Das Fernsehblog

Das Fernsehblog

Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Multimediaprojekt "Alpha 0.7": Im Zukunftsirrgarten des SWR

| 21 Lesermeinungen

Was passiert eigentlich, wenn wir heute zu schlampig mit unseren Daten umgehen? Um das herauszufinden, hat sich der SWR ins Stuttgart des Jahres 2017 gebeamt, wo die flächendeckende Einführung so genannter Brainscanner bevorsteht. Klingt albern? Ist aber ganz spannend und in Fernsehen, Radio und Web geradezu vorbildlich miteinander verwoben.

Ist Ihnen  das auch schon mal aufgefallen? Die Zukunft ist nie kuschelig, gemütlich, in warme Farbtöne getaucht. Nichts hat sich zum Besseren gewandelt. Jedes weitere Jahr, das die Menschheit auf diesem Planeten verbringt, ist sie damit beschäftigt, sich selbst in Richtung Abgrund zu rücken.

Zumindest ist das in der Vorstellung von Fernsehredakteuren so.

Die enttäuschende Sat.1-Zukunftssimulation „Die Grenze“ fiel in diesem Jahr vor allem dadurch auf, dass die Bösewichte zur Abwechslung mal weiß trugen und alle handelnden Charaktere sich permanent auf N24 informierten. (Dabei war die Grundidee eigentlich großartig.) Ein halbes Jahr später legt der SWR nun mit seiner Vision „Alpha 0.7 – Der Feind in dir“ nach. Schon der Name ist so albern, dass man am liebsten gar nicht erst einschalten möchte. Ganz zu schweigen davon, dass sich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk die kommenden Jahre vor allem vollständig in grau angepinselt und mit metallenem Schimmer vorstellt.

Bild zu: Multimediaprojekt "Alpha 0.7": Im Zukunftsirrgarten des SWR
Na, was glauben Sie: Führen diese beiden Herren etwas Positives im Schilde? Hm? / Foto: SWR

Die Geschichte spielt im Stuttgart des Jahres 2017. Von einem neuen Bahnhof ist keine Rede mehr. Und die Menschen haben resigniert. Die vollständige Überwachung des Alltags ist zur Gewohnheit geworden: Am Flughafen stehen Nacktscanner, die Städte sind mit Überwachungskameras zugehängt, sogar in die Klamotten sind kleine Chips eingenäht, über die sich deren Käufer orten lassen. Im Notfall natürlich nur.

Bild zu: Multimediaprojekt "Alpha 0.7": Im Zukunftsirrgarten des SWRIn wenigen Tagen soll auf dem EU-Gipfel in Stuttgart entschieden werden, ob auch Brainscanner flächendeckend eingeführt werden. Mit der neu entwickelten Technik können „falsche Gedanken“ im Hirn von Gewalttätern eliminiert werden, besser noch: potenzielle Gewalttäter werden mit einem Implantat daran gehindert, überhaupt straffällig zu werden.

Sodann treten auf:

eine Aktivistengruppe in TKKG-Zusammensetzung, die mit spektakulären Störaktionen vor der Technik zu warnen versucht;
ein eklig glattes Unternehmen namens Protecta, das unter dem Vorwand der Weltverbesserungen seine Unterwerfungstechnik auf den Markt zu bringen plant;
eine Familienmutter, die mit Freund und Tochter gerade von Berlin hergezogen ist und nicht ahnt, dass sie Teil eines geheimen Gedankenexperiments ist;
ein naiver, gut aussehender Programmierer, der in die Situation hineinstolpert und feststellen muss, dass auch er mit den Experimenten zu tun hat;
diverse aalglatte Profitmacher;
einige Sündenböcke;
Polizisten in Robocop-Uniform etc.

All das wirkt ein bisschen zu schablonenhaft, um wirklich überraschen zu können. Und trotzdem ist „Alpha 0.7“ ein Projekt, das sein Versprechen „Keine Serie. Ein Universum“ hält. (Trailer in der SWR-Mediathek ansehen.)

Zum einen, weil die Macher mit dem Projekt eine Art Anreiz zur Bewusstwerdung liefern wollen: „Wir wollten einfach erzählen, was passieren könnte, wenn wir uns heute alles gefallen lassen“, sagt SWR-Redakteur Sebastian Hünerfeld. Datenspeicherung gehört schon jetzt zum Alltag. In „Alpha 0.7“ wird sozusagen der Worst Case gezeigt, was passieren könnte, wenn uns allen egal ist, wo wir unsere digitalen Fingerabdrücke hinterlassen. So weit von der Realität ist das Projekt gar nicht entfernt. Über den Entwicklungsprozess sagt Hünerfeld: „Die Wissenschaft war teilweise schon weiter als das, was sich unsere Autoren für die Serie ausgedacht haben.“

Bild zu: Multimediaprojekt "Alpha 0.7": Im Zukunftsirrgarten des SWR
Die Zukunft im Fernsehen ist grau (bis auf die Tapten) und Polizisten tragen Robocop-Uniformen / Foto: SWR

Der zweite Grund, sich auf „Alpha 0.7“ einzulassen, ist der Umfang: Der SWR hat von der Produktionsfirma Zeitensprung (ein Zufall, der Name) nicht nur eine sechsteilige Fernsehserie, sondern auch eine Hörspielreihe und diverse Websites produzieren lassen.

Entstanden ist ein beachtliches Hintergrundrauschen mit gegenseitigen Querverweisen, die sich erst erschließen, wenn man alles mal ausprobiert hat. Das ist lobenswert, weil öffentlich-rechtliche Programmmacher sonst selten durch ihr überkomplexes Denken auffallen (und das Projekt auch noch mit den finanziell eingeschränkten Mitteln des „Debüt im Dritten“ auskommen musste).

Vor allem ist es aber eine Herausforderung für den Konsumenten.

Bild zu: Multimediaprojekt "Alpha 0.7": Im Zukunftsirrgarten des SWRIm Radio wird die Geschichte aus dem Fernsehen weitererzählt, allerdings mit anderem Schwerpunkt. Schon jetzt werden bei SWR 2 Podcasts der Widerstandgruppe Appolon gesendet. Im Internet lassen sich die Websites der Widerständler, der Brainscanner-Firma sowie Blogs und Videotagebücher der Protagonisten besuchen, die auch in die Vergangenheit zurückreichen und teilweise erklären, wie es zur Situation im Jahr 2017 kommen konnte. Sogar eine eigene Widerstandsband hat der SWR erfunden und fürs reale Leben zusammengestellt. Bei der Tochter der Hauptprotagonistin hängt ein animiertes Poster der Musiker überm Bett hängt, die Songs laufen in der Serie und für diesen Samstag ist ein (echtes) Konzert im Subway Club in Köln geplant.

Hünerfeld sagt: „Die Frage, die am Ende steht, ist: Wie frei ist unser Wille wirklich?“

Dass unser gebührenfinanziertes Rundfunksystem sich überhaupt mit solch weitreichenden Fragen beschäftigt und seinen Zuschauern und Zuhörern die Möglichkeit gibt, damit selbst zu experimentieren, ist selten und erlebenswert – trotz sehr konventioneller Erzählmethoden und Klischees, ohne die „Alpha 0.7“ leider nicht auszukommen scheint.

Und falls Sie jetzt genauso ratlos vorm Rechner sitzen wie ich neulich in der Pressekonferenz, ein Tipp, wo es sich mit der Entdeckung des „Universums“ anzufangen lohnt: Heute, am Donnerstag, im Radio. Am Sonntag im Fernsehen. Und im Netz gleich hier.

Eine Übersicht aller „Alpha 0.7“-Termine steht auf alpha07.de.

Fotos: SWR


21 Lesermeinungen

  1. Sonntags, 22.40, und die...
    Sonntags, 22.40, und die Radiobeiträge im entsprechend quotenschwachen „Kulturkanal“ (durchaus hörenswerte Wortbeiträge zwischen klassischer Musik) SWR2. War ja klar…
    Erinnert die Optik auf den Bildern eigentlich nur mich an die Dreibeinigen Herrscher aus den 80ern?
    Eine kuschelige, auf den ersten Blick wirklich schöne neue Welt wäre doch eigentlich auch mal was. Irgendwie sind die meisten Dystopien wirklich sehr kalt und grau (bis auf manche aus den 70ern, z.B. Logan’s Run… ;)).
    @Robert: So ähnlich. Der einzig nennenswerte Untergrund-Club (Die Röhre) wird wegen S21 geschlossen, während neue Konzerthallen im Rahmen von S21 geplant sind, aber durch die ständigen Verzögerungen nicht gebaut werden.

  2. Klingt superspannend...gerade...
    Klingt superspannend…gerade wegen der sarkastistischen Ensemble Liste…deutsche Robocops 🙂 Und für den SWR fast revolutionär. Schade dass die altbackene, bornierte FAZ dem Ganzen von vornherein wieder mal skeptisch gegenübersteht. Und wer will schon Kuschelfernsehen? – da brauche ich ja nur zum ZDF pilchern…und wer will das schon.

  3. Wow, siet neuestem hat die...
    Wow, siet neuestem hat die Polizei Frankfurt/Main eine neue Rufnummer
    Wählt man 069/2171—– um diese Nürnberger zu erwischen meldet sich am falschen Apparat (da müsste ein Mr. Singh drann gehen) eine Frau als „Poizei Frankfurt“.
    Wahrscheinlich wieder C+s Bulemie Sekte (Erst überfressn, dann Diät) Erst schwängern lassen dann Vader verneinein. Ist ja grade wieder Saison.
    Dabei wollte ich den STRAFermittlern (alles Inzestriöse Familienverhältnisss, da weisen die schonmal drauf hin) nur die SCHADENSssumme durchgeben: Im Einzelfall unbrauchbare Kommunikationsmittel (Gehören eh meinem dem Bruder der in unserem Stammbuch steht, soll der sich ärgern) neues Telefone und neue Rubbellose für ne alte Prepaid Verbindung mit Verbot der Werbungsnutzung …. ca. 40 Euronen.Kosten für manuellen Zahlungsverkehr: 8 Euro.
    Kosten die der allgemeinheit durch gewerbsmöäßigen Betrug entstehenen:
    bei geschätzten 100.000 Rechnern
    und 12 Monaten im Jahr zu denen je
    5 Euronen digitales Schutzgeld fällig
    werden allein für Frankfurt am Mein
    geschätzt
    5 Millionen ! Jährlich!
    SCHTZGELDERPRESSUNG wie zu Zeiten der guten alten Telekotz die Anfang 1999 mal einfach Standleitungen kappte um an Neuaufträge (DialBackup) zu kommen.

  4. Die Kohle investiert ihr mal...
    Die Kohle investiert ihr mal lieber ins Abbezahlen von Eigentum. Dann lässt es sich später nämlich bequem von Sozialhilfe leben. Allerdings slebtverständlich erst dann wenn hiermal die echte Nato durchmarschiert ist und das Rechtasystem (die latinieinischen Momente, würds der Moaco sagen) wieder auf ein erträgliches Maß zusammengestutzt hat. Frau C.our(T)age verkauft dank kirchlicher gefälschter Papier so lange er im Büro ist schonmal „seinen Sperrmüll“.

  5. Umgekehrt wird ein BOOT draus....
    Umgekehrt wird ein BOOT draus. Genau wie die Medien „Millionen Kaufimpulse aussenden“ beeinflussen sie die öffentliche Wahrnehmung und zwar schon allein durch Themenauswahl. Schon der Volksmpfänger konnte „Millionen Kampfimpulse aussenden“und war die einzige wirkliche ultimative Meassenvernichtungswaffe. Die höher/schneller/weiter Ideologie der Sportler“ statt der „muss ausreichen um seinen Zweck erfüllen Ideologie der Ökonomen und Ingenieure“ Der fehlverstandene Darwinismus (fit ^= stark) satt (fil = beste Anpassung an äussere Gegebenheiten) siehe besipielsweise der Muskelschwund (unnötiger Ballast der zusätzliche Energie in Form von Nahrung erfordert) bei Langzeitschwerelosigkeisforschung der Raumfahrt
    Krafttraining für Religionskriege. (Das ist Paradox)
    @miklro …. Jaja, die Gebimsel Theologen in Frauenkleidern: Opferbereitschaft und der Erlöser wird es schon richten und dich abholen. „das unveränderliche hinnehmen und das veränderliche in angriff nehmen“ bedeutet eben nicht schiesse hinnehmen! kommt nachher wider erwarten tatsächlich irgendein religiöser schlaefer an klannste ihm ausrichten „schon erledigt“

  6. Schau dir mal an wer den...
    Schau dir mal an wer den grössten Campa-g-nile mit elektronischem Muezihn hat.

  7. Saufwasser in ihren Suastall...
    Saufwasser in ihren Suastall kippen. Vaeter auf dem Umweg ihrer Kinder zu beerben scheint ja ein einträchliches Geschaeft zu sein. Geschaeft komt von hessischen „geh schaffe“ (arbeiten). Und Vater nicht von Wirtshaus der Vettern.

  8. Hab die erste Folge gesehen...
    Hab die erste Folge gesehen und bin eingeschlafen. Die ganzen Querverweise im Netz sind so aufgesetzt und langweilig, dass ich mich frage was das für Redakteure beim SWR sind, die unsere GEZ Gebühren für so einen (gelinde gesagt) Scheiss verschleudern.

  9. Ich wäre froh wenn es mal...
    Ich wäre froh wenn es mal unterhaltsame deutsche SciFi geben würde, leider trifft das mMn auf Alpha 0.7 soweit nicht zu. Ich finde die möchtegernkritische und pseudorealistische Machart eher albern. Ausserdem wurden die gleichen Fehler gemacht wie in vielen dt. Produktionen und das regt mich einfach auf. Das Meiste davon hat man ansonsten schon mal besser gesehen und „das deutsche“ daran nervt nur. Sehr Schade, ich hoffe immer wieder auf gute deutsche Produktionen und werde immer wieder enttäuscht.
    Mich würde interessieren ob diejenigen die diese Serie gut finden sonst auch nur deutsche Serien schauen, denn das würde einiges erklären. Deutsche Sender sollten lieber US-Serien kaufen die dort von der Absetzung bedroht sind aber bei uns gut laufen. Die Steuergelder für die Filmhochschulen kann man sich auch gleich sparen.

  10. Sollte es nicht...
    Sollte es nicht „Gedanken-Kontroll-Experiment“ heißen? Und hat sie schon den Freund, der sie heimlich an die Firma verraten hat, enttarnt und ist eine Liaison mit dem unbedarften Programmierer eingegangen?

Kommentare sind deaktiviert.