Das Fernsehblog

Problem gelöst: So kriegen ARD und ZDF mehr junge Zuschauer

Wenn Sie den Herren beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk mal so richtig schlechte Laune machen wollen, dann müssen Sie sich nur neben sie setzen und fragen, warum ihre Sender eigentlich bei den unter 30-jährigen Zuschauern einen Marktanteil haben, der bedenklich in Richtung des Kindersenders Super RTL tendiert.

Immerhin: Das Problem ist erkannt. Auf Konferenzen und in Interviews erklären die Programmverantwortlichen von ARD und ZDF, mehr junge Zuschauer erreichen zu wollen, aber das mit eigens für die Zielgruppe gemachten Sendungen im Hauptprogramm kaum noch schaffen zu können – weil die ja dort keiner mehr finde. Als Alternative werden Spartenkanäle vorgeschlagen oder die „zeitsouveräne Nutzung“ auf speziellen „Portalen“ (also: Videos im Internet), anders kriege man diese internetaffinen jungen Menschen ja nicht mehr vor die Glotze. (Und selbst dabei stellt sich die ARD nicht gerade kompetent an.)

Einmal im Jahr widerlegt ausgerechnet das ZDF die vielen schönen Thesen vom jungen Publikum, das die öffentlich-rechtlichen Sender einfach so „überspringt“.

Um die Weihnachtsfeiertage und zwischen den Jahren feuert das Zweite nämlich einen Hollywood-Spielfilm nach dem nächsten raus, vielleicht, weil zu Weihnachten endlich Zeit ist, genüsslich ein paar Filme ohne Werbeunterbrechung zu sehen, und natürlich auch, weil man sich damit kurz vor Schluss noch mal den Monatsmarktenteil aufpolieren kann, damit die Jahresendabrechnung in der Zielgruppe der bis 49-Jährigen nicht ganz so traurig aussieht.

Das hat auch dieses Mal ganz erstaunlich funktioniert (alle Werte: Zuschauer 14-49 Jahre):

22. Dezember 2008, 20.15 Uhr: „James Bond: Der Morgen stirbt nie“
(2,38 Mio., 17,9 Prozent Marktanteil)

27. Dezember 2008, 22 Uhr: „Mission Impossible“
(1,14 Mio., 14,2 Prozent Marktanteil)

27. Dezember 2008, 23.40 Uhr: „Batman“
(0,67 Mio., 11,7 Prozent Marktanteil)

29. Dezember 2008, 22.15 Uhr: „Batman Begins“
(1,66 Mio., 17,1 Prozent Marktanteil)

30. Dezember 2008, 20.15 Uhr: „Inside Man“
(2,81 Mio., 21,8 Prozent Marktanteil)

2. Januar 2009, 20.15 Uhr: „Harry Potter und der Feuerkelch“
(4,99 Mio., 36,9 Prozent Marktanteil)

2. Januar 2009, 22.50 Uhr: „Sleepy Hollow – Köpfe werden rollen“
(1,12 Mio., 12,3 Prozent Marktanteil)

4. Januar 2009, 16.40 Uhr: „Harry Potter und der Feuerkelch“, Wiederholung
(2,13 Mio., 22,2 Prozent Marktanteil)

5. Januar 2009, 22.15 Uhr: „Armageddon – Das jüngste Gericht“
(1,51 Mio., 16,9 Prozent Marktanteil)

6. Januar 2009, 20.15 Uhr: „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“
(2,45 Mio., 17,2 Prozent Marktanteil)

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Marktanteil des ZDF lag im Jahr 2008 bei 7,0 Prozent, und das war schon durch Fußball-EM und Olympia beeinflusst. 2007 waren’s 6,7 Prozent.

Sowohl mit TV-Premieren als auch mit gut abgehangenen Spielfilmen („Sleepy Hollow“ lief auch schon 2008 im ZDF, „Armageddon“ ist schon hundertmal vom Privatfernsehen durchgednudelt worden) schaffen die Mainzer also Top-Quoten bei den 14- bis 49-Jährigen Zuschauern, nicht nur für ZDF-Verhältnisse, und selbst am späten Abend.

Nur mal so dahin gefragt: Was wäre eigentlich, liebes ZDF, wenn du dir ein paar Blockbuster übers Jahr aufhöbest, um die direkt vor eigenproduzierte Sendungen zu setzen, die sich für ein jüngeres Publikum eignen würden. Dann bräuchte der Programmdirektor keine Angst haben, dass die Sendung keiner findet, denn: die Blockbuster werden von den jungen Zuschauern ja augenscheinlich ganz gut gefunden, selbst wenn sie dann so ein exotisches Programm wie das ZDF einschalten müssen. Und die Chance, dass die alten nicht gleich wegzappen, ist auch größer, weil so ein Film sich ja nicht nur für junge eignet.

Wäre das nicht toll: ARD und ZDF holen sich mit Hollywood das junge Publikum zurück und zeigen im Umfeld wieder ein Programm, das für Gebührenzahler gemacht ist, die nicht mit Jopi Heesters zur Schule gegangen sind?

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