Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

ARD – wo sich die Stars zuhause fühlen

| 34 Lesermeinungen

Was haben Günther Jauch, Stefan Raab und Oliver Pocher gemeinsam? Alle drei schätzen das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Jedenfalls so lange sie nicht mit den dort Zuständigen über eine eigene Sendung verhandeln müssen. Eine kleine Zitatesammlung.

Günther Jauch nach seiner Absage an die ARD, die Nachfolge von Sabine Christiansen zu übernehmen (am 15. Januar 2007 im „Spiegel“):

„Ich hatte am Ende das Gefühl, dass man mich an möglichst kurzer Leine um die Anstalt rennen lassen wollte. Jeder drittklassige Bedenkenträger schlug ein anderes Pflöckchen in den Boden. Jeder hatte eine Meinung – im Zweifel eine unfreundliche. Mir war natürlich klar, dass die Rundfunkräte als Kontrollorgan ein scharfes Auge auf meinen Vertrag haben würden. Aber dass monatelang jede Woche Gremien voller Gremlins der Verführung nachgeben würden, mit meinem Namen auch mal den eigenen in der Zeitung zu lesen – das war schon anstrengend.“

Stefan Raab über die Gründe, warum es ihn nie zur ARD ziehen würde (am 8. März 2009 in der F.A.S.):

„Das sind alles nette Leute. Aber es ist halt alles unglaublich bürokratisch da. Bei Pro Sieben kann ich anrufen und sagen: Ich hab ’ne Riesenidee – und die sagen: Mach mal! Beim WDR müsste erst mal ein Antrag an die Etage drüber geschrieben werden, und die müssten dann wieder einen an die Etage drüber schreiben, und keiner kann wirklich was entscheiden, bevor nicht der Ältestenrat zusammengetreten ist. Ich bin dankbar fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen und guck’s auch gerne – aber die Art und Weise, wie wir glauben, erfolgreich arbeiten zu können, würde dort große Komplikationen mit sich bringen.“

Oliver Pocher über die Verhandlungen mit der ARD über seinen Verbleib im Ersten (am 6. April 2009 im „Spiegel“):

„Bei den Verhandlungen mit der ARD war die Suche nach einem Sendeplatz ein Riesenaufwand. Und dann redet ja nicht nur einer allein, sondern 84 Gremien reden mit. Und mindestens ein Dutzend Chefs muss alles abnicken. Das ist einfach sehr anstrengend.“

Wird fortgesetzt.

 


34 Lesermeinungen

  1. "Ja mach mal" ist aber auch...
    „Ja mach mal“ ist aber auch nicht das Gelbe vom Ei (oder das Mettbrötchen vom Raab), denn was dabei rauskommt: Kann man ja leider sehen – wenn man nicht abschaltet….

  2. Nun ja, bei aller Kritik, die...
    Nun ja, bei aller Kritik, die ich an Stefan Raab habe: Aber er war doch in den letzten Jahren einer der einzigen kreativen Köpfe im deutschen TV, von denen mal neue Ideen kamen.

  3. @Darian van Dark: Das mag...
    @Darian van Dark: Das mag sein, aber etwas Neues zu probieren bedeutet immer ein Risiko. Es zeugt daher von großer Risikobereitschaft, wenn ein Sender sagt:“Ja mach mal“. Dass dabei nicht immer so ein erfolgreiches Format wie „Schlag den Raab“ dabei herauskommt, ist klar. Wenn es bei zehn Schnellschüssen wenigstens ein bis zwei ein Treffer gibt, dann ist das schon gut. Bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern findet man diese Risikobereitschaft jedenfalls nicht, obwohl sie es sich eher leisten könnten als die Privatsender. Dieses „Ja mach mal“ ist jedenfalls besser als das was die Öffentlich Rechtlichen machen, nämlich erfolgreiche Formate von den Kollegen bei den Privaten Sendern abzukupfern (und das auch zum Teil auf sehr miserable Weise) (ja, das machen die Privaten unter sich auch, aber dann stellt sich die Frage, warum nun dann ARD & Co. das auch machen müssen, also unbedingt bestimmte Genres/Formate zu bedienen/kopieren) und Moderatoren/Gesichter von den Privaten abzuwerben. Letzteres erinnert an eines dieser reichen Fussballclubs, die statt im Rahmen einer Jugendarbeit neue Talente zu finden und aufzubauen, einfach mal das Scheckheft zücken, um mittels teilweise horrender Gagenversprechungen von anderen Fussballclubs aufgebaute und erfolgreiche Fussballer abzuwerben.

  4. Das "Ja mach mal" ist ein...
    Das „Ja mach mal“ ist ein verkürzendes & verständliches Auf-den-Punkt-bringen.

  5. Der Vergleich (mit Privaten)...
    Der Vergleich (mit Privaten) hinkt m.E. ein wenig: ARD/ZDF sind eben gebührenfinanziert. Ich bin froh, dass es einen (vielleicht manchmal zu ausgeprägten) Schutz gegen Schnellschüsse gibt. Zu Raabs Argumentation: Was er (außerhalb seiner täglichen Show) macht, muss er neuerdings als Dauerwerbesendung kennzeichnen. Das müsste also, um in seinem Beispiel zu bleiben, jede Etage und auch der Ältestenrat schlicht ablehnen.
    Und: Wollen wir überhaupt den „Star“ nur um des Stars willen bei ARD/ZDF? Wir wollen gutes PRogramm. Das steht aber auf einem anderen Blatt…

  6. ...andererseits können sich...
    …andererseits können sich die 84 Chefs in der ARD immer nur auf noch so eine Show mit Jörg Pilawa einigen.

  7. Ich denke nicht nurr Herr Raab...
    Ich denke nicht nurr Herr Raab ruft bei Pro7 an und bekommt gesagt „Mach mal“, nach den Sendungen zu urteilen rufen dort täglich 10 Leute an. Und alle „machen mal….“.
    Dass die Öffentlich-Rechtlichen von ihrer Bürokratie ausgebremst werden, dürfte doch jedem klar sein.

  8. ...ist das Problem? Hat ja...
    …ist das Problem? Hat ja jeder der Beteiligten ein gutbezahltes Dach über dem Kopf.

  9. "Moderatoren/Gesichter von den...
    „Moderatoren/Gesichter von den Privaten abzuwerben. “
    Wobei die Privaten das natürlich nie machen (auch nicht bei Schmidt, Jauch und Pocher).

  10. @Peer
    Es ist mal wieder leider...

    @Peer
    Es ist mal wieder leider so, dass hier nur Symptome genannt, aber die Ursachen nicht hinterfragt werden. Ich würde mir ein hintergründiges Stück wünschen, in dem mal international geschaut wird, wie Sender in anderen Ländern überwacht werden. Der BBC Trust umfasst 12 Mitglieder und schafft es, seine Arbeit besser auszuführen, als Hunderte Fernsehratsmitglieder in Deutschland. Klar. Ist auch anders organisiert. Aber mit welcher Begründung hält man hier an einer hinderlichen Struktur fest?

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