Das Fernsehblog

Boing, Zisch, Klonk: "DSDS" und die Geräusche-Explosion

Woran erinnern Sie diese Geräusche?
Das hier?
Und diese vielleicht?

Sollten Sie jetzt zuerst an „Deutschland sucht den Superstar“ gedacht haben, wäre es vielleicht ratsam, künftig nicht mehr soviel RTL zu sehen.

Am Samstagabend hat der Sender den letzten Zusammenschnitt der Castings gezeigt, die im vergangenen Jahr von über 30.000 Bewerbern besucht wurden. Für die Ausstrahlung im Fernsehen kommt es dabei seit einiger Zeit nicht mehr darauf an, dass jemand besonders gut singt. Viel wichtiger sind die Kandidaten, die sich vor der Kamera so schräg anstellen, dass die Postproduktion nachher ein paar Zeichentrick-Geräusche unter ihre Darbietungen legen kann, um aus einer eigentlich peinlichen Situation eine vermeintlich witzige zu machen. In der vor zweieinhalb Wochen gestarteten sechsten Staffel übertreibt es RTL mit den Boings, Zischs und Klonks allerdings gewaltig.

Am Auftritt von Cosimo aus Stuttgart lässt sich das besonders schön zeigen, weil in den paar Minuten, die davon im Fernsehen zu sehen waren, kaum ein Moment vergeht, der nachträglich nicht mit Soundeffekten aufgemotzt wurde. Schauen Sie sich das bitte mal an.

Wenn Cosimo sich über die Augenbrauen fährt, gibt es einen zackigen Sound dazu. Wenn er an seiner Brille rüttelt, wird ein Doing-Doing-Geräusch eingespielt. Peinliche Szenen werden mit einem lauten Mööööp eingefroren. Es gibt sogar einen eigenen Trailer für die Kandidaten, die schon mal bei einem Casting waren, rausgeschmissen wurden, und – wie Cosimo – trotzdem wiederkommen, um sich eine weitere Abfuhr zu holen.


Screenshot: RTL

Vor einem anderen Kandidaten reißt die Produktion, nachdem Bohlen ihn schon klein gemacht hat, einen virtuellen Abgrund auf, stößt ihn hinein und lässt ihn mit einem dran montierten Fallschirm hinab in die Tiefe gleiten.


Screenshots: RTL

Manchmal hab ich den Eindruck, bei Grundy Light Entertainment, das „DSDS“ für RTL produziert, ist im Schnitt die Kiste mit den Toons umgekippt und niemand hat sich die Mühe machen wollen, die  kleinen Quieker, die anschließend über die Schaltpulte gehüpft sind, wieder einzufangen. Das Problem dabei ist nicht nur, dass das die Macher von „Who Framed Roger Rabbit“ schon vor 21 Jahren um ein Vielfaches lustiger hinbekommen haben. Sondern auch, dass es sich bei denen, die jetzt für RTL quieken, weder um Schauspieler noch um Zeichentrickhelden handelt, sondern um echte Menschen, denen es nicht egal sein wird, wenn sich nachher alle über sie lustig machen.

Die Produzenten merken nicht mal mehr, wie sehr sie diese Situationen überdrehen, bis sie nicht mehr witzig sind, sondern bloß anstrengend und demütigend.

2008 hat die Kommission für Jugendschutz der Landesmedienanstalten gegen RTL ein Bußgeld in Höhe von 10.000 Euro verhängt, weil der Sender bei „DSDS“ „beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten“ als Normalität dargestellt habe. Die Begründung bezieht sich vor allem auf die deftigen Beleidigungen Dieter Bohlens gegenüber den Kandidaten. Aber das eigentlich Herabwürdigende an „DSDS“ ist, dass die Sendung durch die Nachbearbeitung der Castingszenen aus echten Menschen, die offensichtlich nicht wissen, dass sie nicht singen können, Comicfiguren macht, und die sich dagegen nicht mehr wehren können.

Dass auch Bohlens Grimassen öfters mit Soundeffekten unterlegt werden, ist hingegen bloß – naja, sagen wir: konsequent.

Die mobile Version verlassen