Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Kleine Product-Placement-Bilanz (4): Sat.1 und das "Meisterkoch"-Dilemma

| 17 Lesermeinungen

Wegen des geringen Erfolgs hat Sat.1 "Deutschland Meisterkoch" in den Vorabend verschoben. Das ist nicht nur schade, weil die Sendung ein größeres Publikum verdient hätte, sondern aus Sendersicht vor allem, weil es der erste Versuch war, Product Placement von vornherein stimmig in das Gesamtkonzept einer Show zu integrieren.

Seit April ist Product Placement im deutschen Fernsehen erlaubt. Der Gesetzgeber hat Sender und Landesmedienanstalten dafür wortreiche Ausnahmefälle und Bedingungen formulieren lassen. Dabei ist ja viel spannender, was davon am Ende beim Publikum ankommt. In loser Folge schaut sich das Fernsehblog deshalb die Ergebnisse an.

* * *

Geben Sie’s ruhig zu: Als Sat.1 seine neue Castingshow „Deutschlands Meisterkoch“ ankündigte, sind Sie auch erstmal zusammengezuckt. Ist ja auch kein Wunder nach Sendungen wie „Ich Tarzan, du Jane“ und „You can Dance“, mit denen der Sender in den vergangenen Jahr eindrucksvoll bewies, dass Castings nicht so sein Ding sind und die Einschlafgefahr an Freitagabenden drastisch zu steigern half.

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (4): Sat.1 und das "Meisterkoch"-DilemmaZur Bestätigung meiner Vorurteile hab ich mir natürlich trotzdem die erste Folge angesehen. Und dann die zweite, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Und so weiter. Dass in drei Wochen schon Finale sein soll, ist ziemlich schade – denn der „Meisterkoch“ (Produktion: Sony Pictures Film und Fernsehen) ist die erste ernstzunehmende Castingshow, die Sat.1 seit „Star Search“ auf die Beine gestellt hat. Mit Kandidaten, bei denen nicht im Privatleben herumgeschnüffelt wird und die wirklich zeigen müssen, ob sie kochen können. Mit einer Jury, die zwar streng sein kann, aber nicht unfair sein mag. Und abwechslungsreichen Aufgaben, die spannend anzusehen sind.

Dummerweise hat das Publikum – genauso wie ich anfangs – sowas Sat. 1 nicht zugetraut: Zum Auftakt Ende August reichten 1,17 Millionen Zuschauer ab 3 Jahren gerade einmal für 4,1 Prozent Marktanteil.

Weil es in den Wochen darauf noch weiter bergab ging, verschob Sat.1 die Sendung auf den Samstagvorabend, wo sie um eine halbe Stunde gekürzt wurde (was ihr eher gut tut, weil nicht mehr so viel Zeit für Wiederholungen früherer Szenen ist), aber auch nicht besser läuft. Das ist gleich doppelt schade: einerseits, weil „Deutschland Meisterkoch“ dem Casting-Genre tatsächlich helfen könnte, sich vom Bohlen-Image zu lösen. Und weil die Sendung – aus Sicht von Sat.1 – als Beispiel für erfolgreiches Product Placement baden geht. „Deutschlands Meisterkoch“ war schließlich der erste Sat.1-Versuch, Werbepartner stimmig in das Gesamtkonzept einer Show zu integrieren (zumindest seitdem das offiziell erlaubt ist).

Das ist gar nicht mal so schlecht gelungen. Dafür hat der Sender (bzw. dessen Kreativ-Vermarktungstochter Seven-One Ad Factory) die Supermarktkette Real und den Küchengerätehersteller Siemens Home gewonnen. Beide Partner nutzen gleich einen ganzen Haufen Werbeformen im Umfeld der Sendung: Sie treten als offizielle Sponsoring-Partner auf, für Siemens Home kocht Jurychef Tim Raue außerdem in einer „Dauerwerbesendung“ in der „Cooking Lounge“ und erklärt die Vorzüge der Siemens-Technik…

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Screenshot: Sat.1

…und schließlich kommen Produkte beider Unternehmen in der Sendung vor. Zumindest ist anzunehmen, dass sich die Product-Placement-Kennzeichnung auf beide Partner bezieht.

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Screenshot: Sat.1

Von Siemens stammen die Herde, an denen die Kandidaten sich vor der Jury im Kochen beweisen müssen. Gleichwohl wird auf eine besonders auffällige Hervorhebung in der Sendung verzichtet. Als Zuschauer erkennt man die Geräte aber schon dadurch, dass sie vorher in der Dauerwerbesendung vorgestellt wurden und im Sponsoringhinweis gezeigt werden.

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Screenshot: Sat.1

Real veröffentlicht Rezepte aus der Sendung auf seiner Website, war im Fernsehen aber etwas schwerer zu platzieren, weil man dem Fisch oder dem Gemüse ja nicht ansieht, wo er bzw. es herkommt. Also hat Sat.1 ein paar Kniffe bemüht, um das Logo der Kette jeweils kurz im Bild zu zeigen. Schlicht und einfach beim Einkaufen im Markt oder bei der Warenanlieferung:

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (4): Sat.1 und das "Meisterkoch"-Dilemma

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Screenshots: Sat.1

In der ersten Folge, als die Kandidaten massenhaft Zwiebeln schälen mussten, war der Schriftzug außerdem auf dem Laster zu sehen, der die Knollen brachte:

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (4): Sat.1 und das "Meisterkoch"-Dilemma

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Screenshots: Sat.1

Und weil die Teilnehmer sich vor jeder neuen Herausforderung in einer Speisekammer eindecken können, braucht es natürlich Körbe, um die Zutaten zu sammeln:

Bild zu: Kleine Product-Placement-Bilanz (4): Sat.1 und das "Meisterkoch"-Dilemma

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Screenshots: Sat.1

In keiner einzigen Minute wird explizit von einem der Partner geschwärmt, niemand betont die besondere Frische oder die technische Raffinesse der Geräte, die Produkte sprechen für sich. Und stören dadurch kein bisschen die Sendung. Sat.1 setzt damit geradezu vorbildhaft die Vorgaben um, mit denen Product Placement im deutschen Fernsehen erlaubt wurde und beweist ganz nebenbei, dass Produktplatzierungen weder platt noch aufdringlich sein müssen. Dazu wirken die Placements nicht künstlich, die Produkte passen zur Show.

Ich bin mir nur nicht ganz sicher, wie die Platzierungen auf Zuschauer gewirkt haben, die nicht mit dem Bewusstsein zugesehen haben, genau darauf zu achten. Gut möglich, dass es vielen gar nicht richtig aufgefallen ist, so selten und kurz wie die beschriebenen Szenen sind, zum Teil nur Sekundenbruchteile lang. (Was im Screenshot schwer zu zeigen ist.)

Dennoch könnte „Deutschland Meisterkoch“ in der Branche zum Negativbeispiel für Product Placement werden, ganz einfach, weil die Sendung potenziellen Werbepartnern unmittelbar das Risiko solcher Kooperationen vor Augen ruft: Placements können noch so gut ausgetüftelt sein, wenn die Show beim Publikum floppt, war der ganze Aufwand umsonst.

Ob Real und Siemens Home wegen der Sendeplatzverschiebung Kompensation erhalten, mag man bei Seven-One Ad Factory auf Nachfrage freilich nicht verraten. In München heißt es lediglich, man regele das in „Einzelabsprachen“. Dazu seien die Kunden sich im Vorfeld solcher Kooperationen natürlich auch über die Risiken bewusst.


17 Lesermeinungen

  1. Auch wenn diese "softe", eher...
    Auch wenn diese „softe“, eher unaufdringliche Art von Product Placement in harten Zahlen vllt. nicht so erfolgreich wie die aufdringliche ist, denke ich, dass auch diese Form von Product Placement das Unterbewusstsein des potenziellen Kunden anspricht und damit die Favorisierung bestimmter Produkte/ Marken zur Folge hat. Das Resultat ist dann halt nicht, sofort loszurennen und Unmengen zb. bei „Real“ zu kaufen, sondern diese Marken schleichend in seinen Alltag zu integrieren. Insgesamt sehe ich Product Placement übrigens viel erfolgreicher als explizite Werbung.

  2. Eine andere Art der Product...
    Eine andere Art der Product Placements beleuchtet auch Juliane Wiedemeier in Ihrem Blog.
    Auch wenn es vermutlich eher eine etwas andere Form der Produktwerbung ist: https://www.juliane-wiedemeier.de/?p=1003

  3. Oh ja! Ich werde mich gleich...
    Oh ja! Ich werde mich gleich darum bemühen Sat1 empfangen zu können um die tolle Koch-Casting-Show empfangen zu können. Die soll ja so toll sein. Und die Kundenmanipulation ist ja darin so prima versteckt worden, dass das Opfer das eigene Hirngemetzel nicht mitbekommt! Ein echter Fortschritt …
    Mensch Peer! Wie kommt man sich eigentlich vor, wenn man für Hirntote schreibt, die Sat1 „konsumieren“?

  4. Damit hier niemand auf die...
    Damit hier niemand auf die Idee kommt, es gäbe in diesem Blog ausschließlich vernünftige Kommentare, hab ich den letzten auch mal freigeschaltet.

  5. "Dennoch könnte "Deutschland...
    „Dennoch könnte „Deutschland Meisterkoch“ in der Branche zum Negativbeispiel für Product Placement werden, ganz einfach, weil die Sendung potenziellen Werbepartnern unmittelbar das Risiko solcher Kooperationen vor Augen ruft: Placements können noch so gut ausgetüftelt sein, wenn die Show beim Publikum floppt, war der ganze Aufwand umsonst.“
    Äh… wieso brauchts dafür ein Negativbeispiel, das ist doch klar… ohne Quote bringt das Placement nix… das muss kein meisterkoch beweisen…
    Yo und danke für den Kommentar von Dexter… armer mensch, kann ja nicht mal vor die Tür gehen wegen der Litfasssäulen, sind ja Manipulation…

  6. Danke Peer. Das war...
    Danke Peer. Das war außerordentlich mutig von dir.
    Trotzdem: Ich finde es suspekt, wenn jemand so unbefangen wie du über das prima neue „Productplacement“ im Fernsehen schreibt, ohne den Kontext dieses Ganzen (Privatfernsehen & Werbung an sich) auch nur ansatzweise zu reflektieren.
    So schreibst du zur Einleitung: „[..] der „Meisterkoch“ ist die erste ernstzunehmende Castingshow, die Sat.1 seit „Star Search“ auf die Beine gestellt hat“. Ernstnehmen und Castingshow in einem Satz! Und das in einem sogenannten „Fernseblog“ … sehr kritisch.
    Da du ja nun offensichtlich echter Kenner von Sat1 bist (nicht böse gemeint!), habe ich noch eine Frage: Kannst du mir ein Format dieses Senders nennen, von dem sich behaupten lässt, dass es einen ernstzunehmenden Bildungsanspruch seines Pulikums verfolgt?
    Die Frage interessiert mich wirklich – denn ich kann tatsächlich kein Privatfernsehen empfangen.

  7. Ich habe mir ja die US-Version...
    Ich habe mir ja die US-Version des Formats gegeben und deshalb bin ich von der deutschen Variante nicht so überzeugt, Tim Raue mag zwar ein Spitzenkoch sein, aber er ist kein Gordon Ramsey. Die Sendung selber ist nicht schlecht, aber die Spielregeln sind schon etwas verwässert und machen manchmal schlicht keinen Sinn. Man muß sich schon wundern wenn ein Kandidat der in zwei Prüfungen hintereinander versagt hat bleiben darf und der Topfavorit plötzlich rausfliegt, weil die verantwortlichen die Regeln des Originals abgewandelt haben.
    @Dexter: Poste lieber im Spiegel-Online-Forum, da bist du als kulturelitäre Spaßbremse perfekt aufgehoben. Ausserdem gibt es da noch viele andere die beweisen das Fernsehentzug nicht zwangsweise intelligenter macht.

  8. @Dexter: Rechts in der...
    @Dexter: Rechts in der Tagcloud mal auf „Product Placement“ klicken und einen Fernseher anschaffen. Dann können wir reden.

  9. @Peer: Ich habe alle deine...
    @Peer: Ich habe alle deine begleitenden Expertisen zur neuesten Werbeform gelesen. Und einen Fernseher habe ich auch. Also schieß los: Welches Sendeformat auf Sat1 dient weniger der Verblödung/Werbepausenfüllung als der Bildung?
    Läuft da des Nachts eigentlich noch dieses DCTP-Ding von Kluge?
    @Dent42:
    In einem FAZ-Blog als „kulturelitäre Spaßbremse“ zu (ausgerechnet!) SPON geschickt zu werden ist schon irgendwie absurd! Andererseits: Was kann man anderes von jemanden erwarten, der sich freiwillig Koch-Casting-Shows im US-Fernsehen reinpfeffert. Sachen gibts!

  10. @dermax (auch wenns offtopic...
    @dermax (auch wenns offtopic ist):
    Du wirst es nicht glauben, aber Plakatwerbung geht mir wirklich auf die Nüsse. Überall lachende Gesichter, die mir sagen sollen, dass das „Produkt Soundso“ echt prima ist und mich auch so „fröhlich“ machen wird, wie die Person auf dem überdimensionalen Bild. Male dir mal aus, was man auf diesem Kommunikationskanal transportieren könnte, statt diesem Werberotz. Und achte mal darauf in welcher Dichte diese Information im urbanen Umfeld gestreut ist.
    Und: Natürlich gehe ich vor die Tür. Fernseh-, Radio- und Onlinewerbung hingegen tue ich mir freiwillig nicht an.
    Aber schön, wenns dir nichts ausmacht. Sowas kann ja verschiedene Urssachen haben. Armer Mensch.

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