Das Fernsehblog

Junges Publikum? Ist der ARD doch egal

Manchmal hab ich das Gefühl, der ARD ist einfach nicht mehr zu helfen.

Zum Beispiel wegen „Türkisch für Anfänger“: Da leistet sich das Erste am Vorabend seit drei Staffeln ein Prestige-Programm, das bei Kritikern und jungen Zuschauern gleichermaßen gut ankommt, nur nicht gesehen wird auf dem Sendeplatz, den die Programmplaner dafür auserkoren haben. Andererseits gibt es ja seit Frühjahr gleich zwei Online-Mediatheken, mit denen die ARD den Nutzungsgewohnheiten des jungen Publikums gerecht werden will. Und das scheint sogar zu funktionieren.

So sieht in der „Das Erste Mediathek“ gerade die Top 3 der meistgesehenen Sendungen (gesamt) aus:

Die Plätze 4 bis 10 verteilen sich so:

4. Türkisch für Anfänger Spezial
5. Sturm der Liebe
6. Sturm der Liebe
7. Menschen bei Maischberger (mit Sido)
8. Türkisch für Anfänger Spezial
9. Sturm der Liebe
10. Türkisch für Anfänger Spezial
(Stand: 10.12.2008)

Die Hinter-den-Kulissen-Videos zu „Türkisch für Anfänger“, die die ARD Mitte November online gestellt hat, werden offenbar sehr gerne geklickt, zum Teil sogar besser als die Telenovelas, die sonst unangefochten die Top 10 beherrschen. Und was zeigt Das Erste in seiner Mediathek gerade nicht? Genau: die kompletten Folgen von „Türkisch für Anfänger“, weder die alten, noch die neuen – obwohl es durchaus Grund zur Vermutung gäbe, dass die Serie im Netz endlich das Publikum fände, das die ARD sonst nicht vor die Glotze kriegt.

Auf Anfrage heißt es beim Ersten dazu:

„Die ARD hat für ‚Türkisch für Anfänger‘ lediglich die Deutschland-Rechte erworben. Da wir aber als öffentlich-rechtliche Sendergemeinschaft für den Free-Flow sind und das sogenannte Geo-Blocking ablehnen, ist eine Verbreitung der neuen Folgen im Internet nicht möglich.“

Dieses Argument gilt aber wohl nicht für alle Programme. Bei Olympia war die ARD vom Geo-Blocking zwar nicht begeistert, akzeptierte aber die Bedingungen der Rechte-Inhaber zumindest für ARD.de. Und die Allianz Deutscher Produzenten meldete gerade eine Einigung mit ARD, ZDF und den privaten Sendern zu den Video-on-Demand-Rechten bei FFA-geförderten Spielfilmen:

„Die TV-Sender verpflichten sich zu einem Geo-Blocking ihrer Internet-Verwertung zumindest außerhalb des deutschsprachigen Europa.“

Nur zur Erinnerung: Im Streit mit den Verlagen über die Regelungen im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hat die ARD in diesem Jahr massiv dafür gekämpft, im Internet zeigen zu können, was sie will, allein schon, um das junge Publikum nicht zu verlieren. Das galt aber wohl nur für den Kram, an dem man sowieso schon alle Rechte hat – und nicht für Sendungen, die online besonders geeignet wären, jüngere Zuschauer zurück zu gewinnen. Jedenfalls nicht, wenn dafür eventuell zusätzliche Gebühren an den jeweiligen Produzenten gezahlt werden müssten. (Das hebt die ARD sich lieber für Sportrechte auf.)

Eine Priorität gibt es beim Ersten dann aber doch:

„Wir erhalten zahlreiche Mails von Zuschauern im Ausland, die sich über Serien wie ‚Sturm der Liebe‘ freuen. Mit Geo-Blocking müssten wir diese User enttäuschen.“

Na, und das kann ja wirklich keiner wollen: dass gebührenfinanzierte Nachmittagstelenovelas plötzlich nicht mehr aus dem Ausland abrufbar wären.

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