Das Fernsehblog

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Von wegen sterbendes Medium: 225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. In diesem Blog stehen die Gründe dafür. Und die dagegen.

Aus für "Süddeutsche Zeitung TV", "NZZ Format" und "Spiegel TV Extra": Vox verschiebt seinen Reportage-Schwerpunkt

| 25 Lesermeinungen

Weil Vox seine Sendelizenz ab 2011 alleine hält, fallen im Januar einige etablierte Sendeplätze für Reportagen weg, die dem bisherigen Lizenzpartner dctp gehörten. Der soll aber auch im neuen Jahr zahlreiche Pogrammstunden liefern, vor allem für "Die große Samstags-Dokumentation". Und Vox hat künftig mehr Platz für eigene Experimente.

Bevor sich das Jahr gemächlich dem Ende neigt, wird es im Fernsehblog noch mal kompliziert. Schuld daran ist Vox, das den Frühjahrsputz schon im Januar erledigt: Im neuen Jahr räumt Geschäftsführer Frank Hoffmann kräftig im Programm auf und streicht einige etablierte Sendeplätze für Reportageformate. Das Magazin „NZZ Format“ ist bereits am vergangenen Sonntag zum letzten Mal gelaufen, auch „Süddeutsche Zeitung TV“ ist von den Änderungen betroffen. Sendersprecherin Corinna Teuner sagt:

„‚Süddeutsche Zeitung TV‘ wird es in der jetzigen Form am Sonntagabend nicht mehr geben. Süddeutsche TV wird aber weiter für Vox produzieren, vor allem Reportagen und Dokumentationen für den Samstagabend.“

Bild zu: Aus für "Süddeutsche Zeitung TV", "NZZ Format" und "Spiegel TV Extra": Vox verschiebt seinen Reportage-SchwerpunktBeide Magazine waren seit 1993 – dem Jahr des Vox-Sendestarts – im Programm. Möglich werden die Änderungen dadurch, dass Vox seine Sendelizenz ab 2011 alleine hält. Bisher war Alexander Kluges Firma dctp Lizenzpartner und konnte deshalb bestimmte Sendeplätze für sich in Anspruch nehmen, um dort eben Magazine wie „Süddeutsche Zeitung TV“ und „NZZ Format“ zu zeigen. Für Vox wiederum ist die Umgestaltung schon deshalb günstig, weil auf den bisher belegten Sendeplätzen massenattraktivere Programme gezeigt werden können – auch wenn am Sonntagabend nach dem Klatschmagazin „Prominent“ ab Januar erst mal nur Wiederholungen von „Medical Detectives“ laufen.

Am Dienstag verschiebt sich das Programm ebenfalls erkennbar: Das von dctp beigesteuerte „Spiegel TV Extra“, das bisher um kurz nach 23 Uhr lief, entfällt ganz. Dort zeigt Vox künftig die „stern tv Reportage“ (die nicht von dctp kommt), um deren bisherigen Sendeplatz um 22.15 Uhr mit Eigenformaten besetzen zu können. Den Anfang macht am 11. Januar „Unser erstes Restaurant“.

Kommen Sie noch mit? Prima.

Und bevor jetzt jemand was vom großen Reportageausverkauf brüllt: So dramatisch ist die Situation nicht. Denn „Die große Samstags-Dokumentation“ läuft im neuen Jahr weiter, wie gewohnt monothematisch vier Stunden am Stück, unter anderem produziert von dctp, wo man außerdem (oder besser: mal wieder) einen eigenen Sender plant. Die Samstage, an denen statt der Vier-Stunden-Reportagen Spielfilme laufen, werden mit (kürzeren) Reportagen komplettiert. „Es werden also nicht viel weniger Programmstunden als bisher sein, die wir ab dem neuen Jahr von der dctp zugeliefert bekommen“, sagt Corinna Teuner. „Die dctp-Programme konzentrieren sich ab 2011 nur mehr oder weniger aufs das Wochenende.“

Bild zu: Aus für "Süddeutsche Zeitung TV", "NZZ Format" und "Spiegel TV Extra": Vox verschiebt seinen Reportage-Schwerpunkt

Tatsächlich sind die Vox-Reportageabende am Samstag eine klare Bereicherung des Angebots im deutschen Privatfernsehen – vor allem wenn man in Betracht zieht, dass sich die übrigen Sender zu diesem Zeitpunkt mit Unterhaltung gegenseitig überbieten. Von den Themen der Magazine, die nun eingestellt werden, ließ sich das zuletzt immer seltener behaupten. „Süddeutsche Zeitung TV“ etwa begleitete im November einen Deutsche beim Partnereinkauf im Ausland, schilderte „Die Leiden der armen Reichen“ und porträtierte ein „Luxushotel im Eröffnungsstress“. „Spiegel TV Extra“ trumpfte neulich mit dem brisanten Thema „Frauen sprechen über Sex“ auf und widmete dem A380 eine dreiteilige (!) Reihe mit dem verheißungsvollen Titel „Take-off eines Megaliners“. Andere Reportagen sind noch im veralteten 4:3-Standard und haben vermutlich schon einige Wiederholungen hinter sich.

Zur Themenvielfalt im deutschen Fernsehen hat das alles, um’s freundlich zu formulieren, allenfalls in Maßen beigetragen. Wenn durch die Vierstunden-Reportagen am Samstag, mit denen Vox bereits Mut zur Relevanz bewiesen hat, frischer Wind in das Genre kommt, ist das gar nicht mal übel. Am 8. Januar geht’s los mit „Die Kennedys – Triumph und Tragödie einer amerikanischen Familie“.

Noch dazu kündigt Sendersprecherin Teuner an, Vox werde in Kooperation mit der dctp im kommenden Jahr ein „Fernsehexperiment“ wagen, das auf die Themenabende vom Samstag aufbaut. Mehr dazu soll im Februar bekannt gegeben werden.

Und trotz mittelmäßiger Quoten für das Experiment „Planet Blue“ im September hält Vox auch an der Idee eines Thementags fest. Teuner erklärt: „So etwas wird es auf jeden Fall wieder geben, wir wissen nur noch nicht genau, zu welchem Schwerpunkt.

Ist doch eigentlich alles ganz einfach, oder?

Screenshots: Vox


25 Lesermeinungen

  1. björn l sagt:

    @onlime: vielleicht geht es...
    @onlime: vielleicht geht es bei: „Die Kennedys – Triumph und Tragödie einer amerikanischen Familie“ ja nicht nur um „Restaurants/Catering, Urlaub und Kreuzfahrten“. Kann man am Titel natürlich nicht festmachen.

  2. MB sagt:

    Sehr schade, dass im deutschen...
    Sehr schade, dass im deutschen TV immer mehr Sendeplätze guter Dokus für US-Serien etc. freigemacht werden. Es ist eine Schande, wie diese Menschen dieses Landes immer blöder werden. Klar, VOX ist ein Unternehmen und muss Gewinn machen. Unter diesem Aspekt ist die Entscheidung sogar nachvollziehbar. Es ist, wie gesagt, der Trend zur Verblödung in diesem Land, der die Sender zu solchen Entscheidungen zwingt. Das ist das eigentliche Problem.
    Gute Tag euch allen da draußen und liebe Grüße an Frau Katzenberger.

  3. onlime sagt:

    @björn l: Wenn ich in solche...
    @björn l: Wenn ich in solche Reportagen reinzappe, geht es da grundsätzlich immer um irgendwelche Köche, die für ein Großevent Futter auffahren müssen. Sei es auf einem Kreuzfahrtschiff oder in einerm Luxushotel.
    Ich neige inzwischen dazu, dies als Naturgesetz anzusehen. 😉

  4. pschader sagt:

    Liest hier eigentlich jemand...
    Liest hier eigentlich jemand mehr als den ersten Satz bevor er kommentiert?

  5. sylterin sagt:

    Es ist das alte Spiel,...
    Es ist das alte Spiel, Hauptsache massenkompatibel. Ich kann ja verstehen, das die Privaten Geld verdienen müssen, aber ab und zu sollte man sich doch auch etwas „mit Anspruch“ gönnen. Da hilft dann wohl in Zukunft nur,Festplattenrekorder an und schauen wann man Zeit hat. Das hat den zusätzlichen Vorteil, das man vorspulen kann, wenn Werbung kommt.

  6. pschader sagt:

    Ah, also nicht....
    Ah, also nicht.

  7. Alibi sagt:

    @ Peer: Wieso? Ist das...
    @ Peer: Wieso? Ist das Bedingung? 😉

  8. Jan sagt:

    😀 sehr schön, die letzten 8...
    😀 sehr schön, die letzten 8 Kommentare zu lesen…
    Zum Thema Dokumentationen habe ich nichts zu sagen, aber zum „veralteten“ 4:3-Format – ich finde das für’s „Heimfernsehen“ viel sinnvoller als 16:9. Und das mit meinen kaum veralteten 22 Jahren…

  9. weiter so sagt:

    Ich finde, dass VOX alles...
    Ich finde, dass VOX alles richtig macht. Langweilige Wiederholungsformate streichen und die Samstagsdoku ausbauen. So viel Doku am Stück läuft nicht mal bei den Öffis (soweit ich das überblickt habe). Und Samstags, wenn Gottschalk, Bohlen und Co. sich an schlechter Unterhaltung wieder zu übertrumpfen versuchen, ist VOX eine gute Alternative.
    Herr Schader: Doch.

  10. Mausi sagt:

    Bald haben wir Berlusconi-TV...
    Bald haben wir Berlusconi-TV bei uns, wenn das so weitergeht.

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