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Warum RTL Kandidaten bei "DSDS" herausradiert

Das ist natürlich eine verhältnismäßig neue Information: RTL nimmt den Titel seiner Sendungen wörtlich. Und die Betonung bei „Deutschland sucht den Superstar“ liegt anders als bisher angenommen gar nicht auf „Superstar“. Sondern auf „sucht“.

Zumindest haben das am Samstagabend viele Zuschauer der letzten Recall-Sendung getan: nach ihren ganz persönlichen Favoriten gesucht, von denen RTL einige aber kurzerhand aus der Show radiert hat. Den Australier Joel Havea zum Beispiel, von dem die Jury im Casting noch ganz hin und weg war, und Meike Büttner, der Bohlen im Casting attestierte, sie sei ähnlich „geisteskrank“ wie er, was vermutlich als Kompliment gemeint war. Havea und Büttner durften im Recall beide mit in die Karibik fahren, waren aber in der Samstagssendung dort nicht mit ihren Auftritten zu sehen, obwohl sie von der Jury als zwei von 25 Kandidaten auch noch zum letzten Vorsingen nach Schwetzingen mitgenommen wurden, wie auf den kurz eingeblendeten Gruppenbildern zu sehen ist:


Screenshots: RTL

Auch ihre Auftritte dort wurden nicht gezeigt, ebenso wenig wie die Entscheidung der Jury, sie nicht mit in die Top-15-Show zu nehmen. Am Ende waren sie einfach weg.

In Online-Foren wird deshalb seit einigen Tagen darüber spekuliert, was passiert ist. Havea habe einen Plattenvertrag bekommen und trete nun bei Stefan Raabs „Unser Star für Oslo“ auf, heißt es. Aber das hat der Musiker im Gespräch mit Musiktipps24.de richtig gestellt. Die Gerüchte seien falsch. Über die Entscheidung der Jury und die Tatsache, dass er in der Sendung am Ende quasi gar nicht mehr vorkam, sagt er:

„Die Jury hat mir tatsächlich gesagt, dass mein Stil nicht zu den Live-Shows passen würde. Sie haben gemeint, dass sie sich nicht vorstellen können, dass ich die verschiedenen Musikstile in den Motto-Shows bewältigen könnte. (…) Ich dachte schon, dass es ein guter Auftritt war und ich war ehrlich gesagt auch ein bisschen sauer, dass mein Auftritt nicht gezeigt wurde.“

In Ihrem Myspace-Blog äußert sich auch Meike Büttner, die glaubt, ihre kritischen Kommentare über Bohlen und die Sendung seien schuld:

„Sie schnitten mich raus, so wie Muttis Fernsehverbote an ihre kleinen erteilen. Das war eine Strafe. DSDS war die Mama und ich das unartige Kind.“

In den vergangenen Tagen hatte Büttner in der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ bereits ein „DSDS-Tagebuch“ mit kritischen Bemerkungen zur Show veröffentlicht, von dessen zweiten Teil sie sich aber – ebenfalls in ihrem Blog – distanziert.

Das alles ist ein bisschen verwirrend, zumal nicht nur Havea und Büttner von jetzt auf gleich bei „Deutschland sucht den Superstar“ verschwanden, sondern auch andere Teilnehmer. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer sagt dazu:

„Wir konnten nicht alle Auftritte und Entscheidungen der 25 letzten Kandidaten zeigen. Es war eine redaktionelle Entscheidung, sich auf die Bewerber zu konzentrieren, die uns am spannendsten schienen. Für manche Zuschauer, deren Lieblinge dadurch nicht mehr gezeigt wurden, mag das sicher schade gewesen sein.“

Nun ist es in dieser Staffel offensichtlicher denn je, dass nicht zwangsläufig gute Sänger, sondern vor allem solche Bewerber weitergelassen werden, mit denen sich nachher Woche für Woche Geschichten erzählen lassen. Mag sein, dass Havea und Büttner deswegen ausgesiebt wurden. Weil sie noch nie im Knast waren, nicht als Kind einen Defibrilator eingepflanzt bekamen und keine besonders großen Brüste haben.

Es ist erstaunlich, mit welcher Akribie im Schnitt darauf geachtet wurde, dass sie und die anderen Kandidaten möglichst selten im Bild zu sehen sind (was sich nur in der Gruppe schwer vermeiden ließ). Das eigentlich Ärgerliche ist aber, dass RTL damit alle vor den Kopf stößt, die genau wegen dieser Kandidaten eingeschaltet haben, nachdem der Sender sie im Casting vorgestellt und aufgebaut hat. Am Ende  gab es nicht mal einen Schnelldurchlauf, in dem man hätte zeigen können, welche Bewerber gehen mussten. Kann aber sein, dass dafür in den läppischen zweieinhalb Stunden, die die Samstagssendung dauerte, einfach kein Platz mehr war.

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