Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)

| 19 Lesermeinungen

Zwei Tage nachdem der Sender in einer Reportage für ein Schulmädchen-Bordell geworben hat, nimmt er es bei "Punkt 12" auch gegen Vorwürfe der Familie einer 18-jährigen Prostituierten in Schutz.

Bild zu: Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)Sprecherin: Dass der achtzigjährige Rentner [Rolf Eden] immer noch so rüstig unterwegs ist, verdankt er ganz klar seinem Lebensstil.

Eden: Man sieht’s ja an meiner Person. Ich bin ja nicht mehr der Allerjüngste. Und trotzdem hab ich ein Lebenselixier von 18-, 20-, 30-Jährigen. Und das machen die jungen Damen natürlich. Sex mit jungen Frauen ist das Gesündeste, was man haben kann für den Mann. 

Das ist das Fazit der RTL-Reportage „Und ewig lockt Lolita“ über „Deutschlands erstes Teeny-Bordell“ (sic!), von der gestern an dieser Stelle schon die Rede war. Die Produktion der Firma Filet Film für AZ Media zeigt nicht nur, wie sich Männer gegen Geld dieses „Lebenselixier“ beschaffen können, sondern stellt die Arbeit als Lolita-Prostituierte auch als ganz normalen und lukrativen Berufsweg für Achtzehnjährige dar, die sich mit Schule oder anderen Berufsausbildungen schwer tun.

Doch das Schulmädchen-Bordell, für das die Sendung ausführlich wirbt und das „in eine Welt der Kniestrümpfe, Zöpfchen, und der Freude an freier Sexualität“ einlädt, ist laut RTL nicht nur finanziell attraktiv, sondern bietet sich anscheinend auch als emotionale Alternative für Mädchen an, die in ihrer eigenen Familie auf Ablehnung stoßen.

Am 22. September, zwei Tage nach der spätabendlichen Ausstrahlung von „Und ewig lockt Lolita“, griff RTL in seinem Mittagsmagazin „Punkt 12“ auf die offensichtlich guten Kontakte zu dem Lolita-Bordell-Betreiber zurück. Tags zuvor hatte nämlich die „Bild“-Zeitung negativ über das von dem Sender beworbene Etablissement berichtet. Eltern eines 18-jährigen Mädchens, das dort als Prostituierte arbeitet, hätten versucht, ihre Tochter aus dem „Teenie-Puff“ zu befreien. Die Mutter behauptete in „Bild“, ihre Tochter sei labil und werde systematisch unter Drogen gesetzt. Vor Ort sei es zu einem Handgemenge gekommen, die Polizei sei mit einem Großaufgebot angerückt – aber die Tochter habe nicht mit ihrer Familie mitfahren wollen. („Bild“ titelte dennoch: „Eltern befreien Tochter (18) aus Teenie-Puff!“)

Bild zu: Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)
Katja Burkard, betroffen.

„Punkt 12“ sendet am nächsten Tag eine Art Gegendarstellung. Katja Burkard fragt die Zuschauer in ihrer Anmoderation zunächst rhetorsch: „Was geht in Eltern vor, wenn sie erfahren, dass ihre 18-jährige Tochter in einem Bordell arbeitet?“ Doch die „ganze Geschichte“, die sie dann ankündigt, ist eine andere als erwartet. Der Beitrag schildert das Handgemenge und den Polizeieinsatz, und dann:

Sprecher: Zu diesem Zeitpunkt denken die Beamten vermutlich noch, sie müssten eine junge Frau aus einem Bordell befreien. Aber dann trauen Sie ihren Ohren kaum. Chrissi will gar nicht weg.

Chrissi: Ich bin alt genug, um zu wissen, was gut für mich ist und was nicht gut für mich ist. Ich bin hier, weil: Mich hat das interessiert, dieses Milieu, sag ich einfach mal. Und natürlich spielt das Geld auch eine Nebenrolle.

Sprecher: Auch wenn es schwer nachzuvollziehen ist: Chrissi sagt, hier in dem Bordell, habe sie tatsächlich so eine Art Familie gefunden. Denn zuhause, das war für sie die Hölle. (…) Chrissis Job ist also auch eine Art Flucht. Aber Drogen, versichert sie, die seien hier nie im Spiel gewesen. (…) Die 18-Jährige macht eigentlich einen Job als Altenpflegerin. Und jobbt doch lieber als Hure.

Bild zu: Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)
Der Bordell-Betreiber und seine „Hure“.

Der RTL-Bericht schildert nicht die Position der Gegenseite, der Eltern und des Ex-Freundes. Das „Punkt 12“-Team hat die Aussagen des Mädchens aber einer Fernsehpsychologin gezeigt, die nun als eine Art lebender Lügendetektor attestiert:

Katharina Ohana: Auf mich macht sie überhaupt keinen unsicheren Eindruck, also sie scheint sich ihrer Sache ganz sicher zu sein. Sie weiß genau, was sie will. Sie wirkt weder, als würde sie unter Drogen gesetzt, noch als hätte sie irgendeinen Zweifel an dem, was sie tut. Sie hasst regelrecht ihren Stiefvater, sie erfährt von der Mutter überhaupt keine Unterstützung. Dass sie dort in dem Bordell eine Art Familie findet.

Ist das nicht schön? Dass es solche Orte in Deutschland gibt, an denen Kinder die Wärme erfahren, die ihnen ihre Familien nicht geben können? Orte, an denen diese Kinder diese Wärme dann weitergeben können an alte Männer, die dafür bezahlen, dass sie ihnen als „Lebenselixier“ dienen?

Bild zu: Ein Teenie-Puff als Heim für ungeliebte Kinder: Wie RTL für Lolita-Prostitution wirbt (2)
Das Bordell wirbt bei Twitter für den Fernsehauftritt.

Immerhin hat sich „Punkt 12“, anders als die im selben Programm vor zwei Tagen gelaufene Werbe-Reportage über dasselbe Bordell, als Fazit für ein bisschen Distanz entschieden. Der Sprecher knarzt moralisch:

Sprecher: Eine Art Familie im Bordell. Allein das sollte Chrissis Mutter und ihrem Stiefvater zu denken geben. Die Flucht ins Milieu, sie ist damit womöglich doch nicht so ganz freiwillig.

Screenshots: RTL. Mit Dank an fernsehkritik.tv.


19 Lesermeinungen

  1. ben sagt:

    Ich habe mal eine Nutte...
    Ich habe mal eine Nutte geprellt. Habe ihr das vereinbarte Geld gegeben und bin dann einfach gegangen. Bin ich auch nicht stolz drauf …

  2. French sagt:

    ja ja. die dt. Fernsehwelt....
    ja ja. die dt. Fernsehwelt. ganz schlimm. vorallem die zeit von 13-17.00Uhr. also quasi die Spanne in der Schüler nach hause kommen und sich vor die flimmerkiste setzen. aber so ist es war es und wird es immer sein

  3. In §232 StGB heißt es...
    In §232 StGB heißt es übrigens:
    „Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu den sonst in Satz 1 bezeichneten sexuellen Handlungen bringt.“
    Claudia Roth erläutert auf abgeordnetenwatch.de:
    „Hierbei geht es darum, dass eine Person zur Prostitution gebracht wird, die nicht ohnehin schon aus freien Stücken dazu entschlossen war. In diesen Fällen wird im Kontext von Menschenhandel von einem besonderen Schutzbedürfnis ausgegangen, das auch die Spanne zwischen 18 und 21 Jahren umfasst, da viele Opfer von Menschenhandel in diesem Alter sind und zum Teil nicht überblicken können, worauf sie sich einlassen. Sachverständige hatten in der Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages darauf hingewiesen, dass hier ein besonderes Schutzbedürfnis besteht.“
    Dieses besondere Schutzbedürfnis sieht RTL vermutlich eher nicht gegeben.

  4. Andreas S. sagt:

    Gäbe es mehr solcher...
    Gäbe es mehr solcher „Teeny-Bordelle“, müsste Frau zu Guttenberg weniger potenzielle Sexualstraftäter zur Rede stellen. Das wäre eine ganz spannende Cross-Promotion zwischen RTL und RTL2: „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder und geht lieber zur Chrissie“.

  5. dermax sagt:

    @Werner, @Moni: Kein Mensch...
    @Werner, @Moni: Kein Mensch verdammt hier was oder bezichtigt die Dame der Lüge… aber ist die RTL-Analyse „Ihr gefällts im Bordell besser, also passt das schon“ für Sie ok? Bei einer 18jährigen?
    Nebenbei: Suizid ist auch eine freiwillige Handlung…

  6. @dermax
    >aber einer...

    @dermax
    >aber einer Fernsehpsychologin gezeigt, die nun als eine Art lebender >>Lügendetektor<< attestiert: Was hätte es denn geändert, wenn sie keine "Psychologin" eingespielt hätten ? Jawohl rein gar nichts. Und ja es ist für mich in Ordnung. Ich bin sogar ein bisschen Stolz das dieses Mädchen nicht auf "denmax" hört und als Altenpflegerin ihren Körper zu Minilöhnen kaputtmalocht, sondern die rationalere Entscheidung getroffen hat. @Nicander A. von Saage Gratulation. Sie haben das Prinzip des "gesetze machens" verstanden. Man beschließt Gesetz A und begründet dies mit einer unterstützenswerten Angelegenheit. Wendet eben dieses aber in der Realität plötzlich auch auf mehr Dinge an. Dieses Gesetz dient offensichtlich dazu, Zuhälterei und Menschenhandel zu unterbinden. Das Bordell sucht sich seine Mädchen ja schließlich nicht von der Straße und quatscht sie dort darauf an. Es gibt kein Abhängikeitsverhältnis wie bei Zuhältern häufig der Fall ist bevor sie ihre Mädchen in die Prostitution bringen. Ist mir jetzt aber zu blöd hier.

  7. Mareike sagt:

    Mein Vater arbeitet in einem...
    Mein Vater arbeitet in einem Altersheim. Da würde ich auch eher in nem Puff arbeiten.

  8. dermax sagt:

    @Werner: Tut mir leid, daß...
    @Werner: Tut mir leid, daß ich Sie mit einer anderen Meinung belästigt habe…
    Meine Frage beantwortet haben Sie leider nicht…
    Gottseidank wissen Sie ja, was rational ist und was nicht… und in Sachen „kaputt malochen“: mir fällt spontan auch kein besserer Beruf für einen 18jährigen weiblichen Körper ein, als Prostitution… und in einem Bordell auch noch… die Krone des fairen Umgangs mit Personal…
    Ganz abenteuerlicher Einwurf: Es gibt neben Altenpflege und Prostitution noch zwei, drei andere Berufe in diesem Lande…

  9. >Meine Frage beantwortet haben...
    >Meine Frage beantwortet haben Sie leider nicht…
    Soll das ein Witz sein ? Das habe ich sehr wohl … vllt. lesen sie sich ihren eigenen Text nochmal durch. Der ist nur ein paar Zeilen lang, und enthält nur eine einzige Frage *facepalm*
    >Es gibt neben Altenpflege und Prostitution noch zwei, drei andere Berufe in diesem Lande…
    Sie hat bereits eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht, wie sie dem Text entnehmen können. Später wird sie diese Arbeit sicherlich auch wieder aufnehmen. Aber solange sie jung ist, macht sie mehr und leichter Geld mit ihrer jetzigen Arbeit.

Kommentare sind deaktiviert.