Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Vor Gericht ist Pro Sieben am witzigsten

| 6 Lesermeinungen

In Berlin geht's für Pro Sieben gerade um eine wichtige Entscheidung: Darf der Sender seine "TV total Wok-WM" weiter zeigen, obwohl sie mit Sponsorenwerbung zugepflastert ist und möglicherweise gegen das Schleichwerbeverbot verstößt? Der Sender findet: na klar. Und hat sich für das Verwaltungsgericht ein paar kuriose Begründungen einfallen lassen.

In Berlin geht’s für Pro Sieben gerade um eine wichtige Entscheidung: Darf der Sender die „TV total Wok-WM“ weiter zeigen, obwohl sie mit Sponsorenwerbung zugepflastert ist und möglicherweise gegen das Schleichwerbeverbot verstößt? Der Sender findet: na klar. Und hat sich für das Verwaltungsgericht ein paar kuriose Begründungen einfallen lassen.

„Wok WM“, Sie erinnern sich sicher, das ist die Veranstaltung, bei der in diesem Jahr das Team „Frosta Gold-Wok“ knapp vor dem „Seat Weltmeister-Wok“ ins Ziel rutschte. Anders als im Vorjahr, als der „Seat Sport-Wok“ die Konkurrenten vom „mister*lady Fanta 4-Wok“ noch auf den zweiten Platz verbannte (vielleicht, weil es den „Burger King Feuerkreisel“ so fantastisch meisterte und bei der Abfahrt alle Sponsorenschilder stehen ließ). Jedenfalls gibt es während der „Wok-WM“ kaum einen Moment, in dem nicht irgendwo irgendein Sponsor im Bild ist. Die Teams sind nach Sponsoren benannt. Und die Kurven der Bobbahn sind es auch.

Bild zu: Vor Gericht ist Pro Sieben am witzigsten

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Screenshots: Pro Sieben

Pro Sieben sagt: Da können wir nix für.

Denn vom Sender werde die Veranstaltung ja gar nicht organisiert, sondern von Stefan Raabs Produktionsfirma Raab TV, die wiederum eine Event-Agentur mit der Realisierung vor Ort beauftragt habe. Zufällig ist diese Event-Agentur eine Tochterfirma einer Tochterfirma der Pro Sieben Sat.1 Media AG und hat den schönen Namen Pro Sieben Event GmbH. (Volker Lilienthal hat das im Fachdienst epd medien schon mal schöner auseinander gedröselt, ebenso der Kollege Niggemeier in seinem Blog.)

Die für die Aufsicht zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) ist da anderer Meinung und hat die unzulässige Schleichwerbung beanstandet. Pro Sieben klagt dagegen. Am Donnerstagmittag fand in Berlin die mündliche Verhandlung statt, und die hat auf jeden Fall eines bewirkt: allgemeine Verwirrung (wie es aussah: auch beim Gericht). Weil Pro Sieben fest darauf beharrt, dass Pro Sieben (der Sender) keinen Einfluss auf die Geschäfte von Pro Sieben Event (der Agentur) habe.

Noch mehr Erklärungen gefällig? Na, dann suchen Sie sich mal eine aus:

1. Pro Sieben behauptet, die „Wok WM“ sei keine Auftragsproduktion des Senders, man kaufe nur die Sendelizenz ein, deshalb gebe es auch keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung (außer bei der möglichen Ablehnung von Gästen).

2. Die „Wok-WM“ sei quasi mit Sport- oder Konzertveranstaltungen vergleichbar, und da gebe es ja auch Sponsorenhinweise.

3. Ein Verstoß gegen das Schleichwerbeverbot könne sowieso nicht vorliegen, da die Sponsorenwerbung ja nicht „schleiche“, sondern von den Zuschauern klar als solche zu erkennen sei.

4. Und last but not least handele es sich bei der „Wok WM“ ja auch um ein „satirisches Event“, mit dem große Sportveranstaltungen persifliert würden, weshalb in besonders exzessivem Maße überall Sponsorenhinweise auftauchten: um die Markenpräsenz bei Großveranstaltungen zu überspitzen.

So witzig wie im Gerichtssaal ist Pro Sieben im Programm nur selten.

Eine Entscheidung des Gerichts wird in Kürze erwartet.


6 Lesermeinungen

  1. Nachvollziehbar finde ich...
    Nachvollziehbar finde ich lediglich den dritten Punkt. Stünde er alleine, könnte man ihn vielleicht sogar ernstnehmen. Vor allem in Verbindung mit Punkt 4 ist es aber fast schon eine Verhöhnung des Gerichts. Also zusätzlich zur Verhöhnung durch die Firmenverschachtelung.

  2. Wo ist das Problem???
    Wenn...

    Wo ist das Problem???
    Wenn BAYER Leverkusen im PREMIERE-Ligapokal im EASYCREDIT-Stadion antritt heult doch auch keiner. Übrigens ebensowenig, wenn der falsche Reich-Ranicki das FERNSEHLEXIKON des geschätzten Kollegen Niggemeier auf den Kopp bekommt…

  3. Ha, ich hätte wetten sollen!...
    Ha, ich hätte wetten sollen! Punkt 1 und 3 waren ja abzusehen, wir hatten letztens in geselliger Runde aber tatsächlich auch schon an eine Argumentation wie in Punkt 4 gedacht. Und mal ehrlich, die ist großartig! Also, auf ihre Art und Weise. Die Frage ist da aber, ob es für die satirische Überhöhung tatsächlich realweltlich existenter Sponsoren bedarf (Und _das_ ist der Moment wo sich die Degeto einschaltet und was von „Lebenswirklichkeit der Zielgruppe“ rufen wird …).

  4. "Teams" wurden auch bei den...
    „Teams“ wurden auch bei den Tour de France-Übertragungen bis zum Abwinken genannt. Bandenwerbung der Sponsoren gibt es im Fussball und vielen anderen „relevanten“ Sportarten auch. Die Moderatoren in der „Sportschau“ sagen auch immer brav „Allianz-Arena“ oder „BayArena“ – diese Schleichwerbung hat es sogar in die Nachrichtensendungen geschafft. Die Begründung der MABB ist eher dünn.
    Die Firmenverschachtelungen bei Pro7 sind zwar skurril, aber kaum ehrenrührig. Mich interessiert die „Wok-WM“ überhaupt nicht; ob es eine satirische Veranstaltung ist, vermag ich nicht zu sagen. Wäre eine Erklärung dafür, dass bei Raab auch für das „Fernsehlexikon“ und „Zapp“ schleichgeworben wurde. Wenigstens irgendwie. Und wer sich als Schleichwerbungspapst auf seinem Blog generiert, sollte erst einmal auf dem öffentlich-rechtlichen Auge seine Blindheit ablegen.

  5. @GregorKeuschnig: Ich glaube...
    @GregorKeuschnig: Ich glaube erahnen zu können, worauf Sie hinauswollen, aber Sie werfen dabei leider alles durcheinander.
    Die Teams bei der TdF werden von Sponsoren bezahlt – und bekommen Geld dafür, dass Sie sich entsprechend umbenennen. Das Geld kriegt aber nicht der Veranstalter. Und der Veranstalter ist nicht auch gleichzeitig derjenige, der das alles überträgt. Und ohne den es dieses Ereigenis gar nicht erst geben würde. (Bei pro Sieben und der „Wok_WM“ ist das alles so.)
    Und meinen Sie, das ist eine gute Idee: Mit den Schultern zu zucken, weil es den Sponsoren-Overkill bei Sportereignissen gibt, und deshalb zu sagen: dann machen wir’s eben überall?
    Es geht nicht nicht nur um die „Wok-WM“ hier – sondern darum, ob private Fernsehveranstalter erlaubt bekommen, über enstprechende Firmenkonstrukte künftig alle ihre Shows mit Werbung zupflastern zu können. Dann braucht auch keiner mehr über den Audi bei „Wetten dass…?“ meckern. Der ist dann nämlich unser geringstes Problem.

  6. DA KÖNNEN WIR NIX FÜR <->...
    DA KÖNNEN WIR NIX FÜR < -> wär n gaudiger slogan für den sender – dem neuen chef als einstiegsgeschenk hingeclaimt..

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