Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

"Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnen

| 30 Lesermeinungen

Die neue Sat.1-Spielshow "Mein Mann kann" wetten Frauen mit Chips auf das Können ihrer Ehemänner. Das Prinzip hat allerdings eine entscheidende Schwachstelle: In manchen Runden ist schon nach dem Einsatz der Kandidatinnen klar, wer rausfliegt - noch bevor überhaupt gespielt worden ist.

Bei der neuen Sat.1-Spielshow „Mein Mann kann“ sitzen vier Damen um einen Pokertisch und setzen Spielchips auf das Können ihrer Männer: zum Beispiel darauf, wer in einer vorgegebenen Zeit mehr Chilischoten essen kann, wer mehr Fensterscheiben mit dem Ball kaputtschießt oder die meisten Gläser Wurstwasser austrinkt.

Bild zu: "Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnenErfüllt der Mann die Wette seiner Frau, kriegt die alle in der jeweiligen Runde gesetzten Chips. Falls nicht, lässt Moderatorin Britt Hagedorn die Chips in den Jackpot wandern, der in der nächsten Runde gewonnen werden kann. Im Laufe des Spiels müssen die beiden Paare mit den wenigsten Chips die Show verlassen. Wer das Finale für sich entscheidet, gewinnt 50.000 Euro. Eigentlich ganz einfach, das Prinzip. Es hat nur eine entscheidende Schwachstelle: In manchen Runden ist schon nach dem Einsatz der Frauen klar, wer rausfliegt.

In der ersten Sendung ging es im Halbfinale darum, welcher Mann die längste Zeit auf einem galoppierenden Pferd stehen kann. Kandidatin Eliana lag zu diesem Zeitpunkt auf dem letzten Platz und setzte alle ihr verbliebenen Chips: 30 an der Zahl (für 30 Sekunden). Da der Jackpot randvoll war, hätte das bei einem Sieg ihres Mannes den Einzug ins Finale bedeutet.

Kontrahentin Nadine allerdings setzte einen Chip mehr: 31 – und war somit im Finale noch bevor ihr Gatte überhaupt in die Nähe des Pferdes kam (was der aber nicht schnallte und sich stattdessen darüber beschwerte, der Einsatz sei „bescheuert“ gewesen). Fakt ist: Es war egal, wie lange Bastian auf dem Pferd stehen würde. Hätte er die 31 Sekunden geschafft sowieso. Aber auch im Fall der Niederlage wäre Kontrahentin Eliana ja mit null Chips aus der Runde herausgegangen, weil sie alle gesetzt hatte – und Nadine wäre mit ihren restlichen Chips, die sie nicht gesetzt hatte, als zweite ins Finale eingezogen. In dem gibt es eine 50:50-Chance für die verbliebenen beiden Paare, weil es dann eh um alle Chips geht und die vorherigen Punktestände nicht mehr zählen. Genauso ist es gekommen.

In der vergangenen Woche, wieder im Halbfinale (bis Freitag online ansehbar), ging es für drei neue Paare um die Aufgabe, welcher Mann in zwei Minuten die meisten Kosmetikartikel korrekt benennen kann. So sah der Spielstand vor der Halbfinalrunde aus:

Bild zu: "Mein Mann kann" – auf jeden Fall nicht rechnen
Spielstand vor der Halbfinal-Runde / Screenshot: Sat.1

Der Grundeinsatz für jeden betrug 12 Chips, Jackpot gab es keinen. Kristina setzte zusätzlich 5 Chips (für 5 Artikel), Bianca 7 und Sabine 8. Nach dem Spieleinsatz sah der Punktestand also wie folgt aus:

Kristina 194 (211 minus 12, minus 5)
Bianca 105 (124 minus 12, minus 7)
Sabine 45 (65 minus 12, minus 8)

Zu gewinnen: 56 (12 + 12 + 12 + 5 + 7 + 8)

Selbst wenn Sabines Mann die Herausforderung gemeistert hätte, hätten die beiden zusammen nur 101 Chips gehabt – und wären ausgeschieden.

Moderatorin Britt Hagedorn darf sowas natürlich nicht stören – nicht auszudenken, die Zuschauer würden merken, dass das nächste Spiel völlig egal ist und die Finalisten längst feststehen. „Für dich geht’s wirklich um alles“, ermutigte sie Sabine vor der Runde. „Das ist ’ne riesige Runde, ’ne wichtige Runde, eine, die euch ins Finale katapultiert.“ Schade eigentlich: Würde man das überflüssige Spiel streichen, hätte „Mein Mann kann“ nämlich fast eine zumutbare Länge.

Danke an Roman G.!
Screenshots: Sat.1


30 Lesermeinungen

  1. Respekt, Peer! Sie sind...
    Respekt, Peer! Sie sind vermutlich auch der einzige Mensch, der damals bei Tutti Frutti versucht hat zu verstehen, wann und wieso Länderpunkte vergeben wurden. Letztendlich sind alle diese Unterhaltungssendungen des Privatfernsehens: Halli Galli, Kirmes, Kindergeburtstag und nur ironisierend zu kritisieren.

  2. Mumpakl sagt:

    Letztendlich hätte Kandidatin...
    Letztendlich hätte Kandidatin 4 (Platz 4 also ganz rechts) aber auch schon vor der Setzrunde keine Chance mehr gehabt. Vorher stand es 124 zu 211 zu 65, davon jeweils 12 ab macht 112 zu 199 zu 53 bei 36 Jackpot. Dass Kandidatin 3 nicht mehr auf Platz 3 kommen kann ist klar. Bleiben also noch 2 und 4 bei einem Abstand von 112-53 = 59.
    Aus Sicht der letztplatzierten Kandidatin kann es nur zwei positionsrelevante Handlungen geben. a) Sie lässt spielen (und zwar genau diejenige, die sie überholen möchte!), diejenige verliert und sie gewinnt 1/2 (1/3 im früheren Spielverlauf) des gesamten Pots oder b) Sie spielt und gewinnt.
    Taktik a) setzt also auch voraus, dass nur noch die zu überholende Rivalin in der Setzrunde ist, damit nicht ungewollt noch jemand anderes spielen kann, den man eh nie und nimmer überholen könnte. In diesem Fall hätte also Kandidatin 2 spielen und verlieren müssen, wobei der Pot mindestens 91 Chips hätte betragen müssen, weil 59 Differenz – 10 maximaler Einsatz durch Kandidatin 2 – 1/2 Einsatz von Kandidatin 3 + 1/2 Einsatz den Kandidatin 4 selbst setzt, macht im für Kandidatin 4 bestensfalls 59 – 10 – (9/2=)4,5 + 0 = 45,5 * 2 = 91. In dem Fall wären es aber nur 36 + 10 + 9 = 55.
    Kandidatin 4 weiß also (bzw. könnte wissen), dass sie spielen und gewinnen muss – gut, das hätte man sich auch denken können. Aber wie hätten die Einsätze aussehen müssen, damit es überhaupt eine Chance gibt?
    Der eigene Einsatz erhöht den Gewinn nicht, da man ja schließlich nur seine eigenen Chips wieder gewinnt. Somit müsste sie also möglichst viele Chips aus den beiden Gegnerinnen rauskitzeln, die sie dann gewinnen könnte um die Differenz aufzufüllen. Außerdem würde jeder Einsatz von Kandidatin 2 die notwendige Differenz kleiner machen. 59 Differenz – 36 Pot = 23. Wenn Kandidatin 2 das wüsste, bräuchte sie gar keine Angst haben, da sie gar nicht letzte werden kann, wenn sie nichts setzt. Jeden Chip den sie setzen würde, würde die Differenz doppelt verringern (einmal weil sie weniger hat und einmal weil ihn Kandidatin 4 dann mehr hätte). Erst wenn Kandidatin 2 mindestens 7 setzen würde, wäre die Differenz auf 9 geschrumpftl, die Kandidatin 3 mit ihrem ungefährdeten Einsatz von 9 auf 0 schrumpfen könnten. 2 und 4 hätten dann beide 105 (was wäre eigentlich dann?). Auch 8, 7 und 9 als Einsätze würden zu einem Gleichstand führen (104) und auch 9, 5 und 10 (103).
    Mit anderen Worten: Bei einem Spiel „irgendwas aus 10“ ist bei solchen Abständen schon gar nichts mehr für die letztplatzierte Kandidatin zu machen. Besser wäre es hier gewesen ein offenes Spiel wie z.B. das Golfballspucken zu platzieren. Das hatte Kandidatin 1 übrigens voll versemmelt. Vor dem ersten Einsatz hatte ich an 7-8 Meter als mögliche Weite gedacht. Anfangseinsatz um 3 Meter um ein paar Einsätze einzusammeln um dann auf 5-6m zu erhöhen. Im Fall der Halbfinalposition um Platz 2 also 12 Anfangsgebot, 13 und 14 als Folgegebot und 20 zum Abschrecken, machen 36 Grundeinsatz + 13 und 14 = 63 als Gewinn, würde zu einer Differenz von z.B. 76 reichen (63 + 13) bzw. auch nur mal 50, wenn die Zweitplatzierte rechnen kann und nichts setzten möchte.
    Es ist also relativ unfair als „Entscheidungsspiel“ ein Spiel zu wählen, mit dem es nur einen (nicht mal nur auf die Chips) begrenzten Gesamteinsatz gibt. Auch muss man schon sehr prohetisch begabt sein, um z.B. diesen Hindernislauf ordentlich einschätzen zu können. Wie viele Stufe hat eigentlich die Treppe? Das hätte auch leicht bis Ebene 5 hochgehen können ohne dass sich die Nennung des Gesamtdistanz geändert hätte. Und dass diese Treppe dann auch gleich 4 mal begangen werden muss, wurde auch nicht gesagt. Sowas könnte man also durchaus mal vorher einblenden und vollständig erzählen.
    Die Aussage des Artikels war ja, dass es sehr leicht Fälle geben kann, in denen die Entscheidungsspiele keine Relevanz mehr haben. Stimmt! Aber mal ganz ehrlich: Ist wirklich jemand fähig während der Setzrunden in Livegeschwindigkeit im Kopf diese ganze Berechnerei durchzuführen? Auch mit der Frage „Wenn ich jetzt setze, gebe ich Gegnerin 1 die Chance noch mehr zu setzen, damit Gegnerin 2 (die mich nicht überholen darf) mehr gewinnen kann..“. Bei so großen Abständen mag das klar sein, bei Kandidatin 1 war es auch sofort klar, dass sie raus ist wenn sie nicht spielt (und hätte sie gespielt wäre sie locker auf Platz 1), aber es kann ja wirklich auch leicht sein, dass jede Differenzänderung wichtig sein kann und das auch schon im machbaren Bereich. Ich könnte das nicht.

  3. Fabian sagt:

    "Fakt ist: Es war egal, wie...
    „Fakt ist: Es war egal, wie lange Bastian auf dem Pferd stehen würde. Hätte er die 31 Sekunden geschafft sowieso. Aber auch im Fall der Niederlage wäre Kontrahentin Eliana ja mit null Chips aus der Runde herausgegangen, weil sie alle gesetzt hatte – und Nadine wäre mit ihren restlichen Chips, die sie nicht gesetzt hatte, als zweite ins Finale eingezogen“
    Hm, ich dachte eigentlich bei einer nicht gewonnenen Aufgabe würde der „Pott“ unter den anderen Teilnehmerinnen aufgeteilt (so wurde es jedenfalls in der 2. Ausgabe mehrfach erklärt und auch gehandhabt). Durch diese Pottaufteilung wäre es also auch möglich mit allen Chips ins Spiel zu gehen, überboten zu werden und am Ende doch noch weiterzukommen.

  4. E.R.Nest sagt:

    Da wird doch das Prinzip der...
    Da wird doch das Prinzip der Primarschule auf die Fernsehshow übertragen:
    Es kommt darauf an, daß die lieben Kleinen – pardon: Kandidaten – länger zusammen lernen – nein,spielen muß es in diesem Zusammenhang ja heissen. Das gebietet die soziale Gerechtigkeit.
    Ob sie am Ende etwas gewinnen können, ist doch völlig egal. Wenn jeder B- oder C-Promi am Ende seiner 5 Minuten Ruhm materiell besser stehen würde, würde man ja nur die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen.

  5. J.S. sagt:

    Sinnlose Spiele einfach...
    Sinnlose Spiele einfach aussetzen? Nö!
    Denkt mal an die WM. Da gab es am Ende der Gruppenphase auch sinnlose Spiele, wo zwei schon längst ausgeschiedene Teams gegeneinander gespielt haben. Diese einfach wegzulassen wäre gegenüber dem Zuschauer und den Partizipanten ungerecht.

  6. Tom sagt:

    @Fabian: Ich glaube die Regeln...
    @Fabian: Ich glaube die Regeln wurden vor der zweiten Show geändert. In der Ersten wurde der Pott nicht aufgeteilt.

  7. @J.S.
    Der Unterschied ist aber...

    @J.S.
    Der Unterschied ist aber , dass hier von der Moderatorin auf Spannung gemacht wird, während bei der WM jedem klar ist, dass es um nix mehr geht.
    Im übrigen verstehe ich hier das Beispiel mit Eliana und Nadine nicht.
    Kanns mir noch mal wer erklären ?
    Wenn Eliana gewinnt und Nadine verliert, hätte Eliana doch mehr Chips als Nadine, oder ? Weil sie den Jackpot ja gewinnt.
    Vielleicht kann der Autor noch ergänzen, wieiviele Chips Nadine nicht gesetzt hat. Wenn ich das richtig verstehe, ist das für den Ausgang der Competition nicht unwesentlich.

  8. Simon sagt:

    Beim Lesen der Überschrift...
    Beim Lesen der Überschrift hatte ich eigentlich erst gehofft, in dem Artikel würde es über die völlig gekünstelt wirkenden und extrovertierten Kandidaten gehen.

  9. TomTom sagt:

    Hallo?
    Kann sich noch jemand...

    Hallo?
    Kann sich noch jemand an Tutti Frutti mit Hugo Egon B. erinnern?
    Auch da gabs Regeln – offiziell…
    War aber im Endeffekt völlig egal, gings doch nur darum die „Früchtchen“ zu entkleiden. Gibts doch gar keinen Unterschied zu heute: Hauptsache die Leute GLAUBEN, dass es um irgendwas geht!

  10. roman g sagt:

    @Mumpakl:
    Sabine&matthias...

    @Mumpakl:
    Sabine&matthias (also die von dir so bezeichneten kandidaten 4) hätten rein rechnerisch 3 chancen gehabt aufzusteigen. Jede dieser möglichkeiten setzt jedoch ein extrem dummes verhalten von bianca (kandidatin 2) und ein zumindest als eigenartig zu bezeichnendes verhalten von kristina (kandidatin 3) voraus:
    K2, K3, K4:
    8, 9, 10
    9, 7, 10
    9, 6, 10
    Weiters hätte es 2 chancen auf ein unentschieden zw. k2 und k4 gegeben, wobei mich die reaktion von fr. hagedorn auf ein solches ergebnis tatsächlich sehr amüsiert hätte:
    K2, K3, K4:
    7, 9, 10
    9, 5, 10
    Die beiden restlichen gleichstands-varianten wären wegen der logik der setzreihenfolge nicht möglich gewesen:
    K2, K3, K4:
    8, 7, 10
    8, 7, 9
    Wenn ich die gestik von sebastian (k2) während des setzens seiner frau richtig interpretiert habe, dann war er der einzige im studio, dem diese problematik – zumindest ansatzweise – bewusst war. Er musste ja nicht alles vollständig nachrechnen, aber er konnte durchaus überschlagsmäßig behirnen, dass sie sicher weiter kämen, wenn seine frau ganz einfach nichts setzt.
    @Nurmalsozwischendurch:
    Klar gibts bei den privaten auf der einen seite tuttifrutti oder call-in-shows, aber andererseits gibts ja auch wer-wird-millionär oder schlag-den-raab. D.h ein privatfernsehquizshowmensch zu sein bedeutet nicht absolut 100%ig zwingend seine würde mitsamt restgehirn beim portier des studios abgeben zu müssen. Einzelne schaffen es durchaus etwas sehenswertes zu produzieren.
    Zur gestrigen sendung:
    Mit den punktedifferenzen beim setzen hatte sat1 diesmal glück gehabt. Stattdessen gabs dann diese sätze zu hören: „Das ist ein bananenblatt. …Hier stehen 10 sträucher mit den blättern von bäumen dran. …Wir wollen den namen des baumes hören. …Die 8 ist die palme.“
    Bananengewächs, strauch, baum oder palme? Ist sat1 anscheinend völlig egal, alles ist irgendwie grün. Und das verb „pflanzen“ bedeutet im wienerischen ohnehin „zum narren halten“, „frotzeln“, „jemanden auf den arm nehmen“.

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