Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"Wetten dass..?"-Party im ZDF: "Unglaublich! Ey, das ist der Waaahnsinn!"

| 22 Lesermeinungen

Traditionen soll man pflegen, und weil das ZDF nach dem Sommer-"Wetten dass..?" auf Mallorca wieder eine "Promi-Party" hinterherschob, fasst das Fernsehblog auch wieder die Höhepunkte einer ausschließklich aus Höhepunkten bestehenden Sendung zusammen. Los, klicken Sie schon!

Bitte entschuldigen Sie die kurze Unterbrechung, es folgt Gundula Gause aus dem „heute journal“ vom Sonntag mit einer wichtigen Nachricht:

„Auf dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland, bekannt aus der ZDF-Serie ‚Das Traumschiff‘, hat es gebrannt. Alle 607 Menschen an Bord mussten den Luxusdampfer verlassen. Das Feuer war bei einem Hafenaufenthalt in Norwegen ausgebrochen, konnte aber bis zum Abend gelöscht werden.“

Bild zu: "Wetten dass..?"-Party im ZDF: "Unglaublich! Ey, das ist der Waaahnsinn!"
Screenshot: ZDF

Fertig. Und damit kommen wir vom beliebten „Pausenprogramm von ‚Wetten dass..?'“ (Claus Kleber) endlich zur großen „Wetten dass..? Promi-Party“, die vom ZDF am Sonntagabend nach der Sommershow auf Mallorca wieder live übertragen wurde, natürlich moderiert von den beiden Jungtalenten Nela Panghy-Lee und Horst Lichter, für die an diesem Abend einfach alles „Unglaublich!“ und „Ey, das ist der Waaahnsinn!“ war (Video in der ZDF-Mediathek).

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„Wenn Sie wüssten, was hier alles los ist“, hat Lichter gleich am Anfang gesagt – und womöglich nicht damit gerechnet, dass die Bildregie das als Signal wertete, die traurige Realität im Bild zu zeigen:

Bild zu: "Wetten dass..?"-Party im ZDF: "Unglaublich! Ey, das ist der Waaahnsinn!"
Screenshot: ZDF

(Nachher ist aber bestimmt noch spitzenmäßig gefeiert worden.)

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Zu diesem Zeitpunkt dauerte es noch eine Weile, bis die Wettkönigin des Abends, die einen Traktorreifen 30 mal um ihre Hüfte hatte kreisen lassen (Video), vorbeischaute. Panghy-Lee musste sich dennoch rückversichern: „Ist es wahr, dass sie eine angeknackste Rippe hat?“ – „Sie hat wirklich eine angeknackste Rippe, ich hab vorher noch mit ihr gesprochen“, bestätigte Lichter. Dann zeigten die beiden die Wette, während der sich die Kandidatin auffällig an die Rippe gefasst hatte. Später war die Gewinnerin dann persönlich bei Panghy-Lee, die – bevor die Wette ein weiteres Mal zu sehen war – wegen der Sache mit der Rippe fragte: „Als Horst mir gestern erzählt hat: angeknackste Rippe, hast du da noch gedacht, du wirst das Rennen gewinnen?“

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Im Interview mit Arenareporter Lars Wischmann enthüllte Mark Medlock, der mit dem diesjährigen „DSDS“-Gewinner Mehrzad Marashi mit dem Covertitel „Sweat“ aufgetreten war, weltexklusiv im ZDF:

„Mein größter Wunsch ist, mit Mehrzad ein Weihnachtsalbum zu machen.“

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„Der Herr mit dem Ohr“, der mit bürgerlichem Namen Zhuo Wie heißt, was sich Horst Lichter weder merken konnte noch auf seine Moderationskärtchen schreiben, kann mit seinem Ohr nicht nur Schwimmreifen aufblasen, sondern auch Bier zum Blubbern bringen („Unglaublich!“). Der (bei den Kollegen von der ARD nicht so arg beliebte) Schönheitschirgurg Prof. Werner Mang hingegen kann nicht nur erklären, wie sowas geht, sondern auch auf Anhieb erkennen, wo sich für ihn kein Geld verdienen lässt. Beim Moderatorin Nela Panghy-Lee zum Beispiel („tolle Nase, hohe Wangenknochen, wunderbares Dekolleté, tolle Beine“).

Bild zu: "Wetten dass..?"-Party im ZDF: "Unglaublich! Ey, das ist der Waaahnsinn!"
Screenshot: ZDF

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Wer beim ZDF ein Redaktionsvolontariat durchläuft, lernt bereits in der so genannten Grundphase „Interviewführung“, „Texten“ und „Dramaturgische Grundlagen“. Als Promireporter hinter den Kulissen beherrschte Lars Wischmann an diesem Abend all das natürlich perfekt. Die ZDF-Südafrika-Expertin Jo-Ann Strauss fragte er:

„Wie war das, da einfach dabei zu sein, bei dieser Sommerparty?“
„Am Ende gab es ja noch so’n Riesen-Eselrennen, wie haben Sie das erlebt?“
„Was sagen Sie zu dem letzten Auftritt gerade? Hat noch mal richtig die Party gerockt, ne?“
„Ich hab auch gehört, Sie gehen noch rüber zur Aftershowparty. Freuen Sie sich drauf?“

Bei Franziska van Almsick variierte er anschließend geschickt:

„Eben Riesensommerparty und Sie mitten drin. Wie war’s für Sie?“
„Am Ende noch’n sehr spannendes Eselrennen. Wie war das?“
„Es wurde ja unheimlich viel gekuschelt diesmal, ne? Wie war das?“
„Wie geht’s für Sie jetzt weiter?“

Bei den beiden „Superstars“ hakte er knallhart nach:

„Mehrzad Marashi, Mark Medlock, kommt da noch mehr von euch, ist da noch mehr in der Pipeline?“

Und bei Rick Kavanian ließ er nicht locker:

„Da wurde ja gebaggert und geflirtet was das Zeug hält. Wie haben Sie es erlebt als einer, der mittdendrin dabei war?“

Derzeit ist beim ZDF leider kein Volontariat ausgeschrieben. Bei Interesse melden Sie sich bitte in der Abteilung Aus- und Fortbildung.

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„Der Herr mit dem Ohr“, der mit bürgerlichem Namen Zhuo Wie heißt und aus China kommt… – ach nee, Moment. Den Absatz hatten wir schon.

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Schließen wollen wir den Bericht über die Höhepunkte eines Events, bei dem auch in diesem Jahr wieder „ein Highlight das nächste jagte“ (Panghy-Lee), mit einem Begeisterungsausbrauch des – was Emotionen auf der Bühne angeht – üblicherweise eher reservierten Peter Maffay:

„Ich bin sonst bei Fernsehsendungen immer ein bisschen zurückhaltend. Aber das war irgendwie – ganz toll.“


22 Lesermeinungen

  1. Johannes sagt:

    Bis zum "Bildbeweis" dachte...
    Bis zum „Bildbeweis“ dachte ich, dass das mit der Promiparty nach „Wetten dass…?“ ein schlechter Scherz sei. Das lief wirklich gestern im Fernsehen? Witzig.

  2. paul sagt:

    @Peer Schader: Zunächst ein...
    @Peer Schader: Zunächst ein Lob, dass Sie sich meiner Kritik annehmen. Und zur Sache: Ja, das ist das Wesen. Sie schreiben aber auch für andere Medien, digitale wie gedruckte, und wissen: Es ist das Wesen eines Lesers, selbst zu bestimmen, was er liest. Nun weiß ich freilich nicht, was die anderen Leser machen. Aber ich verliere zunehmend das Interesse an diesem Blog. Da ist es doch nicht verwerflich, den Autoren einen Tipp zu geben!

  3. roman g sagt:

    Wenn ich dazu gezwungen...
    Wenn ich dazu gezwungen würde, wäre es eventuell möglich, dass ich mir eine sendung ansähe, in der herr lichter, oder frau aus marzahn, oder herr bohlen, oder 2 „s“ aus dsds einzeln auftreten. Aber alle gemeinsam als geballtes grauen in einer sendung? Nie und nimmer! Sowas überschreitet doch eindeutig die grenze zur menschenrechtsverletzung.
    Hörenswert war der beck/stone-auftritt. Und den konnte ich mir erfreulicherweise heute schon auf youtube geben. (Dass ich mich dabei über 4 dazwischengeschnittene würstel ärgern musste, die währenddessen tanzenderweise zu sehen waren, steht allerdings auf einem anderen blatt.)
    Sehenswert waren sicher auch die wetten. Und die kann man alle in der zdf-mediathek sehen. (Danke übrigens für den link, herr schader.)

  4. Peanut sagt:

    oh da hat aber einer...
    oh da hat aber einer langeweile…

  5. pschader sagt:

    @paul: Tipps find ich auch...
    @paul: Tipps find ich auch gut. Wünschen Sie sich doch mal was Programmanalytisches.

  6. Jeeves sagt:

    "verschriftlicht"? Ist das die...
    „verschriftlicht“? Ist das die Steigerung von „verortet“? Himmelhilf!
    Und wieso kein Wort über den einzigen Lichblick (auch in der SZ nicht): Jeff Beck?!

  7. pschader sagt:

    @Jeeves: Der war wohl nicht...
    @Jeeves: Der war wohl nicht auffer „Promi-Party“.

  8. ckwon sagt:

    Ich fand diesen Eintrag...
    Ich fand diesen Eintrag unterhaltsam.
    Ich wünsche mir eine gesunde Mischung zwischen Programmanalye, Schmähkritik und dokumentarischen Beiträgen wie diesem hier…

  9. Thomas Knodt sagt:

    @Peer Schader
    Ich finde ja...

    @Peer Schader
    Ich finde ja Schmähkritik schöner als Programmanalyse. Und in Blogs lese ich gerne das, worauf ich nicht selbst komme (in Zeitungen übrigens auch). Zum Beispiel so einen schönen dokumentarischen Beitrag wie den heutigen. Da muss man sich dieses Zeugs nicht antun, sondern kann es hier im Blog nachlesen. Schöner Vorteil: Lesen geht schneller.

  10. B. Perkt sagt:

    Ich wünsche mir zu...
    Ich wünsche mir zu Weihnachten das Piratenschiff von Playmobil. Und ein Blog mit Schmähanalysen.
    Und es ist gut, dass genau so hier dokumentiert zu sehen. Muss man sich den Schmu gar nicht erst angucken.

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