Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Warum Günther Jauch den ZDF-Bundeskanzler wählt

| 15 Lesermeinungen

Wenn das ZDF in diesem Sommer in einer Art Casting-Show Nachwuchstalente sucht, die sich zutrauen, Bundeskanzler zu werden, wird in der Jury der Mann sitzen, den die Deutschen in Umfragen regelmäßig als ihren Wunsch-Bundeskanzler angeben: Günther Jauch.

Als Das Erste im November 2007 eine neue Show mit Frank Elstner namens „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ startete, warb der Sender dafür nicht nur mit dem eigenen Moderator, sondern auch mit einem Mann von der Konkurrenz: Es sei der erste Auftritt von Günther Jauch als Kandidat in einer Quizshow.

Ein gutes Jahr später saß der RTL-Moderator wieder als Quiz-Kandidat in einer ARD-Show: Diesmal hieß sie „2008 – Das Quiz“ und wurde von Frank Plasberg moderiert.

Und was eint beide Sendungen? Sie werden von Jauchs Firma I&U produziert. Ein Sender, der sich eine Show von I&U produzieren lässt, bekommt als Bonus, wenn er mag, Jauch als Gast mit dazu. Das ist kein schlechter Deal: Jauchs Prominenz trug sicher mit dazu bei, dass beide Sendungen jeweils knapp sieben Millionen Zuschauer hatten, was viel ist.

Jauchs Gastauftritte helfen dem Sender – und ihm selbst als Produzenten. Der Markt der Fernsehproduzenten wird in Deutschland – auch deshalb – inzwischen im erstaunlichen Maß von Fernsehmoderatoren dominiert, und Jauchs Kollegen greifen zum Anschub einer neuen Sendung gerne auf denselben Trick zurück. ZDF-Moderator Johannes B. Kerner saß im vergangenen Dezember als Kandidat in der ARD-Show „Deutschlands größter Gedächtnistest“, die von seiner Firma Die Fernsehmacher für das Erste Programm hergestellt wurde. Und sogar ARD-Allesmoderierer Jörg Pilawa fand im November die Zeit, sich für die Premiere der ZDF-Show „Das will ich wissen“ als Gast zur Verfügung zu stellen. Produziert wurde sie von einer Firma namens White Balance. Deren Geschäftsführer heißt, richtig: Jörg Pilawa.

Mit diesem Hintergrundwissen können Sie nun sogar selbst erraten, wer in der Jury sitzen wird, wenn das ZDF in diesem Sommer in einer Art Casting-Show Nachwuchstalente sucht, die sich zutrauen, Bundeskanzler zu werden. Sie müssen dazu nicht einmal wissen, dass die Show „Ich kann Kanzler“ heißt (der schöne Alternativvorschlag „Ich will hier rein“ konnte sich leider nicht durchsetzen), dass sie von ZDF-Nachrichtenmann Steffen Seibert moderiert wird, dass sich Teilnehmer online mit Fotos, Videos und einer „Idee für Deutschland“ bewerben können und die Jury aus den 40 besten Bewerbern vier auswählt, die in einer Live-Show am 19. Juni gegeneinander antreten und um den Titel „Kanzler für einen Abend“, ein „Kanzlergehalt“ und ein Praktikum in Berlin kämpfen.

Alles, was sie wissen müssen, um auf die Lösung zu kommen, ist, dass das ZDF den Auftrag zur Produktion an Günther Jauchs Firma I&U vergeben hat.

Na?

Bingo!

Im Original der Show, das seit drei Jahren in Kanada als „The Next Great Prime Minister“ läuft, sind es ehemalige Premierminister, die in der Jury über die Bewerber entscheiden. Aber Günther Jauch, den die Deutschen in Umfragen regelmäßig als ihren Wunsch-Bundeskanzler angeben, ist für das ZDF natürlich auch ein Coup. Quasi als bester Bundeskanzler, den wir nie hatten.


15 Lesermeinungen

  1. Sollten wir nicht froh sein,...
    Sollten wir nicht froh sein, dass es so beliebte und kompetente Profis gibt? Jauchs Auftritte helfen dem Sender – und was ist so schlecht daran, wenn er daran selbst als Produzent gut verdient? Und ARD-Moderierer Jörg Pilawa hat im November bei der Premiere der ZDF-Show „Das will ich wissen“ als Gast eine beachtliche Leistung abgeliefert.Wenn der kreative Jörg Pilawa mit seiner Firma namens White Balance so eine interessante Sendung produziert und das finanzielle Risiko trägt, kann ich nur sagen: Solches Engagement soll sich auch finanziell lohnen. Immerhin hat Meiser mit seiner Firma erst vor kurzem Pleite gemacht. Beim Amtsgericht Köln mußte er die Insolvenz seiner Fernsehproduktionsfirma einleiten.
    Ich finde, gute Leistung ist einen guten Preis wert. Oder?

  2. @Stefan Niggermeier: Nein,...
    @Stefan Niggermeier: Nein, wenn er wirklich gut ist, überlege ich es mir nochmal. Dennoch bezweifle ich, dass sich wirklich seriöse Politker dort bewerben. Ich kenne das Profil der Sendung noch nicht wirklich und werde mir zu erst die erste Folge angucken.
    Das übliche Prozedere einer Casting-Show ist doch, dass die Kandidaten von null auf hundert schießen. Ich weiß nicht, ob dass für Politiker funktioniert, wenn es schon für Musiker nicht funktioniert. Man muss schon ein wenig die Materie und die Wurzeln kennen, bevor man sich als Bundeskanzler bewirbt. Selbst ein Obama war viele Jahre in der Politik und im Senat tätig bevor er sich entschloss Präsident zu werden. Überhaupt haben wir in Deutschland doch ein Parteien-System. Die Kandidaten müssten doch dann auch erstmal in eine Partei eintreten. Als Einstieg in die Politk mag diese Show taugen, aber um ernsthafte Ambitionen auf hohe Ämter verwirklichen zu können, muss man mehr können, als eine Casting-Show zu gewinnen.
    Aber am Ende entscheidet immer noch das Volk und wenn das später einmal einen Casting-Gewinner zum BK wählt, ist das eben so. Dann muss ich mich wohl damit abfinden. Trotzdem habe ich starke Zweifel, dass die Show einen guten Politiker hervor bringt, der sich dauerhaft etablieren kann

  3. @Tobias
    Die beabsichtigte...

    @Tobias
    Die beabsichtigte Intransparenz hat, so fürchte ich, nicht nur die Funktion, einen öffentlichen Aufschrei zu vermeiden. Den gibt es ja auch nicht, wenn Schauspieler verpflichtet werden – einfach auch deswegen nicht, weil niemand weiss, was Frau Berben verdient. Und die hat ja auch keine Produktionsfirma – obwohl, halt… Ihr Sohn, Ihr Exmann – naja, lassen wir das.
    Viel problematischer ist doch, dass sich über die Konstruktion von beauftragten Produktionsfirmen Drittmittel wesentlich besser zur Quersubventionierung von großen Gesichtern einbauen lassen, als das bei einem „Honorar“ ginge. Dann gibt es da noch steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Vorteile (natürlich für den Empfänger) etc… Und schließlich die Frage der Rechte. Die lassen sich über eine beteiligte Produktionsfirma natürlich besser managen und verwerten (wiederum zugunsten des Einzelnen).

  4. mindcontrol sagt:

    Es kann nur eine Kanzlerin...
    Es kann nur eine Kanzlerin geben: DIMEBAG!!!
    https://www.dimebags-world.blogspot.com/

  5. Hosseini sagt:

    Wieso eigentlich nicht? Ich...
    Wieso eigentlich nicht? Ich finde die Idee sehr gut. Es handelt sich nicht um DSDS oder den nächsten Topmodel! Vielleicht sind wirklich Leute dabei, die gute Ideen haben. Ich finde es nur nicht gut, daß das Alter zwischen 18 und 35 sein soll. Es sollte schon bis Ende 40 möglich sein!!!

Kommentare sind deaktiviert.