Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Herr Raab, ist die "Wok-WM" wirklich Werbung?

| 58 Lesermeinungen

Wenn am Samstagabend bei Pro Sieben die angeheizten Woks die Bobbahn in Winterberg runter sausen, steht bei der Übertragung im Fernsehen oben in der linken Ecke zum ersten Mal "Werbesendung". Das Fernsehblog hat mal bei "Wok-WM"-Erfinder Stefan Raab nachgefragt, was er davon hält.

Wenn am Samstagabend bei Pro Sieben die angeheizten Woks die Bobbahn in Winterberg runter sausen, steht bei der Übertragung im Fernsehen oben in der linken Ecke zum ersten Mal „Werbesendung“. (Warum? Das steht hier.) Das Fernsehblog hat mal bei bei „Wok-WM“-Erfinder Stefan Raab nachgefragt, was er davon hält.

 

Bild zu: Herr Raab, ist die "Wok-WM" wirklich Werbung?Das Fernsehblog: Herr Raab, das Berliner Verwaltungsgericht hat Pro Sieben untersagt, die „TV total Wok-WM“ in ihrer bisherigen Form zu senden, weil darin ständig die Logos der Sponsoren zu sehen sind. Macht Ihnen das was aus?

Stefan Raab: Das Urteil des Gerichts ist aufgrund der momentan existierenden Bestimmungen wohl korrekt – aber ich finde: nicht zeitgemäß.

Einerseits wollen Sie Programm für die Zuschauer machen, sich aber andererseits nicht an die Regeln halten, die ja auch im Sinne der Zuschauer wirken sollen?

Moment mal. Da kann man ja unterschiedlicher Meinung sein. Man muss aber auch mal schauen, wie das in anderen Fällen gehandhabt wird. Ohne Sponsoring würde in der Formel 1 auch keiner seine Runden drehen – und beim Fußball akzeptieren alle, wenn der Fußballtrainer mit dem Taxofit-Aufnäher auf dem Hemd zum Interview kommt. Dem könnte man genauso sagen: Pass mal auf, zieh das Ding aus, und dann kommste hier rein. Wir können die „Wok-WM“ nur in dieser Qualität machen, wenn wir Sponsoren dabei haben. Da wird glaube ich mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Die Leute kommentieren hier im Blog doch auch, dass sie diesen Unterschied nicht verstehen.

Es geht doch bloß darum, dem Publikum zu signalisieren: Dafür kriegen wir Geld, das kann der Sponsor womöglich beeinflussen – sonst gibt es vielleicht bald auch Fälle, in denen es nicht mehr so offensichtlich zu erkennen ist wie bei der „Wok-WM“.

Ich bin ja dafür, dass es klare Regeln gibt. Aber deswegen muss man ja nicht jede Regel als bedingungslos richtig akzeptieren. Man kann vielleicht auch darauf hinwirken, dass sich das mal ändert. Ich behaupte ja weiterhin: Wok-Fahren ist Sport. Es hat sich ja auch irgendwann mal einer ein Brett unter die Füße geklemmt und ist damit den Hang runter gesaust, bis es so viele gemacht haben, dass Snowboarden inzwischen vom Olympischen Komitee anerkannt ist. Also: Ich akzeptier das alles. Aber ich bin der Meinung, dass man sich mit solchen Regeln auch nach der Zeit richten muss. Und man darf die Leute auch nicht für zu doof halten. Das Argument ist ja: Der Zuschauer kann das nicht unterscheiden.

Vielleicht nicht jeder.

Glauben Sie, die Leute sitzen zuhause und verstehen: dass auf dem Wok „Frosta“ drauf steht, ist Werbung? Aber der Wok selber ist Programm? Das macht doch keiner! Der Gedanke hinter dieser Regel ist ja nur, dass man den Zuschauer für so unmündig hält, dass er nicht unterscheiden kann, was Programm, und was Werbung ist. Und gerade bei uns ist das sehr deutlich zu erkennen. Wenn Andrea Kiewel bei Johannes B. Kerner sagt, wie toll sie Weight Watchers findet, ist das vielleicht was anderes. Aber bei uns steht’s ja auf den Rennanzügen drauf! Mit Schleichwerbung hat das nichts zu tun, da schleicht doch gar nix. Ich find’s schleichender, wenn bei „Wetten dass…?“ wieder einer mit ’nem Audi reingefahren kommt.

Aber an der „Wok-WM“ ändert sich nichts?

Wir müssen bloß pünktlich fertig werden und haben oben „Werbesendung“ im Bild stehen. Für den Zuschauer macht das eigentlich keinen Unterschied. Es fehlt bloß noch, dass sich einer beschwert, dass man das nicht Werbesendung nennen darf, weil vielleicht zu wenig Werbung drin ist. Ich glaube, es wird Zeit, diese Regeln mal zu entzerren und zu vereinfachen.

Wer mehr von Stefan Raab lesen will, der sollte (rechtzeitig zur „TV total“-Jubiläumswoche) am Sonntag mal einen Blick in die F.A.S. werfen.

Und für den Programmhinweis leihen wir uns an dieser Stelle mal die Tafel von N24:

Bild zu: Herr Raab, ist die "Wok-WM" wirklich Werbung?

Screenshots (auch Foto oben): N24 / Pressekonferenz zur „TV total Wok-WM 2009“ (die Raab übrigens mit dem Satz anmoderierte: „Herzlich willkommen den Millionen Zuschauern an den TV-Geräten bei N24“).


58 Lesermeinungen

  1. Guderian sagt:

    1. Es geht nicht darum, ob Wok...
    1. Es geht nicht darum, ob Wok ein Sport ist, wie Fußball oder Formel 1. Auch Sackhüpfen und Fassrollen waren schon olympisch. Sumoringen ist hingegen bis heute nicht olympisch.
    2. Es geht auch nicht um Schleichwerbung. Niemand behauptet die Wok-WM wäre Schleichwerbung. Sie ist von Anfang bis Ende Werbung. Deshalb bezeichnet das Gericht sie auch als Dauerwerbesendung.
    3. Und es geht auch nicht darum, ob der Zuschauer zu blöd ist, die Werbung zu erkennen. Sondern es geht darum, dass die Sender nur eine bestimmte Menge an Werbung pro Tag ausstrahlen dürfen und wenn die gesamte Übertragung der Wok-WM Werbung ist, dann muss Pro7 die anderen Werbeinseln einschränken.
    FAZIT: Diese Regelung ist gut und sinnvoll und wird leider noch viel zu selten angewandt.

  2. sam sagt:

    Ich finde den Schritt ok, klar...
    Ich finde den Schritt ok, klar muss das ganze irgendwie finanziert werden. Aber irgendwann reicht es auch. Bitte blendet bei Uri Geller auch Werbesendung oben ein. Ich finde das so schlecht, wenn ihm Publikum „zufällig“ eine Frau Schneekoppe etwas beizutragen hat, Uri´s Nachahmer sich Lufthansa Nummern auswendig merken und Kontonummern eines Sparkassen Kontos erraten.

  3. nogo sagt:

    <p>das Urteil ist richtig. Die...
    das Urteil ist richtig. Die Leute haben die Grenze beim letzten Mal eindeutig überschritten! Es ist je in Ordnung, wenn die Werbefähnchen und diverse aufkleber dem Zuschauer mitteilen, von wem die Sendung finanziert wurde, aber muss noch dazu im jeden zweiten Satz die jeweilige Firma genannt werden? Das nervt am Meisten. Die Akustische Werbung sollte man grundsätzlich verbieten oder wenigstens stark einschränken. Alles was nicht direkt mit Woks oder Bobfahren zu tun ist soll weg. Der Zuschauer interessiert sich für Wok-Sport und nicht für Fastfoodkette etc. Wenn bei Fussball ein/ zwei mal pro Spiel genannt wird, dass in der …-Arena gespielt wird, ist scharf an der Grenze. Dass Fahrzeughersteller in der F1 ständig genannt werden ist ja in Ordnung, Energie-Getränke-Anbieter sollen sich da bitte schön raushalten, da sie mit dem Sport nichts zu tun haben.

  4. nona sagt:

    @Peer: Ich denke, Regel(ungen)...
    @Peer: Ich denke, Regel(ungen) werden eigentlich laufend an die Realität und Umstände angepasst, auch in diesem Fall. Gerichtliche Instanzen entscheiden sowas ja auch nicht ausschliesslich entlang der Buchstaben der Gesetze, sondern auch an deren Sinn und angepasst an die gegebenen Umstände. Dieser Vorwurf „nicht zeitgemäss“ will sich mir deswegen/trotzdem nicht erschliessen – Raab ist nicht die Instanz, die definiert, welches Extrem an Werbung denn nun aus welchen Gründen erträglich oder zulässig ist, denn er ist in dieser Frage Partei. Und dass die Werbung in Raabs Veranstaltungen in extremen Mengen platziert ist, ist wohl offensichtlich (so extrem dass es mich persönlich stört, ich fühle mich durch sowas für dumm verkauft). Seine Meinung sei ihm zugestanden, und ich weiss, er akzeptiert ja gerichtliche Entscheidungen und all das, aber die Vergleiche, die er zu seiner „Verteidigung“ und Untermauerung seiner Meinung vorbringt, machen sogar noch weniger Sinn als die Pro7-Argumentation seinerzeit in der Frage „Promotion vs. Dauerwerbesendung“. Er polemisiert bloss spitzbübisch vor sich hin, sonst nichts.

  5. Hi Holger,

    wann das letzte...
    Hi Holger,
    wann das letzte Mal Beach Volleyball gespielt? Noch Nie? Ach so.

  6. Spassvogel sagt:

    Raab hat recht. Die...
    Raab hat recht. Die Privatsender müssen sich auch irgendwie finanzieren. Diese Logo Einblendungen nerven mich sowieso.

  7. hilti sagt:

    Hm,
    >Ohne Sponsoring würde in...

    Hm,
    >Ohne Sponsoring würde in der Formel 1 auch keiner seine Runden drehen
    es wäre mir neu, wenn es in der Formel 1 irgendwo eine „Burger-King-Kurve“ gäbe und deren Name bei jeder Durchfahrt genannt würde

  8. Homer sagt:

    Die Nennung speziell der...
    Die Nennung speziell der Marken-bestückten Kurven ist in der Tat diskussionswürdig. Bei den Namen der Teams sieht es aber anders aus. In der Formel 1 redet man z.B. auch von/m „Red Bull“, daher sind Nennung durchaus legitim. Somit bin ich in großen Teilen der gleichen Meinung wie Raab.
    Wie kann es zum Beispiel sein, dass Gottschalk bei ‚Wetten dass‘ zur Nennung eines Sponsors in jeder Sendung eine fast DIN A4- große „E-wie-Einfach“- Karte ohne jeden logischen Grund in die Kamera hält? Die für das ZDF zuständigen Gremien scheint das bisher nicht zu kümmern. Stattdessen klebt man in einer Telenovela das VW-Logo auf dem Kühlergrill ab…
    Oliver Pocher hat das in einer Schmidt&Pocher mal ganz dezent aber treffend mit einem „S wie Schleichwerbung“- Schild parodiert.

  9. nona sagt:

    Dass bei "Wetten dass" massiv...
    Dass bei „Wetten dass“ massiv (schleich)geworben wird ist bekannt – aber das kann keine Rechtfertigung dafür sein, dass es woanders dann ja auch gerne gemacht werden könne.
    Dass es in der Formel 1 ein „Red Bull“-Team gibt liegt daran, dass Red Bull (bzw. der Firmeninhaber) Besitzer/Hauptanteilseigner des Teams ist. Man kann Ferrari und Toyota nicht vorwerfen, dass sie Werbung für Ferrari oder Toyota machten. Siehe auch Bayer Leverkusen u.ä. – mal abgesehen davon, dass das Äpfel-Birnen-Vergleiche sind, da Raabs Veranstaltungen rein synthetische einmalige Fernsehereignisse sind. Er kann gerne versuchen das auf eine Stufe mit etablierten Sportarten zu stellen, von der gebetsmühlenartigen Wiederholung wird es aber nicht wahrer.
    Dass es im Motorsport durchaus Kurven mit Firmennamen gibt liegt nicht an der Sportart oder am gerade stattfindenden „Event“, sondern im Ermessen des Streckenbetreibers, ebenso wie der Verkauf von Namensrechten z.B. bei Sportstadien eine Sache des Besitzers ist, und nicht der dort austragenden Sportarten. Die werden gemeinhin nicht -wie bei der Wok-WM- für eine einmalige Veranstaltung um- oder neubenannt.

  10. ejal sagt:

    ich schau mir grad die Wok-WM...
    ich schau mir grad die Wok-WM an und das Ausmaß an Werbung ist wirklich unerträglich. Das ist auch nicht mehr mit Formel 1 oder Fußball zu vergleichen. Es geht hier nicht um Trikots, das wäre unproblematisch.
    Aber wenn bei jeder Nennung des Teamnamens der Sponsor in aller Deutlichkeit erwähnt wird, wenn die Werbebanden überall und riesengroß zu erkennen sind und praktisch kein Bild ohne großflächige Werbung auskommt, dann hilft auch nicht mehr die Freude am Sport, um das nicht als Dauerwerbesendung zu bezeichnen zu müssen.
    Das gleiche gilt übrigens auch für das Auto-Crash-Event von Raab, was eine ähnliche Ausstrahlung von Werbung hat.
    Raab will daran verdienen, die Kosten sind sicherlich hoch, der Profit muss auch stimmen. Das ist vollkommen okay, aber dann sollte er auch nicht das mit einer „Tu quoque“-Argumentation verbinden.
    Der Werbeanteil ist dermaßen hoch, dass man fast auch nur deswegen abschalten möchte…

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