Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Wenn Thomas Gottschalk die Welt nicht mehr versteht, warum erklärt er sie uns dann?

| 27 Lesermeinungen

Er ist immer noch ein großartiger Entertainer, aber wenn er anfängt, von früher zu erzählen, wirkt Thomas Gottschalk wie ein Mann, der im Dampfmaschinenzeitalter groß geworden ist und mit großem Staunen aus der Zeitmaschine steigt. Kann er das nicht lassen und sich einfach darauf konzentrieren, sein Publikum zu unterhalten?

Thomas Gottschalk findet, die werberelevante Zielgruppe gehört abgeschafft. Das findet er wahrscheinlich schon länger, seit vergangener Woche aber auch im Auftrag seines Zweitarbeitgebers Tele 5. Der dpa erklärte der Moderator, für ihn sei nur die Gesamtzahl der Zuschauer ausschlaggebend, nicht irgendeine „Zielgruppe“:

„Es kann nicht sein, dass ‚Wetten, dass…?‘ mit knapp zehn Millionen auf dem zweiten Platz landet, während der Kollege Bohlen mit knapp sieben Millionen Spitzenreiter ist – nur weil bei ihm mehr Halbwüchsige vor der Kiste saßen.“

Bild zu: Wenn Thomas Gottschalk die Welt nicht mehr versteht, warum erklärt er sie uns dann?Im Interview, das Gottschalk DWDL.de gab und indem er fast dasselbe sagt wie bei dpa, formuliert er es etwas emotionaler:

„Ich werde nie mein Publikum in ein ‚werberelevantes‘ und in ein überflüssiges aufteilen. Dass dies von anderen getan wird, macht mich wütend und es ärgert mich, wenn in den entsprechenden Charts ‚Deutschland sucht den Superstar‘ vor ‚Wetten, dass..?‘ rangiert, obwohl ich 3 Millionen Zuschauer mehr habe. Weiter hinten folgt dann meistens relativ verschämt unter dem Stichwort ‚Gesamtpublikum‘ die gültige Abrechnung.“

Die „gültige Abrechnung“ ist für Gottschalk also die, in der keine Altersunterschiede gemacht werden. Das Problem ist nur: Auch im Gesamtpublikum sind Sendungen wie „Das Supertalent“ und „DSDS“ nicht mehr weit von „Wetten dass..?“ entfernt. (Am Samstag betrug die Differenz noch 2,31 Mio.) Deshalb hat Gottschalk die „Würde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“ erfunden. So hat’s Michael Seewald für die F.A.Z. bei der Pressekonferenz zur „Wetten dass..?“-Sendung in München erfahren:

„Inzwischen sage er [Gottschalk] sich, ‚lieber sieben Millionen Aufrechte als vierzehn oder fünfzehn Millionen Millionen von damals‘. (…) Heute – mit jemandem wie Dieter Bohlen bei RTL – gebe es am Samstagabend im Fernsehen weniger einer Konkurrenz der Moderatoren oder Systeme, sondern eher der sozialen Milieus.“

Zusammengefasst bedeutet das: Gottschalk ärgert sich über eine (vom Privatfernsehen) erfundene Maßeinheit, erfindet aber selbst eine (fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen), um seine Zuschauerzahlen zu rechtfertigen und sein Zuschauer in ein relevantes und ein überflüssiges Publikum aufzuteilen?

Irgendwas stimmt nicht mit Thomas Gottschalk. Hat ihn sein 60. Geburtstag in diesem Jahr nervös gemacht? Der Mann ist unbestritten ein toller Entertainer: Er hat ein feines Gespür für Angemessenheit, kommt mit dem Bauern vom Lande genauso gut klar wie mit dem Star aus Hollywood und besitzt immer noch eine Spontaneität, mit der sonst wenige im deutschen Fernsehen mithalten können. Große Reflektionen zum Zustand des Fernsehens oder – noch schlimmer: des Landes, erwartet niemand von ihm. Sobald er anfängt von früher zu erzählen, wird es peinlich. Und doch kann er nicht darauf verzichten.

Bild zu: Wenn Thomas Gottschalk die Welt nicht mehr versteht, warum erklärt er sie uns dann?In seiner neuen Tele-5-Sonntagskolumne stellte Gottschalk gestern Abend den Facebook-Film „The Social Network“ vor, der diese Woche in die Kinos kommt, sagte, dass es in seiner Jugend noch Helden wie Spiderman gegeben habe, die heute von Helden wie Mark Zuckerberg abegelöst seien (was wirklich kompletter Unfug ist) und erzählte eine Anekdote, wie er mit Facebook (oder wie Gottschalk sagt: „das Facebook“) in Berührung kam, nämlich als sein Sohn versäumte, die Privacy-Einstellungen seines Accounts so einzustellen, dass die „Bild“-Zeitung nicht darauf zugreifen kann, um dort das Ultraschallfoto dessen ungeborenen Kindes zu sehen und eine Geschichte draus zu machen.

Manchmal wirkt Deutschlands größter Entertainer wie ein Mann, der im Dampfmaschinenzeitalter groß geworden ist und mit großem Staunen aus der Zeitmaschine steigt.

In der konzeptfreien Tele-5-Kolumne erklärte Gottschalk am Sonntagabend außerdem, welchen Wetteinsatz bei „Wetten dass..?“ er sich bisher nicht einzulösen getraut hatte:

„Stefan Raab hat mich mal genötigt, vom Zehner zu springen. Da hab ich ehrlich gesagt Schiss. Das hab ich bisher vermieden. Aber kann ja gut sein, dass ich in meiner allerletzten Sendung sage: Jetzt ist eh wurscht, ich verabschiede mich. Und dann guckt ganz Deutschland: Taucht er noch mal auf oder taucht er nicht mehr auf? Aber bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.“

Dass Gottschalk am Abend zuvor in „Wetten dass..?“ vom Sprungturm ins Schwimmbecken des Münchner Olympiageländes gesprungen ist, hat da natürlich nicht mehr so ganz gepasst: Die Tele-5-Kolumne ist eine Woche zuvor aufgezeichnet worden, und dass sie zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits veraltet war, scheint beim Sender, wo Mitarbeiter ja sonst nur auf Knöpfchen drücken, um die Wiederholungen aus dem Archiv abzufahren, niemanden gestört zu haben. Und dass Gottschalk sich mit seinem Sprung vom Fernsehen verabschieden wollte, ist natürlich Quatsch. Schließlich hat er sich nur vom 7,5-Meter-Brett hinabgestürzt.

Der Zehner kann ruhig noch ein paar Jahre warten. Wenn er bis dahin darauf verzichtet, uns die Welt erklären zu wollen.

Screenshot: Tele 5


27 Lesermeinungen

  1. Na hier hat der Herr Schader...
    Na hier hat der Herr Schader mal wieder einen Blödsinn zusammen getextet; die FAZ wird auch immer schlechter.

  2. <p>Gottschalk ist ein Mann mit...
    Gottschalk ist ein Mann mit Vivionen, selbst in Bezug auf das digitale Zeitalter. Als er zum erstenmal in seiner Sendung die Webadresse vorlas, mit Protokoll und jedes Zeichen („Ha te te pe doppelpunkt Slash slash we we we punkt“… usw), kam schon ein vernichtendes Urteil us seinem Munde: „Sowas bescheuertes!“. Naja, heute reicht es, den Domainnamen anzugeben.
    .
    Ansonsten: Es ist kein Wunder, dass er mit allen zurecht kommt. Die Stars brauchen seine Sendung als Werbung (Ich weis nicht, wie peinlich es ist, diesen witzlosen Erotikmessewitz mehrmals zu erwähnen, auch das mit dem Hartz4-Stelzen (ich weis nicht, was damals Malkovic und Ferres sich dabei gedacht haben mögen)) und die „anderen“ mögen ihn wohl für seine manchmal derben Flachwitzigkeit. Aber solange er sich Freund von MRR nennen darf…

  3. Soweit sogut, aber Aussagen...
    Soweit sogut, aber Aussagen wie „Der Mann ist unbestritten ein toller Entertainer“ verderben den Artikel. Unbetritten geht anders! Ich kenne in meinem privaten Umfeld nur wenige, die sich Gottschalk freiwillig anschaun würden oder den sogar gut finden. Es gibt da also offensichtlich doch mehrere Standpunkte… bei mir z.B. löst seine dümmlich-primitive Art regelmässig Brechreitz aus 😉

  4. Was kümmert uns der Kampf der...
    Was kümmert uns der Kampf der der blonden Fernsehtitanen? Bohlen gräbt Gottschalk das Wasser ab, was diesen in die Luft gehen lässt (7,5 bis max. 10m). Ob der eine mehr oder weniger Zuschauer vor den Schirm locken kann, ist primär ein Wettbewerb zwischen sendungsbewussten Männern. Wetten, dass in den nächsten Jahren viele neue Superstars den Samstagabend beherrschen werden?

  5. "Helden wie Spiderman"

    Das...
    „Helden wie Spiderman“
    Das heißt „Spider-Man“, Mensch. Bindestrichdiskriminierung! Den Zuckerberg hamse natürlich richtig geschrieben…

  6. Der Artikel ist schwach....
    Der Artikel ist schwach. Selbst nach zweimaligem Lesen fällt mir nicht auf, wo Gottschalk mir die Welt erklären will, und selbst wenn, was daran so schlimm und altbacken sein soll. Und warum „das Facebook“ (das Buch, Neutrum, Eigenname hin oder her) und sein Umgang jetzt so weltfremd wirken soll, erschließt sich mir auch nicht. Tipp an den Autor: Glotze aus!

  7. Warum sollte Gottschalk uns...
    Warum sollte Gottschalk uns die Welt erklären wollen? Wann hat er den Anspruch erhoben? Er sagt seine Meinung gerade heraus, auch wenn manchmal Themen dabei sind, von denen er keine Ahnung hat.
    Dass die Zielgruppe „14-49“ eine Mauschelei von Sat1 und RTLplus in den Achtzigern war, um die Werbeeinnahmen stärker an die Privaten zu koppeln, ist eine (wenn auch zu wenig bekannte) Tatsache. Das hat nichts mit Empirie zu tun. Außerhalb des Fernsehens konzentrieren sich alle mit Erfolg genau auf die Impulskinder und die „Best-Ager“, also genau alle außer „14-49“.
    Und diese persönliche Erfahrung mit Rechtsverletzungen in Internetnetzwerken ist eine bestimmt sehr hilfreiche Einführung für Menschen, die sich eben nicht in so etwas bewegen.
    Gottschalk mag ja öfters mal Mist reden, aber hier sehe ich den Angriffspunkt für Ihren Beitrag nicht.

  8. @Cybermichl
    ist er schlimmer...

    @Cybermichl
    ist er schlimmer als der genannte Herr Bohlen? Kann doch wohl nicht sein. Supertalent bringt Menschen auf die Bühne, die ich nicht sehen will, nicht meinen Kindern zeigen möchte und von meinen Freunden und mir nur „Hartz 12 TV“ genannt wird. Da hab ich lieber mal ein paar flache Witze, die ich mit meiner Familie schaun kann.
    ____________
    Herr Gottschalk hat recht die Gruppe sollte man nicht auf 49 Jährige einschränken, mein Vater hat vor mir sein Iphone gekauft und sich das teuere Notebook dazu. Da ist die Werbung schneller ans Ziel gekommen.

  9. @Toronto

    Dass sie sie...
    @Toronto
    Dass sie sie durchführt, habe ich ja nicht gesagt. Du hast natürlich recht.

  10. Wer für Stefan Raab vom 10er...
    Wer für Stefan Raab vom 10er springt…sollte sich dann doch mal untersuchen lassen…!?

Kommentare sind deaktiviert.