Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Neu: RTL 2 macht das Gespür für Mitgefühl täglich erlebbar

| 20 Lesermeinungen

In einer fast unwirklichen Pressemitteilung kündigt RTL 2 an, "Maßnahmen zur Sicherung der Programmqualität" einführen zu wollen. War der Trash die ganzen Jahre nur ein schrecklicher Irrtum? Werden die Zuschauer das Programm noch wiedererkennen? Fragen über Fragen.

„Trash“ nennen Kritiker das, was RTL 2 zeigt. Eigentlich tun sie das fast immer schon, angesichts der Menschen-, Tier- und vor allem Zuschauer-verachtenden neuen Programme, die der Sender in diesen Tagen gestartet hat, aber gerade wieder besonders intensiv.

Heute hat RTL 2 in einer erstaunlichen (und bislang nicht als Fake enttarnten) Pressemitteilung seinen Kritikern recht gegeben und Besserung gelobt. Natürlich ist darin nicht von „Trash“ die Rede. Aber unter einer dünnglänzenden Oberfläche aus PR-Deutsch ist der Vorwurf unschwer zu erkennen. Indirekt räumt der mysteriös mit dem Chefsessel verwachsene, öffentlichkeitsscheue Geschäftsführer Jochen Starke sogar ein, dass es seinem Programm an Mitgefühl und gesellschaftlicher Verantwortung fehlte. Starke lässt sich mit den Worten zitieren:

„Wir legen Wert darauf, dass RTL II als ein Sender wahrgenommen wird, der Unterhaltung und innovative, auch kontroverse Formate mit einem Gespür für Mitgefühl und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Unser neues Qualitätsmanagement wird uns dabei helfen, dieses Bewusstsein im Programm täglich erlebbar zu machen.“

Neue Formate sollen künftig einen „standadisierten Evaluationsprozess“ durchlaufen, der den gesamten Sender, von der Redaktion über das Marketing und die Werbevermarktung bis zur Geschäftsführung, einbezieht. „Auf diese Weise wird sichergestellt“, formuliert der Sender weiter, „dass die Programme von RTL II künftig in größerem Maße als bisher den qualitativen Ansprüchen gerecht werden, die der TV-Sender mit dem Start seiner neuen Markenpositionierung ‚it’s fun.‘ im vergangenen Jahr Zuschauern und Werbekunden versprochen hat.“ So deutlich hat selten ein Sender formuliert, dass seine gegenwärtigen Programme erbärmlich sind.

Bild zu: Neu: RTL 2 macht das Gespür für Mitgefühl täglich erlebbarÜberhaupt ist von „qualitativen Ansprüchen“ im deutschen Fernsehen selten die Rede, und vermutlich wäre es auch zu dieser plötzlichen Erkenntnis nicht gekommen, wenn viele der neuen Sendungen nicht vor allem den quantitativen Ansprüchen der Werbekunden und der Gesellschafter nicht genügt hätten. Nur eine sympathisch überschaubare Zahl von Menschen wollte zusehen, wie sich RTL 2 auf bösartigste Weise über einfache, dicke Menschen lustig machte, die der Sender zu diesem Zweck ins „Abenteuer Afrika“ geschickt hatte, und auch der Versuch der Drag-Queen Olivia Jones, mithilfe von Plüschohren und einer Ganzkörpermaske aus Kamel-Dung unerkannt unter Dromedare leben zu können („Das Tier in mir“) stieß auf nachvollziehbar wenig Interesse.

Hinter den Erwartungen zurück blieb auch die Quote der Aufklärungs-Doku-Soap „Generation Ahnungslos“; die harmlos-doofe Mittelmeer-Game-Show „Der Kreuzfahrt-König“ ist nach nur drei Folgen aus dem Programm genommen worden. Die tägliche Vorabend-Fake-Dokumentation „X-Diaries“ hat zwar einige Zuschauer – ihre Zahl steht aber in keinem Verhältnis zur Blödheit der schlecht erfundenen Sex-Geschichten aus dem Urlaub.

Nun kann es natürlich sein, dass der Trash einfach nicht trashig genug war – andererseits müsste man dann angesichts des RTL-2-Programms die unter Wissenschaftlern noch umstrittene Frage klären, ob es nicht selbst bei Fernsehqualität einen absoluten Nullpunkt gibt oder es sich um ein tatsächlich bodenloses Phänomen handelt.

Zumindest für den Moment scheint RTL 2 die Antwort nicht herausfinden zu wollen. Zum „neuen“ „Qualitätsmanagement“ scheint auch zu gehören, dass man sich von der Unterhaltungschefin getrennt hat – „im gegenseitigen, freundschaftlichen Einvernehmen“ natürlich, aber offenbar doch mit Differenzen, was die Erlebbarkeit des „Gespürs für Mitgefühl und gesellschaftliche Verantwortung“ im Programm angeht.

Der Name von Programmdirektor Holger Andersen, der vor nicht einmal einem Jahr von RTL zum kleineren Halbschwestersender gewechselt ist, taucht in der Pressemitteilung nicht auf. Vor einem Monat hatte er in einem Interview gesagt: „Wir wollen auffallen, aber mit Qualität.“ Das klang damals schon irgendwie falsch.

Foto: RTL 2


20 Lesermeinungen

  1. Und Starke sagt gegenüber...
    Und Starke sagt gegenüber DWDL: „Ein neues Denken kann man nicht einfach top-down verordnen.“ Puhhhhh….Gruselsprache…gibt’s demnächst bestimmt auch als App…

  2. Nun,ausser Dexter und...
    Nun,ausser Dexter und Flashpoint, und dafür soll jetzt eine Person herhalten,wei ldie anderen es nicht gemerkt haben`?

  3. Mathias sagt:

    "Das Tier in mir" und...
    „Das Tier in mir“ und „Generation Ahnungslos“ basieren übrigens auf Sendungen der BBC. Nur mal so als Anmerkung, weil die BBC ja in Diskussionen auf diesem Blog gerne mal als leuchtendes Vorbild genutzt wird. Auf der Insel ist also auch nicht alles hochqualitatives, anspruchsvolles Oberschichtenfernsehen.

  4. Carl sagt:

    Mein Tipp: Die...
    Mein Tipp: Die Qualitätssicherung direkt auf den „Ramadanverantwortlichen“ Carsten Molis ausdehnen.
    Interessante links:
    https://www.news-ag-insolvenz.de/html/vorstand_molis.html
    https://www.news-ag-insolvenz.de/html/hussmann_2.html

  5. Oma Schmitz sagt:

    @ Mathias
    Gute Anmerkung. Ich...

    @ Mathias
    Gute Anmerkung. Ich kenne das BBC-Original von „Generation Ahnungslos“ nicht, aber mir ist schon mehrfach aufgefallen, wie eigentlich schöne und ungewöhnliche BBC-Formate in Deutschland verhunzt wurden: Überdreht, überspitzt, schlecht gecastet, schlecht geschnitten, dumm betextet, langweilige Musik etc.
    Gerade die Privatsender nutzen BBC-Realityformate vor allem, um im Trashsegment aufzufallen: Billig produziert, Talk of the town und Quote über Senderdurchschnitt. Das liegt wohl an den vielen deutschen unterqualifzierten TV-Redakteuren, die den Produzenten in die Arbeit quatschen und sich bemühen, irgendwelche Qualitätsvorgaben auf Teppichhöhe noch zu unterschreiten. Nur wer dieses Raster erfüllt, kann seinen überbezahlten Wichtigtuer-Job behalten.

  6. Uli G. sagt:

    Und ich hab am Samstag abend...
    Und ich hab am Samstag abend schon gedacht, jemand hätte meine Sender durcheinander gebracht, als „Elisabeth“ um 20:15 bei RTL2 lief…
    Wenn jetzt noch Mitgefühl mit den selbst produzierten Ausgestoßenen der eigenen Sendungen hinzu kommt, macht der Sender ja alles richtig, oder?

  7. Stephanie sagt:

    Mit den neuen Sendungen hat...
    Mit den neuen Sendungen hat die Qualität des deutschen Fernsehens einen neuen Tiefpunkt erreicht. Da sinkt nur beim Vorbeizappen der IQ.

  8. Für Verdummung ist Sarrazin...
    Für Verdummung ist Sarrazin zuständig. Also für die Ächtung. Der weiß immer, wo und weshalb.

  9. Nina sagt:

    Ich glaube, dass Serien wie...
    Ich glaube, dass Serien wie Dexter oder Californication nicht angenommen werden, liegt vor allem daran, dass die Sendezeiten für solche Serien einfach total daneben sind. Ich hab mich ja echt gefreut, als ich vor Monaten mal Ankündigungen sah, dass diese Sendungen wieder laufen sollen. Und dann werden sie mitten in der Nacht gezeigt, teilweise erst Monate später und noch nicht mal regelmäßig, so dass man nur durch Zufall mal darüber stolpert, wenn man zu diesem Zeitpunkt nicht schon schläft.

  10. Moss sagt:

    @Larry: Blogger.com findet...
    @Larry: Blogger.com findet Dein Blog nicht.

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