Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"Erwachsen auf Probe" wird für RTL zur Rundum-Katastrophe

| 14 Lesermeinungen

Tobende Kritiker, sinkendes Zuschauerinteresse – und jetzt rebellieren auch noch die Werbekunden. Es wird höchste Zeit, dass RTL sich endlich eingesteht, dass "Erwachsen auf Probe" für den Sender ein einziges Desaster war. Eine Fehlentscheidung, die man nur noch aus Trotz weiter stolz vor sich herträgt.

Es wird höchste Zeit, dass RTL eine Pressemitteilung mit einer Entschuldigung herausgibt. Dafür, dass es uns mit seiner Dokusoap „Erwachsen auf Probe“ eine wochenlange Diskussion eingebrockt hat, die noch immer zu keinem sinnvollen Abschluss gekommen ist, weil die Aufregung verraucht ist und konkrete Vorschläge für den Umgang mit Kleinkindern in den Medien offensichtlich nicht mehr so schlagzeilenträchtig sind.

Vor allem Zeit aber wird es Zeit, dass sich die Macher eines endlich eingestehen: „Erwachsen auf Probe“ ist für RTL ein einziges Desaster, eine Fehlentscheidung, die man nur noch aus Trotz weiter stolz vor sich herträgt.

Bild zu: "Erwachsen auf Probe" wird für RTL zur Rundum-KatastropheDie Kritiker haben das Programm gehasst, schon bevor sie es gesehen haben. Die Zuschauer interessieren sich nicht mehr sonderlich dafür: Am Mittwoch schalteten 1,56 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer ein, der Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe lag bei 15,8 Prozent. (Zum Start waren’s noch 19,1 Prozent.) Und vor der Ausstrahlung der vierten Folge am Mittwoch haben sogar die Werbekunden öffentlich rebelliert: Zehn Unternehmen zogen ihre geplanten Spots aus den Werbepausen der Sendung zurück, bestätigt der RTL-Vermarkter IP Deutschland. Der Sprecher eines großen Möbelhauses bescheinigte „Erwachsen auf Probe“ eine „recht reißerische Darstellung“ und ließ sich damit zitieren, solche Inhalte würden nicht zu den „Werten“ seines Konzerns passen. Bei anderen Unternehmen ist von einer „Distanzierung“ die Rede. Selten ist ein Fernsehsender in Deutschland auf diese Weise von den eigenen Kunden demontiert worden.

Wie aussichtslos die Lage wirklich ist, zeigte sich am Mittwochabend: Die erste Werbepause der Sendung war gerade einmal zweieinhalb Minuten lang, die dritte drei – aber auch nur, weil zwischendrin noch ein Spot für die RTL-Videoplattform Clipfish und ein Formel-1-Gewinnspieltrailer eingebaut wurden.

Trotz alledem will RTL an „Erwachsen auf Probe“ festhalten. An einer Sendung, die dafür gemacht sein soll, möglichst viele Zuschauer zu locken, damit Unternehmen möglichst viele Werbespots kaufen, die aber das genaue Gegenteil erreicht und dem Image des Senders einen ordentlichen Knacks verpasst hat.

Entschuldigung, aber: mag RTL vielleicht mal jemand erklären, wie erfolgreiches Privatfernsehen funktioniert?

Screenshot: RTL


14 Lesermeinungen

  1. Thomas sagt:

    "dem Image des Senders einen...
    „dem Image des Senders einen ordentlichen Knacks verpasst hat.“
    Naja, den größeren Knacks hat RTL sich zumindest bei mir damit verpasst, dass sie 2010 kein Dschungelcamp machen (und wer weiß, obs 2011 finanziell besser aussieht). Aufs erste hat RTL erstmal verschissen.
    Zum Glück war „Erwachsen auf Probe“ ein Misserfolg, ansonsten hätten wir uns wohl auf „Mitten im Leben“ zur Primetime einstellen können. Oder sowas.

  2. Mal losgelöst von dieser...
    Mal losgelöst von dieser Sendung, die ich nur fünf Minuten aushalten konnte: Zählt denn jetzt plötzlich alleine die Quote? Welch‘ merkwürdiges Verhalten! Jahrzehntelang hört man, dass Quote nichts mit Qualität (und umgekehrt) zu tun hat. Es gibt Beschimpfungen, wenn Sender wegen zu geringer Quote Fernsehserien oder -sendungen einstellen. Jetzt plötzlich wird sie vom Kritiker selber vom Fetisch erhoben. Triumph schwingt da mit, von Demontage ist die Rede. Nicht davon, dass Mittwoch ein schöner Tag war und die Leute vielleicht lieber draußen waren.
    Sorry, aber ein bisschen windet man sein Fähnchen arg im Wind. Schlechte Quote = Format wird abgesägt. Gute Quote (Dschungelcamp) = Affirmation.

  3. Alexz sagt:

    "[...] An einer Sendung, die...
    „[…] An einer Sendung, die dafür gemacht sein soll, möglichst viele Zuschauer zu locken, damit Unternehmen möglichst viele Werbespots kaufen…“
    Gilt das nicht für jede, wirklich jede Sendung im Privatfernsehen? Muss man das noch erwähnen? 🙂

  4. Da muss ich Gregor Keuschnig...
    Da muss ich Gregor Keuschnig durchaus zustimmen. In anderem Zusammenhang wäre ein Sender vielleicht gelobt worden, wenn er trotz schlechter Quoten weiter zu einem Format steht. Noch viel schlimmer: Plötzlich wird es hier als relevant betrachtet, wie sich Werbekunden zum Programm verhalten! Es würde RTL genauso vorgeworfen, wenn sie ein Format von den Werbekunden absägen ließen.
    Sicher, RTL ist in dem Nest gescheitert, in das es sich gesetzt hat. Und das kann man auch so aufschreiben. Aber wie der Vorredner schon anmerkte: Gänzlich unreflektiert und mit Genugtuung die Quoten/Werbekunden-Argumentation zu übernehmen, passt hier nicht.

Kommentare sind deaktiviert.