Das Fernsehblog

Der MDR-Wahlparty-Report: "Nicht alle feiern hier, einige tun es doch"

Als nach dem gestrigen Wahltag die ganzen Zahlen in Balken- und Kuchendiagramme gepresst worden waren, konnten sich die Journalisten endlich den wirklich spannenden Fragen des Abends widmen. Zum Beispiel: Wie ist eigentlich die Stimmung auf den Wahlpartys der Parteien? Wie lange geklatscht wurde und was es zu trinken gab, gehört inziwschen zum Grundwissen eines jeden Wahlreporters. Beim Mitteldeutschen Rundfunk ist es wahrscheinlich sogar Einstellungsvoraussetzung, so intensiv, wie sich die Kollegen für ihre Berichte von den Wahlpartys in Sachsen informiert hatten.

„Ausgesprochen gut“ sei die Stimmung, stellte Uta Georgi bei der FDP fest und berichtete, was sich in der Kongresshalle vor ihren Augen bereits zugetragen hatte:

„Vorhin ist mir hier eine Dame über den Weg gelaufen, die schwarz gelb gekleidet war und sie hat mir verraten, dass das ihr ganz klares Signal an eine Wunschkoalition für Sachsen in den nächsten fünf Jahren ist.“

Zur SPD hatte der MDR – ganz schön clever! – die jüngere Schwester von Angela Merkel geschickt, und dass die nix Positives zu berichten hatte, war ja klar:

„Ja, diese heitere Musik, die sie hier bei der SPD-Wahlparty hören, täuscht ein bisschen darüber hinweg, wie die Stimmung hier heute den ganzen Abend war. (…) Eine Frau sagte, sie rauche eigentlich nicht mehr, jetzt musste sie aber erst mal eine Schreckzigarette rauchen.“

Ines Lorenz auf der Wahlparty der Grünen hatte zur gleichen Zeit ganz andere Genussmittel fokussiert und ließ die Zuschauer an den Ergebnissen ihrer Recherchen teilhaben:

„Das Buffet wurde gerade eröffnet, jetzt wird hier mit Appetit gegessen, es wurde auch schon Sekt getrunken, also hier ist die Stimmung gut.“

Da mitzuhalten, war für ihren Kollegen Axel Köhn kein Problem, denn: „Hier auf der Wahlparty der CDU ist die Stimmung jetzt auf dem Höhepunkt.“ Stanislaw Tillich sei gerade aus dem Landtag „einfach herüber gelaufen, es sind nur wenige Meter“, dann habe er von Sorben ein Lied gesungen bekommen, und schließlich passierte Unglaubliches:

„Er hat sich bedankt, er hat dann angestoßen, ein Glas Sekt in die Hand genommen und sich auch noch mit Frau geküsst und schöne Bilder gemacht.“

Ein Multitalent, dieser Tillich. Stößt an, bevor er ein Glas Sekt in der Hand hat. Trübe sah’s hingegen bei den Linken aus:

„Es war hier nie eine Wahlparty, eher eine Zusammenkunft unter Gleichgesinnten“,

schilderte MDR-Reporter Florian Schaefer das traurige Bild, das sich ihm da bot mit den „wenigen, die noch hier geblieben sind“. Allerdings:

„Man muss der Ehrlichkeit halber sagen: Draußen ist auch ein Grill aufgebaut, an dem haben sich die meisten versammelt.“

Gar nicht erst reingehen wollte Gábor Halász bei der Wahlparty der NPD, da gab es ja auch „eher enttäuschte Gesichter, wenig Applaus“, und wenn man an so einem Abend schon die Arschkarte gezogen hat und vom Chef ausgerechnet zur NPD geschickt wird, während die Kollegen sich nicht schämen müssen, wenn sie auf ihrer Wahlparty mal am Sekt nippen, muss man ja nicht auch noch gut gelaunt in die Kamera gucken.

Der MDR-Moderator im Dresdner Landtag, um den man ein bisschen Angst hatte, weil er vielleicht aus Versehen eingeschlossen worden war, so leer wie es um ihn herum aussah, fasste die Lage nachher noch einmal treffend zusammen:

„Nicht alle feiern hier in Dresden, einige tun es doch.“

Screenshots: MDR

Die mobile Version verlassen