Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Wie RTL seine Kandidaten bei "DSDS" hängen lässt

| 13 Lesermeinungen

Die Macher von "Deutschland sucht den Superstar" müssen große Pro-Sieben-Fans sein. Immerhin sieht der neue "DSDS"-Recall jetzt so aus wie eine Mischung aus "Popstars" und "Germany's Next Topmodel". Und am Ende sind alle glücklich, wenn sie in der "Bravo" stehen.

Äh: Teneriffa?

Singt es sich da vielleicht besser wegen der „ganzjährig milden Temperaturen auf Grund der südlich der Rossbreiten entstehenden Nordost-Passatwinde“ (Wikipedia)? Oder musste sich Dieter Bohlen wegen einer akuten Winterallergie rechtzeitig ins Ausland begeben?

Ach was, RTL hat bloß ein bisschen an „Deutschland sucht den Superstar“ herum geschraubt, um den „Recall“ aufzupeppen, also die Zwischenrunde, nach der sich entscheidet, welche Bewerber in die Liveshows kommen. Jetzt ist der Recall deshalb keine mehrteilige Bühnensoap mehr, sondern eine mehrteilige Bühnensoap mit vorherigem Sonnenausflug samt angeschlossener Mutprobe: Nach einer Vorauswahl in Deutschland wurden die übrig gebliebenen Kandidaten in den Flieger nach Teneriffa gesetzt, um am anderen Tag endlich mal „Kraft, Ausdauer und Disziplin“ zu beweisen, wie Marco Schreyl aus dem Off erzählte.

Morgens um sieben wurden die Kandidaten überraschend aus ihren Hotelzimmern gezogen, um im Ausdauertraining einmal über einen Hindernisparcours am Strand gescheucht zu werden.

Für ihre nächste Gesangsprobe mussten die Kandidatinnen im Bikini am Pool erscheinen und bekamen eine riesige Pythonschlange um den Hals gehängt.

Die Männer wurden aus 20 Metern Höhe kopfüber von einer Hebebühne abgeseilt und sollten dann im Hängen singen. (Immerhin haben Britney Spears und Robbie Williams dasselbe gemacht, da wird man das doch auch von den Kandidaten bei „DSDS“ verlangen können.)

Ich hab ja nur darauf gewartet, dass das RTL-Kamerateam irgendwann zufällig mit dem von Pro Sieben zusammenstößt. Die Produzenten von Grundy Light Entertainment hatten jedenfalls nicht viel Arbeit mit ihrem neuen Recall – ein paar Mal „Popstars“ auf Pro Sieben schauen wird gereicht haben. Denn da passiert genau dasselbe: Castingshow-Kandidaten werden vor sonnige Kulissen geschleppt, in luxuriösen Hotels untergebracht und dann übern Strand gejagt, weil es halt ein bisschen nervt, wenn ständig bloß gesungen wird. (Nur hat es bei Pro Sieben im vergangenen Jahr schon für Ägypten gereicht und nicht bloß für Teneriffa.)

Es scheint bei den Grundys sowieso ein paar eingefleischte Pro-Sieben-Fans zu geben. In der „DSDS“-Folge am Mittwoch war nämlich auch noch zu sehen, wie die Kandidaten Besuch von Christian Schommers bekamen, dem stellvertretenden Chefredakteur der „Bravo“.

Schommers sollte sich die Bewerber raussuchen, die seiner Meinung nach am ehesten nach Stars aussehen, um sie für eine Geschichte zu fotografieren, ein bisschen mit ihnen im Heft zu blättern und „Bravo“-relevante Fragen zu stellen wie: „Hast du auch Enttäuschungen in der Liebe erlebt?“

Bild zu: Wie RTL seine Kandidaten bei "DSDS" hängen lässt
Screenshot: RTL

Der geübte Castingshow-Zuschauer weiß: Sonst passiert sowas nur den Mädchen bei „Germany’s Next Topmodel“, die bei Pro Sieben ehrfürchtig vor „Cosmopolitan“-Chefredakteurin Petra Gessulat erstarren oder gemein reingelegt werden, wenn sie einem Journalisten die intimsten Details über ihr Leben verraten und nachher schlimme Überschriften im Blatt stehen – was nur halb so wild ist, sobald sich herausstellt, dass das Interview bloß als Medientraining inszeniert war und die Texte nie erscheinen werden.

Bei „DSDS“ gab es kein Medientraining und auch keinen Test, die sechs Auserwählten, die tatsächlich mit Foto und kleinem Porträt ins Heft kamen, waren aber überglücklich. So wie die 18-jährige Kim:

„Ich hab mich bemüht, ehrlich zu sein und viel zu erzählen.“

Genau so sah ihr Porträt in der „Bravo“ dann nachher auch aus:

Bild zu: Wie RTL seine Kandidaten bei "DSDS" hängen lässt
Screenshot: RTL


13 Lesermeinungen

  1. ich sagt:

    Hin oder her - trotz alledem...
    Hin oder her – trotz alledem find ich die sendung recht amüsant und gut gemacht! Interessiert doch kein Schwein, ob was abgeguckt worden ist. Außerdem gabs diese „Erkenntnis“ schon viel früher (siehe Link: https://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=31448&p3= ).
    Die Quoten stimmen auch diesmal wieder! Nicht meckern und drüber rotzen, entweder schauen – oder nicht schauen!

  2. Das Problem ist:

    Die meisten...
    Das Problem ist:
    Die meisten schauen ja auch nur und motzen nicht (mehr). Wie im Handel bzw. Dienstleistungsgewerbe: Unmut nicht frei heraus sondern Schnauze halten aber zu Hause meckern über den scheiss Verkäufer im Möbelabholmarkt, begleitet von dem Ausruf: „Da geh ich nie wieder hin!“. Dumm nur, dass man damit dem Handel nicht hilft und sich selbst am wenigsten. Daher sollte es durchaus erlaubt sein, Gesendetes zu kritisieren. Das Argument „Gucks doch einfach nicht“ wird von den Medienmachern gern genommen wenn andere Argumente nicht mehr greifen. Und DSDS würde nicht laufen, wenn es um wirklich seriöse Talentsuche ginge, vor allem nicht mit einer unendlichen Invasion von vermeintlichen Talente. Denn gerade die, die es NICHT können bringen die Quote. In diesem Sinne…
    Darian, quotenbringer seit 1975.

  3. Kai sagt:

    Die beiden Beitraege von...
    Die beiden Beitraege von Darian bringen es auf den Punkt. Stimme dem vollkommen zu.

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