Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"Popstars"-Finale: Eine Show wie Schweizer Käse

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Privatsender finanzieren sich über Werbung, das ist nix Neues, weil das für die meisten Medien in Deutschland gilt. Interessant ist allerdings, wie Pro Sieben die Geduld seiner Zuschauer mit immer kurioseren Unterbrechungen strapaziert. Im "Popstars"-Finale war irgendwann sogar Jurymitglied Sido genervt.

Privatsender finanzieren sich über Werbung, das ist nix Neues, weil das für die meisten Medien in Deutschland gilt. Interessant ist allerdings, wie Pro Sieben die Geduld seiner Zuschauer mit immer kurioseren Unterbrechungen strapaziert. Im „Popstars“-Finale (als Video ansehen) war irgendwann sogar Jurymitglied Sido genervt.

Vorher hatte sich schon Moderator Oliver Petszokat über die Verzögerungstaktik lustig gemacht, die er selbst umsetzen musste. Als er bekannt geben sollte, welche Finalistin seit der vergangenen Woche die meisten „Queensberry“-Alben in ihrer Version verkauft hatte, drängelte Co-Moderatorin Charlotte Engelhardt:

Engelhardt: „Los, sag!“
Petszokat: „Nein, das kann man nicht sagen. Wenn im Fernsehen eine Entscheidung verkündet wird, musst du erste ’ne Werbung machen – wie bei ‚DSDS‘.“
Engelhardt: „‚DSDS‘? kenn ich nicht.“

Dann folgte, wie angekündigt, die Werbepause, die man eigentlich nicht mehr Werbepause nennen müsste, sondern „Zwischenprogramm“: Gewinnspiel mit Sponsorhinweis; Sponsorhinweis der Sendung; Werbeblock; Hinweis auf Popstars.Prosieben.de; erster Trailer (mit Sponsorhinweis); zweiter Trailer (mit Sponsorhinweis); „We love to entertain you“-Trailer mit Til Schweiger; Werbesonderform.

Nach 11 Minuten ging’s im Programm weiter. Das Spiel wiederholte sich vor der nächsten Entscheidung, als feststand, welche Finalistin als erste ausscheiden wird. Erst gab’s natürlich wieder die Werbepause. Danach stand Jurymitglied Sido vorne auf der Bühne, richtete bedeutungsschwangere letzte Worte an die Mädchen und wollte den Umschlag mit dem entscheidenden Namen öffnen, als Petszokat noch mal unterbrach:

Petszokat: „Sido, warte mal ganz kurz. Ich hör gerade…“
Sido: „Wie? Jetzt schon wieder Werbung, oder was?“
Petszokat: „Nee, wir hatten ja Werbung, aber die haben einen Spot vergessen.“

Bild zu: "Popstars"-Finale: Eine Show wie Schweizer Käse
Screenshot: Pro Sieben

Anschließend folgte unter Protest des Studiopublikums ein weiterer Werbespot mit dem Hinweis:

Bild zu: "Popstars"-Finale: Eine Show wie Schweizer Käse
Screenshot: Pro Sieben

Offensichtlich glaubt Pro Sieben, solche Finalshows seien so unfassbar spannend, dass das Publikum alles mit sich machen lässt. Am Donnerstag hat das nicht ganz so gut funktioniert: 17,9 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe sind zwar nicht schlecht für den Sender. Aber auch keinesfalls rekordverdächtig.


2 Lesermeinungen

  1. Gab ja bei FAZ mal die "50...
    Gab ja bei FAZ mal die „50 Fragen an das Fernsehen“:
    https://tinyurl.com/62zbpn
    Einer meiner Lieblinge war schon damals Frage Nr. 15 „Ist die einzige Möglichkeit, in Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar” Spannung zu erzeugen, das Ausdehnen des Satzes „Und der Gewinner ist X.” auf eine halbe Stunde?“.
    Ich komm mir dabei ehrlich gesagt für dumm verkauft vor und kucke wenn es mich interessiert gezielt nur die letzten 5 Minuten. Heute bei „Mein Restaurant“ wird es wahrscheinlich auch wieder ein ähnliches Theater geben.

  2. In diesem Fall könnte man...
    In diesem Fall könnte man ruhig mal von den Amerikanern abgucken, da geht’s nämlich sehr fix:
    http://www.affenkoppzentrale.de/?p=18

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