Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"

| 31 Lesermeinungen

Es reicht jetzt langsam mit der Aschewolke über Europa – nicht nur, damit endlich die vielen Urlaubs- und Geschäftsreisenden wieder nachhause kommen. Sondern auch, weil damit das Risiko abnähme, HR-Chefredakteur Alois Theisen so bald noch mal einen Pleiten-Pech-und-Pannen-"Brennpunkt" im Ersten moderieren zu sehen.

Es reicht jetzt langsam mit der Aschewolke über Europa – nicht nur, damit endlich die vielen Urlaubs- und Geschäftsreisenden wieder nachhause kommen und die Konsumenten sich nicht um die Südfruchtvorräte in den Supermärkten ängstigen müssen. Sondern auch, weil damit das Risiko abnähme, HR-Chefredakteur Alois Theisen so bald noch mal einen „Brennpunkt“ im Ersten moderieren zu sehen. Drei davon hat der Hessische Rundfunk übers Wochenende für die ARD produziert, und diese dilettantisch zu nennen, würde das Ergebnis unnötig beschönigen.

Es waren drei Viertelstunden voller Pannen, Überflüssigkeiten und halbgarer Berichte, bei deren Ansehen die Kollegen von „ARD aktuell“ in Hamburg vor Scham im Boden versunken sein müssen, während Theisen mit seinen ununterbrochenen Gestikulierungen für eine geradezu hypnotische Ablenkung sorgte, indem er alle drei Sekunden die Hände auf- und wieder zusammen faltete:

Bild zu: Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"
Screenshots: Das Erste

Aber wahrscheinlich ist der HR innerhalb der ARD für Naturkatastrophen zuständig – und zu denen zählt eben auch „der Vulkan mit dem schwer auszusprechenden Namen“, wie Theisen wiederholte – ohne sich auch nur ein einziges Mal daran zu versuchen, tatsächlich „Eyjafjallajökull“ zu sagen. Was Theisen besser kann als Vulkannamen auszusprechen ist: beim Reden die Punkte zwischen den Sätzen wegzulassen. Und dafür manchmal. Pausen an Stellen zu machen, an die gar keine hingehören. Irritiert die richtige Kamera zu suchen. Und nicht zu wissen, wann er sich besser nicht im Studio umsieht, weil er noch im Bild ist während die Wetterexpertin gerade redet.

Bild zu: Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"Das sind normalerweise keine idealen Voraussetzungen für eine große Moderationskarriere. Aber für Chefredakteure macht der HR eine Ausnahme. Und witzig sein kann er ja:

„Jetzt folgt hier der Spielfilm ‚Liebe am Fjord‘, hoffentlich nicht an einem isländischen diesmal“,

sagte Theisen nach dem „Brennpunkt“ am Freitag und musste über seinen eigenen Scherz schmunzeln. Den Kollegen Ulrich Deppendorf, der live von der Reifenpanne des Busses berichtete, in dem er mit anderen Journalisten im Tross der heimfahrenden Kanzlern unterwegs war, fragte er am Samstag:

„Herr Deppendorf, wo geistern Sie denn inzwischen rum? Liegen Sie immer noch auf der Autobahn?“

Am Sonntag war dann sogar eine leichte Aggression in Theisens Formulierung zu spüren:

„‚Wo ist die verdammte Wolke?‘ Das fragten sich auch heute wieder viele an diesem strahlend schönen Frühlingstag.“

Die Redaktion hatte alle Mühe, da mitzuhalten, steuerte aber spontane Fehlschaltungen bei (mitten im Beitrag auf einen ratlosen Theisen, mitten im Vortrag der Wetterexpertin auf den nächsten Beitrag), schamlose PR der Lufthansa, und einen Beitrag, in dem Passanten auf der Straße lustige Twitter-Sprüche zur Aschewolke nachsprechen mussten (wirklich!). Immerhin stand nachher im Abspann, wer dafür verantwortlich war:

„Redaktion-Name 2“

Bild zu: Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"

Kennen Sie nicht? Na, das ist bestimmt die Frau von diesem, diesem… äh, genau:

Bild zu: Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks: "Wo ist die verdammte Wolke?"
Screenshots: Das Erste

Er hat also ein ganz schönes Chaos angerichtet, der Eyjafjallajökull, von dessen Ausbruch man sich in der Zukunft berichten wird, er habe nicht nur die europäischen Flughäfen lahmgelegt. Sondern für ein Wochenende auch den Hessischen Rundfunk.

PS: Die „taz“ hat sich genauso gegruselt.


31 Lesermeinungen

  1. Georg sagt:

    Kochs Kellner kann also auch...
    Kochs Kellner kann also auch nicht Vulkan:
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/838/436584/text/

  2. besserwisser sagt:

    Der Vulan heißt "Eyjafjalla"....
    Der Vulan heißt „Eyjafjalla“. „Eyjafjallajökull“ ist der Name des Gletschers über dem Vulkan.

  3. latze01 sagt:

    @gelonto
    Ich fand den Herrn...

    @gelonto
    Ich fand den Herrn Schader sehr milde und nachsichtig in seiner Ausdrucksweise. Dieser Dilettantismus hätte ganz andere Beschimpfungen verdient, allein schon wegen der Twitter-Witz-Vorleserei.

  4. Markus sagt:

    <p>Na der Name...
    Na der Name „Eyjafjallajökull“ ist auch wirklich nicht leicht auszusprechen:-)
    Da muss man Theisen Recht geben…
    „ARD aktuell“ macht Fehler, aber manchmal sind diese Fehler auch zu schmunzeln…Trotzdem bleibt Theisen sympatisch. Da kann man schon eine Auge zudrücken…Er ist auch nur ein Mensch:-) …und Menschen machen Fehler…

  5. Harry sagt:

    Den Typen fand ich auch...
    Den Typen fand ich auch unmöglich. Aber daß er Chefredakteur ist, haut mich jetzt um. Da sieht man, wohin politischer Einfluß bei den Sendern der ARD führt.
    Ich finde es auch seltsam, daß seit der Einführung des Flugverbots jeden Abend eine 15-minütige Sondersendung kommt, obwohl schon in der Tagesschau alles Nötige gesagt wurde. Da gibt es mit Sicherheit wichtigere Probleme!

  6. Andre sagt:

    Ich finde schon die Ansetzung...
    Ich finde schon die Ansetzung eines ARD-Brennpunkts selten dämlich. Es ist ja nicht mal Hauptferienzeit, somit dürfte die Zahl der direkt Betroffenen doch wahrscheinlich weit unter 100.000 Leuten liegen, wozu da also einen Brennpunkt. Demnächst dann ‚IPad Auslieferung verzögert sich – 4500 Nerds möchten nicht länger warten‘ und ‚Fön in den Alpen – Deutschland bangt mit Bayern‘.
    Die Umsetzung war dann tatsächlich nur noch als Realsatire zu bezeichnen. Höhepunkt das Twitter-Vorlesen. Wenn mans nicht gesehen hat glaubt mans kaum.

  7. Wolfgang sagt:

    War doch eigentlich keine...
    War doch eigentlich keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, was Theisen offensichtlich in seinem früheren Leben war.
    Im Übrigen gibt es auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur selten die korrekte Aussprache des Vulkans, bei der ein Doppel-l als „tl“ gesprochen werden sollte – also etwa ejafjatlajökütl.

  8. @besserwisser: "Unter dem...
    @besserwisser: „Unter dem Gletscher befindet sich ein selten aktiver Vulkan. Der Name Eyjafjallajökull bezeichnet sowohl den Gletscher wie das gesamte Vulkanmassiv. Die eigentliche isländische Beschreibung des Vulkanausbruches lässt sich auf Deutsch am besten mit: „Im oder unter dem Eyjafjallajökull findet ein Ausbruch statt.“ wiedergeben. Die Bezeichnung des Vulkans als Eyjafjalla ist nicht korrekt, da unvollständig.“ (Wikipedia)

  9. Wolfgang sagt:

    Ooops, das ist eigentlich der...
    Ooops, das ist eigentlich der Link:
    https://www.kirche-am-meer-wangerooge.de/radio-andachten/ndr-antje.jpg

  10. Dr Mushnik sagt:

    Es gilt nach wie vor der alte...
    Es gilt nach wie vor der alte Witz:
    „Hessischer Rundfunk? – Halb so groß wie der [in der Nachbarschaft liegende frankfurter] Hauptfriedhof – aber doppelt so tot!“
    Den ersten Teil der Aussage beweist Google Earth (Frankfurt Bertramswiese eingeben), den zweiten das abendliche HR-TV-Programm à la „Hessens schönste Kleintier-Streichelzoos“.

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