Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Die 10 größten Fernsehirrtümer 2008

| 4 Lesermeinungen

Das Publikum guckt auch noch den größten Mist? "Die Anwälte" sind eine gute Serie? Ausgewandert wird immer? Irgendwann gewöhnen wir uns an Heidi Klum? Vox-Zuschauer wollen mehr als Kochen und Tiere? Sat.1 macht die Late Night Show wieder flott? Margarethe Schreinemakers? Keiner kümmert sich mehr um den Nachwuchs? Producers at Work macht auch mal was richtig? Freitags wollen die Zuschauer Sketchcomedys bei Sat.1 sehen? Haben Sie eine Ahnung!

(Sonja Zietlow ist leider schon in Australien, deshalb übernehmen wir das jetzt mal.)

Irrtum 1: Das Publikum guckt auch noch den größten Mist
Wenn ein Sender behauptet, in einer Livesendung mit Aliens Kontakt aufnehmen zu wollen, dafür ein paar Schauspieler vor altertümlich wirkendende Computer setzt und so tut, als seien sie russische Weltraumexperten, dann auch noch einen irren Löffelverbieger als Medium engagiert, und sich nachher nicht mal davon distanziert, das alles ernst gemeint zu haben – dann wird bei Pro Sieben jetzt nicht nur am Budget gespart, sondern auch am gesunden Menschenverstand. Für „Uri Geller live: Ufos und Aliens“ holte sich der Sender im Herbst vom Publikum eine ordentliche Abfuhr und eine miserable Samstagabend-Quote. Und wer bisher nicht an Außerirdische glaubte, wird nach dieser Show ganz bestimmt nicht in Versuchung gekommen sein.
Und 2009 …?
… macht RTL Pro Sieben die Übersinnlichkeitskompetenz streitig, weil „Die Prophezeiung 2009“ am 3. Januar mit den „größten und bekanntesten Hellsehern und Astrologen“ so gut läuft, dass der Sender die Hellseherei zur täglichen „RTL aktuell“-Rubrik vor dem Wetterbericht macht.

Irrtum 2: „Die Anwälte“ sind eine gute Serie
Zehn Monate glauben sämtliche Medienjournalisten des Landes, „Die Anwälte“ seien eine hervorragend produzierte deutsche Serie. Bis die ARD sie von RTL übernimmt, wo nach einer Folge Schluss war, und am Montagabend mit kaum messbaren Zuschauerzahlen komplett zeigt. Eine prima Gelegenheit, um den Irrtum festzustellen: „Die Anwälte“ ist gar nicht so toll, sondern ein öde zusammengestrickte Seriensimulation mit hölzernen Dialogen, schlechten Schauspielern und furchtbaren Klischees, die das alles in der Auftaktfolge bloß geschickt verstecken konnte. Die Zuschauer haben’s trotzdem gemerkt.
Und 2009 …?
… überlegt sich ZDF-Programmchef Thomas Bellut, ob man im Zweiten nicht mal diese innovative Anwaltsserie „Plötzlich Papa“ zeigen könnte, die gerade bei Sat.1 gescheitert ist.

Irrtum 3: Ausgewandert wird immer!
Es sah ein bisschen nach Finale aus: Einen Tag vor Silvester zeigte Vox am Dienstagabend „Goodbye Deutschland Spezial“ – einen Zusammenschnitt der 100 besten Vox-Auswanderer, die der Sender in den vergangenen Monaten beim Neuanfang in der Fremde begleitete. Das Problem ist nur: Inzwischen sind fast alle weg, die das noch zu interessieren scheint. „Goodbye Deutschland“ liegt längst unter Senderschnitt, Kabel 1 geht’s mit seinem Pendant „Mein neues Leben“ ähnlich – und deshalb scheiterte auch der Versuch, den ehemaligen TV-Trend noch weiter auszudehnen: „Mein neuer Job“, mit dem Kabel 1 arbeitswillige Deutsche ins Ausland zwingen wollte, floppte. Und „Der Auswanderer-Coach“ wurde nach gerade mal vier Folgen in die Wüste geschickt. Goodbye, Auswanderer-Fernsehen!
Und 2009 …?
… können wir nicht mal darüber scherzen, dass Vox mit einer neuen Sendung namens „Die Rückwanderer“ alle Auswanderer wieder zurückholt – denn die gibt’s tatsächlich schon.

Irrtum 4: Irgendwann gewöhnen wir uns daran, dass junge Menschen glauben, es sei erstrebenswert, eine wandelnde Reklametafel wie Heidi Klum zu werden.
Stimmt aber nicht.
Und 2009 …?
… gewöhnen wir uns endlich daran, dass junge Menschen glauben, es sei erstrebenswert, eine wandelnde Reklametafel wie Heidi Klum zu werden.

Irrtum 5: Vox-Zuschauer wollen mehr als Kochen und Tiere
Auf Dauer kann das ja nicht gut gehen: mit Tier-Dokusoaps, Kochshows und amerikanischen Krimserien auf acht Prozent Marktanteil zu kommen. Dachte sich Vox und wollte mit der Eventshow „Mein Restaurant“ endlich mal was unternehmen, das sich sonst nur die großen Sender leisten – eine Show, die die Identität des Senders prägt. Kurz vor Weihnachten ging die teuerste Eigenproduktion der Vox-Geschichte mit enttäuschenden Zuschauerzahlen zu Ende. Und in Köln bleibt die Erkenntnis: Auf dem Weg in die erste Liga der TV-Sender braucht es manchmal doch bloß – Tier-Dokusoaps, Kochshows und amerikanische Krimserien.
Und 2009 …?
… soll’s Vox mit „Mein Restaurant“ halt bitte schön noch einmal versuchen!

Irrtum 6: Sat.1 macht die Late Night Show wieder flott
Schmidt weg, Engelke gescheitert – irgendwann blieb nur noch Niels Ruf, um die Tradition der Late Night Show im deutschen Fernsehen wiederzubeleben. Monatelang trainierte das Ex-Viva-Ekel im Pay-TV-Programm Sat.1 Comedy unter Ausschluss der Öffentlichkeit, durfte dann ins Free TV rüberrutschen – und wurde nach einigen erfolglosen Wochen bei Sat.1 erst tief in die Nacht verschoben und dann entlassen. Damit dürfte endgültig der Beweis erbracht sein, dass es sich lohnt, in eine Show, die zu einem wesentlichen Teil aus Stand-up-Comedy bestehen soll, jemanden zu stellen, der Stand-up-Comedy kann. Ruf konnte es nicht.
Und 2009 …?
… macht’s Pocher dann im Alleingang bei RTL und holt sich Gottschalk als Verstärkung.

Irrtum 7: Man muss es nur oft genug versuchen, irgendwann funktioniert das mit dem Comeback schon.
Aber nicht, wenn man Margarethe Schreinemakers heißt.
Und 2009 …?
… gründet die Frau dann endlich ihren eigenen Spartensender, wo sie niemand mehr absetzen kann (auch nicht, wenn Sie Ihre Steuererklärung vorlesen will): „Schreinemakers 24“.

Irrtum 8: Keiner kümmert sich mehr um den Nachwuchs
Doch, doch. Man muss bloß genau hinsehen. Dann sieht man zum Beispiel: Daniel Hartwich. Der hat 2008 bei RTL die mäßig erfolgreiche Spätshow „Achtung Hartwich“ moderiert (ohne vorher Dschungelkönig geworden zu sein!) und ist, nachdem der Sender dann doch irgendwann den Stecker zog, nun als Allzweck-Praktikant unterwegs. Bei „Das Supertalent“ durfte Hartwich neben Marco Schreyl Backstage-Reporter sein, und während der neuen Staffel von „Ich bin ein Star! Holt mich hier raus“ moderiert er die Wochenrückblicke am Samstagnachmittag. Nachwuchsförderung bei RTL? Es geschehen eben noch Zeichen und Wunder.
Und 2009 …?
… ruft Harald Schmidt bei Hartwich an, weil er ihn so lustig findet und fragen will, ob er ab April schon was vorhat.

Irrtum 9: Producers at Work macht auch mal was richtig
„Schmetterlinge im Bauch“, „R.I.S.“, „Mitten im Achten“ – was hat danach noch schiefgehen können? Na: alles. Christian Popps Produktionsfirma, mit der er sich nach dem Ausstieg bei der Ufa und „Verliebt in Berlin“ vor drei Jahren selbstständig gemacht hat, kann vor allem für eines garantieren: Flops. Egal in welchem Genre. „Dr. Molly & Karl“ und „Plötzlich Papa“ sind bei Sat.1 schon abgesetzt, die Telenovela „Anna und die Liebe“ läuft zwar noch, aber nur, weil der Sender sonst noch ein paar Ermittler-Soaps kürzen müsste, damit sie als Wiederholung ins Programm passen.
Und 2009 …?
… dreht Producers at Work seinen ersten Eventfilm mit einer Frau in der Hauptrolle, die aussieht wie Veronica Ferres.

Irrtum 10: Freitags wollen die Zuschauer Sketchcomedys bei Sat.1 sehen
Es muss da diese merkwürdige Klausel im Vertrag jedes neuen Sat.1-Geschäftsführers geben, in der steht: Der „Fun-Freitag“ ist unantastbar – ob es den Zuschauern gefällt oder nicht. Seit Monaten trifft eher letzteres zu, was daran liegen könnte, dass die vielen Sketchcomedys, die Sat.1 zum Start des Wochenendes durchnudelt, kaum noch zu unterscheiden sind und noch schneller wieder weg als die Geschäftsführer. Aber, ach, lassen wir dem Sender eben seinen Leo-Kirch-Gedächtnis-Tag.
Und 2009…?
… müssen wir diesen Punkt für unsere Liste „Die 10 größten Fernsehirrtümer 2009“ am Jahresende bloß rüberkopieren.


4 Lesermeinungen

  1. Wer entscheidet hier, ob...
    Wer entscheidet hier, ob Kommentare veröffentlicht werden oder nicht? Der Autor? Ein FAZ-Redakteur? Ein Praktikant?

  2. @reiherkopf: Die Autoren. Und...
    @reiherkopf: Die Autoren. Und die Autoren bevorzugen sach- und inhaltsbezogene Kommentare.

  3. Also werden zustimmende...
    Also werden zustimmende Kommentare eher veröffentlicht als ablehnende.

  4. @reiherkopf: Lesen Sie doch...
    @reiherkopf: Lesen Sie doch meinen Kommentar davor nochmal.

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