Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"Nightwash" schleudert sich zurück ins Fernsehen

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Richtig viel Glück hat Klaus-Jürgen Deuser mit seiner Comedy-Nachwuchsförderung "Nightwash" in den vergangenen Jahren nicht gehabt. Erst kürzte ihm der WDR die Folgen, dann geriet der Wechsel zu Comedy Central zur Enttäuschung und der Waschsalon machte dicht. Anfang November gibt's ein Comeback im Digitalfernsehen.

Bild zu: "Nightwash" schleudert sich zurück ins FernsehenIrgendwann ist einfach der Waschsalon im Belgischen Viertel dicht gemacht worden. Hat sich nicht mehr rentiert. Sowas Blödes. Da strengt man sich jahrelang an, eine Comedyshow auf die Beine zu stellen, sucht sich dafür einen ungewöhnlichen Veranstaltungsort, holt dort regelmäßig ein Live-Publikum hin – und irgendwann schließt der Laden, weil die Waschmaschinendichte der umliegenden Haushalte explodiert ist.

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Foto: ZDF

Richtig viel Glück hat Klaus-Jürgen Deuser mit „Nightwash“ in den vergangenen Jahren nicht gehabt. 2006 ließ ihn sein damaliger Haussender WDR wissen, dass er künftig deutlich weniger Folgen der Comedy-Nachwuchsförderung bestellen wolle, obwohl „Nightwash“ eine der wenigen jungen Sendungen im Programm war. Also zog Deuser um, zum neu gegründeten Spartenkanal Comedy Central, bis 2007 tatsächlich der Waschsalon pleite machte und der Sender es für eine gute Idee hielt, die Show, die als Aushängeschild von Comedy Central funktionieren sollte, künftig etwas größer aufzuziehen. Deuser sagt:

„Comedy Central wollte es glamouröser haben, deshalb sind wir ins Gloria-Theater umgezogen und sollten mehr Stars in die Show holen – aus deren Sicht war das natürlich legitim. Ich wollte lieber eine Mischung aus alten und neuen Gesichtern.“

Aber das hatte sich bald wieder erledigt: Ende des vergangenen Jahres schrumpfte MTV Networks seinen Comedysender zum Fensterprogramm, das seitdem vor allem mit synchronisierten Importserien bestritten wird und abends auf dem Platz des konzerneigenen Kindersenders Nick läuft. „Nightwash“ würde man trotzdem gerne behalten, hieß es bei MTV Networks dazu noch vor einigen Monaten. Aber wenn man Deuser heute darauf anspricht, sagt er:

„Im letzten Gespräch, das auch schon recht lange her ist, hieß es: Interesse ist noch da! Aber das konnte ich jetzt nicht unbedingt als konkretes Angebot interpretieren. Von daher fällt der Wechsel jetzt nicht besonders schwer.“

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Der zweite Wechsel, den „Nightwash“ innerhalb von drei Jahren durchmacht, ist einer zurück – zurück zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo man vielleicht doch gemerkt hat, dass ein bisschen Comedy dem eigenen Profil nicht schaden  könnte. Der WDR ist zwar wieder betreuender Sender, aber gezeigt werden die Aufzeichnungen ab 5. November beim Digitalsender Eins Festival. Ein neuer Waschsalon im Kölner Stadtteil Zollstock ist sogar schon seit einigen Monaten in Benutzung, weil Deuser „Nightwash“ nicht brach liegen lassen wollte:

„Als es erst einmal kein neues Angebot vom Fernsehen gab, hab ich mir gesagt. Solange ich mir das leisten kann, machen wir im Netz weiter.“

Also nix mit Schleudertrauma. Ganz so schrabbelig wie früher wird es zwar nicht, die Fenster des Waschsalons sind neu beklebt worden, es gibt eine große Leuchtreklame und künftig sind bei den Auftritten auch Lampen erlaubt. Deuser findet:

„Die Sendung ist in all den Jahren natürlich professioneller geworden. Nur ist uns in dieser Zeit auch ein bisschen das Alleinstellungsmerkmal flöten gegangen. Das brauchst du aber, um dich durchzusetzen. Ich wollte die Atmosphäre wieder so haben wie zu Beginn – so setzen wir uns von allen anderen Comedyformaten ab.“

Und das bedeutet: Raus aus dem Theater, zurück an die Schleuder- und Trockengeräte, damit die draußen am Laden vorbeilaufenden Leute wieder neugierig reinschauen können und die großen Scheiben im Winter so schön beschlagen. 16 neue Folgen sind vereinbart, die zunächst donnerstags um 21.15 Uhr im Fernsehen laufen (und hoffentlich auch in einer der zahlreichen ARD-Mediatheken), dazu werden wohl die alten Shows wiederholt, an denen der WDR noch die Rechte hat. Und dann wird Deuser ja auch noch für den Anfang November startenden ZDF-Digitalkanal ZDFneo aktiv.

Was genau es mit der dort geplanten Sendung „Comedy-Lab“ auf sich hat, verrät er aber erst morgen. Im Fernsehblog natürlich.

Logos: WDR, Comedy Central, Eins Festival


12 Lesermeinungen

  1. Matthias, mindestens 10% der...
    Matthias, mindestens 10% der bisher dort aufgetretenen eignet sich als Moderator (oder Moderatorin) bestens – man muss nur mal loslassen können (und wollen)…

  2. @ Jens, ich finde...
    @ Jens, ich finde beispielsweise dass Knacki seinen Job ausgezeichnet macht. (Comedy ist auch Geschmackssache) Ich finde ihn lustig und wenn Du ihn Live erlebst merkst du, wie er das gesamte Publikum vor dem nächsten Künstler so sehr zum Kochen bringt. Moderation ist nicht nur lustig zu sein, sondern dem Künstler einen Hexenkessel vorzubereiten. Er muss auch bestimmte Themen ansprechen, die nicht zu den besten Parts in seinem Programm sind um den Künstler anzumoderieren.
    Klar gibt es lustigere Künstler, die dort auftreten. Allerdings kann der Moderator auch nicht der allerbeste sein, da die Künstler dann recht schebig wirken würden. Außerdem ist immer einer besser als der andere. Der beste Comedian? Geschmackssache.
    (Abgesehen davon, dass Knacki die ganze Geschichte selbst produziert, er sein eigener Chef ist und die Sendung quasi komplett ihm gehört, er seit 10 Jahren dahinter steht, und er alles mit viel Durchhaltevermögen aufgezogen hat.)
    Ich finde ihn perfekt für die Rolle. Einige sehen das so, die anderen so. Da macht man nichts…

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