Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Warum Michelle Hunziker bei "Wetten dass..?" einen guten Job macht

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Sie kennt die Wetten in- und auswendig, ist sich für keinen Spaß zu schade, steht nicht mehr so oft im Weg rum und hält Gottschalk den ganzen Abend den Rücken frei: Als Co-Moderatorin bei "Wetten dass..?" macht Michelle Hunziker nach nur vier Ausgaben überraschenderweise fast alles richtig.

Es ist, wenn man so will, die TV-Überraschung der vergangenen Monate: Michelle Hunziker macht ihren Job als Co-Moderatorin von „Wetten dass..?“ neben Thomas Gottschalk gar nicht so übel. Nach der Sommer-Ausgabe im vergangenen Juni, in der Hunziker noch als Gast dabei war, musste Schlimmstes befürchtet werden. So sehr hatte sich die Schweizerin damals geziert und gewunden, den von Gottschalk spontan vorgeschlagenen Wetteinsatz einzulösen und kurz baden zu gehen, dass nur schwer vorstellbar war, wie sie mit so viel Abneigung gegen den spontanen Ulk in einer Sendung ihren Platz finden sollte, die zu einem großen Teil von spontanen Ulks lebt.

Bild zu: Warum Michelle Hunziker bei "Wetten dass..?" einen guten Job machtAber seit Hunziker regelmäßig an Gottschalks Seite steht, ist sie wie ausgewechselt.

Sie ist sich nicht zu schade dafür, jeden Spaß mitzumachen, auch nicht solche auf ihre Kosten. Sie verkleidet sich und schert sich nicht drum, dabei auch mal so gar nicht Lady-like auszusehen, wenn sie anschließend wieder zurück ins Abendkleid darf. 

Aber das Tollste ist: Hunziker ist besser auf die Wetten vorbereitet als es Gottschalk jemals war. Sie kennt die Namen der Kandidaten, auch die der mitgebrachten Familienmitglieder, erklärt an Miniaturmodellen, was gleich passieren wird, bei laufender Wette kann sie sagen, wo die besondere Schwierigkeit liegt, weil sie alle Proben gesehen hat, und wenn Gottschalk sich mit den Kandidaten unterhält, stupst sie besonders schüchterne Exemplare an: Im Vorgespräch hast du doch noch sowas Interessantes gesagt, erzähl das noch mal!

Anschließend hetzt sie durch die Halle, um im Nebenstudio die nächste Aktion zu erklären. (Am Samstag ist sie auf der Treppe gestolpert, so eilig hatte sie es.) Oder düst im Eiltempo zur Außenwette und wieder zurück.

Es mag immer noch eine Frage der Sympathie sein, ob man ihr Gekichere ertragen kann oder nicht, aber während viele ihrer Kollegen es sich angewöhnt haben, weitgehend unvorbereitet oder lustlos vor ihr Publikum zu treten und notfalls ganze Moderationen von Karteikärtchen abzulesen, signalisiert Hunziker mit ihrem Überblick, dass sie diesen Job sehr, sehr ernst nimmt und sich nicht bloß ins Studio stellt, um neben Gottschalk gut auszusehen und ein paar Wettkandidaten zu bezirzen.

In der ersten Sendung im Herbst stand Hunziker während der Wetten öfter mal im Weg rum, aber auch daran hat das Team mit ihr gearbeitet. Wenn Gottschalk von der Couch zu seinem Kandidaten hinüber geht, um mit ihm ein bisschen zu plaudern bevor die Wette gespielt wird, kommt Hunziker nun nicht mehr jedes Mal hinterher geschlichen, sondern setzt sich zur Familie ins Publikum, um kurz die Ehefrau oder die Kinder vorzustellen, die dem Papa auf der Bühne die Daumen drücken. Und sie hält Gottschalk den Rücken frei, damit der sich um seine Promigäste kümmern kann, selbst wenn das schon mal dazu führt, dass er aus dem Plappern auf der Couch gar nicht mehr rauskommt.

Man muss das einfach mal so sagen: Michelle Hunziker ackert. Und hat dafür ein großes Lob verdient.

Screenshot: ZDF


64 Lesermeinungen

  1. > So sehr hatte sich die...
    > So sehr hatte sich die Schweizerin damals geziert und gewunden, [..] kurz baden zu gehen, dass nur schwer vorstellbar war, wie sie mit so viel Abneigung gegen den spontanen Ulk in einer Sendung ihren Platz finden sollte, die zu einem großen Teil von spontanen Ulks lebt.
    Ich halte die nachträgliche Erklärung der Frau Hunziker, dass sie den Eindruck hatte vermeiden wolle, sie nutze jede Gelegenheit, sich halbnackt zu uinszenieren, für glaubhaft und viel wahrscheinlicher, als eine „Abneigung gegen spontanen Ulk“.

  2. @Vanuatu: Da der Wetteinsatz...
    @Vanuatu: Da der Wetteinsatz allerdings von Gottschalk vorgeschlagen wurde, hätte man ihr das schwerlichst anlasten können, oder? Ist jetzt aber ja auch wurscht.

  3. @Peer Schader; Ok, ich hätte...
    @Peer Schader; Ok, ich hätte fragen müssen, ob das Satire ist ? Dank für die Antwort.

  4. Ich möchte dieses Lob...
    Ich möchte dieses Lob ausdrücklich unterstützen. Mir ist das ebenfalls aufgefallen: Michelle Hunziker macht das nur nicht nicht übel, sondern sogar richtig gut. Auch im Vergleich zu ihrem Job früher bei DSDS, wo sie so lala war ist es eine deutliche Steigerung.
    Da kann man mal sehen, dass der angebliche Mangel an guten Moderatoren in Deutschland Quark ist. Es braucht nur den richtigen Ort und Zeitpunkt und viele Moderatoren können entsprechend aufblühen.
    @kurtiklaas:
    „Das sie dann mit ihrer Kollegin Heidi Klum gestern praktisch die Show übernommen haben, fand ich richtig aufregend und sehr lustig.“
    Hehe, das kann man wirklich so sagen. Auch was sie zu Hillary Swank geschrieben haben. Die ist wirklich etwas verloren gegangen in der Sendung.
    @Peer Schader:
    „@Thomas Zett: Prima, das hier ist aber keine.“
    Wenn Sie ansonsten hier auf dem FAZ-Blog schwerpunktmäßig über Asi-Formate von RTL und Co. schreiben, müssen sie sich nicht wundern, dass sie solche unreflektierten Kommentatoren/Kommentare anziehen, finde ich. Wobei die Beschäftigung mit dem Niedergang des Fernsehens bei den Privaten vor dem Hintergrund von immer mehr Kosteneffizienz, der sich ja sehr bildhaft in den Asi-Sendungen ausdrückt, aber natürlich auch ein wichtiges Thema sein sollte.
    Ich habe da erst vor ein paar Tagen nochmal was zu geschrieben (in dem Falle ProSieben betreffend):
    https://tvundso.com/2010/01/22/thomas-ebeling-und-die-tv-zukunft/

  5. Ich muss sagen, dass Michelle...
    Ich muss sagen, dass Michelle Hunziker durchaus etwas für das ZDF-Image macht. Auch wenn ihre Stimmlage nicht jeden positiv stimmen mag, so ist das wohl weniger Gewicht als diverse Volksstadl, die nun wirklich jeden Mensch mit einem Rest Verstand unter 70 Jahren verachten. Auch wenn „Wetten dass …?“ durchaus eine undercover Webesendung ist, so ist dies immernoch besser als angesprochene Sondermüllformate.
    Wenn man mit Sarkasmus argumentieren möchte und einer gewissen Spur von Toleranzlosigkeit, könnte man behaupten, dass die Stimme eh nichts zur Sache tut:
    Gottschalk sprach schon an, dass ein Teil der Zuschauer nichts versteht aufgrund sprachlicher Schranken (Italiener usw). Hinzufügen kann man dann noch, dass das Haupklientel wohl sowieso nur noch schwer hört und die Optik dadurch entscheidender ist.

  6. Ich kann dem Beitrag nur voll...
    Ich kann dem Beitrag nur voll zustimmen. Ich freue mich mittlerweile wirklich auf die Auftritte von Frau Hunziker, denn sie ist einfach erfrischend authentisch und herrlich uneitel. Wo gibt es das sonst noch im Fernsehen? Leider viel zu selten…

  7. @ Peer Schader
    Jetzt weiss ich...

    @ Peer Schader
    Jetzt weiss ich zwar, was es nicht ist. Aber was ist es denn nun?
    Eine schriftliche Karikatur ? Ich meine „ackern“ ? Das machen Menschen am Band usw. Durchlesen des Ablaufplans ? 6 Namen merken ? Ihren Job ernst nehmen?
    Dafür bekommt man heute Lob ? Überzogene Ansichten!

  8. Wetten, dass...!!! Als Format...
    Wetten, dass…!!! Als Format im deutschen so einzigartig wie die Hitparade.
    Die Hitparade, oder sie sich noch nannte, landete bei rtl2
    von daher: der dynosaurier lebt u versucht mit allen Mitteln zu ueberlegen.
    Tg: er verblasst, wirkt muede u verkrampft. Normale abnutzungserscheinungen nach langer und verdienter Zeit. Aber er sollte schluss machen.
    Mh: super wie sie mit der macht von tg umgeht. Genuegend devot u doch immer sexy. Gute Wahl. Wer denn sonst in dieser tv Landschaft. Sie internationisiert das Format wie keine andere und zwar authentisch. Basta . Wenn Martha, die Freundin von Luc toni deutsch koennte, waere sie eine gute alternative, weil etwas mondaender.
    Mh ist aber quirlig, frish, frech, suess ud sexy und geuegend untergeben. Das mag tg und der zuschauer. Auch wenn einige das anders sehen, sie werden sich daran gewoehnen und im Grunde auch ihren evtlen neid oder sagen wi ihre vorbehalte ablegen.
    Gomez: ein Horror. Oder war sein Mikro defekt. Wenn nicht: peinlich. Gelangweilt, unsicher und desinteressiert. Swank: ihr sind die gesixhtszuege eingefroren. Ab und an. Aber sie ist eine gute sp. Klum: beherrscht die selbstiszenierung. Aber irgendwie schon fast peinlich und aufdringlich. Mr q: reiner Unfug der Typ. Zeigt mal wieder: frau klum waehlt die schwachen, damit sie staerker wirkt. GHz kurzfristig gut, langfristig geht das nach hinten los. Also Mr q ist wirklich desastroes.
    Alles andere bei wd: ganz ok, aber man spuert den Druck Quote zu machen.
    Highligt; die begegnung von E.r un m.h : sehr authentisch und lieb. Typisch italienisch; er sitzt neben ihr auf der Couch und sagt urploetzlich zu ihr: ciao.
    Das ist lieb und gut so.

  9. Man sollte einfach auch...
    Man sollte einfach auch bedenken, dass Michelle Hunziker im italienischen Fernsehen schon mehrere grosse TV-Shows moderiert hat und auch moderiert. Sie ist also in diesem Sektor kein Anfänger mehr und ihre Show im italienischen Fernsehen ist voller Humor.

  10. Ich musste grinsen, als am...
    Ich musste grinsen, als am Samstag Michelle Hunziker den Holzkäfig mit dem Hasen von der Couch wieder ins Set zurückschleppte und ihr irgendjemand begegnete (wars Mario Gomez?). Sie sah ihn kaum an und begrüßte ihn mit „GutnAbend“; in etwa so, als wenn sich Montags zwei Kollegen auf dem Flur begrüßen. Witzge Szene!

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