Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Schwieriges Auswärtsspiel für die TSG Merkel 09

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Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte den Satz vervollständigen: "Wer nicht weiß, was sich hinter dem Kürzel TSG verbirgt..." Sie hatte sogar noch den Tipp...

Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte den Satz vervollständigen: „Wer nicht weiß, was sich hinter dem Kürzel TSG verbirgt…“ Sie hatte sogar noch den Tipp bekommen, dass es um Wiesbaden geht. Aber sie schaute von einem Interviewer zum anderen, schwieg, schaute vom anderen Interviewer zum einen, schwieg immer noch und entschied sich schließlich kurzzeitig für diesen Ausdruck völliger Ratlosigkeit: 

Bild zu: Schwieriges Auswärtsspiel für die TSG Merkel 09

Thorsten Schäfer-Gümbel? „TSG hab ich, ehrlich gesagt, jetzt eher für ’nen Sportverein gehalten in diesem Zusammenhang.“

Gut, andererseits hatte sie auch weder vier Alternativen zur Auswahl, noch durfte sie jemanden anrufen. Überhaupt war es ein ungewöhnlicher Abend bei ARD und ZDF. Beide Sender hatten sich in einer spektakulären konzertierten Aktion entschieden, ein Einzelgespräch mit einem nicht unbedeutenden Politiker ausnahmsweise weder von Reinhold Beckmann noch von Johannes B. Kerner führen zu lassen, sondern Nachwuchskräften eine Chance zu geben: sogenannten politischen Journalisten. Anlässlich des irgendwie historischen Konjunkturpaketes tingelte Frau Merkel durch die Hauptstadtstudios und stellte sich unter anderem den Fragen von Thomas Baumann und Ulrich Deppendorf im Ersten (Video) sowie Bettina Schausten und Peter Frey im Zweiten (Video).

Verblüfft erinnerte sich der Zuschauer, dass es tatsächlich die alten Interviewformate noch gibt, die sogar schicke moderne Vorspänne haben, allerdings nur noch selten den Beginn des öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsprogramms verschieben. 2002 lief „Was nun, …?“ noch etwa monatlich im ZDF – inzwischen sind es im Schnitt nur noch zwei Sendungen jährlich. Es ist zudem eine reine Kanzlerfragesendung geworden: Frau Merkel war jetzt das dritte Mal in Folge da. Alle anderen gehen wohl zu Kerner. Das ARD-Gegenstück „Farbe bekennen“ hatte ohnehin nie eine größere Präsenz im Programm.  

Nun haben solche Programm-Entscheidungen immer zwei Seiten. Gut war, dass kein Beckmann Frau Merkel fragte, wie sich das „anfühlt“, so ein Konjunkturpaket beschlossen zu haben. Nicht so gut war, dass ARD-Chefredakteur Baumann stattdessen glaubte, das Interesse der Zuschauer am besten dadurch zu gewinnen, dass er die Monumentalität des Ereignisses in den ersten Satz gerinnen ließ: „Der zwölfte Tag des Jahres war politisch wahrscheinlich schon einer der wichtigsten.“ Von diesem Tonfall sollte sich die ganze Sendung nicht mehr berappeln, Kanzlerin und Moderatoren tauschten entschlossen bis grimmig technische Fachbegriffe und bürokratische Superwörter aus.

ZDF-Innenpolitikchefin Schausten hatte dagegen offenbar beschlossen, dass Nüchternheit und Details was für Weicheier sind, und schon mal Frank Plasberg im Fernsehen gesehen. „Sind Sie, Frau Merkel, eine Schuldenkanzlerin“, lautete ihre erste Frage, und die Angesprochene brauchte sichtlich eine Sekunde, bis ihr einfiel, dass sie die Frage natürlich nicht beantworten muss. Die ZDF-Leute hatten sogar einen Einspielfilm mit den markigen, nur wenige Monate alten Schuldenabbau-Zitaten Merkels und Peer Steinbrücks vorbereitet. Und tatsächlich sorgte ihr Wille zur Zuspitzung für das munterere und ergiebigere Gespräch – auch wenn sich die Kanzlerin vor lauter Bemühen um fluffige Volksnähe und Anschaulichkeit gleich am Anfang hübsch in ihrer eigenen Metapher verstrickte:

Peter Frey: Sie haben sich beim CDU-Parteitag als schwäbische Hausfrau präsentiert: sparsam, nur das ausgeben, was man wirklich hat. Jetzt ist es eine richtige Kehrtwende eigentlich, dieses Kulturpaket.

Angela Merkel: Ich hab das überhaupt nicht kehrtgewendet. Sondern die schwäbische Hausfrau ist das Modell für das Wirtschaften in der Welt. Und dass wir in diese Krise gekommen sind, ist der Ausdruck dessen, dass sich nicht alle wie die schwäbische Hausfrau verhalten haben. Jetzt sind wir aber in einer Ausnahmesituation. Und wenn Not am Mann ist, dann bin ich ganz überzeugt, dass auch eine kluge Hausfrau vielleicht beim Nachbarn fragt, ob man etwas tun kann, damit auch der Patient wieder aufgepäppelt werden kann. 

Ob die schwäbische Hausfrau sich in diesem Bild beim Nachbarn Aspirin borgt oder ihm ihrerseits Schirme, Schals und Pakete vorbeibringt, blieb offen.


4 Lesermeinungen

  1. habe den gesichtsausdruck der...
    habe den gesichtsausdruck der brandenburgischen hausfrau gesehen und dachte: oje..

  2. Ob die Pennälerwitze über...
    Ob die Pennälerwitze über Brillenmodelle und Doppelnamen noch mal aus der FAZ verschwinden werden?

  3. "Daß sich sehr viel über den...
    „Daß sich sehr viel über den Kopf abspielt“, fasziniert Angela Merkel nach eigener Aussage (jaja, REGIERUNGonline) – am Fußball. Ach was, „da lacht das runde Leder“ (E. Henscheid) – denn hoffenheimisch sah sie wirklich nicht aus, von ARD und ZDF in die Zange genommen. „Bochum gg. Cottbus, das ist eh kein Straßenfeger“ (Manni Breuckmann). Also mimte Frau Merkel nordelbische Kummerschnute (wie im münsterschen Tatort der bekennende Pauli-Fan Axel Prahl, dem sie immer öfter ähnelt), ganz FC St. Mauli.
    Oder Mutter Klinsmann, als es den kickertrimmenden Bäckersohn in die feindliche, weil rote Allianz-Arena verschlug. Aus mütterlicher Sicht hätte der Jürgen ruhig beim weiß-schwarzen DFB bleiben sollen (Farbe Hohenzollern!) – schließlich hat er in Berlin „ein paar entscheidende Symbole gesetzt“ (A.M.).
    Was ist da schon Wiesbaden?! „Stadt mit Kick“ – so wirbt der vorstädtische SV Wehen 26. Was, Prozent? Eine Partei, die gerade soviel einfährt: höchstens Regionalliga. Dort gibt es aber keinen TSG mehr, obwohl – „im Fußball kann sich die Welt verändern“ (A.M.), wie in der Politik. Plötzlich spielt Ö(del) gg. D(ödel) – und der Koch kommt aus Liechtenstein als Oberkellner zurück.
    Deshalb – so A.M. – „TrümbelSpieltGümbel“ gar nicht erst ignorieren – oder gleich nach Moffenheim stecken; denn „der linke Fuß ist seiner, der rechte nicht“ (M. Reif). Die Große Koalition?! „Wir waren bereits klinisch tot“ (Fußball-Weisheiten, nach Ph. Köster), dennoch „gewinnen wir heute 1:1 – aber es hätte auch umgekehrt ausgehen können“.
    Schwere Kehrtwehen! Merkels schwäbische Hausfrau aber kennt keine richtige Kehrtwende – ihr Konjunktur- und Kulturpaket ist die Kehrwoche.

  4. 3 Tage lang nix neues... Was...
    3 Tage lang nix neues… Was ist los, Jungs?

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