Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Tschüssi, Verlierer: Was RTL mit "101 Ways To Leave A Gameshow" vorhat

| 19 Lesermeinungen

Beim Programmscreening für die kommende TV-Saison prophezeite RTL-Chefin in der vergangenen Woche ein Comeback der Spielshows. Den Anfang bei RTL macht Daniel Hartwich mit einer deutschen Variante von "101 Ways To Leave A Gameshow". In Großbritannien war schon am Wochende Premiere – und das Fernsehblog hat zugesehen.

Na klar: eine Sonnenterrasse fürs Fernsehstudio! Warum ist da bei diesen Temperaturen sonst noch keiner drauf gekommen? Gleich einen ganzen Turm hat der „Big Brother“-Produzent Endemol für sein neustes Spielshowkonzept in die argentinische Pampa gebaut und dabei an eine ordnungsgemäße Belüftung gedacht: Das über drei Ebenen bewegbare Studio ist zur Vorderseite hin offen – in erster Linie aber nicht für die Luftzirkulation, sondern um Kandidaten, die zuvor eine Quizfrage falsch beantwortet haben, rauszuschmeißen.

Bild zu: Tschüssi, Verlierer: Was RTL mit "101 Ways To Leave A Gameshow" vorhat„101 Ways To Leave A Gameshow“ lautet der Titel der Sendung, in der es weniger ums Allgemeinwissen geht als vielmehr um den spektakulären Abschied der Verlierer.

Runde für Runde wird einer auf die Rampe gestellt, angeseilt und ins darunter liegende Schwimmbad geschubst – durch eine Falltür, auf dem Fahrrad, festgekettet in einem riesigen „Ball des Todes“ oder von einem Sprungbrett ganz, ganz weit oben. Am Wochenende war Premiere bei BBC One in Großbritannien. RTL hat angekündigt, zum Saisonauftakt eine deutsche Variante zeigen zu wollen. Beim Programmscreening für die nächste TV-Saison erklärte Senderchefin Anke Schäferkordt vergangene Woche, sie sei davon überzeugt, dass Spielshowkonzepte in den kommenden Monaten wieder sehr viel stärker gefragt sein werden. „101 Ways To Leave A Gameshow“ ist der Test, ob sie richtig liegt.

In jedem Fall ist es für RTL ein eher ungewöhnliches Konzept. Der – ebenfalls von Endemol lizenzierte – Trash-Vorgänger, die Hindernis- und Abstürzshow „Wipeout“, lief im vergangenen Jahr bei Pro Sieben. (Und floppte.)

Dabei passt „101 Ways“ eigentlich ganz gut zu RTL. Nicht nur weil der britische Moderator Steve Jones dieselbe Gockelfrisur wie Daniel Hartwich hat, der für RTL ran soll. Sondern weil die meiste Zeit der Sendung dafür drauf geht, Spannung für den entscheidenden Schubsmoment aufzubauen. In den Quizrunden müssen die Kandidaten die Auswahl ihrer Antwort begründen. Wenn alle schubsbereit am Abgrund stehen, erzählt der Moderator noch einmal jedem, welche Antwort er gewählt hat. Und holt dann einzeln diejenigen zurück, die richtig geantwortet haben. Der Absturz ist dann natürlich nur eine Sache von Sekunden – aber das Prinzip kennt das leidgeprüfte RTL-Publikum ja schon aus der „DSDS“-Entscheidungsshow.

Seinen Reiz bezieht „101 Ways To Leave A Gameshow“ vor allem daraus, die schlotternden Knie der Teilnehmer zu zeigen, die Schadenfreude des Moderators und die Erleichterung derjenigen, die eine Runde weiterkommen. Der Sieger gewinnt 10.000 Pfund und darf die Treppe nach unten nehmen. Der eigentliche Star der Show ist allerdings der monströse Turm, der mit fantastischen Kamerafahrten in Szene gesetzt wird, was vor allem abends in der Dunkelheit beeindruckend aussieht.

Nur steht der Aufwand leider in keinem Vergleich zum Ergebnis: Die Quizrunden möchte man schon nach kurzer Zeit am liebsten vorspulen, das viele Gequassel nervt. RTL könnte – bei ebenfalls einstündiger Sendezeit und gleicher Rundenanzahl – immerhin den Vorteil der Werbeunterbrechung haben: Vielleicht geht’s dann schneller zur Sache. Am erstaunlichsten finde ich aber, dass es immer noch Leute gibt, die Zeit haben, sich einmal um die halbe Welt fliegen zu lassen und fürs Fernsehen von einem Turm geworfen zu werden. Vor allem, wenn sie sich davor so sehr fürchten (was auch den Rezensenten des „Guardian“ gewundert hat).

Noch dazu muss es ja eine halbe Ewigkeit gedauert haben, eine Episode aufzuzeichnen, weil sämtliche Kandidaten jedes Mal angeseilt und in Schutzkleidung verpackt werden müssen.

In Großbritannien sorgte „101 Ways To Leave A Gameshow“ vor allem deshalb für Schlagzeilen, weil Moderator Jones in Buenos Aires offenbar nur knapp einer Entführung entging. Falls RTL seine Folgen nicht schon im Kasten hat, sei Daniel Hartwich hiermit der Abschluss einer umfassenden Reiseversicherung empfohlen.

Screenshot: BBC One


19 Lesermeinungen

  1. Ich glaube, RTL ist nicht der...
    Ich glaube, RTL ist nicht der Lieblingssender von Peer Schader… Apropos: Welcher ist eigentlich Ihr Lieblingssender, Peer?

  2. Gaston sagt:

    Man soll ja nix bewerten, ehe...
    Man soll ja nix bewerten, ehe man es gesehen hat.
    Aber ich mache mal eine Ausnahme.
    Der „Turm“ sieht aus wie eine schlecht montierte Baustelle und dieses permanente Runterzählen zur Erhöhung der Spannung geht mir schon in den Einspielern auf den Nerv – ich glaube kaum das es mir von Hartwich besser gefällt.
    Dann lieber wieder „Spiel ohne Grenzen“…

  3. anzugcase sagt:

    Wie kommt man denn aus dieser...
    Wie kommt man denn aus dieser Gameshow raus?
    https://manndat.de/fileadmin/Dokumente/Studien/Analyse_Gender-Budgeting.pdf

  4. Christina sagt:

    Ich muss sagen ich bin jetzt...
    Ich muss sagen ich bin jetzt nicht der RTL Freak. Von dem her ist es mir egal!

  5. Torsten sagt:

    Ohne die Show, geschweige denn...
    Ohne die Show, geschweige denn den Trailer, gesehen zu haben, glaube ich auch nicht, dass das was ist. Wenn die Welt eins nicht braucht, dann noch einen bemüht schadenfrohen „Takeshi’s Castle“-Abklatsch. Schon „Wipeout“ war öde, von zurecht vergessenen Flops wie „Entern oder Kentern“ ganz zu schweigen.
    Da sollten sie lieber nochmal das gute Original zeigen – am besten in der einstündigen Version, die früher auf DSF lief – um Längen besser als die halbstündigen Schipsel, die derzeit auf Comedy Central laufen – aber immer noch wesentlich unterhaltsamer sind als solche unmotivierten Klone.

  6. Lukas sagt:

    Richtig erstaunlich finde ich,...
    Richtig erstaunlich finde ich, dass der englische Moderator offenbar dem gleichen Schwiegersohn-Klonlabor zu entstammen scheint wie der diesjährige britische Grand-Prix-Kandidat Josh Dubovie: https://www.youtube.com/watch?v=InTgD_9DB3I

  7. Klaus sagt:

    wundere mich nur, dass der...
    wundere mich nur, dass der jauch das nicht moderiert .-)

  8. Michael S. sagt:

    Bis jetzt bin ich eigentlich...
    Bis jetzt bin ich eigentlich noch ein kleiner Fan von Daniel Hartwich, da er trotz schlimmer Sendungen immer noch ein bisschen distanziert davon erscheint, sich auch mal gern selbst darüber lustig macht und auch selbst lustig ist.
    Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Sendung noch schlechter und peinlicher und dümmlicher werden wird als „League of Balls“ auf ProSieben.
    Hiermit stelle ich einen offiziellen Antrag, dass sich die beiden Macher dieser Seite diese Sendung mal antun und hier genüsslichst zerpflücken. Sowas unterirdisches habe ich glaube ich bis jetzt noch nicht im deutschen TV gesehen (vor allem die Hupfdohlen im „CLUB“, die auch noch nen Sprechauftritt haben *g*)

  9. Michael S. sagt:

    Haaaaaaalt, eben sehe ich...
    Haaaaaaalt, eben sehe ich erst, als ich den neusten Artikel aufmache, dass League of Balls ja besprochen wurde…hüstel, ich nehm den Antrag zurück 😉

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