Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

N24 und das Denkmal für den besten Nachrichtensender der Welt – im Film

| 48 Lesermeinungen

Nein, realistisch ist es nicht, dass im neuen Sat.1-Politthriller "Die Grenze" alle Protagonisten permanent N24 schauen. Aber die Simulation eines seriösen Nachrichtenkanals innerhalb der eigenen Gruppe hat bei Pro Sieben Sat.1 Tradition – auch wenn die vermutlich nicht mehr lange dauern wird. Das Fernsehblog erinnert deshalb an die schönsten Momente.

Am Montag- und Dienstagabend zeigt Sat.1 den Politthriller „Die Grenze“, in dem Deutschland durch Terroranschläge auf mehrere Ölraffinierien weiter in die Krise getrieben wird und die Stimmung im Land sich zugunsten extremer Parteien entwickelt. Um bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern eine neue Rechte zu verhindern, paktiert die (konservative) Bundesregierung mit der neuen Linken und lässt es zu, dass sich das Bundesland vom restlichen Deutschland abspaltet.

Das Bemerkenswerteste am Film ist allerdings, dass darin ausnahmslos alle Protagonisten N24 sehen.

Im Büro, zuhause, in den Parteizentralen – überall läuft ununterbrochen derselbe Kanal, wo plötzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit live gesendet wird und trotzdem nie Flugzeugträger, Riesenkräne oder die Geheimen Ufopläne der Nazis zu sehen sind. (Nur die erfundene Talk-Moderatorin Sabine Sybille Lux, deren Studio – ein bisschen wie das hier – eher in Brauntönen gehalten ist und die irgendwann zu den Rechten überläuft, die sendet anderswo.)

Bild zu: N24 und das Denkmal für den besten Nachrichtensender der Welt – im Film
Screenshots: Sat.1

Zwischendurch taucht bei einer Pressekonferenz auch mal ein Mann mit einem n-tv-Mikrofon auf, das die Produktionsfirma Teamworx im Archiv gefunden haben muss, aber: Wer schaut schon n-tv? Sogar die Bundeskanzlerin (gespielt von Katja Riemann) ist bekennender N24-Fan, gibt den Kollegen nicht nur Interviews, sondern sitzt auch die ganze Zeit im Bundeskanzleramt vor der Glotze.

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Screenshots: Sat.1

In ihrem „Faktencheck“, wie plausibel die Ereignisse in der „Grenze“ sind, haben sich die Kollegen von „TV Spielfilm“ deshalb die lustige Frage gestellt: „Ist das realistisch?“ Und gleich die Antwort mitgeliefert:

„Nein, der Marktanteil des Senders liegt bei rund einem Prozent. Die ‚Tagesschau‘ der ARD, die in ‚Die Grenze‘ nicht vorkommt, erreicht Werte von um die dreißig Prozent. Da N24 zum gleichen Medienkonzern wie Sat.1 gehört, wirbt der Sender in ‚Die Grenze‘ nur für seinen eigenen Nachrichtenkanal – auf Kosten der Glaubwürdigkeit.“

Ach, die Glaubwürdigkeit. Erstens nimmt es Pro Sieben Sat.1 mit der sowieso nicht so ernst, wenn es um seine Nachrichten geht, und zweitens kommt die N24-Werbung in der „Grenze“ natürlich reichlich spät, weil der Sender derzeit bekanntlich zur Disposition steht, entweder verkauft oder umstrukturiert werden soll. Damit dürfte „Die Grenze“ der letzte Film sein, in dem N24 als Top-Informationsquelle vorkommt. Der erste ist er nicht. Als kleinen Tribut an den Mitarbeiter, der in den Konferenzen zu jedem neuen TV-Movie immer die Hand heben musste, um zu fragen, ob man da nicht irgendwo Hans-Hermann Gockel einbauen könnte, präsentiert Das Fernsehblog deshalb ein Best-of:

Der tollste Nachrichtensender der Welt – im Film.

Schließlich hat die Seriositätssimulation bei Pro Sieben Sat.1 eine lange Tradition. In der unfreiwillig komischen Katastrophenpremiere „Tsunami“, für die Pro Sieben vor viereinhalb Jahren Sylt von einer riesigen Welle überschwemmen ließ, wollten sich einige Inselbewohner nicht evakuieren, sondern lieber an der Küste sitzen und fernsehen.

Bild zu: N24 und das Denkmal für den besten Nachrichtensender der Welt – im Film
Screenshot: Pro Sieben

In der Sat.1-Serie „Allein unter Bauern“, in der Christoph M. Ohrt als karrierebesoffener Politiker über eine Affäre mit einer Botschafterfrau stolpert, hielt ihm der damalige Sat.1-Nachrichtenmann Thomas Kausch das Pro-Sieben-Sat.1-Kabel-1-Mikrofon

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Screenshot: Sat.1

Den heißesten Sommer aller Zeiten, den Sat.1 ausgerechnet im Winter 2008 mit dem Film „Die Hitzewelle – Keiner kann entkommen“ ins Programm hineintranspirierte, verfolgten die Protagonisten natürlich ebenfalls beim Nachrichtensender ihres Vertrauens.

Bild zu: N24 und das Denkmal für den besten Nachrichtensender der Welt – im Film
Screenshots: Sat.1

Am präsentesten allerdings waren die Nachrichtenkollegen im Pro-Sieben-Schocker „Tornado – Zorn des Himmels“ (2006), in dem Hauptdarsteller Matthias Koeberlin als schlauer Meteorloge exklusiv bei N24 vor dem nahenden Unglück warnen durfte. Und die ganze, wirklich die ganze Nation sah zu.

Bild zu: N24 und das Denkmal für den besten Nachrichtensender der Welt – im Film
Screenshots: Pro Sieben

Das alles ist freilich nichts gegen das Denkmal, das Sat.1 seinem Schwestersender nun in der „Grenze“ setzt, die – anders als in den zuvor genannten Produktionen – nicht nur Fernsehbildschirme abfilmt, sondern immer wieder direkt ins vermeintliche Live-Programm eines Senders schaltet, der wenigstens im Film so ist, wie ihn sich Politik und Landesmedienanstalten immer schon gewünscht haben.


48 Lesermeinungen

  1. @SOB
    Ist ja völlig klar das...

    @SOB
    Ist ja völlig klar das die N24 als tollen Nachrichtensender hinstellen. Sat1 geht ja nicht hin und sagt „ne lasst mal unseren blöden n24 pseudo nachrichtensender da weg, wir wollen die tagesschau weil die besser ist“. Also ich kenn eigentlich keinen der sein eigenes Produkt schlecht macht oder gar ein anderes nimmt.

  2. Horst Tappt sagt:

    Sicher wirst Du doch...
    Sicher wirst Du doch verstehen, Patrick, daß einige Zuschauer eben schmunzeln, wenn SAT 1 seinen Nachrichtenkanal im Film derart übertrieben seriös darstellt, oder? Um mehr als um diesen Unterschied zwischen Realität und Fiktion geht es hier doch nicht.
    Ich gucke übrigens lieber Panzerdokus als den Gockel.

  3. Horst Tappt sagt:

    Übrigens heißt der...
    Übrigens heißt der Nachrichtenkanal bei JAG und NCIS „ZNN“, DJ Doena.

  4. jemand sagt:

    Und wenn N24 weg ist, wird...
    Und wenn N24 weg ist, wird diese Rolle sicherlich Galileo mit seinen 100 Sekunden einnehmen. Oder das jeweilige Galileo Spezial.

  5. nona sagt:

    Seriösitätssimulation, ja....
    Seriösitätssimulation, ja. Aber auch Schauspielsimulation. Und groteskerweise werden diese selbstproduzierten stelzigen Trashfilmchen mitunter auch noch als „Fernsehereignis(se) des Jahres“ o.s.ä. angepriesen.

  6. Torsten sagt:

    Und das beste daran ist, dass...
    Und das beste daran ist, dass es auch umgekehrt funktioniert, nämlich, dass N24 Werbung für Pro7/Sat1-Produktionen macht. Als ich vorhin zufällig durchgezappt habe, lief auf N24 was? Genau, eine Live-Sondersendung über das neue Sat1-TV-Event „Die Grenze“, wo Experten gelobt haben, was das für ein toller Film sei. Aber das hat ja auf N24 Tradition, man denke nur an die vielen live übertragenen Pressekonferenzen zu Raab-Events etc.. Aber bei der nächsten Landtagswahl wird bestimmt wieder die 10000. Wiederholung einer Reportage über Nazis oder Riesenmaschinen laufen…

  7. evm sagt:

    Offen gestanden, finde ich...
    Offen gestanden, finde ich diese N24-Geschichte von Peer Schader auch etwas überbewertet. Viel mehr würde mich einmal interessieren, warum dieser Stoff zunächst von RTL, ARD und ZDF abgelehnt wurde.

  8. Zum Thema nur Dokus bei N24:...
    Zum Thema nur Dokus bei N24: Von 7:00 Uhr früh bis 13:30 gibt es durchgehend Nachrichten. Live. Könnte sicher noch mehr sein, aber wenig ist das auch nicht.

  9. kokser88 sagt:

    @SOB Bei N24 laufen täglich 9...
    @SOB Bei N24 laufen täglich 9 Stunden live Nachrichten. Leider bekommen die Privatsender keine GEZ Gebühren und müssen daher auf Kosten achten, können deswegen nicht 24/7 Live senden. Die Tagesschau mit N24 zu vergleichen ist, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wenn schon, dann bitte Sat1 Nachrichten(die auch von N24 produziert werden) mit der Tagesschau. @Nenn mir bitte einen besseren privaten Nachrichtensender in Deutschland?!?!? Aha.

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