Das Fernsehblog

Die 10 größten Fernsehirrtümer 2010

Irrtum 1: Sat.1 kommt zur Vernunft
Das mit Johannes B. Kerner war nix, Oliver Pocher macht’s womöglich auch nicht mehr lange – es gab für den neuen Sat.1-Chef Andreas Bartl in diesem Jahr also gewichtige Gründe, von teuren Stareinkäufen erstmal die Finger zu lassen. Und was hat Bartl getan? Mit Harald Schmidt dessen Rückkehr vereinbart. Prima. Wenn er Kerner, Pocher und Schmidt bald hintereinander wegsenden lässt, kann Sat.1 an diesem Tag die Quotenmessung aussetzen.

Irrtum 2: Jörg Pilawa ist jetzt beim ZDF
Stimmt zwar, fällt aber nicht weiter auf, weil die ARD einfach so tut als habe sich nix geändert. In den Dritten laufen permanent Wiederholungen alter Pilawa-Shows. Über die Feiertage zeigten HR und WDR zig Folgen des „Quiz mit Jörg Pilawa“, der NDR wiederholte das „Star Quiz mit Jörg Pilawa“-Weihnachtsspecial und „Pilawas großes Märchenquiz“, im Januar folgt noch „Kennen Sie Deutschland?“ („Das ultimative Jubiläumsquiz zu 60 Jahre Deutschland mit Jörg Pilawa“). Gut, das hat Tradition im deutschen Fernsehen: Obwohl sich kein Mensch mehr an die Zeit erinnert als Hape Kerkeling bei Sat.1 unter Vertrag war, wird in der Sparte ja auch Jahr für Jahr „Darüber lacht die Welt“ wiederholt (nächster Termin: heute um 20.15 Uhr). Und bevor Michael Mittermeier 2011 zu RTL wechselt, sendet Pro Sieben vor Silvester noch mal alles weg, was noch so von ihm rumliegt.

Irrtum 3: Als Geschäftsführer führt man die Geschäfte
Blödsinn. Als Geschäftsführer von RTL 2 ist man damit beschäftigt, per Pressemitteilung die Qualität des eigenen Programms in Zweifel zu ziehen, seine Unterhaltungschefin deswegen zu entlassen, eine Pädophilenjagd-Sendung mit Ministergattinnenunterstützung als Qualitätsoffensive zu verkaufen und sich in Interviews selbst zu widersprechen. Muss man aber auch als Leistung anerkennen. Sowas hätte sich Josef Andorfer damals nicht leisten können.

Irrtum 4: RTL wird Marktführer mit knapp 50 % Marktanteil
Dann hat Anke Schäferkordt aber leider doch versäumt, das komplette Primetime-Programm mit Scripted Reality zu ersetzen.

Irrtum 5: Mit dem neuen Chefredakteur wird beim ZDF alles besser
Aber nicht für die Korrespondenten! Weil Peter Frey bei „heute“ wieder einen ordentlichen Vorspann sehen wollte, müssen die jetzt für das Bild aus der Regie schon vor Beginn der Sendung draußen frieren. (Nur Udo van Kampen, der schlaue Fuchs, hat sich ein warmes Plätzchen gesucht.)


Screenshots: ZDF [M: Das Fernsehblog]

Und sein Versprechen, die Erklärräume in „heute“ nur dann einzusetzen, wenn sie auch was bringen, hat Frey auch nicht gehalten. Fragen Sie doch mal Petra Gerster, die Anfang Dezember einen „heute“-Beitrag zu den neuen Pisa-Ergebnissen anmoderieren musste:


Screenshots: ZDF

Irrtum 6: Wenn Deutschland den Eurovision Song Contest gewinnt, ist das ein Riesenspaß für alle
Äh, nein. Erstens weil man sich tagelang vor Lena-Sondersendungen kaum noch retten konnte. Zweitens weil Stefan Raab und der NDR über die Köpfe des Publikums, das vor einem Jahr noch so wichtig für sie war, hinweg entschieden haben, dass Lena 2011 einfach nochmal antritt. Drittens: Düsseldorf. Zugegeben, gelohnt hat sich die Aufregung am Ende doch – alleine schon wegen des Ausschnitts in der „Tagesschau“, in dem NDR-Intendant Lutz Marmor und Pro-Sieben-Sat.1-Chef Andreas Bartl klatschend nebeneinander im Flieger aus Oslo saßen.


Screenshot: Das Erste

Irrtum 7: Sigmar Gabriel wird Pate von Daniela Katzenberger
Hatte die aber gar nicht nötig. Der Katzenberger reichten einige wenige Specials von „Goodbye Deutschland“, Auftritte bei Markus Lanz und „The Dome“, eine eigene Single, eine eigene Vox-Dokusoap, eine tolle „switch reloaded“-Kopie (Parodie träfe es nicht ganz) und sechs- bis achttausend Zeitungstexte, um bekannt zu werden.

Irrtum 8: Die Sender der 3. Generation werden den Großen gefährlich
Jedenfalls nicht, sobald sie anfangen, eigenes Programm zu machen. Im Herbst ging Tele 5 mit dem unfassbar biederen Late-Night-Talk „Die Nacht mit Anna Bosch“ baden, nach vier Wochen beendete der Sender den Spuk wortkarg und konzentriert sich wieder auf Fiction aus dem Archiv. Der neue Pro-Sieben-Sat.1- Frauensender Sixx glänzte seit dem Sendestart eigenproduktionstechnisch bloß durch die konsequente Übertreibung von Product Placement und abgefilmten Privattreffen der Münchner TV-Schickeria. Das-Vierte-Eigentümer Dmitri Lesnewski verkaufte seinen Sender im Frühjahr erst an eine Londoner Mediengruppe, dann aber wieder doch nicht. Zwischendurch fiel – weitgehend unbemerkt – die selbstproduzierte Sitcom „Ein Haus voller Töchter“ aus der Zeitmaschine ins Programm. Und wie geht’s weiter? Fragen wir doch mal den „Oraklomat“, den das Vierte momentan auf seiner Website anbietet. Der ist nämlich wirklich gut:


Screenshots: dasvierte.de

Irrtum 9: Bei MTV arbeiten noch Leute
Völliger Blödsinn.

Irrtum 10: Daniel Hartwich ist eine Moderatoren-Nachwuchshoffnung
Falsch. Daniel Hartwich ist der Typ, den RTL braucht, damit es an der Seite von Nazan Eckes und Marco Schreyl nicht so leer ist.

Screenshot „Die 10“: RTL [M: Das Fernsehblog]

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