Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel

| 27 Lesermeinungen

Wo man auch hinsieht im deutschen Fernsehen: Überall werden gerade Filme über Kreuzfahrtschiffe gezeigt und die fantastischen Urlaube, die man darauf verbringen kann. Den Reiseveranstaltern kann es nur recht sein: Mancher Bericht ist besser für sie als jeder Werbespot. Und viele Journalisten vergessen an Bord vor lauter Sonnenuntergängen, dass sie nicht fürs Schwärmen bezahlt werden. Eine Bestandsaufnahme.

Vor anderthalb Wochen ist bei Hinnerk Baumgarten Urlaubsstimmung ausgebrochen. Der NDR-Moderator stand an einem Pult mit Aussicht auf den Hamburger Hafen, hinter ihm zog die „Parade der Traumschiffe“ vorbei und Baumgarten war ganz begeistert von der Urlaubsdampfer-Polonaise: „Da denkt man gleich an die nächste Kreuzfahrt, oder?“, fragte der NDR-Mann die Schauspielerin Saskia Valencia, die ihm als qualifizierte Kommentatorin zur Seite stand, weil sie schon mal auf dem „Traumschiff“ gedreht hatte.

„Lust hätt‘ ich schon“, sagte Valencia und berichtete von eigenen Erlebnissen auf See: „Man weiß, dass der Service dort außergewöhnlich ist. Die Qualität ist hervorragend. Es ist immer alles picobello sauber. Das Personal ist bemüht, den Gästen an Bord jeden Wunsch von den Augen ablesen zu lassen. Man kann so richtig die Seele baumeln lassen.“

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Hafenkapitän Pollmann, K. von Stürmer, Moderator Baumgarten, S. Valencia (v.l.) / Screenshot: NDR

Die NDR-Kreuzfahrtexpertin Kerstin von Stürmer konnte dem nur zustimmen: „Die Reedereien haben sich vieles einfallen lassen. Sie bieten inzwischen eine Bandbreite für alle Ansprüche. Das hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert und da ist auch für jeden was dabei.“ Zumindest für jeden NDR-Reporter. „Ich würde glatt einsteigen und mitfahren“, berichtete Stürmer. „Jederzeit würde ich wieder aufs Schiff gehen.“ Zum Beispiel auf die der AIDA-Flotte, „die Revolution auf dem Kreuzfahrtmarkt“: „Die haben echt gute Arbeit geleistet!“, erklärte die NDR-Frau. Hafenkapitän Jörg Pollmann kam zurück auf die „Parade“: „So ein Start in die Kreuzfahrt. Schöner geht’s nicht.“ Und „Traumschiff“-Profi Valencia riskierte sogar einen Blick in die Zukunft: „Ich wette, all die Menschen, die hier sind, sind potenzielle Kreuzfahrer. Die werden infiziert heute Abend.“

Zwei Stunden berichtete der NDR am Samstag vor zwei Wochen von den Hamburger „Cruise Days“, und alle waren so begeistert, dass man zuhause schon den Rechner aufgeklappt hatte, um den nächsten Urlaub zu buchen.

„Das ist ja wirklich die allerbeste Werbung für eine Reise mit dem Kreuzfahrtschiff“, bemerkte NDR-Reporter Christian Buhk zwischendurch über das Spektakel. Es war aber nicht auf die eigene Rolle darin bezogen. Genauso wenig wie Baumgartens Erkenntnis: „Da wird schon eine gewisse Sehnsucht geweckt, das machen die schon sehr geschickt. Die Marketingexperten denken sich immer neue Ideen aus, um Gäste an Bord zu locken!“

Ganz so schwer kann dieser Job nicht sein. Jedenfalls nicht so lange es Sender gibt, die zwei Stunden ihres Abendprogramms freiräumen, um freiwillig eine Werbesendung für die Tourismusbranche zu produzieren.

Der NDR ist mit seiner Begeisterung nicht allein. Wo man auch hinsieht im deutschen Fernsehen: Überall werden gerade Filme über Kreuzfahrtschiffe gezeigt und die fantastischen Urlaube, die man darauf verbringen kann – vom ZDF-„Traumschiff“, das bereits seit 1981 über die Weltmeere schippert (und mit „Kreuzfahrt ins Glück“ 2006 einen Ableger bekommen hat), ganz zu schweigen. Es gibt Reportagen über Schiffe, die neu vom Stapel laufen, ganze Serien, in denen Passagiergeschichten erzählt werden, und neuerdings Shows, die komplett an Bord produziert sind, so wie „Der Kreuzfahrtkönig“, der vergangene Woche bei RTL 2 startete (aber wegen mieser Quoten jetzt nur noch am Vormittag läuft).

Den Veranstaltern, die einem Millionenpublikum zeigen können, wie toll es sich auf See entspannen lässt, kann dieser Eifer nur recht sein. Seitdem die Unternehmen mit neuen Konzepten und modernen Schiffen auf ein jüngeres Publikum zielen, ist der Kreuzfahrtmarkt zum Milliardengeschäft geworden. Der Deutsche Reiseverband schwärmt für 2009 von einem Wachstum der Hochseekreuzfahrten um 14 Prozent. 2008 waren es schon einmal fast 18 Prozent Zuwachs. Kreuzfahrten gehörten zu den „am stärksten wachsenden touristischen Segmenten“: mehr Gäste, mehr Umsatz – und mehr Aufmerksamkeit. Bisher beträgt der Anteil der Seefahrten nur 1 Prozent am gesamten Reisemarkt. In Großbritannien sind es zwei bis drei. Da wollen die deutschen Veranstalter auch hin.

In der Branche ist von „Boomjahren“ die Rede. 2009 hat der Reisekonzern TUI sein erstes Schiff allein für den deutschen Markt vom Stapel gelassen, im Mai 2011 folgt das zweite. Konkurrent AIDA Cruises will die Flotte gleich mit zwei neuen Schiffen ergänzen. Die Expansion wird von entsprechenden Werbemaßnahmen begleitet. Und manchmal auch von Kamerateams, die zum Teil kostenlos mitfahren dürfen und nachher in ihren Berichten jegliche Objektivität über Bord werfen.

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Screenshots: NDR, RTL, ZDF, RTL 2

Als TUI im vergangenen Jahr „Mein Schiff“ taufte, war der NDR live dabei. „Spiegel TV Extra“ durfte die anschließende „Kreuzfahrt ins Glück“ mitmachen und lobte die Bordbehandlung vom „Wellness-Spezialisten“ („Von 8 bis 21 Uhr können sich die Passagiere im Spa-Bereich verwöhnen lassen“). „30 Minuten Deutschland“ auf RTL widmete eine Ausgabe dem Thema „Fußball-Traumschiff: Mit dem Luxusliner zur WM“ und lieferte gleich Buchungstipps dazu (pdf). Das ZDF reiste mit der AIDA-Konkurrenz die Strecke „Hamburg – New York“ und zeigte „Menschen, die es wagen, ihre Träume zu leben“ (Video). Kürzlich berichtete „Wiso“ über die Ausbildung, die Lehrlinge auf der AIDA genießen, und die „Vielseitigkeit der technischen Herausforderungen“ (Video der Sendung). N24 zeigte in der „Operation Kreuzfahrtschiff“ den Bau eines neuen Dampfers. RTL spielte vor drei Wochen den RTL-2-„Kreuzfahrtkönig“ schon mal in „Mitten im Leben“ durch. Ausgerechnet der ZDF-„Landarzt“ wurde im Juni für Dreharbeiten zur See auf „Mein Schiff“ geschickt (pdf-Pressemitteilung). Letztes Jahr war dort schon Horst Lichter für „Die Küchenschlacht“ zu Gast. Der seefahrtkompetente BR drehte fürs Erste die 20-teilge Dokusoap „Verrückt nach Meer“, die seitdem fast täglich in den Dritten wiederholt wird (mit Episodennamen wie „Tierisch was los auf Teneriffa“, „Frühlingsträume auf Madeira“ und „Canaria á la Carte“). Mit „Die Kreuzfahrt“ legte der NDR eine eigene Reihe nach. Ende vergangenen Jahres drehte die ARD „Um Himmels Willen“ auf der MSC Fantasia. Nur die vom HR beauftragten Dreharbeiten zur Show „Das Hochzeitsschiff“, in der Paare um ihre Hochzeitsreise spielen sollen, mussten im Frühjahr wegen der Aschewolke verschoben werden. Die Bewerbungsfrist für den nächsten Versuch ist gerade abgelaufen.

Die Veranstalter von Safarireisen und Arktisexpeditionen müssen grün sein vor Neid. In jedem Fall steht die Fülle der Sendungen, die sich mit dem Thema beschäftigen, in keinem Verhältnis zu dessen tatsächlicher Bedeutung. Aber die Bilder sind halt so schön.

„Wenn die Sender auf uns zukommen, um Reportagen zu drehen, sagen wir natürlich nicht nein“, erklärt Friederike Grönemeyer, Sprecherin von TUI Cruises. Hansjörg Kunze, Sprecher von AIDA Cruises, sagt: „Wir können uns nicht über einen Mangel an Aufmerksamkeit beschweren.“ Regelmäßig bieten die Unternehmen Themen für Berichte an. Die meisten Anfragen kommen aber von den Journalisten selbst. „Es ist ja niemand verpflichtet, ausschließlich positiv zu berichten“, sagt Kunze. „Aber natürlich wächst auch bei Journalisten der Enthusiasmus, wenn ein nagelneues Schiff ablegt. Da ist schon überwiegend große Begeisterung für die Seefahrerromantik zu spüren.“

Beim NDR müssen die Berichterstatter – wie bei den „Cruise Days“ – dafür noch nicht mal an Bord sein. NDR-Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz sagt: „Wir sind uns des Problems bewusst. Auf der einen Seite geht es um maritime Wirtschaft, die für den NDR besonders interessant ist. Mir ist aber auch klar, dass da werbliche Effekte entstehen.“ Deshalb seien Regeln festgelegt worden, um solche Effekte möglichst gering zu halten oder ganz zu vermeiden: „Ob berichtet wird, liegt letztlich auch daran, ob sich die Veranstalter auf unsere Bedingungen einlassen“, sagt Cichowicz. (Mehr dazu im vollständigen Interview.)

Es ist ja auch nicht so, dass der NDR die Konsequenzen der Kreuzfahrtindustrie vollständig ausblenden würde. Umweltschützer kommen mit kritischen Kommentaren in Nachrichtensendungen sehr wohl zu Wort. In den großen Reportagen fehlen die heiklen Themen oft aber ganz. Dass viele Schiffe nicht unter deutscher, sondern unter „billiger Flagge“ fahren, wäre dabei durchaus spannend zu betrachten. Dieter Benze von Verdi, der sich mit den Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen beschäftigt, sagt:

„Da findet kein deutsches Arbeitsrecht Anwendung. Es gibt sehr oft befristete Verträge, der Urlaub wird während der Fahrzeit abgegolten, nach sieben Monaten ist alles vorbei – und wer dann krank wird, hat Pech. Natürlich wird versucht, auf Personalseite die Kosten zu drücken. Viele Passagiere können das gar nicht bewerten.“

Die meisten sehen nur die Sonnenuntergänge auf See oder die tollen Schiffe bei den „Events“, wie Cichowicz die Marketingveranstaltungen der Großunternehmen nennt: „Schiffstaufen ziehen zehntausende Leute an – das sind Events, bei denen auch der NDR gefordert ist“ (siehe auch NDR-Sendungen zu AIDA & Co.). Nach der Taufe der „Mein Schiff“ gab es im vergangenen Jahr Ärger, weil das TUI-Logo in der NDR-Übertragung im Bild zu sehen war. Cichowicz erklärt, es sei zuvor mit dem Veranstalter „vertraglich vereinbart“ gewesen, dass das nicht der Fall sein werde. Da TUI sich nicht daran gehalten habe, sei vom NDR entscheiden worden, „die Zusammenarbeit erst einmal ruhen [zu] lassen“.

Dabei sind klar erkennbare Logos gar nicht das größte Problem der Kreuzfahrtberichterstattung. Viel auffälliger ist, wenn Journalisten in Reportagen oder während Live-Übertragungen plötzlich zu Fans werden und in Schwärmereien verfallen anstatt wenigstens neutral zu berichten. Eine besonders drastische Variante dieses Jubeljournalismus lief im Mai ebenfalls im NDR: In „Vom Dock aufs Meer“ begleitete NDR-Redakteur Peter Kellner das neue Schiff AIDA blu aus der Werft auf seine erste Testfahrt.

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Screenshot: NDR

Im AIDA-Blog lobte der Kapitän des Schiffs nachher ausführlich die „enge Zusammenarbeit mit den Kollegen“ vom Fernsehen:

„Das NDR Filmteam scheute weder Schnee noch eisige Temperaturen, um die faszinierenden Bilder von AIDA blu einzufangen, die die schöne Reportage ausmachen. (…) Uns haben die Aufnahmen des NDR gut gefallen (…).“

Kein Wunder: Kellners Film sieht aus wie eine vom Veranstalter in Auftrag gegebene Werbeproduktion, die vor Positiveindrücken fast platzt (vollständiges Video bei ndr.de ansehen). Über das Schiff mit seinem „sympathischen Markenzeichen“ wusste Kellner zu berichten, dass „in anspruchsvollen Programmen“ dort „gut ausgebildete Unterhaltungskünstler“ auftreten. Wenn es im Schiffsinnern mal rumpelt, „ist in den Passagierkammern wenig zu spüren“. Und in den „Spezialrestaurants“ mit ihrem „gewünscht minimalistischen Design“ werden ausschließlich „marktfrische Zutaten“ verarbeitet, „edles Gemüse“, „fast nur Hausgemachtes“, „alles frisch“, „viel frisches Obst“, einfach eine „kulinarische Vielfalt, die dekorativ präsentiert wird“. Gegen einen „angemessenen Aufpreis“ lässt es sich in einer „Gourmet-Oase“ speisen. Es gibt dort eine „gastronomische Vielfalt, die fast alle Geschmackswünsche erfüllt“. Auf der Shoppingmeile warten „verführerische Angebote“ (an Seetagen sogar 20 Prozent günstiger). In der schiffseigenen Brauerei wird „natürlich nach deutschem Reinheitsgebot“ gebraut, „vorzüglich“ schmeckt es.

Können Sie noch?

Die Sicherheitsmaßnahmen sind so streng, dass man sich „im Ernstfall [darauf] verlassen kann“. „Zahlreiche Trainings- und Sportmöglichkeiten“ sind selbstverständlich, die „Wellness-Oase“, das „Aqua-Freiluft-Paradies“ – ach, es lässt sich gar nicht alles aufzählen bei diesem „Clubschiff, das Lust macht auf Reisen und Sehnsüchte weckt“. Manche Formulierungen Kellners stammen direkt von der AIDA-Website. Und einmal sagt der Off-Sprecher ganz direkt: „Gut beraten ist, wer vor Reisebeginn eine Zusatzversicherung abschließt: Dann ist man bei Doktor Bettina Bauer auf der sicheren Seite.“ Die Zusatzversicherung ist Teil des AIDA-„Komfortschutz-Pakets“.

„Unsere Philosophie ist: alles kann, nichts muss“, verrät der Schiffsmanager dem NDR-Journalisten im Interview. Und dann ist da noch der Kapitän, der als „Papst der Besatzung“ bezeichnet wird und sagt: „Ich bin ein Kapitän zum Anfassen.“ Ja, genau: der Kapitän, der in seinem Blogeintrag die Zusammenarbeit mit dem NDR lobt.

Kritische Anmerkungen spart sich Kellner ganz: Die Bedenken von Umweltschützern, die den Ausbau der Ems kritisieren, über die die Schiffe von der Werft aufs Wasser gebracht werden, wischt er schon am Anfang beiseite. Die Werft unterstütze ja „umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen“. Für die Crew, die hauptsächlich auf den Philippinen rekrutiert wurde, sei die Arbeitskleidung „kostenlos“, es gebe „ein relativ gutes Einkommen“ – im Vergleich zum Heimatland.

Darauf angesprochen, wie dieses Wirtschaftsförderungsfernsehen zu den strengen Richtlinien im NDR passt, erklärt Chefredakteur Cichowicz, für die Reportage nicht zuständig zu sein, da diese auf einem Sendeplatz lief, der von den Landesfunkhäusern des Senders bespielt wird. Zuständig ist Marlies Fertmann, Fernsehchefin des Landesfunkhauses Niedersachsen. Die Frage, wie eine solche Reportage im Sender durchgelassen werden kann, möchte sie lieber nicht direkt beantworten und verweist darauf, dass man sich auf dem Sendeplatz am Freitagabend, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, „nicht mit harten Dokumentationen beschäftigt“: „Die dort platzierten Filme zeigen norddeutsche und maritime Themen, Menschen und Landschaften.“

Produktionshilfe seitens AIDA Cruises habe es bei den Dreharbeiten keine gegeben. Die Reise für das sechsköpfige Filmteam habe der NDR komplett bezahlt. Wie schön: Beim Norddeutschen Rundfunk werden Werbefilmchen für die Touristikunternehmen also mit Gebühren bezahlt und niemand stört sich daran. Eines sagt Fertmann dann aber doch ganz direkt:

„Eine Inszenierung von Marken oder Logos hat es in dieser Reportage nicht gegeben.“

Und so sieht das dann aus, wenn beim NDR auf Marken-Inszenierungen verzichtet wird:

Bild zu: See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel
Screenshots: NDR


27 Lesermeinungen

  1. @dent42: Das Problem ist doch...
    @dent42: Das Problem ist doch relativ einfach. Die Kreuzfahrtreedereien, die z.T. ihre Kapazitäten erheblich aufstocken und in einen verschärften Wettbewerb gehen, befinden sich in einem Verdrängungswettbewerb und kämpfen zugleich um Neukunden. Da geht es vor allen Dingen darum, dass man „Kreuzfahrten“ dem (Noch-)Nichtkunden schmackhaft macht.
    Sendungen wie das Traumschiff bieten Deilmann so viel Medialeistung, dass es für Deilmann schlicht unmöglich ist zu bezahlen. Für AIDA, TUI und Phönix gilt dasselbe. Hier geht es eher über die Schiene Doku-Soap (Verrückt nach Meer), Seriengastspielen (Landarzt etc.) und Reportagen (AIDA, TUI, Transocean).
    Solange das noch objektiv stattfindet wie bei der Spiegel-Reportage, dann mag das ja angehen. Aber wenn nur PR-Geduddel kommt, finde ich es schon schlimm.
    Auch als Kreuzfahrtfan sollte man, finde ich, einige Aspekte nicht einfach weglassen: Dazu gehört die Umweltbelastung, Ressourcenverschwendung, Auswirkungen durch Massentourismus (schon mal 3.000 Passagiere in einem Fjord gesehen?) und Arbeitsbedingungen an Bord. Wer möchte schon bis zu zwei Jahren ununterbrochen an Bord einer Innenkabine leben und einen bis zu 12 Stunden Tag haben zu einem für unsere Verhältnisse grottigen Lohn? In den Reportagen sieht man aber eher Kreuzfahrtdirektor, Entertainer und natürlich den Kapitän, die alle paar Monate für ebenfalls einige Monate nach Hause dürfen. Und genau das ist das Problem: Hier wird bekommt eine Branche eine (Werbe-)Plattform und es fehlt vollständig die objektive Berichterstattung.

  2. irritierter sagt:

    Also was soll's - ich habe...
    Also was soll’s – ich habe meine Ansprüche an das öffentlich rechtliche schon länger verloren. Boulevard selbst im Dritten
    … aber schon mal versucht diesen Artikel mit dem „Artikelservice“ oben rechts zu versenden? Bitte nur an gute Freunde machen ….

  3. Martin sagt:

    Mhh, wenn ich so mal ehrlich...
    Mhh, wenn ich so mal ehrlich bin, hätte man es auch richtig machen können und sich an der Sprache des Nationalszoialismus bedienen können. Dan wäre es wenigstens ehrlich geworden.
    Unbestreitbar ist diese Form des Tourismus ist schon von der freien Wirtschaft in den 20/30’iger Jahren entwickelt worden. In den 30’ger natürlich für politische Aspekte, wie Rüdiger Hachtmann, Tourismus-Geschichte © Vandenhoeck & Ruprecht 2007 sehr verständlich beschreibt:
    […]“Die »Entseelung« der Industriearbeit verstärkte wiederum das Bedürfnis nach Erholung, nach Ausspannen und Abschalten. Durch KdF – nicht nur durch das Amt »Reisen, Wandern und Urlaub«, sondern auch durch das Amt »Feierabend« und weitere Einrichtungen von DAF und KdF – sollte, so formulierte Ley, »dem schaffenden deutschen Menschen in seiner Freizeit eine völlige Ausspannung seines Körpers und seines Geistes« ermöglicht werden, damit er immer wieder neu »Höchst- und Spitzenleistungen« vollbringen könne“(Robert Ley, Durchbruch der sozialen Ehre. Reden und Gedanken für das schaffende Deutschland, 10. Aufl. München 1942, S. 24)[…] und […]Das Paradestück von KdF waren Hochseefahrten und eine eigene Hochseeflotte. Obwohl sie mit Blick auf das Gesamtvolumen des KdF-Tourismus nur eine untergeordnete Rolle spielten, wurden sie von der Propaganda in den Vordergrund geschoben. Denn die Hochseereisen schienen die von den Nazis behauptete »Brechung bürgerlicher Privilegien« besonders eindrucksvoll zu versinnbildlichen. Vormals waren Luxusdampfer schwimmende und ausdrucksstarke Symbole der Klassengesellschaft gewesen: auf der einen Seite komfortable Kabinen für die 1. Klasse, luxuriöse Ball- und Speisesäle, ein aufwendiges Kultur- und Konzertprogramm, zahllose Stewards;[…]Wichtig für die Popularisierung von KdF waren in einer Zeit, in der das Fernsehen noch nicht verbreitet war,
    außerdem die Wochenschauen, die den Kinofilmen vorangestellt wurden. Sie zeigten die Abfahrt von KdF-Reisenden und prägten das Klischee vom KdF-Tourismus, der allen Sozialschichten offenstand. Selbst Arbeiter, die KdF nur vom Hörensagen kannten und selbst »bisher noch nie in der Lage gewesen waren, in all den Jahren an einer einzigen KdF-Fahrt teilzunehmen«, ließen sich von den sozialtouristischen Errungenschaften des Regimes beeindrucken; sie meinten, »sie läsen doch immer und immer wieder, dass so und so viele Arbeiter an den KdF-Fahrten teilnähmen«. Die Omnipräsenz von KdF in der nazistischen Öffentlichkeit unterfütterte gleichsam die mündliche Propaganda begeisterter KdF-Reisender. […]
    Ich persönlich finde es immer wieder interessant, wie modern die Nationalsoziallisten doch waren, oder wie rückständig heutige Journalisten beim NDR doch sind. Doch sind. Nur anhand Ihrer Zitaten und Berichtschreibung erinnert. Was mir noch einfällt, angenommen, der deutsche Bruderstaat im Osten hätte sich der Errungschaften bedinet, wie würden doch alle schreien: Diktator, Satsi, Kommunismus, … Aber wie schön sagt die Titanic:“ So locker ist Schland!“

  4. Diekster sagt:

    Schön, daß jemand die...
    Schön, daß jemand die Thematik mal aufgreift. Die Jubel- Berichterstattung gerade des NDR, gerade in Bezug auf die Meyer- Werft Papenburg, geht mir schon lange auf den Sender. Gerade jetzt, wo größenwahnsinnige leitende Mitarbeiter wie z.B Frau Beatrice Claus vom WWF oder Herr Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler vom BUND einen Kanal parallel zur Ems verlangen um selbige zu „retten“. In den Ausbau der Ems sind mittlerweile dreistellig Steuermillionen geflossen, exklusiv für die Meyer- Werft, denn der übrige Schiffsverkehr kann die Ems gut nutzen. Das „Sperrwerk“ Gandersum zum Beispiel kostete in der Endabrechnung bummelig 250.000.000 Euro. Nähere Infos, wen es interessiert: http://www.kein-ems-kanal.de

  5. Moritz sagt:

    Der oben verlinkte Artikel...
    Der oben verlinkte Artikel „Shipping Out: On the (nearly lethal) comforts of a luxury cruise“ von David Foster Wallace, 1996, beschreibt einige unschöne Seiten einer Kreuzfahrt. Den Text kann ich jedem, der einigermaßen Englisch kann und mal wieder einen toll geschriebenen, hintergründigen und lustigen Essay lesen will, nur empfehlen.
    So ganz offtopic ist das auch nicht, im Text kommt eine längere Passage vor in der er die von einem ihm bekannten Autor verfasste Schleichwerbung als solche enttarnt.

  6. Schade das man wieder –...
    Schade das man wieder – anders als in den USA – nach der Nadel im Heuhaufen, dem Kritikansatz, dem negativen sucht. Wer, wie Harald, die Reportage-Tätigkeit eines TV-Teams als „Urlaub“ bezeichnet, denkt bei dem – „kurz“ ausgestrahlten – Tagesschau-Produkt auch nur an eine 2-Mann-15-Minuten-Tätigkeit.

  7. Julian sagt:

    Immer mehr Kreuzfahrtschiffe...
    Immer mehr Kreuzfahrtschiffe im TV… Das ist uns auch schon aufgefallen (siehe Link)
    Es ist aber wirklich erstaunlich wieviele Kreuzfahrtsendungen es im TV gibt. Angefangen hat es bei dem Traumschiff (das ja auch seine Schwierigkeiten hat im echten Leben zu überleben), aber auch neuere Schiffe wollen die TV-Präsenz. Leider sind einige damit bereits kläglich gescheitert (siehe Kreuzfahrtkönig). Man sollte sich eben immer überlegen in welchem Umfeld man sein Schiff zeigt. Reedereien haben den Dreh da noch nicht ganz raus.

  8. Warum soll ein Hamburger...
    Warum soll ein Hamburger Sender nicht von einem Hamburger Großereignis berichten, das Hundertausende anlockt? Wie er das macht ist natürlich zu krittisieren. Da schließe ich mich meinem Vorredner Franz an. Aber ist nicht sämtliche Berichterstattung oberflächlich? Man haut tendenziös Themen raus ohne die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen.
    Dass eine Häufigkeit von Schiffssendungen stattfindet ist doch normal. Wenn irgenwo Hochwasser oder Brände sind wird doch bis zum Erbrechen darüber berichtet. Kreuzfahrt ist im Moment eine Boombranche dann wird auch ausführlich drüber berichtet, bis dem Zuschauer die vielen Hochzeiten an Bord lästig sind und er das Interesse verliert.

  9. Siggi sagt:

    Dafür gehen die Gebühren...
    Dafür gehen die Gebühren dahin. Ach nein ich vergaß: Volksmusik wird auch gerne und viel subventioniert. So generieren sich die Öffentlich-Rechtlichen Ihre Zielgruppe selbst. Auch wenn der Altersdurschnitt des gemeinen TV-Zuschauers immer weiter sinkt, so sollte man dies nicht automatisch von seinem Intellekt annehmen!

  10. Und wer hat's erfunden? Der...
    Und wer hat’s erfunden? Der Ossi. Noch vor „Love Boat“ und „Traumschiff“ stach die J.G. Fichte in befreundete Gewässer („Zur See“, Produktion 1974-1976).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_See
    Nirgends war wohl die Sehnsucht und das Fernweh größer als in der ehemaligen DDR. Heute ist es vielleicht nur eine Flucht vor noch grauenvolleren TV-Formaten. Und a bisserl romantisch is es auch. Mir ist das ja ohne Eisberg alles nix.

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