Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Sido kämpft um seinen schlechten Ruf

| 6 Lesermeinungen

Mit großer Wahrscheinlichkeit waren sie bei Pro Sieben am Anfang ziemlich enttäuscht. Da kauft man schon mal so einen Top-Rapper von der Straße ein, bei dem, bevor er ein neues Album herausbringt, jedes Mal die gesamte Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Urlaubsverbot bekommt – und dann stellt er sich als Jurymitglied in der Castingshow "Popstars" als handzahmer Mädchenförderer heraus.

Mit großer Wahrscheinlichkeit waren sie bei Pro Sieben am Anfang ziemlich enttäuscht. Da kauft man schon mal so einen Top-Rapper von der Straße ein, bei dem, bevor er ein neues Album herausbringt, jedes Mal die gesamte Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Urlaubsverbot bekommt – und dann stellt er sich als Jurymitglied in der Castingshow „Popstars“ als handzahmer Mädchenförderer heraus.

Statt krasser Skandale gab’s höfliche Komplimente für die Kandidatinnen, und während Tanz-Coach Detlef „D!“ Soost alles unternahm, um in gewohnter Intensität Teenager fertig zu machen, die nicht die ganze Nacht seine „Moves“ geübt hatten, saß Sido da und blieb: fair.

Weil man sich in der Musikindizierungsbranche aber auf Dauer den Ruf ruiniert, wenn man zu brav ist, hat sich Sido jetzt kurz vor dem Weihnachtfest doch noch mal gehen lassen. Aber nicht so wie sich die „Popstars“-Macher das vorgestellt haben. Im Interview mit dem SWR-Jugendradio Das Ding plauderte er am Donnerstagabend, während auf Pro Sieben die nächste „Popstars“-Folge lief, mal darüber, wie es in der Show wirklich zugeht:

„Wenn die Mädels da weinen oder so, dann ist das nicht gestellt. Aber es ist trotzdem falsch. Die Mädchen sind nicht echt, außer Gabriella. Sobald die Kamera angeht, sind die anders, und die wissen genau, wie die sich dann verhalten müssen: Ich bin hier bei ‚Popstars‘ und das muss so und so laufen, wie auch immer. Du musst denen nicht mal sagen: Mach das so. Die wissen: Heute muss ich weinen, die brauchen ’n paar Tränen hier in der Sendung, ich wein mal. (…) Also, ich meine, wie abgebrüht und wie eklig das doch auch sein kann. Und natürlich achten die Produzenten darauf, dass es vorzugsweise so ’ne Mädchen sind, mit denen man sowas auch machen kann.“

Beim SWR war man ganz aus dem Häuschen über soviel Exklusivität und dramatisierte per Pressemitteilung, Sido habe „scharfe Kritik“ an der Sendung geübt. Scharf? Das war wohl eher niedlich – vor allem, weil es von einem Rapper kam, der zu Beginn seiner Karriere permanent eine silberne Totenkopfmaske trug, mit der Gewinnerin der „Popstars“-Staffel 2004 liiert ist und sehr genau weiß, wie er sich fernsehgerecht verhalten muss, sobald irgendwo eine Kamera angeht. Meistens jedenfalls.

Bild zu: Sido kämpft um seinen schlechten Ruf
Screenshot: Pro Sieben

Der Sender hat trotzdem versucht zu widersprechen. Obwohl die Formulierung „Bei ‚Popstars‘ sind die Mädchen genauso authentisch wie Sido“ sich genauso gut als Bestätigung der Kritik lesen lässt. Wenn es bei der nächsten Staffel nix mehr wird mit der Jurymitgliedschaft, kann Sido auf jeden Fall eine Zweitkarriere als Fernsehkritiker einschlagen. Auf die Frage, ob er seriös geworden sei, weil er neulich in „Menschen bei Maischberger“ zu Gast war, um von seiner Kindheit zu erzählen, sagte er bei Das Ding:

„Da war ich einfach nur, weil ich so ’ne Statistik kenne, dass, nachdem man bei ‚Maischberger‘ war, man 30 Prozent mehr Platten verkauft als die Woche davor. Mir geht’s einfach um die Promo, in der Sendung zu sein. (…) Da sitzt man doch gerne mal in der Sendung, quatscht’n bisschen Scheiße, vielleicht kauft der ein oder andere deine Platte, fertig.“

Wie gesagt: niedlich.


6 Lesermeinungen

  1. Ich würde ihn einen...
    Ich würde ihn einen Dekonstruktivisten nennen, diesen Herrn Sido

  2. ich würde ihn einen...
    ich würde ihn einen neoliberalen leserreporter nennen..

  3. Ich sehe da doch einige...
    Ich sehe da doch einige Parallelen zu vielen Geschlechtsgenossen: Nach aussen die harte Show, nach innen das weiche Herz. Als Kind habe ich mir auch gerne Supermannkostüme oder eine Batmanmaske aufgesetzt, zum Karneval gabs dann den harten Cowboy mit augemaltem Dreitagebart, Plastikpatronengürtel und Nachbaufilzhut. Auch heute noch kann ich lässig den Ellenbogen bei 70er-Jahre „funky Music“ aus dem geöffneten Fenster eines alten Ami-Schlittens raushängen lassen, den Mädels im Straßencafé betont ignorierend und herablächelnd den Macho geben… während ich drei Straßen weiter anhalte, eine arme, sich verfolgene, entkräftete Brieftaube einsammle und unter Tränen beim hiesigen Tierartz vorführe. Und in Bezug auf Sido als Fazit:
    „Bei manchen entsteht ein Skandal dadurch, dass es den erwarteten Skandal nicht gibt.“

  4. Meine Herren, ich schreibe mir...
    Meine Herren, ich schreibe mir aber auch einen Wortsalat zusammen. In Zukunft nutze ich dann doch besser die Rechtschreibkorrekturfunktion in Word, bevor ich auf „Hinzufügen“ klicke. Das kommt davon, wenn man schneller schreibt als denkt, ich bitte also um Entschuldigung 😉

  5. Hey wusstet ihr das Sido ne...
    Hey wusstet ihr das Sido ne eigene Cating show machen will??
    zum nachlesen https://rap.de/news/4971

  6. Nur mal so zur Info, der Sido...
    Nur mal so zur Info, der Sido rappt schon länger als 2003, als er dann plötzlich mit Maske auftauchte. Das stützt natürlich sogar noch deine These, trotzdem find ich es schlecht recherchiert…
    Zumal der wichtige Teil seiner Karriere vorher stattfand.

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