael Stöcker

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