Das Fernsehblog

Aus für "Süddeutsche Zeitung TV", "NZZ Format" und "Spiegel TV Extra": Vox verschiebt seinen Reportage-Schwerpunkt

Bevor sich das Jahr gemächlich dem Ende neigt, wird es im Fernsehblog noch mal kompliziert. Schuld daran ist Vox, das den Frühjahrsputz schon im Januar erledigt: Im neuen Jahr räumt Geschäftsführer Frank Hoffmann kräftig im Programm auf und streicht einige etablierte Sendeplätze für Reportageformate. Das Magazin „NZZ Format“ ist bereits am vergangenen Sonntag zum letzten Mal gelaufen, auch „Süddeutsche Zeitung TV“ ist von den Änderungen betroffen. Sendersprecherin Corinna Teuner sagt:

„‚Süddeutsche Zeitung TV‘ wird es in der jetzigen Form am Sonntagabend nicht mehr geben. Süddeutsche TV wird aber weiter für Vox produzieren, vor allem Reportagen und Dokumentationen für den Samstagabend.“

Beide Magazine waren seit 1993 – dem Jahr des Vox-Sendestarts – im Programm. Möglich werden die Änderungen dadurch, dass Vox seine Sendelizenz ab 2011 alleine hält. Bisher war Alexander Kluges Firma dctp Lizenzpartner und konnte deshalb bestimmte Sendeplätze für sich in Anspruch nehmen, um dort eben Magazine wie „Süddeutsche Zeitung TV“ und „NZZ Format“ zu zeigen. Für Vox wiederum ist die Umgestaltung schon deshalb günstig, weil auf den bisher belegten Sendeplätzen massenattraktivere Programme gezeigt werden können – auch wenn am Sonntagabend nach dem Klatschmagazin „Prominent“ ab Januar erst mal nur Wiederholungen von „Medical Detectives“ laufen.

Am Dienstag verschiebt sich das Programm ebenfalls erkennbar: Das von dctp beigesteuerte „Spiegel TV Extra“, das bisher um kurz nach 23 Uhr lief, entfällt ganz. Dort zeigt Vox künftig die „stern tv Reportage“ (die nicht von dctp kommt), um deren bisherigen Sendeplatz um 22.15 Uhr mit Eigenformaten besetzen zu können. Den Anfang macht am 11. Januar „Unser erstes Restaurant“.

Kommen Sie noch mit? Prima.

Und bevor jetzt jemand was vom großen Reportageausverkauf brüllt: So dramatisch ist die Situation nicht. Denn „Die große Samstags-Dokumentation“ läuft im neuen Jahr weiter, wie gewohnt monothematisch vier Stunden am Stück, unter anderem produziert von dctp, wo man außerdem (oder besser: mal wieder) einen eigenen Sender plant. Die Samstage, an denen statt der Vier-Stunden-Reportagen Spielfilme laufen, werden mit (kürzeren) Reportagen komplettiert. „Es werden also nicht viel weniger Programmstunden als bisher sein, die wir ab dem neuen Jahr von der dctp zugeliefert bekommen“, sagt Corinna Teuner. „Die dctp-Programme konzentrieren sich ab 2011 nur mehr oder weniger aufs das Wochenende.“

Tatsächlich sind die Vox-Reportageabende am Samstag eine klare Bereicherung des Angebots im deutschen Privatfernsehen – vor allem wenn man in Betracht zieht, dass sich die übrigen Sender zu diesem Zeitpunkt mit Unterhaltung gegenseitig überbieten. Von den Themen der Magazine, die nun eingestellt werden, ließ sich das zuletzt immer seltener behaupten. „Süddeutsche Zeitung TV“ etwa begleitete im November einen Deutsche beim Partnereinkauf im Ausland, schilderte „Die Leiden der armen Reichen“ und porträtierte ein „Luxushotel im Eröffnungsstress“. „Spiegel TV Extra“ trumpfte neulich mit dem brisanten Thema „Frauen sprechen über Sex“ auf und widmete dem A380 eine dreiteilige (!) Reihe mit dem verheißungsvollen Titel „Take-off eines Megaliners“. Andere Reportagen sind noch im veralteten 4:3-Standard und haben vermutlich schon einige Wiederholungen hinter sich.

Zur Themenvielfalt im deutschen Fernsehen hat das alles, um’s freundlich zu formulieren, allenfalls in Maßen beigetragen. Wenn durch die Vierstunden-Reportagen am Samstag, mit denen Vox bereits Mut zur Relevanz bewiesen hat, frischer Wind in das Genre kommt, ist das gar nicht mal übel. Am 8. Januar geht’s los mit „Die Kennedys – Triumph und Tragödie einer amerikanischen Familie“.

Noch dazu kündigt Sendersprecherin Teuner an, Vox werde in Kooperation mit der dctp im kommenden Jahr ein „Fernsehexperiment“ wagen, das auf die Themenabende vom Samstag aufbaut. Mehr dazu soll im Februar bekannt gegeben werden.

Und trotz mittelmäßiger Quoten für das Experiment „Planet Blue“ im September hält Vox auch an der Idee eines Thementags fest. Teuner erklärt: „So etwas wird es auf jeden Fall wieder geben, wir wissen nur noch nicht genau, zu welchem Schwerpunkt.

Ist doch eigentlich alles ganz einfach, oder?

Screenshots: Vox

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