Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Nebenbei wird halt gesungen: RTL macht "DSDS" zur Dokusoap

| 29 Lesermeinungen

Bei "Deutschland sucht den Superstar" hat sich im Laufe der Jahre so einiges geändert. In der aktuellen Staffel ist das besonders auffällig: Gute Sänger sind willkommen, viel wichtiger sind aber Kandidaten, mit denen sich Geschichten erzählen lassen. Das Fernsehblog hat "DSDS"-Produzentin Ute Biernat mal gefragt, woher das kommt.

Ist eigentlich Dieter Bohlen noch bei „Deutschland sucht den Superstar“ dabei? Man hört gar nichts mehr von dem Mann. Was ist denn mit seinen unverschämten Sprüchen? Den Provokationen? Dem Zoff mit anderen Jurymitgliedern?

Hat Bohlen seinen Zenit womöglich überschr… – oh, Entschuldigung, wir müssen kurz unterbrechen und schalten für eine Sensationsnachricht ins Pressezentrum von „Deutschland sucht den Superstar“:

Bild zu: Nebenbei wird halt gesungen: RTL macht "DSDS" zur Dokusoap„Das gab es so noch nie in einer Live-Show von DSDS: Die Kandidaten gehen aufeinander los. Millionen Zuschauer wurden am vergangenen Samstag Zeuge wie es zum Eklat kam. Nach Annemaries Auftritt kochten in der Kandidaten-Lounge die Emotionen hoch. Und auch nach der aufregenden Live-Show geht es mit den Anfeindungen untereinander weiter.“
(RTL-Pressemitteilung)

Haben Sie nicht gesehen? Ach, das macht wirklich nichts.

Es gab da eine hässliche Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Kandidaten, wegen der es im Studio beinahe zu Rangeleien gekommen wäre (jedenfalls sah das vor dem Fernseher so aus), und die RTL jetzt umfassend in „Punkt 6“, „Punkt 12“, „Punkt 12“, „Punkt 12“ und „Explosiv“ nachbereiten kann, am besten weiterhin in Zusammenarbeit mit „Bild“ und „Bravo“, die fleißig mithelfen, Skandälchen zu produzieren, auf die dann in der Show eingegangen wird. Natürlich kann man der Ansicht sein, das sei die richtige Taktik, um die Sendung im Gespräch zu halten. Obwohl man als Zuschauer schon länger das Gefühl hat, nicht mehr unterscheiden zu können: Was ist echt? Und wann führt RTL uns mit seinen Kooperationspartnern an der Nase herum, um nachher eine knackige Pressemitteilung raushauen zu können?

In den vergangenen Jahren hat sich einiges geändert: „Deutschland sucht den Superstar“ ist zu einer Show umgekrempelt worden, die eigentlich keinem Genre mehr zuzuordnen ist, weil in ihr von allem ein bisschen was drinsteckt: Comedy, Dokusoap, „Big Brother“ — und irgendwo auch noch ein Fitzelchen Talentwettbewerb.

Ute Biernat, Geschäftsführerin des „DSDS“-Produzenten Grundy Light Entertainment, sagt:

„Wir haben uns am Anfang kaum getraut, Entertainer mit in die Show zu nehmen, weil wir gedacht haben: Solche Leute gibt’s bei uns in Deutschland gar nicht. Aber Deutschland ist eben doch verrückter als man annimmt — das haben wir allerdings erst unterwegs gemerkt.“

Natürlich gab es in früheren Staffeln Kandidaten wie Daniel Küblböck und Lorenzo, die als Exoten die Show bereichern sollten. Neu ist aber, dass selbst Dieter Bohlen inzwischen offen sagt: Schräge Typen, die so mittelgut singen, sind uns lieber sind als gute Sänger, die nicht aus sich herausgehen können.

Bild zu: Nebenbei wird halt gesungen: RTL macht "DSDS" zur DokusoapAuch die Erzählweise in der Show hat sich verändert: Früher waren die Einspielfilme vor den Auftritten dazu da, Oma und Opa erzählen zu lassen, wie stolz sie auf ihren Enkel sind. Heute werden ganze Lebensgeschichten erzählt, manchmal lustig, manchmal vor Emotionen triefend.

Kandidat Marc ist im Kinderheim aufgewachsen und hat in der vergangenen Woche Kinder, die heute dort untergebracht sind, durchs „DSDS“-Studio geführt. Sarah beendete quasi vor laufenden Kameras ihre Verlobung, um bei „DSDS“ dabei sein zu können. Und dass die Harfen-Frau Cornelia am Samstag rausgewählt wurde, ist ein echter Verlust, aber nicht bloß wegen ihrer Stimme, sondern vor allem, weil Dieter Bohlen jetzt die Suche nach einem Mann für sie nicht mehr fortführen kann. Dabei versichert Biernat:

„Wir suchen die Leute nicht nach ihren Geschichten aus, aber wir erzählen jetzt mehr über sie. Unser Ziel ist es, den Zuschauern zu vermitteln: Wer ist das? Wo kommen die her? Was sind das für Menschen? Deshalb gehen wir mit den Kandidaten jetzt auch nicht mehr geschlossen über Weihnachtsmärkte, sondern erzählen lieber, wie sie zuhause sind. Die Geschichten werden persönlicher, dadurch lassen sich die Kandidaten leichter auseinander halten.“

Die Strategie hat einen ziemlich einfachen Grund:

„Wir hatten in der zweiten Staffel das Problem, dass sich viele Bewerber angesehen haben, wie weit die Kandidaten aus der ersten Staffel gekommen sind und dann versucht haben, sich genauso zu verhalten. Da sind wir ganz schön reingefallen. Und deswegen erzählen wir heute so viel individueller.“

Bild zu: Nebenbei wird halt gesungen: RTL macht "DSDS" zur DokusoapNatürlich werden die „DSDS“-Macher hoffen, dass jemand wie Vanessa noch eine Weile dabei bleibt. Immerhin hat sie versprochen, die Kilos, die sie in den vergangenen Wochen zugelegt hat, wieder abzuspecken. Im Einspielfilm am Samstag war sie deswegen mit der RTL-Kamera beim Ernährungsberater, im Fitnessstudio und in der Konditorei, um sich dort von den leckeren Torten zu verabschieden. Das war witziger als die Sketchcomedys, mit denen RTL derzeit samstags die Zuschauer quält, die auf die Entscheidungsshow warten, zeigt aber auch schön, wie gefährlich „DSDS“ langsam in Richtung Dokusoap kippt.

Und bei diesem Genre vertritt RTL neuerdings bekanntlich eine sonderbare Ansicht: dass es den Zuschauern nämlich egal ist, ob sie darin „echte“ Menschen und „echte“ Fälle sehen — oder bloß Schauspieler, die so tun als ob. Warum sollte das mittelfristig nicht auch für „DSDS“ gelten, wenn sich auf diese Weise „Eklats“ noch viel besser steuern ließen?

Der Aufwand, den RTL für die samstäglichen Liveshows treibt, ist in jedem Fall einzigartig für einen Privatsender in Deutschland: die riesige Bühne, die Kamerachroeographie, das Orchester. Wer weiß, wie lange sich werbefinanzierte Sender in der derzeitigen Lage sowas noch leisten wollen. Grundy-LE-Chefin Ute Biernat glaubt:

„‚DSDS‘ ist eine der letzten großen, teuren Sendungen im Fernsehen, langfristig wird es davon nicht mehr so viele geben, weil die Sender jetzt alle aufs Geld schauen müssen.“

Fotos: RTL


29 Lesermeinungen

  1. Der letzte Satz ist...
    Der letzte Satz ist beruhigend…….

  2. <p>ich denke und wünsche mir...
    ich denke und wünsche mir das DANIEL SCHUMACHER DSDS GEWINNT weil, er einfach sehr gut singen kan´n und sich“s verdiehnt hat!

  3. "....langfristig wird es davon...
    „….langfristig wird es davon nicht mehr so viele geben, weil die Sender jetzt alle aufs Geld schauen müssen“
    Na toll, dann sind die Sendungen in Zukunft nicht mehr nur schlecht, sondern auch schlecht produziert und mit Amateur-Schauspielern besetzt.
    Also 24/7 Gerichtsshow Niveau.
    Meine Videothek wirds freuen. 🙂

  4. "'DSDS' ist eine der letzten...
    „‚DSDS‘ ist eine der letzten großen, teuren Sendungen im Fernsehen, langfristig wird es davon nicht mehr so viele geben, weil die Sender jetzt alle aufs Geld schauen müssen.“
    Es gibt DOCH noch einen gerechten Gott…

  5. Also ich fand den Bohlen gar...
    Also ich fand den Bohlen gar nicht so ruhig in der letzten Sendung. Seine schrägen Sprüche gegen Mitjuror Volker Neumüller fand ich schon recht ehrverletztend, zumal er ihn als jungen, notgeilen Typen abgestempelt hat.

  6. <p>Ja, um die Harfe ist es...
    Ja, um die Harfe ist es tatsächlich schade. Eine der wenigen Kandidaten mit Klasse, Stil und Niveau. Aber stattdessen heißt die Sendung ja inzwischen „Deutschland sucht den Superhanswurst“ und die Nation amüsiert sich über unbedarfte Medien-Vorführpüppchen, auf denen RTL virtuos und verantwortungslos herumspielt und sie verheizt, ohne dass diese armen Menschen wissen, was mit ihnen geschieht. Gewisse Kandidaten von denen tun mir einfach nur leid…

  7. "Warum sollte das...
    „Warum sollte das mittelfristig nicht auch für „DSDS“ gelten, wenn sich auf diese Weise „Eklats“ noch viel besser steuern ließen?“
    Wer sagt denn, dass es nicht jetzt schon so ist?
    Und ja, der letzte Satz läßt die Sonne, die draußen scheint, schön mit der Hoffnung auf eine bessere Welt ohne Bohlen und ohne DSDS, ja ohne RTL verschmelzen.

  8. "... Die Geschichten werden...
    „… Die Geschichten werden persönlicher, dadurch lassen sich die Kandidaten leichter auseinander halten.“
    die sehen doch alle gleich aus o.O … persoenlicher? seelenstriptease und lebens-flitzer vor der kamera … ‚bin ich etz im feernsehn‘?
    hoffentlich erwischt den sender bald die krise ^^

  9. zu Holger: Holger ist ein...
    zu Holger: Holger ist ein geistesgestörter Typ und gehört wie ein ZDF-Korrespondent schon sagte in die „Klapsmühle“. Ich glaube auch, dass am Samstag seine Hand gezuckt hat, denn Annemarie ist nicht umsonst nach hinten gesprungen.
    zu Annemarie: sie hat das Pech, dass sie den ersten Stein geworfen hat, jetzt darf jeder andere auch auf sie werfen… that’s life.
    zu Dieter: Dieter hat sich in dieser Staffel einfach mit seinen Sprüchen zurück genommen bzw. gehen nicht mehr so unter die Gürtellinie und werden einfach nicht mehr so extrem durch die Cross-promo in Punkt 12 und ähnlichen Sendungen ausgeschlachtet wie früher.
    zu letzter Satz: Ja, davor habe ich auch Angst. Die Weltwirtschaftskrise erreicht irgendwann auch das Fernsehen.
    @Peer: siehst du das ähnlich mit Holger? Müsste der nicht vor sich selbst geschützt werden und die Sendung verlassen?
    @all: Denkt Deutschland da nicht gleich wie ich? Holger muss geschützt werden vor dieser Sendung?

  10. "Das war witziger als die...
    „Das war witziger als die Sketchcomedys, mit denen RTL derzeit samstags die Zuschauer quält“
    Dem kann ich nur zustimmen. Vanessa Neigert hat durch ihre unbekümmerte, erfrischende und kindlich-naive Art absoluten Unterhaltungswert. Dieses Schlagermädchen ist definitiv lustiger -und obendrein noch symphathischer- als das ganze Comedypack, was uns da Woche für Woche serviert wird.
    Mehr Vanessa, bitte – egal in welcher Sendung. 🙂

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