Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Kleine Product-Placement-Bilanz (3): Alles nur Fassade

| 7 Lesermeinungen

Anstatt sich an echte Produktplatzierungen heranzuwagen, experimentiert RTL lieber mit animierten Sonderwerbeformen, etwa bei "GZSZ". Und beim kleinen Bruder RTL 2 guckt Programmdirektor Holger Andersen scheinbar selten das eigene Programm. So merkt er wenigstens nicht, wenn er in Interviews aus Versehen flunkert.

Seit April ist Product Placement im deutschen Fernsehen erlaubt. Der Gesetzgeber hat Sender und Landesmedienanstalten dafür wortreiche Ausnahmefälle und Bedingungen formulieren lassen. Dabei ist ja viel spannender, was davon am Ende beim Publikum ankommt. In loser Folge schaut sich das Fernsehblog deshalb die Ergebnisse an.

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Irgendwie traut sich RTL noch nicht so richtig. Vielleicht, weil es noch keine zündende Idee gab (was ein bisschen enttäuschend wäre), vielleicht auch, weil man sich mit den Produzenten noch nicht einig wurde, wer zu welchen Anteilen von den Produktplatzierungen profitiert und wieviel die Kunden überhaupt zahlen sollen. Ganz aufs Experimentieren wollte man in Köln dann aber auch nicht verzichten. Herausgekommen ist ein neue Sonderwerbeform, die ein bisschen nach Product Placement aussieht, aber keines ist.

Anfang des Monats lief in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ eine quasi in die Sendung integrierte Werbung. Ferrero hatte für seine Dragee-Marke Tic Tac eine Werbefläche am Kiosk gebucht, das zur „GZSZ“-Kulisse gehört. Die Szene war jedoch losgelöst von der Handlung unmittelbar vor Beginn der Werbepause zu sehen. Das eigentliche Geschehen wurde abgeblendet, für einige Sekunden erschien eine Fassadenansicht des Kiosks, an dem das Plakat befestigt war. Anschließend zoomte die Kamera in das Plakat hinein und im Splitscreen lief daraufhin der reguläre Tic-Tac-Spot.

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (3): Alles nur Fassade
Screenshot: RTL

Welchen Vorteil Ferrero von der Kiosk-Einblendung gehabt haben soll, ist mir nicht ersichtlich. Ein regulärer Splitscreen-Spot hätte es genauso getan.

Dass am linken Bildrand im Splitscreen das „Spätkauf“-Schild stehen bleibt (nachdem es vorher von der rechten auf die linke Seite gewechselt ist), ist eher albern – und der Programmhinweis unten angesichts dessen, dass gerade „GZSZ“ läuft und sich die meisten Zuschauer 18 Jahre nach dem Start an die Sendezeit gewöhnt haben dürften, ein Witz.

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (3): Alles nur Fassade
Screenshots: RTL

Vielleicht wagt sich in Köln bald doch mal jemand, eine echte Produktplatzierung zu entwickeln, die in puncto Kreativität ein bisschen eindrucksvoller ist. Bei Pro Sieben Sat.1 ist der Mut größer, und damit meine ich nicht die schäbige Schleichwerbung beim Frauensender Sixx. (Mehr zum Product Placement bei Pro Sieben Sat.1 im Laufe der Woche an dieser Stelle.) Die Sonderwerbeform-Spielereien von RTL sind jedenfalls vor allem überflüssig.

* * *

Eine ganz klare Linie fährt derweil der kleine Bruder RTL 2. Vor dem Start der neuen Quizshow „Der Kreuzfahrtkönig“ fragte DWDL.de den Programmdirektor Holger Andersen Mitte Juli, wie er auf die Idee zu dem Format gekommen sei: „Weil es sich so gut für Product Placement eignet, wenn permanent ein Schiff zu sehen ist?“ Andersen antwortete:

„Nein, den Kreuzfahrtgesellschaften geht es gerade sehr gut, weil das Thema Kreuzfahrten boomt. Nie haben so viel Deutsche eine Kreuzfahrt gemacht wie im vergangenen Jahr. Das war für uns Anlass uns mit der Idee dieser Sendung zu befassen. Ein Product Placement gibt es nicht.“

Dass im Bild trotzdem permanent ein Schiff zu sehen war, ließ sich freilich nicht vermeiden. Zum Beispiel in der letzten Episode, die Anfang September im Vormittagsprogramm von RTL 2 lief, wo man den „Kreuzfahrtkönig“ wegen indiskutabler Quoten hinverbannt hatte, und in der die Kandidaten in Schottland Holzstäbe gegen Pfosten werfen mussten – eines der anspruchsvolleren Spiele in der Show. Dass da im Hintergrund zufällig der Dampfer vor Anker lag, mit dem Teilnehmer und Fernsehteam angereist waren, hat doch bei der Produktionsfirma keiner ahnen können!

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (3): Alles nur Fassade
Screenshot: RTL 2

Und wer weiß, wer diese seltsame Kennzeichnung in die Sendung geschmuggelt hat, die am Anfang und am Ende am oberen Bildrand eingeblendet wurde.

Der Programmdirektor bestimmt nicht.

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (3): Alles nur Fassade
Screenshot: RTL 2

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Sie haben ein interessantes Product Placement in einer Sendung entdeckt, die hier noch nicht erwähnt wurde? Hinweise werden gerne unter kontakt (at) dasfernsehblog.de entgegen genommen.


7 Lesermeinungen

  1. Was ist mit solchen Aktionen,...
    Was ist mit solchen Aktionen, wie sie aktuell in der Soap/Telenovela „Anna und die Liebe“ auf SAT1 laufen?
    Dort soll die fiktive Serien-Agentur ja zur Zeit eine Kampagne für C&A machen… Produkte selbst von C&A wurden, glaube ich, bislang nicht gezeigt, aber der Firmenname wird halt regelmäßig und in positiven Kontexten („großer Auftrag“, „nicht irgendwer“, „Kunden von 19-59“ [keine exakten Zitate] u.ä.) genannt.
    Fällt das auch unter Product Placement???

  2. @duftschnecke: Schau ich mir...
    @duftschnecke: Schau ich mir mal an. Gibt es da spezielle Folgen, in denen das der Fall ist oder zieht sich das als Handlungsstrang durch?

  3. @Peer Schader: Ist Teil der...
    @Peer Schader: Ist Teil der AKTUELLEN Handlung (v.a. Doppelfolgen letzte Woche) – wie lange das fortgeführt wird, kommt wohl darauf an, ob in der Story die Serienagentur diesen Zuschlag von C&A bekommt oder nicht … (die Kunden wechseln innerhalb der Handlung regelmäßig, es waren m.E. aber bislang (nur?) fiktive Unternehmen.)

  4. Beim "Schrott Hotel" auf...
    Beim „Schrott Hotel“ auf zdfneo wird zu Beginn der Sendung zwar das P eingeblendet, was in der Sendung jedoch platziert sein soll erschließt sich mir nicht so ganz.
    Beim ZDF ist man doch sonst nicht so denzent wenn es darum geht bestimmte Produkte ins Bild zu rücken.

  5. Bei Supertalent saß Silvy van...
    Bei Supertalent saß Silvy van de Fart auf einer Becks-Kiste.

  6. Also der Kreuzfahrtkönig war...
    Also der Kreuzfahrtkönig war ja ganz schnell wieder weg vom Fenster, aber die Reedereien sind immer heiß auf Dokus, Gewinnspiele usw. im Fernsehn, weil es einfach eine riesen Werbesendung wird. Da lässt man doch gerne mal ein paar Leute eine Kreuzfahrt gewinnen und dann kommt eben ein Fernsehteam noch mit.

  7. Stimmt! Und die blonde Dame...
    Stimmt! Und die blonde Dame aus den USA hat davor mit ihren Brüsten Beck’s-Dosen zerknittert, auf denen der Markenname jedoch schwarz überklebt war.

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