Das Fernsehblog

Live aus Köln-Mülheim: SSDSGPSNM*

Wir unterbrechen dieses Blog für eine kurze Schaltung zum Ereignissender Phoenix. Phoenix, bitte kommen!

„Das Thema Afghanistan wird uns hier bei Phoenix heute noch weiter beschäftigen, in Berlin findet zurzeit eine Pressekonferenz mit Gunther Mulack, dem Direktor des Deutschen Orient-Instituts statt, über die Situation in Afghanistan nach den Wahlen. Diese zeigen wir Ihnen dann in Ausschnitten in gut einer Stunde. Zuvor machen wir einen Schnitt, und zwar einen recht harten – denn jetzt wird es hier bei Phoenix musikalisch.“


Screenshot: Phoenix

So kündigte „Vor Ort“-Moderatorin Julia Schöning ihren Zuschauern heute Mittag um kurz vor 12 den nächsten Programmpunkt an und schaltete anschließend zu einer Pressekonferenz nach Köln-Mülheim, bei der es nicht um Afghanistan ging, sondern um Oslo, und zwar vor der Wahl – der des offiziellen deutschen Vertreters für den Eurovision Song Contest in Norwegen, die von der ARD diesmal mit der Unterstützung von Stefan Raab und Pro Sieben veranstaltet wird.

Auf dem Podium saßen NDR-Intendant Lutz Marmor, ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, Pro Sieben Sat.1 Deutschland-Chef Andreas Bartl, Pro Sieben-Unterhaltungschefin Christiane Teich, Eins-Live-Wellenchef Jochen Rausch und natürlich Stefan Raab, der mit einer Mischung aus gespielter Ernsthaftigkeit und ungespielter Ernsthaftigkeit erläuterte, was er so vorhat.

„Ich glaube, dass diese Kombination sehr erfolgversprechend sein wird. Die historische Tragweite erkennen Sie auch daran, dass diese Veranstaltung, diese Pressekonferenz hier, sowohl auf N24 als auch auf Phoenix live übertragen wird. Das schafft sonst eigentlich nur die Beerdigung von Michael Jackson.“


Screenshot: Phoenix

Ja, toll. Dass Phoenix sich noch mal was bei N24 abschauen würde, hätte man wirklich nicht geglaubt. N24 war natürlich deutlich im Vorteil, da wird sonst ja das ganze Programm freigeräumt, wenn es in der eigenen Sendergruppe was zu verkünden gibt (abgesehen von Entlassungen). Deshalb hatte der Sender auch einen eigenen Reporter für die Vorberichterstattung in Köln-Mülheim, der wichtige Informationen lieferte, unter anderem, dass die Stimmung „locker“ und „entspannt“ wirkt. „Kann man das so interpretieren, dass die Privaten den Öffentlich-Rechtlichen zeigen, wie’s richtig geht?“, wollte die Moderatorendarstellerin im N24-Studio von ihrem Korrespondenten außerdem wissen, woraufhin der meinte: „Das kann man so interpretieren“ – sich danach aber schnell korrigierte, um die Harmonie nicht zu gefährden.


Screenshot: N24

Und die war wirklich beeindruckend: Wie alte Bekannte saßen die ARD-Herren mit ihren Pro-Sieben-Kollegen zusammen, Marmor sprach sich zwischendurch mit Bartl ab, wer zuerst auf welche Journalistenfragen antworten sollte, und vor dem Fernseher konnte man ein bisschen Angst bekommen, dass der Intendant bei soviel Eintracht gleich noch sondiert, ob man „Galileo“ nicht im ARD-Vorabendprogramm zeigen könnte bevor es zur endgültigen Fusion kommt. Auf die Widerstände innerhalb der ARD angesprochen, die die Kooperation beinahe zum Platzen gebracht hätten, witzelte Raab friedvoll:

„Für die Tatsache, dass die ARD beteiligt war, ging’s für mich noch recht schnell. Herr Boudgoust hat bei mir den Spitznamen Speedy Gonzales.“

Nur eine kleine Frotzelei ließ er sich durchgehen, als er gefragt wurde, von welchem der beiden Sender denn nun sein Honorar komme. Darüber habe man sich noch gar nicht unterhalten, meinte Raab:

„Aber die ARD kann sich ja nicht mal Jörg Pilawa leisten.“

Besonders viel Neues gab es (zumindest für alle, die das Raab-Interview bei FAZ.NET Ende Juli gelesen haben) anschließend nicht: Statt eines einzigen Vorentscheids wird es acht Shows geben, die Vorentscheide samt Halbfinale zeigt Pro Sieben, den Rest die ARD. Jeder, der glaubt, musikalisches Talent zu haben, kann sich bewerben. 20 Teilnehmer starten in der ersten Show, die im Februar laufen soll, im Finale treten die beiden Publikumsfavoriten gegeneinander an. Wer mit Raab in der Jury sitzt, ist noch nicht entschieden. Und heißen wird die Show: „Unser Star für Oslo 2010“.


Screenshot: N24

Nach 55 Minuten klinkte sich N24 als erstes aus, um endlich Werbung zeigen zu können, Phoenix blieb drei Minuten länger bis zum Ende drauf, dann ging’s dort weiter mit Opel und Afghanistan. Und mit ein bisschen Glück werden die beiden Sender für die Übertragung der Pressekonferenz noch beim Deutschen Fernsehpreis nachnominiert. Ist ja gerade in Mode.

*“Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star noch mal“

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