Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Einsfestival spendiert sich wieder ein bisschen mehr Programm

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Es tut sich langsam was in Digitalien, zum Beispiel beim ARD-Sender Einsfestival: Seit einiger Zeit läuft der Mini-Talk "Einsweiter gefragt" dort freitags als Spezialversion der täglichen "Einsweiter"-Ausgabe, die sonst vor allem Beiträge anderer Landessender wiederholt. Für Spätersommer und Herbst sind weitere Neuerungen geplant.

Sowas kommt im Fernsehen auch nicht mehr alle Tage vor: dass zwei Menschen sich in einer kargen Kulisse ohne Publikum gegenübersitzen und einfach eine Viertelstunde unterhalten, der Gast eine Akustikgitarre zur Hand nimmt und ohne aufzustehen ein Hardrock-Liebeslied vorsingt, am Ende seine Perücke zu Boden schmeißt, sich für die Einladung bedankt und noch ein bisschen mit der Moderatorin plaudert bevor er fragt:

„Sind wir noch auf Sendung? Ach so!“

Bild zu: Einsfestival spendiert sich wieder ein bisschen mehr Programm
Screenshot: Einsfestival

Vor allem ist es natürlich ein gutes Zeichen, wenn ein in Köln ansässiger Sender auf einen vort allem in Berlin bekannten Künstler aufmerksam werden und ihn einladen kann ohne vorher multilaterale Gespräche mit den Kollegen der dort ansässigen Landesrundfunkanstalt führen zu müssen.

Ausgerechnet die Folge, in der Comic-Zeichner und Multi-Tasker Fil aus Berlin bei Moderatorin Anja Backhaus eingeladen war, ist nun nicht im Archiv des Einsfestival-Experimentalprogramms „Einsweiter“ abrufbar [Nachtrag: Jetzt ist er’s doch], also müssen Sie mir das jetzt einfach glauben: dass das sehr lustig war. (Alle anderen Videos sehen Sie hier.)

Bild zu: Einsfestival spendiert sich wieder ein bisschen mehr ProgrammSeit einiger Zeit läuft „Einsweiter gefragt“ freitags als Spezialversion der täglichen „Einsweiter“-Ausgabe, die sonst vor allem Beiträge anderer Landessender wiederholt. Es gibt Anzeichen dafür, dass das nicht so bleiben soll. Außer „Einsweiter gefragt“, für das Leute eingeladen werden, die sonst nicht schon in jeder Talkshow gesessen haben, lief vor anderthalb Wochen bereits ein dreistündiges (und etwas strenges) „Einsweiter Spezial speziell“ zum Eurovision Song Contest mit Sabine Heinrich, die der WDR nach „Unser-Star für Oslo“ nicht wieder im Radio verschwinden lässt, sondern sie bei „Einsweiter“auf dem Bildschirm behält, wenn auch vor deutlich kleinerem Publikum als bisher. Diese Woche ist sie Gastmoderatorin des regelmäßigen „Einsweiter“ (täglich zur mutigen Zeit um 20.01 Uhr).

Im September startet außerdem „Einsweiter erzählt“, das Themen aus „Echtzeit“ weiterführt, dem jungen WDR-Magazin für Politik, Kultur und Leben, das sich im vergangenen Jahr sonntags in der ARD ausprobieren durfte und seitdem keinen Sendeplatz mehr im Hauptprogramm bekommen hat.

Anders als das ZDF mit der Hauruck-Strategie für ZDFneo nimmt sich (oder: braucht) die ARD also Zeit, um herauszufinden, was mit den Digitalprogrammen alles möglich ist. Einsfestival-Leiter Helfried Spitra sagt:

„Von den Digitalkanälen ist Einsfestival aus meiner Sicht sicher derjenige, der für die ARD strategisch am wichtigsten ist. Ich glaube sehr an dieses Konzept und würde das Programm an manchen Stellen gerne noch jünger machen – aber die Verpackung muss im Einklang mit dem Inhalt funktionieren.“

Durchschnittlich 50 Jahre alt sind die Zuschauer von Einsfestival derzeit. Aus ARD-Sicht ist das fantastisch jung. Um den Durchschnitt weiter zu senken, plant Spitra für weitere Neuheiten: Der 10. Geburtstag von „Nightwash“ wird im August mit zwei großen 90-minütigen Liveshows gefeiert, Einsfestival will die Eröffnung der Popkomm zeigen und kooperiert mit den jungen Radiowellen der ARD für den New Music Award. Außerdem läuft ab Herbst Christian Ulmens aus dem Netz bekanntes „ulmen.tv“. Nur das Problem mit dem Budget ist immer noch dasselbe: Es gibt fast keins.

Das sollte die ARD schnellstmöglich ändern. Sonst kommt noch jemand auf die Idee, fehlende finanzielle Mittel seien im Senderverbund Voraussetzung für kreatives Ausprobieren im Programm.

Foto oben: Eins Live


9 Lesermeinungen

  1. Vielleicht sollte man beim...
    Vielleicht sollte man beim Stichwort „Verjüngung“ auch EinsPlus nicht vergessen. Immerhin gab’s dort grade dutzende Live-Musik-Stunden vom „Rock am Ring“-Festival. (vom Namen her wäre das natürlich auch bei Einsfestival gut aufgehoben gewesen ;-))

  2. Schrader: guckst du hier!...
    Schrader: guckst du hier!

  3. nun ist auch der FIL-Auftritt...
    nun ist auch der FIL-Auftritt online: https://bit.ly/9N0KjG

  4. Dass ich nur anhand des ersten...
    Dass ich nur anhand des ersten Absatzes und des Bildes erkannt habe, dass es sich hier um Fil handelt, macht mich ziemlich sympathisch.
    Abgesehen davon kann ich „Einsfestival“ weiterhin nicht empfangen. Ziemlich unsympathisch!

  5. @Johannes: Im Notfall bei...
    @Johannes: Im Notfall bei zattoo.com gucken.

  6. Die Sendung zum "ESC" führte...
    Die Sendung zum „ESC“ führte aber nicht den Zusatz „Spezial“, sondern „speziell“ 😉 Die reinen Talkelemente davon hätten mir übrigens besser gefallen, wurde mit alten Archiv-Sendungen ja doch sehr gestreckt.
    Dass man jetzt auch Sabine Heinrich an die Moderation lässt finde ich nicht sooo überraschend. Die anderen beiden, Malotki und später Backhaus, hat man sich ja auch vom hauseigenen Radioprogramm geholt.
    Einsfestival ist ein sehr sympathisches Programm, dem leider wirklich das Budget fehlt – und auch der Senderverbund ARD sollte sich mal einig werden und nicht eigene Süppchen kochen, wie jetzt bei „Rock am Ring“ und letztes Jahr mit dem „New Pop Festival“ wieder deutlich wurde, denn außerhalb des SWR-Sendegebietes ist ja eigentlich Einsfestival der ARD-Sender für musikalische Beiträge. Interessant aber, dass Christian Ulmen neben Knacki Deuser jetzt auch auf beiden jungen öffentlich-rechtlichen Sendern was machen wird (und dass ulmen.tv somit wie Nightwash bei Comedy Central die Flucht ergreift)

  7. @Marcel: Stimmt! Danke....
    @Marcel: Stimmt! Danke.

  8. Ich mag einsfestival. Einer...
    Ich mag einsfestival. Einer der wenigen wirklich spannenden Sender, die wir hier über DVB-T bekommen.
    Und ich mag die antizyklische Porgrammgestaltung ohne Quizshows. Und die Wiederholung von Spielfilmen um halbsieben. Und ich mag einsweiter. Und nightwash sowieso.

  9. wenn ein in Köln ansässiger...
    wenn ein in Köln ansässiger Sender auf einen vort allem in Berlin bekannten
    Ein t ist zuviel, das ziehen wir ab.
    Ansonsten bin ich auf EinsExtra jetzt richtig neugierig geworden.
    Das war Spitze!
    Kommentar kann gelöscht werden …

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