Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Der ZDF-Korrespondent und die Fritzl-Opfer in der "Klapsmühle"

| 38 Lesermeinungen

Der Österreich-Korrespondent des ZDF hat die Klinik, in der die Opfer von des Inzest-Falls von Amstetten untergebracht sind, in der 19-Uhr-"heute"-Sendung am Montag als "Klapsmühle" bezeichnet. Der Sender entschuldigte sich für die "sprachliche Entgleisung".

Wer sich online in der ZDF-Mediathek noch einmal die 19-Uhr-„heute“-Sendung von Montagabend ansehen will, findet dort nicht mehr die komplette Sendung. Das ZDF hat unauffällig das Gespräch herausgeschnitten, das Moderator Steffen Seibert mit dem Wiener Studioleiter Klaus Prömpers (rechts) über den Inzest-Fall von Amstetten führte. Prömpers hatte darin die psychiatrische Klinik, in der die Opfer von Josef Fritzl untergebracht sind, als „Klapsmühle“ bezeichnet.

Auf heute.de findet sich dazu folgende Erklärung:

Falsche Wortwahl in der heute-Sendung

In der 19 Uhr-heute-Sendung am Montag ist uns ein sprachlicher Fehlgriff unterlaufen. In einem Livegespräch zum Auftakt des Fritzl-Prozesses verwendete unser Korrespondent Klaus Prömpers eine unangemessene, umgangssprachliche Formulierung für eine psychiatrische Klinik, das Landesklinikum in Amstetten-Mauer. Dort, in einem Zentrum für seelische und körperliche Gesundheit, werden die Opfer des Angeklagten zurzeit betreut und von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Das ZDF bedauert diese sprachliche Entgleisung. Klaus Prömpers: „Es lag mir fern, die Klinik oder ihre Patienten und Mitarbeiter in irgendeiner Weise abzuwerten. Für diese Formulierung möchte ich mich entschuldigen.“

Bei allem Respekt für die schnelle Entschuldigung – wie weit muss ein Korrespondent neben sich stehen, um überhaupt, geschweige denn in diesem Zusammenhang und in der Zuschaltung einer Nachrichtensendung, von einer „Klapsmühle“ zu reden?

Nachtrag, 13:10 Uhr. Wörtlich hatte Prömpers nach Angaben des Medienmagazins DWDL auf die Frage nach dem Verbleib der Opfer während des Prozesses gesagt:

„Dort in dieser Klapsmühle, muss man ja im Grunde sagen, in dieser Landesklinik, sind sie sicher hinter Gittern verwahrt in dieser Woche, so dass kein Medienvertreter an sie heran kann.“

Foto: ZDF


38 Lesermeinungen

  1. Die Formulierunge war...
    Die Formulierunge war vielleicht nicht korrekt, aber so etwas ist menschlich. Wir haben in diesem Land andere Sorgen. Mein Kommentar: Schwamm drüber!

  2. "Bei allem Respekt für .........
    „Bei allem Respekt für …… “ wie weit müssen die Medien neben sich stehen um auf so einer großen Plattform sich 1. über derartige Nichtigkeiten zu erregen aber gleichzeitig wie die Leichenfledderer zunächst die Opfer zu belagern in der Klinik auf Bäume zu klättern um Fotos zu erhaschen und nun Interview Versuche mit einem Aktenordner zu führen… Solche Reaktionen wie dieses rausschneiden von „politisch inkorrekten“ Stellen sind einfach nur unerträglich heuchlerich im Gesammtzusammenhang mfG

  3. Meine Güte, da hat er halt...
    Meine Güte, da hat er halt „Klapsmühle“ gesagt. Na und? Dieser Begriff sollte vielleicht nicht gerade in einer Nachrichtensendung verwendet werden, aber deswegen gleich so ein Fass aufzumachen ist doch übertrieben.

  4. In Österreich sieht man es...
    In Österreich sieht man es mit der Ausdrucksweise nicht so eng wie in Deutschland, was ich gut finde. Dort kommt einem auf der Autobahn auch noch ein Geisterfahrer und nicht etwa ein Falschfahrer entgegen – außerdem weiß doch jeder was man unter dem Begriff „Klapsmühle“ versteht. Und wegen dieser Wortwahl wird nun nicht einmal mehr erklärt in welchem Kontext dieser Begriff gefallen ist – es wird über die Wortwahl eines Korrespondenten ausführlicher Diskutiert, als über das eigentliche Thema – schöne neue deutsche Medienwelt.

  5. Na, wenn wir keinen...
    Na, wenn wir keinen wichtigeren Themen haben, können wir ja dann wieder zur Tagesordnung überkehren…

  6. Das passiert, weil die Sprache...
    Das passiert, weil die Sprache in den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender so schlecht und umgangssprachlich geworden ist! Ständig bekommt man außerdem auch noch die Meinung oder Bewertung des Sprechers zu hören, der sich doch eigentlich vornehm zurückhalten und nüchtern präsentieren sollte. Oft genug gibt es dann mißlungene Kalauer und schlechte Wortspiele, die meiner Meinung nach in einer einigermaßen niveauvollen Nachrichtensendung einfach fehl am Platze sind.

  7. Das "Zentrum für seelische...
    Das „Zentrum für seelische und körperliche Gesundheit“ ist nun mal ne Klapsmühle, da gibt es nichts zu deuteln. Ich glaube, man übertreibt es in diesem Land mit der PC so weit, dass es gelegentlich Arschkriecherei gleichkommt!

  8. Schlimmer finde ich - trotz...
    Schlimmer finde ich – trotz allem, was geschehen ist – dass Fritzl in diversen Medien als „Monster“ betitelt wird. Ein bisschen Respekt sollte ja noch vorhanden sein.

  9. Auch erschreckend, daß es...
    Auch erschreckend, daß es anscheinend immer noch zu wenig Menschen gibt, die den Unterschied zwischen Klapsmühle und Psychatrische Klinik nicht verstehen, wollen oder können.

  10. In Zeiten, wo selbst aus dem...
    In Zeiten, wo selbst aus dem Kanzleramt der einzige Anspruch an die ZDF-Nachrichten die Quote ist, sind solche Entgleiser sicher im Sinne von Herrn Koch.

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