Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Vermögen zu besteuern, ist gar nicht so leicht

| 57 Lesermeinungen

Sollen die Reichen für die Corona-Schulden zahlen? Eine Vermögensteuer oder Vermögensabgabe ist populär. Aber gar nicht so einfach zu verwirklichen.

Gold, Schmuck, 500-Euro-Scheine. Soll eine Vermögensteuer oder Vermögensabgabe erhoben werden?
Wie besteuert man Reichtum am besten? Foto: Picture Alliance

Wenn es gut läuft, geht die Corona-Krise nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr ihrem Ende entgegen. Dann muss die nächste Bundesregierung den Laden wieder aufräumen und die Staatsfinanzen nach den vielen Hilfsaktionen wieder in Ordnung bringen. Es werde reichen, wenn Deutschland aus seinen Schulden wieder hinauswächst, hat Finanzminister Olaf Scholz vergangene Woche in der Bundestagsdebatte gesagt – doch er sagt auch bei praktisch jeder möglichen Gelegenheit: Er wünscht sich, dass die Vermögensteuer wiederkommt.

Nun weiß eigentlich jeder, dass es dabei vor allem um Symbolik geht. Mit einer Vermögensteuer ist der Staatshaushalt nicht zu sanieren. Könnte Deutschland zum Beispiel Amazon-Gründer Jeff Bezos enteignen, den reichsten Menschen der Welt, dann wäre das geplante Staatsdefizit fürs kommende Jahr immer noch nicht beglichen. Dazu müsste der Staat schon die acht reichsten Deutschen komplett enteignen. Fürs übernächste Jahr wären dann die SAP-Gründer dran und die Brüder Strüngmann, die die Entwickler des deutschen Corona-Impfstoffs finanziert haben. Und wie lange das reicht, ist offen.

Wenn man sieht, wie wenig Geld der Staat auf diese Weise holen kann: Kein Wunder, dass es ihm zu teuer war, die Höhe der Vermögen so sorgfältig zu ermitteln, wie es das Verfassungsgericht gefordert hat, und dass die Vermögensteuer dann unter den Tisch fiel.

Ein neuer Überblick über Vermögensteuern und Vermögensabgaben

Allerdings steht nicht nur Deutschland vor der Frage, wie man Vermögen richtig besteuert. Dazu gibt es jetzt einen neuen Überblick: Die Ökonomen Florian Scheuer von der Universität Zürich und Joel Slemrod von der Michigan-Universität in Ann Arbor haben internationale Erfahrungen und Untersuchungen verglichen.

Am Anfang steht die Erkenntnis: Richtige Vermögensteuern gibt es nur noch in Norwegen, Spanien und der Schweiz. Die meisten anderen entwickelten Staaten haben ihre Vermögensteuern inzwischen abgeschafft. Zwar wird in internationalen Vergleichen oft betont, dass es in anderen Ländern mehr „Steuern aufs Einkommen“ gebe als in Deutschland. Das allerdings sind häufig Grund- oder Immobiliensteuern, teils auch Erbschaftsteuern.

Die Vermögensteuer ähnelt der Einkommensteuer auf Kapitalerträge

Die Vermögensteuer selbst ähnelt der Einkommensteuer auf Kapitalerträge. Die gibt es ja schon. Nur gilt auch die Abgeltungsteuer von 25 Prozent in Deutschland oft als ungerecht niedrig. Aber dabei wird oft vergessen, dass 25 Prozent Abgeltungsteuer für viele Leute ungefähr so viel ausmachen wie eine Einkommensteuer von 48 Prozent, weil der ausgeschüttete Gewinn im Unternehmen schon besteuert worden ist und dann die Abgeltungsteuer noch obendrauf kommt.

Scheuer und Slemrod betonen: Eine Vermögensteuer ist dieser Abgeltungsteuer erst mal gar nicht so unähnlich, wenn es um das Steueraufkommen geht. Eine Vermögensteuer von einem Prozent kommt auf den gleichen Betrag wie eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent, wenn das Vermögen vier Prozent Rendite macht.

Die Wirkungen sind aber komplett andere. Die Vermögensteuer wirkt dann eher wie eine „Flat Tax“ auf das Vermögen: Die Steuer steht fest, unabhängig davon, wie viel Rendite der Steuerzahler mit seinem Vermögen tatsächlich erwirtschaftet. Wer eine Million Euro in Immobilien in der Frankfurter Innenstadt hat und daran eine hübsche Summe verdient, zahlt also genauso viel wie jemand, der eine Million Euro in Immobilien in der Eifel stecken hat, wo die Immobilienpreise nicht so schnell steigen. Ob dieser Aspekt der Vermögensteuer im Sinne der Erfinder ist? Wohl kaum.

Die Vermögensteuer hat unbeliebte Folgen

Das allerdings ist nicht die einzige zu befürchtende unliebsame Folge einer Vermögensteuer. Existenzgründungen könnten noch unbeliebter werden als jetzt schon, wenn erfolgreiche Gründer dann netto weniger verdienen. Diese Sorge halten Scheuer und Slemrod indes für übertrieben. Möglich sei aber, dass Reiche tatsächlich weniger sparen und investieren, ihr Geld stattdessen eher verjubeln. Ohne diese Investitionen gibt es auch für Arbeitnehmer nicht mehr so gute Arbeitsplätze, fürchten Scheuer und Slemrod, in der Folge könnten die Löhne der Arbeitnehmer sinken.

Es geht aber nicht nur ums Verjubeln, sondern auch um Steuervermeidung und um das Wegziehen. „Bei einer zweiprozentigen Vermögensteuer muss ich Deutschland verlassen“, sagte SAP-Gründer Hasso Plattner der F.A.S. vor einem Jahr. Vor allem für junge Start-ups mit hohem Marktwert und wenig Gewinn sei so eine Vermögensteuer schwer zu bezahlen.

Wie viel macht all das aus? Wie viel Vermögen würde gar nicht erst entstehen oder dem Zugriff des Finanzamts auf die eine oder andere Weise entzogen? Für Großbritannien hat das in den vergangenen Monaten ein Forscherausschuss berechnet. Nach sorgfältiger Analyse von Vermögensteuern und Studien in anderen Ländern kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: Eine Vermögensteuer von einem Prozent würde das besteuerbare Vermögen in Großbritannien um 7 bis 17 Prozent senken – aber nur, wenn die Vermögensteuer in allen Belangen optimal gestaltet ist. Schon kleine Fehler können dazu führen, dass das Land noch mehr Vermögen verliert. Der Abschlussbericht der Kommission ist am Mittwoch vorgestellt worden, sie empfiehlt nun eine Vermögensabgabe. Thomas Piketty spricht sich für härtere Maßnahmen aus, die allerdings nicht jeder befürworten wird.

Ist eine Vermögensabgabe besser?

Eine Vermögensabgabe wird auch in Deutschland immer wieder gefordert. In der Vergangenheit wurden solche Abgaben oft nach großen Katastrophen beschlossen, zum Beispiel nach Pandemien oder Kriegen, wie wir in “Fazit” schon beschrieben haben, in Deutschland zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg. Meistens wollte die Politik dann die Lasten der Katastrophe umverteilen. Zahlen sollte, wer zufällig gut durch die schwierige Zeit gekommen war; bekommen sollte, wer viel verloren hatte.

Die Vermögensabgabe scheint einige Vorteile gegenüber der Vermögensteuer zu haben. Wenn man die Abgabe einmal feststellt und die Zahlung dann über viele Jahre streckt, unterscheidet sich die jährliche Belastung nicht sehr von einer Vermögensteuer. Aber die Größe der Vermögen muss nur einmal ermittelt werden. Das spart Verwaltungsaufwand. Und der Anreiz für Vermögende, das Geld zu verjubeln oder wegzuziehen, entfällt – zumindest theoretisch.

Der Theorie stimmen Scheuer und Slemrod zu, allerdings geben sie zu bedenken: „Das hängt entscheidend davon ab, ob die Politik so eine Steuer schnell einführen kann und ob sie glaubhaft machen kann, dass ähnliche Abgaben nicht immer wieder erhoben werden.“

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57 Lesermeinungen

  1. frankyanddany sagt:

    Weiter so
    seit einiger Zeit versucht die FAZ “krampfhaft” mit solchen Beiträgen auch noch die letzten konservativen Leser zu vertreiben…..

  2. jhiltkamp sagt:

    Je mehr Steuern ein Staat erhebt, desto ineffizienter ist er und das System
    Darum ist D ganz unten auf der Liste der sog. Industrieländer und die Schweiz (übrigens Höchstlohnland, aber niedrige Steuern, innovationsfreundlich, Investorientiert, und FLEISSIG), Luxemburg, Singapur GANZ OBEN, denn dort gilt das Leistungsprinzip, übrigens auch für die Renten (die EIGENE)

  3. Paulchen sagt:

    Titel eingeben
    Das interessante an dem Leser Forum ist , das jeder eine andere oder ähnliche Meinung zur Steuererhebung hat.
    Damit wird eigentlich nichts erreicht.
    Die Regierung darf Geld ausgeben wie sie es will oder meint erforderlich zu sein. Die Regierung darf sich an dem Vermögen des Bürgers bedienen wie sie will.
    Eigentlich sollte die Regierung erstmal ihren Haushalt durchforsten um zu sparen. Es wird Geld ausgegeben was in manchen Fällen überhaupt nicht notwendig noch sinnvoll ist.
    Man kann eigentlich nichts dagegen machen ausser die Regierungsparteien nicht mehr wählen, was zu empfehlen ist.

  4. Wirtschaftswolf sagt:

    Ich würde mir erst einmal wünschen, dass man über eine gerechtere Lastenverteilung
    bei der Einkommenserzielung (also beim Vermögensaufbau) diskutiert, statt über eine Vermögenssteuer. Und die Steuer ist da nur das eine Problem, es geht um die generelle Abgabenbelastung! Während Einkommen aus Besitz (immobilien, Kapital, etc.) da relativ gering belastet, die Belastungen teilweise abwälzbar (Grundsteuer z.B. auf die Mieter) sind, zahlen Nichtselbständige noch die ganzen Sozialabgaben dazu. Der Gewerbebetreibende darf die ganzen Sozialabgaben dann auch noch ohne AG-Beitrag selber tragen, ohne diese komplett als Vorsorgeaufwendungen absetzen zu können. Und die Gewerbesteuer (nur teilweise gegen die EST anrechenbar) kommt dann gerade in den Städten noch dazu. Nicht zu vergessen noch die vielen geldwerten Vorteile der Beamten (Wahlleistungen, Pension, Lohnfortzahlung, etc.).

    • tillwollheimgmx.de sagt:

      Einkommen aus Eigentum (Besitz ist der falsche begriff!) ist "billiger"
      Während der Arbeitnehmer oder Unternehmer für die Generierung des Einkommens die Infrastruktur und Umwelt erheblich belastet, tut das Einkommen aus Eigentum das kaum! Zudem sind Dividenden mit 51 % sogar höher besteuert als Lohneinkommen!! 25% zu behaupten ist Volksverblödung!

  5. crawley sagt:

    Das ist die typische und bequemste Denkweise der Politiker - immer nur in eine Richtung ...
    … STEUERERHÖHUNGEN !

    Das müsste nicht sein. Im letzten Jahr ist uns die “schwarze Null” verkauft worden. Ein absoluter Fake – stattdessen haben die Politiker das Geld rausgeworfen, wie kaum je zuvor.

    Der Fluch der bösen Tat – unnötige Ausgaben – hat uns eingeholt. Jetzt, wo zukunftstragende Investitionen – ja,auch Steuersenkungen – notwendig wären, stehen die Politiker vor leeren Kassen – obwohl innert der letzten 10 Jahre dem Staat mehrere hundert Milliarden außer der Reihe zugeflossen sind.

    In den letzten zehn Jahren hat der Bund kumuliert

    – 280 Milliarden Euro zusätzlich ausgegeben (zus.Steuereinnahmen)

    – 136 Milliarden Euro weniger für Zinsen und
    – 46 Milliarden Euro weniger für Arbeitslose aufgewendet

    Es entstand somit eine zusätzliche Verteilungsmasse von 462 Mrd. €. Lediglich 70 Mrd. € flossen in die Tilgung der Bundesschulden.

    392 Mrd. € wurden zusätzlich verprasst – nur wenig investiert. Zusätzlich begründeten einige Maßnahmen nicht nur einmalig anfallende Ausgaben, sondern schrieben noch auf Jahrzehnte Folgeverpflichtungen fest. Damit wurde die implizite Staatsverschuldung weiter erhöht – eine besonders gute Idee bei zurückgehender Bevölkerung und fallenden Bildungsniveaus. Hinsichtlich der expliziten Verschuldung steht, bspw., Italien ziemlich schlecht da, doch was die implizite Verschuldung angeht liegt Italien deutlich vor Deutschland.

    Ohne die außerplanmäßigen Einnahmen hätte dieses Ausgabenverhalten der Koalition eine jährliche Neuverschuldung von 39,2 Mrd. €. erfordert. Unnötigen Ausgaben wurde von allen jederzeit zugestimmt, um die Koalition (und damit auch den eigenen A….) zu retten. Und jetzt fehlt das Geld. Politikversagen nennt man das.

    • tillwollheimgmx.de sagt:

      Beamtenpensionen brechen dem Land das Rückgrat!
      Die Pensionsrückstellungen für unsere überalimentierten Beamten belaufen sich schon auf mehr als eine Trillion €! Das ist das Problem was wir wirklich haben!

  6. jhiltkamp sagt:

    Steuern in D sind sehr wohl absurd hoch
    Steuern Steuern Steuern überall, da müsste der Staat doch noch klotzen können wie verrückt. Beste Unis, Super Schulen, Top Infrastruktur, baer realiter nurch Durchschnitts-Unis, Kloakenschulen mit grottenschlectem Standard, kein 5G, Digitalwüste aber Steuern von 45% EK, dutzende Sekundär und Doppel und Dreifschbesteuerungen, Refinanzierung des maroden Staatsapparates seit 10 Jahren über neg. Staatsanleihen und da sagen sie mir Steuern müssten erhöht werden oder gar neue Arten? ABSOLUT LÄCHERLICH, null Ahnung. Dieser Staat muss seine Ausgaben um mind. 50% kürzen, then we are talking. Die Schweiz hat niedrige Steuern, ist smart, hocheffizient and lockt nicht Steuerflüchtige an, sondern die BESTEN DER WELT. Wird Deutschland niemals im Ansatz schaffen, weil hier auch kein Topperformer hin will.

  7. jdirker sagt:

    Ablenken mit Neid Diskussionen
    Sollen doch die Großkonzerne und Wohlhabende erstmal ihre Steuer bezahlen. Die Möglichkeit zur Steuervermeidung und Hinterziehung sind unendlich. Sobald das gelöst ist …

  8. JoergSchneiderMdB sagt:

    Was ist mit Pensionsansprüchen?
    Jeder Finanzmathematiker wird bestätigen: Auch Pensionsansprüche sind Vermögen.
    Bei Politikern, Rundfunkintendanten, … kommen da teilweise Mio-Beträge zusammen.
    Interessant: Bei all den Entwürfen vor allem linker Parteien werden diese aber nie erwähnt!

  9. Wege sagt:

    Selbst der Schweiz gelngt eine Vermögenssteuer mit Einnahmen von 7 Mrd. CHF jährlich
    Wie dies sogar im steuerlich komplexen Umfeld von Bund, 26 Kantonen und 2232 Gemeinden funktioniert, zeigt ein Informations-Portal für finanzielle und rechtliche Fragestellungen in der Schweiz.

    Hier der barrierefreie Link zu der Informationsseite:

    https://www.vertragshilfe.ch/vermogenssteuer-schweiz/

    Sollte der Link nicht erlaubt sein, führt eine Google-Suche mit dem Suchzeilentext “Wie funktioniert die Vermögenssteuer in der Schweiz?” zum Ziel.

    Interessant auch für Auswanderungskandidaten, wenn sie nicht steuerlich vom Regen in die Traufe geraten wollen …

    • Realo0506 sagt:

      Gesamtsteuerquote beachten
      Bitte hier nicht pauschal über die Schweiz reden. Die Vermögensteuer in der Schweiz ist Angelegenheit der Kantone und nicht des Bundes. Es gibt Kantone, die keine Vermögensteuer erheben. Genauso ist die Erbschaftssteuer für Ehepartner und Kinder in der Schweiz steuerfrei. Gleiches gilt auch für Kursgewinne aus Aktiengeschäften – steuerfrei! … Deutschland ist das Land mit der höchsten Steuern- und Abgabenquote WELTWEIT! Alle Länder dieser Erde haben eine geringere Steuern- und Abgabenquote als Deutschland!

  10. dunnhaupt sagt:

    Auswanderung als Steuerflucht
    In USA und Kanada gibt es weder Vermögenssteuer noch Erbschaftssteuer. Zweifellos hat das zur Beliebtheit dieser Staaten bei deutschen Auswanderern beigetragen.

    • tillwollheimgmx.de sagt:

      USA haben eine sehr hohe ErbSt!
      In den USA hat sowohl der Erblasser als auch der Nachlass (Estate) eine Steuerpflicht. Also auch Ausländer die in den USA belegenes Vermögen vererben, zahlen dort de facto ErbSt bzw. der Estate!!

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