Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Das Dilemma der Frauen

| 26 Lesermeinungen

Karriereweib oder geliebte Ehefrau – beides kann eine Frau nicht sein. Denn Männer mögen keine ehrgeizigen Frauen, die ihnen im Beruf womöglich noch den Rang ablaufen. Sie bevorzugen kleine Heimchen, die sich mit Leidenschaft um Haushalt und Kinder kümmern.

Was klingt wie ein bösartiger Affront gegenüber Frauen und Männern zugleich, ist so aus der Zeit gefallen leider nicht. Selbst Frauen haben dieses Bild noch immer im Kopf. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommen amerikanische Ökonomen in einer Studie, die sie gerade in der renommierten Fachzeitschrift “American Economic Review” veröffentlicht haben. Die Autoren haben darin eine brisante These aufgestellt: Für viele Frauen sei es heute selbstverständlich, genauso ehrgeizig zu sein wie die Männer. Das gelte aber nur, wenn sie schon verheiratet seien. Ledige Frauen scheuten hingegen nach wie vor davor zurück, sich in der Öffentlichkeit allzu ambitioniert zu geben. Sie fürchteten, dass sie sonst als Ehepartner nicht in Frage kämen.

Um ihre These zu untersuchen, werteten die Wissenschaftler Fragebögen zu beruflichen Ambitionen aus, die 241 Männer und 114 Frauen bei Beginn ihres MBA-Studiums an einer Eliteuniversität ausfüllten. Der Anreiz, sich ehrgeizig zu zeigen, war groß: Offiziell sollten die Fragebögen der Zuweisung späterer Praktikumsplätze dienen. Dazu teilten die Forscher die Probanden in zwei Gruppen auf: Einem Teil wurde gesagt, ihre Antworten würden im Anschluss in ihren jeweiligen Kursgruppen namentlich diskutiert. Den anderen wurde erläutert, dass ihre Antworten anonymisiert in die Gruppendiskussion einfließen würden.

Für die meisten Befragten spielte die Unterscheidung zwischen Öffentlichkeit und Anonymität keine Rolle. Nur in der Gruppe der unverheirateten Frauen stellten die Studienautoren erhebliche Unterschiede fest. Befragt nach ihren Gehaltsvorstellungen, gaben die ledigen Studentinnen öffentlich an, 113 000 Dollar im Jahr verdienen zu wollen. Doch im Schutze der Anonymität stieg ihre durchschnittliche Gehaltsforderung auf 131 000 Dollar. Auch ihre Bereitschaft, auf Dienstreisen zu gehen, ging unter öffentlicher Beobachtung von 14 auf 7 Tage im Monat zurück. Zudem machten sie nach außen hin bescheidenere Angaben zu ihren allgemeinen Karrierezielen und schätzten ihre Führungsfähigkeiten geringer ein.

Ein auffälliges Ergebnis – das aber viele Gründe haben könnte. Es könnte zum Beispiel sein, dass sich ledige Studentinnen grundsätzlich zurückhaltender verhielten, schreiben die Autoren. Oder vielleicht gerade wegen ihrer Schüchternheit noch nicht in festen Händen waren. Um diese Möglichkeiten auszuschließen, sollten sich die Probanden in Bezug auf eine Fähigkeit bewerten, die nicht nur dem potentiellen Arbeitgeber gefallen könnte, sondern auch einem Ehepartner in spe – und zwar auf ihre Eloquenz. Siehe da: In diesem Punkt war von der Bescheidenheit der ledigen Frauen plötzlich nichts mehr zu sehen.

Auch für dieses Verhaltensmuster mag es einen anderen triftigen Grund geben als den bloßen Wunsch, auf das andere Geschlecht attraktiver zu wirken. Doch die Forscher legen in ihrer Studie nach. Ein ähnliches Bild fanden sie vor, als sie die Prüfungsleistungen der MBA-Studenten auswerteten. In den schriftlichen Prüfungen schnitten verheiratete und unverheiratete Studentinnen in etwa gleich gut ab. Doch in der mündlichen Mitarbeit waren die ledigen Frauen deutlich zurückhaltender als ihre vergebenen Kolleginnen. Sie meldeten sich seltener und hielten sich in Diskussionen zurück. Und das alles, obwohl ihre Abschlussnote darunter litt. Anders als bei den Frauen hingen die mündlichen Leistungen der Männer dagegen nicht von ihrem Familienstand ab.

Ihre Beobachtungen begründen die Ökonomen mit einem interessanten Erklärungsansatz: Für ledige Studentinnen und Studenten sei die Uni auch ein Heiratsmarkt. Sie verweisen auf eine Umfrage unter Absolventen der Harvard Business School aus dem Jahr 2015, wonach jede dritte Absolventin unter 30 mittlerweile mit einem ehemaligen Kommilitonen verheiratet sei. Das stelle die unverheirateten Studentinnen vor ein Dilemma: “Verhaltensweisen, die ledigen Frauen auf dem einen Markt zum Erfolg verhelfen, könnten ihnen auf dem anderen Markt schaden”, schreiben die Autoren. Wer im Arbeitsleben etwa häufig das Wort ergreift, freiwillig eine leitende Rolle in Projektgruppen übernimmt oder oft Überstunden macht, dürfte seinem Chef gut gefallen – ein potentieller Partner könnte die Sache allerdings anders sehen.

Selbst die Frage nach angemessener Kleidung, richtiger Frisur oder passendem Make-up werde von dieser Doppelambition verkompliziert. Verheiratete Frauen müssten sich diese Gedanken nicht mehr machen, ihre Ambitionen seien ihren Ehepartnern ohnehin bekannt. Ebenso wenig müssen sich Männer darum sorgen, deren Wert auf dem Heiratsmarkt mit dem beruflichen Erfolg steigt.

In vorauseilendem Gehorsam würden sich ledige Frauen in der Öffentlichkeit also vor möglichen “Sanktionen” im Privatleben schützen. Dabei ziehen die Forscher einen interessanten Vergleich: So wie sich ethnische Minderheiten bewusst “weiß” verhalten, um es im Beruf leichter zu haben, nähmen Frauen schon vor der Heirat Verhaltensweisen an, die ein Ehemann an ihnen schätzen dürfte.

Bleibt die Frage, ob dieses Verhalten auch den Wunschvorstellungen der Männer entspricht. Darauf gibt die aktuelle Forschung keine eindeutige Antwort. Glaubt man einer (zugegebenermaßen älteren) Harvard-Studie aus dem Jahr 2006, haben Männer in der Regel eine Vorliebe für Frauen, die weniger intelligent und weniger ehrgeizig sind als sie selbst. Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte ein ähnliches Bild: Demnach waren beide Eheleute mit ihrer Partnerschaft weniger zufrieden, wenn die Frau mehr verdiente als der Mann.

Die Psychologen Marcel Zentner und Alice Eagly kamen im selben Jahr jedoch zu einem anderen Schluss, als sie etliche Studien zu den Einflüssen von Rollenbildern auf die Partnerwahl auswerteten. Statt in alten Denkweisen zu verharren, reagierten Männer innerhalb kürzester Zeit auf die gesellschaftlichen Veränderungen und passten ihre Partnerpräferenzen entsprechend an. Die Vorstellung, der erfolgreiche Karrieremann wähle seine Frau anhand der Kriterien Schönheit und Jugend, sei längst überholt, schlussfolgern die Forscher. In der heutigen Zeit, in der meist beide Ehepartner für ein befriedigendes Einkommen arbeiten müssten, suchten sich Männer bewusst gebildete Frauen mit guten Gehaltsaussichten.

 


 

Leonardo Bursztyn, Thomas Fujiwara, & Amanda Pallais (2017) ,Acting Wife’: Marriage Market Incentives and Labor Market Investments, American Economic Review, 107:11, 3288-3319

Marcel Zentner & Alice H. Eagly. (2015) A sociocultural framework for understanding partner preferences of women and men: Integration of concepts and evidence, European Review of Social Psychology, 26:1, 328-373


26 Lesermeinungen

  1. KoenigLudwigIIvonBayern sagt:

    Selektierte Gruppen
    Zunächst einmal waren 30% der Frauen Asiatinnen, bei denen zumindest gespielte Schüchternheit noch eine ganz andere Rolle spielt, als bei Westeuropäerinnen.
    Das das bei den asiatischen Männern anders ist, weiss jeder, der zum Beispiel mal in Japan war, wo es ein “schönes Alphabet” (Hiragana) für die Frauen und ein kantiges (Katakana) für die Männer gibt und wo die Männer genauso lächerlich gekünstelt tief sprechen, wie die Frauen hoch (und beim Lachen die Hand vor den Mund halten, wenn sie überhaupt lachen).
    Dass DAS in einer Statistik herauskommt, ist wirklich kein Weltwunder.

    Dann wurden die nicht-verheirateten Frauen eingeteilt in “Singles”, “in fester Beziehung lebend”, “sexuell aktiv” und “verlobt”.
    Verglichen mit den Verheirateten wurden nur die “Singles”, das heisst: die, die in keiner Beziehung leben, keinerlei Geschlechtsverkehr haben und die nicht verlobt sind.
    Das können die ganz Jungen sein, die Schüchternen, die Nonnen oder die, die meinen, einen Makel zu haben, der sie daran hindert, ins Licht der Öffentlichkeit zu treten. Oder einfach die, die sich nicht für Beziehungen interessieren.
    Ob deren Motiv, sich bei Diskussionen zurückzuhalten oder öffentlich nicht zu großspurige Gehaltsansprüche zu stellen, die “Verfügbarkeit auf dem Heiratsmarkt” ist, wage ich zu bezweifeln.
    Die sind ganz einfach schüchtern oder haben anderes im Kopf.

  2. t.u.vogel sagt:

    Der Mensch ist ein Herdentier
    und so wird er/sie sich dem dominanten Verhalten der Altersgenossen anpassen.

  3. celisa sagt:

    Sehr interessante Beobachtung zu der ich mir etwas mehr Details gewünscht hätte
    Schade, daß wir über die Gründe mutmaßen müssen, aber vielleicht wird diese Fragestellung ja noch einmal in einer anderen Studie aufgegriffen. Aus eigenem Erleben und Beobachtung hat das genannte Verhalten mit der gesellschaftlichen Hierarchie zu tun und mit nur scheinbar überholten Erwartungen. Frauen wird auch heute noch (oft) weniger Kompetenz zugetraut als Männern, und junge Frauen stehen am untersten Rand der Erwartungsskala. Eine selbstbewusste Art und Auftreten wird dann schnell als unangenehm empfunden und sanktioniert, beruflich wie privat. Um das zu vermeiden, lernen junge Frauen auch heute noch, vorsichtiger und zurückhaltender aufzutreten, gerade wenn sie beruflich etwas erreichen wollen. Chefs sind in ihrer Erwartung ans Auftreten junger Frauen übrigens genauso gespalten wie alle anderen. Auch im Beruf wird dasselbe Auftreten wie bei Männern hinsichtlich Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Dominanz, etc. bei (jungen) Frauen als unangenehm empfunden und schizophrenerweise geahndet, selbst wenn es nicht im Interesse des Betriebs ist. Und privat schätzen viele Männer zwar durchaus eine intelligente, gebildete Frau, aber bitte immer eine Spur weniger als die Männer selbst, bezw. als deren Selbsteinschätzung. Gleichviel und gleichauf ist für viele schwierig, und Überlegenheit ist den meisten unerträglich. Die Untersuchung zieht hier die richtigen Schlüsse, warum sich unverheiratete Frauen hier besonders „marktkonform“ verhalten.

  4. Albion sagt:

    Ich warte auf den Tag...
    …an dem es genauso unbemerkenswert ist, dass eine Chefärztin einen Krankenpfleger ehelicht, wie es heute unbemerkenswert ist, dass ein Chefarzt eine Krankenschwester heiratet. Es ist das warten auf Godot.

    • celisa sagt:

      Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß mir persönlich einige Ehen bekannt sind
      zwischen Fachärztinnen und Krankenpflegern wie auch einem angestellten Handwerker und zwischen Oberärztinnen und einem Krankenpfleger/ Erzieher. Und keine dieser Ehen hat Schlagzeilen gemacht.

  5. BGrabe02 sagt:

    Hmm..
    nach meiner Erfahrung würde ich zu einem anderen Schluss gelangen.
    Frauen sind weniger risikofreudig, sie äußern ihren Ehrgeiz deshalb weniger rücksichtslos als Männer, sie favorisieren eine gesicherte Position, aus der heraus sie ihren Ehrgeiz aggressiver verfolgen können.
    Ich halte es eher für wahrscheinlicher, das die Ehe diesen Rückhalt verstärkt, zumal akademisch gebildete und zumindest potentiell selbstbewusste Frauen heute Partner suchen die auch Partner sind, unabhängig von der Arbeitsteilung.
    Die Aggressivität mancher Femininstin habe ich der Praxis eher als Flucht nach vorne gegenüber der eigenen Unsicherheit erfahren.
    In der Politik auch als eiskaltes Kalkül.

    • celisa sagt:

      Eher das Gegenteil trifft zu.
      Risikofreude wird bei (jungen) Frauen als unangenehm männliche Eigenschaft empfunden und sowohl sozial wie auch beruflich sanktioniert.
      Und man traut (jungen) Frauen auch weniger zu, weswegen sie oft auch gar nicht erst eingestellt werden. Als Folge finden sich dann- völlig überraschend- weniger Frauen in entsprechenden Berufen.
      Und fast alle Frauen, die gegen den Strom schwimmen, müssen dafür sehr, sehr viel opfern und enden oft als immer gern geschmähtes kinderloses Karriereweib.

  6. Rodapiao sagt:

    Politisch unkorrekte Denke ist überhaupt ein Ärgernis
    Man stelle sich vor, Frauen, bei denen man sich darauf verlassen kann, dass sie weder pünktlich zuhause sind, noch die Absicht haben, das zugeständnishalber der Kinder wegen zu ändern, sind nicht so attraktiv für eine Familiengründung!? Wie kommt denn sowas? Schändlich, dass Männer sich nicht mit dem neuen Rollenbild des Hausmanns abfinden mögen, der nichts verdient und von seiner erfolgreichen Frau abhängig ist. Einer muss sich ja um die Kinder kümmern, und wenn’s die Großeltern nicht tun, weil wegen des hohen Alters der Eltern zum Beispiel bereits verstorben, tja dann… bliebe noch der grundsätzlich Verzicht auf Kinder, wobei man sich aber fragen könnte, wozu dann überhaupt heiraten? Weil’s zu mühselig war, darüber nachzudenken, war letzteres dann auch lange die Position des Mainstream-Feminismus.

    • celisa sagt:

      Es würde schon reichen, wenn der Haushalt einigermaßen gleich aufgeteilt wäre,
      denn seltsamerweise hat die Biologie vergessen, den Frauen eine angeborene Vorliebe dafür mitzugeben. Ihr Schreckensbild eines Hausmanns ist ja nun schon das andere Extrem und auch wirklich extrem selten. Wie wir alle wissen, wenn manche von uns nicht gerade wieder mal polemisch von Leder ziehen, ist die goldene Mitte in der Regel das Beste. Aber lieber fordern Sie von Frauen, daß sie sich mit dem alten Rollenbild der Hausfrau abfinden, die nichts verdient und von ihrem erfolgreichen Mann abhängig ist, denn einer muss sich ja um die Kinder kümmern.
      Erkennen Sie Ihre eigenen Worte im Umkehrschluß wieder?

  7. ebmile sagt:

    Und was ist mit dem Dilemma der Männer?
    leider das Übliche: ein Thema, das BEIDE angeht – und wieder einmal wird nur die weibliche Perspekte geschildert. Wir sollten eigentlich weiter sein.

    • celisa sagt:

      Im Artikel stand klar, daß es bei Männern diesen Unterschied nicht gibt.
      Ich persönlich bin dankbar dafür, daß nur Artikel geschrieben werden über Dinge, die auch existieren.

  8. hhhpppfff sagt:

    Ehrgeizige Frauen sind mindestens genauso feminin wie weniger ehrgeizige Frauen.
    Sie zeigen es nur nicht jedem. Im übrigen sollte man es jedem selbst überlassen, wie er sein und leben möchte.

  9. Yarramalong sagt:

    Wieso Frauen? Die Befragten waren amerikanische Studentinnen
    Amerikanische Studentinnen befragen und über Verhalten von Frauen sinnieren – üblich wie verwerflich. Ich bekam über zwei Jahrzehnte Artikel aus aller Welt angeboten, die bestimmte Sachverhalte generalisieren wollten. Die meisten habe ich abgelehnt, weil die Stichprobe nicht stimmte. Man kann nicht aus dem Verhalten von Studentinnen – vermutlich weiß und reich – auf das von Frauen schließen. Deren Verhalten stimmt nicht einmal mit dem Verhalten der Menschen aus derselben sozialen Schicht überein.

    Amerika besteht aus vielen Parallelgesellschaften. Für welche gelten die Ergebnisse?

  10. Jaeger500 sagt:

    Find ich richtig...
    …auch Frauen haben ihre Vorlieben (wenn sie Männer mögen und keine Mannsweiber oder Feministinnen sind). Warum sollten Männer dann nicht ihre haben (nämlich nicht den Wunsch nach einer ausgemergelten, ständig angestrengten, besserwisserischen und zickigen Karrierefrau)

    • celisa sagt:

      Das ist ja mal aufschlussreich: Ihre Charakterisierung von intelligenten, gebildeten Frauen
      mit beruflichen Ambitionen besteht in einer Aneinanderreihung von Herabsetzungen. Falls Sie tatsächlich einen Doktor haben, sind Sie wahrlich keine Zierde der akademischen Welt.

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